Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Fischer, Christian August: Ueber Collegien und Collegienhefte. Bonn, 1826.

Bild:
<< vorherige Seite

angewendet wird. Die Hauptsache ist, daß ein tüchtiger Docent, gehörig zu beurtheilen weiß, wo er davon Gebrauch machen kann. Für den Zuhörer ist diese analytische Entwicklung besonders deshalb sehr wünschenswerth, weil er die Idee von ihrem ersten Ursprunge an verfolgen, mit dem Docenten Schritt für Schritt, geistig fortschreiten, die einzelnen Elemente unter sich ordnen, und, sich zuletzt das Ganze, eben so leicht, als richtig daraus construiren kann. Aus dem Gesagten ergiebt sich nun von selbst, daß der junge Mann streng auf den Anfangs- und Endpunkt merken, und die dazwischen liegenden logischen Glieder, schulgerecht zu verbinden wissen muß.

Beyspiel.

Wir beschäftigen uns vor Allem mit dem Wesen der Statistik. Staaten an sich betrachtet, sind eigentlich nichts als Massen von Kräften, man mag nun auf den Boden, oder auf die Produkte, auf die Industrie oder auf den Handel, auf die Bevölkerung, oder auf das Nationalvermögen sehen. Das Ganze erscheint immer als ein Aggregat von Potenzen, die sich in beständiger Wirkung und Gegenwirkung befinden, wobei natürlich Lage und Clima, Gränzen und Größe, Fruchtbarkeit und Menschenzahl, Verfassung und Verwaltung, Gesetze und Cultus, Sitten und Gebräuche, Geisteskultur und Nationalität, am meisten aber Verfassung und Verwaltung, Gesetze und Cultus, ebensoviel Bedingungen der verschiedenen Modificationen sind. Um letzteres deutlich zu machen geben wir ein doppeltes Beyspiel. Die Türkey mit ihrer herrlichen südöstlichen Lage, mit ihrem milden Clima, ih-

angewendet wird. Die Hauptsache ist, daß ein tüchtiger Docent, gehörig zu beurtheilen weiß, wo er davon Gebrauch machen kann. Für den Zuhörer ist diese analytische Entwicklung besonders deshalb sehr wünschenswerth, weil er die Idee von ihrem ersten Ursprunge an verfolgen, mit dem Docenten Schritt für Schritt, geistig fortschreiten, die einzelnen Elemente unter sich ordnen, und, sich zuletzt das Ganze, eben so leicht, als richtig daraus construiren kann. Aus dem Gesagten ergiebt sich nun von selbst, daß der junge Mann streng auf den Anfangs- und Endpunkt merken, und die dazwischen liegenden logischen Glieder, schulgerecht zu verbinden wissen muß.

Beyspiel.

Wir beschäftigen uns vor Allem mit dem Wesen der Statistik. Staaten an sich betrachtet, sind eigentlich nichts als Massen von Kräften, man mag nun auf den Boden, oder auf die Produkte, auf die Industrie oder auf den Handel, auf die Bevölkerung, oder auf das Nationalvermögen sehen. Das Ganze erscheint immer als ein Aggregat von Potenzen, die sich in beständiger Wirkung und Gegenwirkung befinden, wobei natürlich Lage und Clima, Gränzen und Größe, Fruchtbarkeit und Menschenzahl, Verfassung und Verwaltung, Gesetze und Cultus, Sitten und Gebräuche, Geisteskultur und Nationalität, am meisten aber Verfassung und Verwaltung, Gesetze und Cultus, ebensoviel Bedingungen der verschiedenen Modificationen sind. Um letzteres deutlich zu machen geben wir ein doppeltes Beyspiel. Die Türkey mit ihrer herrlichen südöstlichen Lage, mit ihrem milden Clima, ih-

