Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Goethe, Johann Wolfgang von: Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand. [s. l.], 1773.

Bild:
<< vorherige Seite


Olearius. Den kenn ich wohl, ein junger Herr
von vielen Fähigkeiten. Besonders rühmt man ihn
wegen seiner Stärke im Disputiren.
Abt. Das hat er von seiner Mutter.
Liebetraut. Nur wollte sie ihr Mann niemals
drum rühmen.
Bischoff. Wie sagtet ihr, daß der Kayser hieß,
der euer Corpus Juris geschrieben hat.
Olearius. Justinianus.
Bischoff. Ein treflicher Herr! Er soll leben!
Olearius. Sein Andenken! (sie trinken.)
Abt. Es mag ein schön Buch seyn.
Olearius. Man mögts wohl ein Buch aller Bü-
cher nennen. Eine Sammlung aller Gesetze, bey
jedem Fall der Urtheilsspruch bereit, oder was ja
noch abgängig oder dunkel wäre, ersetzen die Glos-
sen, womit die gelehrtesten Männer das fürtreflich-
ste Werk geschmückt haben.
Abt. Eine Sammlung aller Gesetze! potz! Da
müssen auch wohl die zehen Gebote drinn seyn.
Olearius. Implicite wohl, nicht explicite.
Abt.


Olearius. Den kenn ich wohl, ein junger Herr
von vielen Faͤhigkeiten. Beſonders ruͤhmt man ihn
wegen ſeiner Staͤrke im Diſputiren.
Abt. Das hat er von ſeiner Mutter.
Liebetraut. Nur wollte ſie ihr Mann niemals
drum ruͤhmen.
Biſchoff. Wie ſagtet ihr, daß der Kayſer hieß,
der euer Corpus Juris geſchrieben hat.
Olearius. Juſtinianus.
Biſchoff. Ein treflicher Herr! Er ſoll leben!
Olearius. Sein Andenken! (ſie trinken.)
Abt. Es mag ein ſchoͤn Buch ſeyn.
Olearius. Man moͤgts wohl ein Buch aller Buͤ-
cher nennen. Eine Sammlung aller Geſetze, bey
jedem Fall der Urtheilsſpruch bereit, oder was ja
noch abgaͤngig oder dunkel waͤre, erſetzen die Gloſ-
ſen, womit die gelehrteſten Maͤnner das fuͤrtreflich-
ſte Werk geſchmuͤckt haben.
Abt. Eine Sammlung aller Geſetze! potz! Da
muͤſſen auch wohl die zehen Gebote drinn ſeyn.
Olearius. Implicite wohl, nicht explicite.
Abt.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <sp who="#ABT">
          <pb facs="#f0046" n="42"/>
          <fw place="top" type="header">
            <milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
          </fw>
        </sp>
        <sp who="#OLE">
          <speaker> <hi rendition="#fr">Olearius.</hi> </speaker>
          <p>Den kenn ich wohl, ein junger Herr<lb/>
von vielen Fa&#x0364;higkeiten. Be&#x017F;onders ru&#x0364;hmt man ihn<lb/>
wegen &#x017F;einer Sta&#x0364;rke im Di&#x017F;putiren.</p>
        </sp><lb/>
        <sp who="#ABT">
          <speaker> <hi rendition="#fr">Abt.</hi> </speaker>
          <p>Das hat er von &#x017F;einer Mutter.</p>
        </sp><lb/>
        <sp who="#LIE">
          <speaker> <hi rendition="#fr">Liebetraut.</hi> </speaker>
          <p>Nur wollte &#x017F;ie ihr Mann niemals<lb/>
drum ru&#x0364;hmen.</p>
        </sp><lb/>
        <sp who="#BIS">
          <speaker> <hi rendition="#fr">Bi&#x017F;choff.</hi> </speaker>
          <p>Wie &#x017F;agtet ihr, daß der Kay&#x017F;er hieß,<lb/>
der euer <hi rendition="#aq">Corpus Juris</hi> ge&#x017F;chrieben hat.</p>
