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Fleming, Paul: Teütsche Poemata. Lübeck, [1642].

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Poetischer Wälder


Auff eines von Grünentahl
Leichbestattung.
DJE Zeit in der der Mensch sein Leben pflegt zu
führen/
Jst wie ein grüner Tahl/ den frische Blätter zieren
Da Blumen aller art im kühlen Grunde stehn
und ümm den lautren Quell und stillen Bach aufgehn/
Jn ungezählter Zahl. Jtzt/ wenn die Schooß der Erden
von einer Mannbahrn Lufft geschwängert pflegt zu werden
Gebiehrt manch schönes Kind/ wenn das verlebte Jahr
Ein Jüngling wider wird; da schlägt das junge Haar
den Lindenbäumen aus/ der angenähme Reiff/
Macht bey gesunder Nacht die schwachen Gräser steiff/
Die Sonne wirckt die Frucht/ stets wird was neues funden
das Jahr ist niemahls leer/ es tauschet alle Stunden/
Eins kan nicht allzeit seyn/ wie denn auch alles nicht
Wenn sich der Hyacinth mit seiner Zier entbricht/
Da sind die Tulpen der. Wenn diese sind vergangen/
da stehen Pocoinen und Rosen in den prangen.
Jtzt schosset diß herfür: Jtzt fället jenes ab.
Was eines wieder wahr/ das ist deß andern Grab.
Bald kömmt der fröde Herbst mit seinen krancken Lüfften
Mit dem er alle Zier weiß tödtlich zu vergifften.
Die Schwind- und Gelbesucht greifft Bäum und Bletter an.
der Safft vertrucknet aus/ der matten Erden Mann.
Der müde Himmel/ greist. Die Mutter die veraltet/
wird runtzlicht an der Haut/ die Fruchtbahrkeit erkaltet/
der halb erfrohrne Nordt/ weht durch das schwache Thal
Macht das Gefelde bloß/ die krancken Bäume kahl.
Reist
Poetiſcher Waͤlder


Auff eines von Gruͤnentahl
Leichbeſtattung.
DJE Zeit in der der Menſch ſein Leben pflegt zu
fuͤhren/
Jſt wie ein gruͤner Tahl/ den friſche Blaͤtter zieren
Da Blumen aller art im kuͤhlen Grunde ſtehn
und uͤmm den lautren Quell und ſtillen Bach aufgehn/
Jn ungezaͤhlter Zahl. Jtzt/ wenn die Schooß der Erden
von einer Mannbahrn Lufft geſchwaͤngert pflegt zu werden
Gebiehrt manch ſchoͤnes Kind/ wenn das verlebte Jahr
Ein Juͤngling wider wird; da ſchlaͤgt das junge Haar
den Lindenbaͤumen aus/ der angenaͤhme Reiff/
Macht bey geſunder Nacht die ſchwachen Graͤſer ſteiff/
Die Sonne wirckt die Frucht/ ſtets wird was neues funden
das Jahr iſt niemahls leer/ es tauſchet alle Stunden/
Eins kan nicht allzeit ſeyn/ wie denn auch alles nicht
Wenn ſich der Hyacinth mit ſeiner Zier entbricht/
Da ſind die Tulpen der. Wenn dieſe ſind vergangen/
da ſtehen Pocoinen und Roſen in den prangen.
Jtzt ſchoſſet diß herfuͤr: Jtzt faͤllet jenes ab.
Was eines wieder wahr/ das iſt deß andern Grab.
Bald koͤmmt der froͤde Herbſt mit ſeinen krancken Luͤfften
Mit dem er alle Zier weiß toͤdtlich zu vergifften.
Die Schwind- und Gelbeſucht greifft Baͤum und Bletter an.
der Safft vertrucknet aus/ der matten Erden Mann.
Der muͤde Himmel/ greiſt. Die Mutter die veraltet/
wird runtzlicht an der Haut/ die Fruchtbahrkeit erkaltet/
der halb erfrohrne Nordt/ weht durch das ſchwache Thal
Macht das Gefelde bloß/ die krancken Baͤume kahl.
Reiſt
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[124/0144] Poetiſcher Waͤlder Auff eines von Gruͤnentahl Leichbeſtattung. DJE Zeit in der der Menſch ſein Leben pflegt zu fuͤhren/ Jſt wie ein gruͤner Tahl/ den friſche Blaͤtter zieren Da Blumen aller art im kuͤhlen Grunde ſtehn und uͤmm den lautren Quell und ſtillen Bach aufgehn/ Jn ungezaͤhlter Zahl. Jtzt/ wenn die Schooß der Erden von einer Mannbahrn Lufft geſchwaͤngert pflegt zu werden Gebiehrt manch ſchoͤnes Kind/ wenn das verlebte Jahr Ein Juͤngling wider wird; da ſchlaͤgt das junge Haar den Lindenbaͤumen aus/ der angenaͤhme Reiff/ Macht bey geſunder Nacht die ſchwachen Graͤſer ſteiff/ Die Sonne wirckt die Frucht/ ſtets wird was neues funden das Jahr iſt niemahls leer/ es tauſchet alle Stunden/ Eins kan nicht allzeit ſeyn/ wie denn auch alles nicht Wenn ſich der Hyacinth mit ſeiner Zier entbricht/ Da ſind die Tulpen der. Wenn dieſe ſind vergangen/ da ſtehen Pocoinen und Roſen in den prangen. Jtzt ſchoſſet diß herfuͤr: Jtzt faͤllet jenes ab. Was eines wieder wahr/ das iſt deß andern Grab. Bald koͤmmt der froͤde Herbſt mit ſeinen krancken Luͤfften Mit dem er alle Zier weiß toͤdtlich zu vergifften. Die Schwind- und Gelbeſucht greifft Baͤum und Bletter an. der Safft vertrucknet aus/ der matten Erden Mann. Der muͤde Himmel/ greiſt. Die Mutter die veraltet/ wird runtzlicht an der Haut/ die Fruchtbahrkeit erkaltet/ der halb erfrohrne Nordt/ weht durch das ſchwache Thal Macht das Gefelde bloß/ die krancken Baͤume kahl. Reiſt

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Zitationshilfe: Fleming, Paul: Teütsche Poemata. Lübeck, [1642], S. 124. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/fleming_poemata_1642/144>, abgerufen am 25.06.2022.