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div>
        <div>
          <div>
            <div>
              <p><pb facs="#f0039" n="35"/>
angewendet wird. Die Hauptsache ist, daß ein tüchtiger Docent, gehörig zu beurtheilen weiß, wo er davon Gebrauch machen kann. Für den Zuhörer ist diese analytische Entwicklung besonders deshalb sehr wünschenswerth, weil er die Idee von ihrem ersten Ursprunge an verfolgen, mit dem Docenten Schritt für Schritt, geistig fortschreiten, die einzelnen Elemente unter sich ordnen, und, sich zuletzt das Ganze, eben so leicht, als richtig daraus construiren kann. Aus dem Gesagten ergiebt sich nun von selbst, daß der junge Mann streng auf den Anfangs- und Endpunkt merken, und die dazwischen liegenden logischen Glieder, schulgerecht zu verbinden wissen muß.</p><lb/>
              <div>
                <head><hi rendition="#g">Beyspiel</hi>.</head><lb/>
                <p>Wir beschäftigen uns vor Allem mit dem Wesen der <hi rendition="#g">Statistik</hi>. Staaten an sich betrachtet, sind eigentlich nichts als Massen von Kräften, man mag nun auf den Boden, oder auf die Produkte, auf die Industrie oder auf den Handel, auf die Bevölkerung, oder auf das Nationalvermögen sehen. Das Ganze erscheint immer als ein Aggregat von Potenzen, die sich in beständiger Wirkung und Gegenwirkung befinden, wobei natürlich Lage und Clima, Gränzen und Größe, Fruchtbarkeit und Menschenzahl, Verfassung und Verwaltung, Gesetze und Cultus, Sitten und Gebräuche, Geisteskultur und Nationalität, am meisten aber Verfassung und Verwaltung, Gesetze und Cultus, ebensoviel Bedingungen der verschiedenen Modificationen sind. Um letzteres deutlich zu machen geben wir ein doppeltes Beyspiel. Die <hi rendition="#g">Türkey</hi> mit ihrer herrlichen südöstlichen Lage, mit ihrem milden Clima, ih-<lb/></p>
              </div>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[35/0039] angewendet wird. Die Hauptsache ist, daß ein tüchtiger Docent, gehörig zu beurtheilen weiß, wo er davon Gebrauch machen kann. Für den Zuhörer ist diese analytische Entwicklung besonders deshalb sehr wünschenswerth, weil er die Idee von ihrem ersten Ursprunge an verfolgen, mit dem Docenten Schritt für Schritt, geistig fortschreiten, die einzelnen Elemente unter sich ordnen, und, sich zuletzt das Ganze, eben so leicht, als richtig daraus construiren kann. Aus dem Gesagten ergiebt sich nun von selbst, daß der junge Mann streng auf den Anfangs- und Endpunkt merken, und die dazwischen liegenden logischen Glieder, schulgerecht zu verbinden wissen muß. Beyspiel. Wir beschäftigen uns vor Allem mit dem Wesen der Statistik. Staaten an sich betrachtet, sind eigentlich nichts als Massen von Kräften, man mag nun auf den Boden, oder auf die Produkte, auf die Industrie oder auf den Handel, auf die Bevölkerung, oder auf das Nationalvermögen sehen. Das Ganze erscheint immer als ein Aggregat von Potenzen, die sich in beständiger Wirkung und Gegenwirkung befinden, wobei natürlich Lage und Clima, Gränzen und Größe, Fruchtbarkeit und Menschenzahl, Verfassung und Verwaltung, Gesetze und Cultus, Sitten und Gebräuche, Geisteskultur und Nationalität, am meisten aber Verfassung und Verwaltung, Gesetze und Cultus, ebensoviel Bedingungen der verschiedenen Modificationen sind. Um letzteres deutlich zu machen geben wir ein doppeltes Beyspiel. Die Türkey mit ihrer herrlichen südöstlichen Lage, mit ihrem milden Clima, ih-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Jörn Bohr: Bereitstellung der Texttranskription. (2017-11-21T19:45:39Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Christian Thomas: Bearbeitung der digitalen Edition. (2017-11-21T19:45:39Z)

Weitere Informationen:

Verfahren der Texterfassung: OCR mit Nachkorrektur.

Bogensignaturen: nicht übernommen; Druckfehler: dokumentiert; fremdsprachliches Material: keine Angabe; Geminations-/Abkürzungsstriche: keine Angabe; Hervorhebungen (Antiqua, Sperrschrift, Kursive etc.): gekennzeichnet; i/j in Fraktur: keine Angabe; I/J in Fraktur: Lautwert transkribiert; Kolumnentitel: keine Angabe; Kustoden: keine Angabe; langes s (ſ): als s transkribiert; Normalisierungen: dokumentiert; rundes r (ꝛ): wie Vorlage; Seitenumbrüche markiert: ja; Silbentrennung: aufgelöst; u/v bzw. U/V: keine Angabe; Vokale mit übergest. e: als ä/ö/ü transkribiert; Vollständigkeit: vollständig erfasst; Zeichensetzung: wie Vorlage; Zeilenumbrüche markiert: nein;

Nach dem Digitalisat (urn:nbn:de:bvb:12-bsb10447485-2; Signatur H. lit. u. 102m) der Bayerischen Staatsbibliothek München und dem vom Münchener Digitalisierungszentrum am 14.6.2017 bereitgestellten [OCR-]Volltext transkribiert [bzw. korrigiert] von Jörn Bohr. Stand: 15.11.2017. Die Beispiele sind im Original in einer kleineren Type als der Haupttext gedruckt. Auf eine Wiedergabe dieses typographischen Wechsels wurde bei der Transkription verzichtet. Sperrdruck im Original und Antiquasatz (für Fremdworte) wurde gleichermaßen als Sperrdruck ausgezeichnet.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/fischer_collegienhefte_1826
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/fischer_collegienhefte_1826/39
Zitationshilfe: Fischer, Christian August: Ueber Collegien und Collegienhefte. Bonn, 1826, S. 35. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/fischer_collegienhefte_1826/39>, abgerufen am 18.05.2022.