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Droste-Hülshoff, Annette von: Letzte Gaben. Nachgelassene Blätter. Hrsg. v. Levin Schücking. Hannover, 1860.

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An meine Mutter.

So gern hätt' ich ein schönes Lied gemacht,
Von deiner Liebe, deiner treuen Weise,
Die Gabe, die für Andre immer wacht,
Hätt' ich so gern geweckt zu deinem Preise.
Doch wie ich auch gesonnen mehr und mehr,
Und wie ich auch die Reime mochte stellen,
Des Herzens Fluthen wallten drüber her,
Zerstörten mir des Liedes zarte Wellen.
So nimm die einfach schlichte Gabe hin,
Von einfach ungeschmücktem Wort getragen,
Und meine ganze Seele nimm darin;
Wo man am meisten fühlt, weiß man nicht viel zu sagen.


8*
An meine Mutter.

So gern hätt’ ich ein ſchönes Lied gemacht,
Von deiner Liebe, deiner treuen Weiſe,
Die Gabe, die für Andre immer wacht,
Hätt’ ich ſo gern geweckt zu deinem Preiſe.
Doch wie ich auch geſonnen mehr und mehr,
Und wie ich auch die Reime mochte ſtellen,
Des Herzens Fluthen wallten drüber her,
Zerſtörten mir des Liedes zarte Wellen.
So nimm die einfach ſchlichte Gabe hin,
Von einfach ungeſchmücktem Wort getragen,
Und meine ganze Seele nimm darin;
Wo man am meiſten fühlt, weiß man nicht viel zu ſagen.


8*
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[115/0131] An meine Mutter. So gern hätt’ ich ein ſchönes Lied gemacht, Von deiner Liebe, deiner treuen Weiſe, Die Gabe, die für Andre immer wacht, Hätt’ ich ſo gern geweckt zu deinem Preiſe. Doch wie ich auch geſonnen mehr und mehr, Und wie ich auch die Reime mochte ſtellen, Des Herzens Fluthen wallten drüber her, Zerſtörten mir des Liedes zarte Wellen. So nimm die einfach ſchlichte Gabe hin, Von einfach ungeſchmücktem Wort getragen, Und meine ganze Seele nimm darin; Wo man am meiſten fühlt, weiß man nicht viel zu ſagen. 8*

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Zitationshilfe: Droste-Hülshoff, Annette von: Letzte Gaben. Nachgelassene Blätter. Hrsg. v. Levin Schücking. Hannover, 1860, S. 115. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/droste_letzte_1860/131>, abgerufen am 07.05.2021.