Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Ebeling, Johann Justus: Andächtige Betrachtungen aus dem Buche der Natur und Schrift. Bd. 3. Hildesheim, 1747.

Bild:
<< vorherige Seite
Gedanken bei einem Wetterglase.
Gedanken bei einem Wetter-
glase.
[Abbildung]
Der Mensch ist offtermahls dem Wetter-
glase gleich,

Darinnen der Mercur bald aufwerts
steigt, bald sinket,

Nachdem die Witterung ihn in der Lüf-
te Reich,

Zum Steigen und zum Fall durch ihre Aendrung
winket.

Das menschliche Gemüth, pflegt bei dem Glükkes-
Schein

Sich in geblähten Stolz gewaltig zu erheben.
Und als das Glükke wächst, wie trifts nicht oftmahls
ein?

Nach einer Höh vom Dunst, mit aller Macht zu
streben;

Allein wie ändert sich die arme Kreatur,
Wenn eine rauhe Zeit von Trübsal angekommen
Da fället gleich der Muth wird ähnlich dem Mer-
cur

Der in des Glases Röhr den niedren Stand ge-
nommen.

Ein
Dritter Theil. S
Gedanken bei einem Wetterglaſe.
Gedanken bei einem Wetter-
glaſe.
[Abbildung]
Der Menſch iſt offtermahls dem Wetter-
glaſe gleich,

Darinnen der Mercur bald aufwerts
ſteigt, bald ſinket,

Nachdem die Witterung ihn in der Luͤf-
te Reich,

Zum Steigen und zum Fall durch ihre Aendrung
winket.

Das menſchliche Gemuͤth, pflegt bei dem Gluͤkkes-
Schein

Sich in geblaͤhten Stolz gewaltig zu erheben.
Und als das Gluͤkke waͤchſt, wie trifts nicht oftmahls
ein?

Nach einer Hoͤh vom Dunſt, mit aller Macht zu
ſtreben;

Allein wie aͤndert ſich die arme Kreatur,
Wenn eine rauhe Zeit von Truͤbſal angekommen
Da faͤllet gleich der Muth wird aͤhnlich dem Mer-
cur

Der in des Glaſes Roͤhr den niedren Stand ge-
nommen.

Ein
Dritter Theil. S
<TEI>
  <text>
    <body>
      <pb facs="#f0285" n="273"/>
      <fw place="top" type="header">Gedanken bei einem Wettergla&#x017F;e.</fw><lb/>
      <div n="1">
        <head> <hi rendition="#b">Gedanken bei einem Wetter-<lb/>
gla&#x017F;e.</hi> </head><lb/>
        <lg type="poem">
          <figure/>
          <l><hi rendition="#in">D</hi>er Men&#x017F;ch i&#x017F;t offtermahls dem Wetter-<lb/><hi rendition="#et">gla&#x017F;e gleich,</hi></l><lb/>
          <l>Darinnen der Mercur bald aufwerts<lb/><hi rendition="#et">&#x017F;teigt, bald &#x017F;inket,</hi></l><lb/>
          <l>Nachdem die Witterung ihn in der Lu&#x0364;f-<lb/><hi rendition="#et">te Reich,</hi></l><lb/>
          <l>Zum Steigen und zum Fall durch ihre Aendrung<lb/><hi rendition="#et">winket.</hi></l><lb/>
          <l>Das men&#x017F;chliche Gemu&#x0364;th, pflegt bei dem Glu&#x0364;kkes-<lb/><hi rendition="#et">Schein</hi></l><lb/>
          <l>Sich in gebla&#x0364;hten Stolz gewaltig zu erheben.</l><lb/>
          <l>Und als das Glu&#x0364;kke wa&#x0364;ch&#x017F;t, wie trifts nicht oftmahls<lb/><hi rendition="#et">ein?</hi></l><lb/>
          <l>Nach einer Ho&#x0364;h vom Dun&#x017F;t, mit aller Macht zu<lb/><hi rendition="#et">&#x017F;treben;</hi></l><lb/>
          <l>Allein wie a&#x0364;ndert &#x017F;ich die arme Kreatur,</l><lb/>
          <l>Wenn eine rauhe Zeit von Tru&#x0364;b&#x017F;al angekommen</l><lb/>
          <l>Da fa&#x0364;llet gleich der Muth wird a&#x0364;hnlich dem Mer-<lb/><hi rendition="#et">cur</hi></l><lb/>
          <l>Der in des Gla&#x017F;es Ro&#x0364;hr den niedren Stand ge-<lb/><hi rendition="#et">nommen.</hi></l><lb/>
          <fw place="bottom" type="sig"><hi rendition="#fr">Dritter Theil.</hi> S</fw>
          <fw place="bottom" type="catch">Ein</fw><lb/>
        </lg>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[273/0285] Gedanken bei einem Wetterglaſe. Gedanken bei einem Wetter- glaſe. [Abbildung] Der Menſch iſt offtermahls dem Wetter- glaſe gleich, Darinnen der Mercur bald aufwerts ſteigt, bald ſinket, Nachdem die Witterung ihn in der Luͤf- te Reich, Zum Steigen und zum Fall durch ihre Aendrung winket. Das menſchliche Gemuͤth, pflegt bei dem Gluͤkkes- Schein Sich in geblaͤhten Stolz gewaltig zu erheben. Und als das Gluͤkke waͤchſt, wie trifts nicht oftmahls ein? Nach einer Hoͤh vom Dunſt, mit aller Macht zu ſtreben; Allein wie aͤndert ſich die arme Kreatur, Wenn eine rauhe Zeit von Truͤbſal angekommen Da faͤllet gleich der Muth wird aͤhnlich dem Mer- cur Der in des Glaſes Roͤhr den niedren Stand ge- nommen. Ein Dritter Theil. S

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/ebeling_betrachtungen03_1747
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/ebeling_betrachtungen03_1747/285
Zitationshilfe: Ebeling, Johann Justus: Andächtige Betrachtungen aus dem Buche der Natur und Schrift. Bd. 3. Hildesheim, 1747, S. 273. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/ebeling_betrachtungen03_1747/285>, abgerufen am 15.04.2021.