        </sp><lb/>
        <sp who="#OLE">
          <speaker> <hi rendition="#fr">Olearius.</hi> </speaker>
          <p>Ju&#x017F;tinianus.</p>
        </sp><lb/>
        <sp who="#BIS">
          <speaker> <hi rendition="#fr">Bi&#x017F;choff.</hi> </speaker>
          <p>Ein treflicher Herr! Er &#x017F;oll leben!</p>
        </sp><lb/>
        <sp who="#OLE">
          <speaker> <hi rendition="#fr">Olearius.</hi> </speaker>
          <p>Sein Andenken!</p>
          <stage>(&#x017F;ie trinken.)</stage>
        </sp><lb/>
        <sp who="#ABT">
          <speaker> <hi rendition="#fr">Abt.</hi> </speaker>
          <p>Es mag ein &#x017F;cho&#x0364;n Buch &#x017F;eyn.</p>
        </sp><lb/>
        <sp who="#OLE">
          <speaker> <hi rendition="#fr">Olearius.</hi> </speaker>
          <p>Man mo&#x0364;gts wohl ein Buch aller Bu&#x0364;-<lb/>
cher nennen. Eine Sammlung aller Ge&#x017F;etze, bey<lb/>
jedem Fall der Urtheils&#x017F;pruch bereit, oder was ja<lb/>
noch abga&#x0364;ngig oder dunkel wa&#x0364;re, er&#x017F;etzen die Glo&#x017F;-<lb/>
&#x017F;en, womit die gelehrte&#x017F;ten Ma&#x0364;nner das fu&#x0364;rtreflich-<lb/>
&#x017F;te Werk ge&#x017F;chmu&#x0364;ckt haben.</p>
        </sp><lb/>
        <sp who="#ABT">
          <speaker> <hi rendition="#fr">Abt.</hi> </speaker>
          <p>Eine Sammlung aller Ge&#x017F;etze! potz! Da<lb/>
mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en auch wohl die zehen Gebote drinn &#x017F;eyn.</p>
        </sp><lb/>
        <sp who="#OLE">
          <speaker> <hi rendition="#fr">Olearius.</hi> </speaker>
          <p><hi rendition="#aq">Implicite</hi> wohl, nicht <hi rendition="#aq">explicite.</hi></p><lb/>
          <fw place="bottom" type="catch">Abt.</fw><lb/>
        </sp>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[42/0046] Olearius. Den kenn ich wohl, ein junger Herr von vielen Faͤhigkeiten. Beſonders ruͤhmt man ihn wegen ſeiner Staͤrke im Diſputiren. Abt. Das hat er von ſeiner Mutter. Liebetraut. Nur wollte ſie ihr Mann niemals drum ruͤhmen. Biſchoff. Wie ſagtet ihr, daß der Kayſer hieß, der euer Corpus Juris geſchrieben hat. Olearius. Juſtinianus. Biſchoff. Ein treflicher Herr! Er ſoll leben! Olearius. Sein Andenken! (ſie trinken.) Abt. Es mag ein ſchoͤn Buch ſeyn. Olearius. Man moͤgts wohl ein Buch aller Buͤ- cher nennen. Eine Sammlung aller Geſetze, bey jedem Fall der Urtheilsſpruch bereit, oder was ja noch abgaͤngig oder dunkel waͤre, erſetzen die Gloſ- ſen, womit die gelehrteſten Maͤnner das fuͤrtreflich- ſte Werk geſchmuͤckt haben. Abt. Eine Sammlung aller Geſetze! potz! Da muͤſſen auch wohl die zehen Gebote drinn ſeyn. Olearius. Implicite wohl, nicht explicite. Abt.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/goethe_goetz_1773
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/goethe_goetz_1773/46
Zitationshilfe: Goethe, Johann Wolfgang von: Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand. [s. l.], 1773, S. 42. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/goethe_goetz_1773/46>, abgerufen am 05.02.2023.