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Goethe, Johann Wolfgang von: Zur Farbenlehre. Bd. 2. Tübingen, 1810.

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Neigung und Zutrauen förderten. Der Herzog von
Weimar, dem ich von jeher alle Bedingungen eines
thätigen und frohen Lebens schuldig geworden, ver-
gönnte mir auch dießmal den Raum, die Muße, die
Bequemlichkeit zu diesem neuen Vorhaben. Der Herzog
Ernst von Gotha eröffnete mir sein physikalisches Ca-
binet, wodurch ich die Versuche zu vermannigfaltigen
und ins Größere zu führen in Stand gesetzt wurde.
Der Prinz August von Gotha verehrte mir aus Eng-
land verschriebene köstliche, sowohl einfache als zusam-
mengesetzte, achromatische Prismen. Der Fürst Pri-
mas, damals in Erfurt, schenkte meinen ersten und
allen folgenden Versuchen eine ununterbrochene Auf-
merksamkeit, ja er begnadigte einen umständlichen Auf-
satz mit durchgehenden Randbemerkungen von eigner
Hand, den ich noch als eine höchst schätzbare Erin-
nerung unter meinen Papieren verwahre.

Unter den Gelehrten, die mir von ihrer Seite
Beystand leisteten, zähle ich Anatomen, Chemiker, Lite-
ratoren, Philosophen, wie Loder, Sömmering, Gött-
ling, Wolf, Forster, Schelling; hingegen keinen
Physiker.

Mit Lichtenberg correspondirte ich eine Zeit lang
und sendete ihm ein paar auf Gestellen bewegliche Schir-
me, woran die sämmtlichen subjectiven Erscheinungen
auf eine bequeme Weise dargestellt werden konnten, in-
gleichen einige Aufsätze, freylich noch roh und unge-
schlacht genug. Eine Zeit lang antwortete er mir;

Neigung und Zutrauen foͤrderten. Der Herzog von
Weimar, dem ich von jeher alle Bedingungen eines
thaͤtigen und frohen Lebens ſchuldig geworden, ver-
goͤnnte mir auch dießmal den Raum, die Muße, die
Bequemlichkeit zu dieſem neuen Vorhaben. Der Herzog
Ernſt von Gotha eroͤffnete mir ſein phyſikaliſches Ca-
binet, wodurch ich die Verſuche zu vermannigfaltigen
und ins Groͤßere zu fuͤhren in Stand geſetzt wurde.
Der Prinz Auguſt von Gotha verehrte mir aus Eng-
land verſchriebene koͤſtliche, ſowohl einfache als zuſam-
mengeſetzte, achromatiſche Prismen. Der Fuͤrſt Pri-
mas, damals in Erfurt, ſchenkte meinen erſten und
allen folgenden Verſuchen eine ununterbrochene Auf-
merkſamkeit, ja er begnadigte einen umſtaͤndlichen Auf-
ſatz mit durchgehenden Randbemerkungen von eigner
Hand, den ich noch als eine hoͤchſt ſchaͤtzbare Erin-
nerung unter meinen Papieren verwahre.

Unter den Gelehrten, die mir von ihrer Seite
Beyſtand leiſteten, zaͤhle ich Anatomen, Chemiker, Lite-
ratoren, Philoſophen, wie Loder, Soͤmmering, Goͤtt-
ling, Wolf, Forſter, Schelling; hingegen keinen
Phyſiker.

Mit Lichtenberg correſpondirte ich eine Zeit lang
und ſendete ihm ein paar auf Geſtellen bewegliche Schir-
me, woran die ſaͤmmtlichen ſubjectiven Erſcheinungen
auf eine bequeme Weiſe dargeſtellt werden konnten, in-
gleichen einige Aufſaͤtze, freylich noch roh und unge-
ſchlacht genug. Eine Zeit lang antwortete er mir;

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[683/0717] Neigung und Zutrauen foͤrderten. Der Herzog von Weimar, dem ich von jeher alle Bedingungen eines thaͤtigen und frohen Lebens ſchuldig geworden, ver- goͤnnte mir auch dießmal den Raum, die Muße, die Bequemlichkeit zu dieſem neuen Vorhaben. Der Herzog Ernſt von Gotha eroͤffnete mir ſein phyſikaliſches Ca- binet, wodurch ich die Verſuche zu vermannigfaltigen und ins Groͤßere zu fuͤhren in Stand geſetzt wurde. Der Prinz Auguſt von Gotha verehrte mir aus Eng- land verſchriebene koͤſtliche, ſowohl einfache als zuſam- mengeſetzte, achromatiſche Prismen. Der Fuͤrſt Pri- mas, damals in Erfurt, ſchenkte meinen erſten und allen folgenden Verſuchen eine ununterbrochene Auf- merkſamkeit, ja er begnadigte einen umſtaͤndlichen Auf- ſatz mit durchgehenden Randbemerkungen von eigner Hand, den ich noch als eine hoͤchſt ſchaͤtzbare Erin- nerung unter meinen Papieren verwahre. Unter den Gelehrten, die mir von ihrer Seite Beyſtand leiſteten, zaͤhle ich Anatomen, Chemiker, Lite- ratoren, Philoſophen, wie Loder, Soͤmmering, Goͤtt- ling, Wolf, Forſter, Schelling; hingegen keinen Phyſiker. Mit Lichtenberg correſpondirte ich eine Zeit lang und ſendete ihm ein paar auf Geſtellen bewegliche Schir- me, woran die ſaͤmmtlichen ſubjectiven Erſcheinungen auf eine bequeme Weiſe dargeſtellt werden konnten, in- gleichen einige Aufſaͤtze, freylich noch roh und unge- ſchlacht genug. Eine Zeit lang antwortete er mir;

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Zitationshilfe: Goethe, Johann Wolfgang von: Zur Farbenlehre. Bd. 2. Tübingen, 1810, S. 683. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/goethe_farbenlehre02_1810/717>, abgerufen am 04.03.2024.