Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Günther, Karl Gottlob: Europäisches Völkerrecht in Friedenszeiten nach Vernunft, Verträgen und Herkommen, mit Anwendung auf die teutschen Reichsstände. Bd. 1. Altenburg, 1787.

Bild:
<< vorherige Seite

Von der ursprünglichen Gleichheit
zwischen Sardinien und Hungarn, Genua und Modena
entstanden, ist bereits oben Erwähnung geschehen.

a] Real am a. O. S. 964. behauptet zwar, daß ein jeder
Fürst, welcher den Gelegenheiten zu einem Rangstreit
ausweicht, dadurch unmittelbar nachgebe; aber ich kann
keinen Grund hiervon finden.
b] Lünigs Theat. Cerem. T. I. S. 199. u. f.
c] Speners teutsches Staatsrecht 7. Th. S. 12.
d] Lünig am a. O. S. 211.
e] Auf ähnliche Art soll auch der sicilianische Minister zu Con-
stantinopel 1742 es also eingeleitet haben, daß der neue
Großvezier, um allen Rangstreit zu vermeiden, ihm zehn
Tage nach allen andern Gesandten Audienz ertheilte.
Mosers Beiträge in Friedz. 1. Th. S. 52.
f] Real am a. O. S. 978.
g] Ebendaselbst S. 981.
h] Ebendas. S. 986 u. f. Man vergl. Mosers Versuch
1. Th. S. 59. u. Beitr. in Frz. 1. Th. S. 43. u. f.
§. 51.
Gegenwärtige Grundsätze der europäischen
Staaten
.

In neuern Zeiten haben die europäischen Nazionen
den Grundsatz der natürlichen Gleichheit unter sich immer
mehr einzuführen gesucht. Gustav Adolph von Schwe-
den war einer der ersten, der sowohl gegen den französi-
schen Gesandten an seinem Hofe in Gesprächen, als be-
sonders auf der westphälischen Friedensversamlung diese
Gleichheit behauptete a]. Sein Ehrgeitz, sagt Real b],
konte sich nicht entschlüßen, irgend iemand über sich zu
erkennen, oder ihm einen Vorrang einzuräumen. Es
kam ihm sonderbar vor, daß unter Königen, die einan-

der

Von der urſpruͤnglichen Gleichheit
zwiſchen Sardinien und Hungarn, Genua und Modena
entſtanden, iſt bereits oben Erwaͤhnung geſchehen.

a] Real am a. O. S. 964. behauptet zwar, daß ein jeder
Fuͤrſt, welcher den Gelegenheiten zu einem Rangſtreit
ausweicht, dadurch unmittelbar nachgebe; aber ich kann
keinen Grund hiervon finden.
b] Luͤnigs Theat. Cerem. T. I. S. 199. u. f.
c] Speners teutſches Staatsrecht 7. Th. S. 12.
d] Luͤnig am a. O. S. 211.
e] Auf aͤhnliche Art ſoll auch der ſicilianiſche Miniſter zu Con-
ſtantinopel 1742 es alſo eingeleitet haben, daß der neue
Großvezier, um allen Rangſtreit zu vermeiden, ihm zehn
Tage nach allen andern Geſandten Audienz ertheilte.
Moſers Beitraͤge in Friedz. 1. Th. S. 52.
f] Real am a. O. S. 978.
g] Ebendaſelbſt S. 981.
h] Ebendaſ. S. 986 u. f. Man vergl. Moſers Verſuch
1. Th. S. 59. u. Beitr. in Frz. 1. Th. S. 43. u. f.
§. 51.
Gegenwaͤrtige Grundſaͤtze der europaͤiſchen
Staaten
.

In neuern Zeiten haben die europaͤiſchen Nazionen
den Grundſatz der natuͤrlichen Gleichheit unter ſich immer
mehr einzufuͤhren geſucht. Guſtav Adolph von Schwe-
den war einer der erſten, der ſowohl gegen den franzoͤſi-
ſchen Geſandten an ſeinem Hofe in Geſpraͤchen, als be-
ſonders auf der weſtphaͤliſchen Friedensverſamlung dieſe
Gleichheit behauptete a]. Sein Ehrgeitz, ſagt Real b],
konte ſich nicht entſchluͤßen, irgend iemand uͤber ſich zu
erkennen, oder ihm einen Vorrang einzuraͤumen. Es
kam ihm ſonderbar vor, daß unter Koͤnigen, die einan-

der
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0302" n="276"/><fw place="top" type="header">Von der ur&#x017F;pru&#x0364;nglichen Gleichheit</fw><lb/>
zwi&#x017F;chen Sardinien und Hungarn, Genua und Modena<lb/>
ent&#x017F;tanden, i&#x017F;t bereits oben Erwa&#x0364;hnung ge&#x017F;chehen.</p><lb/>
            <note place="end" n="a]"><hi rendition="#fr">Real</hi> am a. O. S. 964. behauptet zwar, daß ein jeder<lb/>
Fu&#x0364;r&#x017F;t, welcher den Gelegenheiten zu einem Rang&#x017F;treit<lb/>
ausweicht, dadurch unmittelbar nachgebe; aber ich kann<lb/>
keinen Grund hiervon finden.</note><lb/>
            <note place="end" n="b]"><hi rendition="#fr">Lu&#x0364;nigs</hi><hi rendition="#aq">Theat. Cerem. T. I.</hi> S. 199. u. f.</note><lb/>
            <note place="end" n="c]"><hi rendition="#fr">Speners</hi> teut&#x017F;ches Staatsrecht 7. Th. S. 12.</note><lb/>
            <note place="end" n="d]"><hi rendition="#fr">Lu&#x0364;nig</hi> am a. O. S. 211.</note><lb/>
            <note place="end" n="e]">Auf a&#x0364;hnliche Art &#x017F;oll auch der &#x017F;iciliani&#x017F;che Mini&#x017F;ter zu Con-<lb/>
&#x017F;tantinopel 1742 es al&#x017F;o eingeleitet haben, daß der neue<lb/>
Großvezier, um allen Rang&#x017F;treit zu vermeiden, ihm zehn<lb/>
Tage nach allen andern Ge&#x017F;andten Audienz ertheilte.<lb/>
Mo&#x017F;ers Beitra&#x0364;ge in Friedz. 1. Th. S. 52.</note><lb/>
            <note place="end" n="f]"><hi rendition="#fr">Real</hi> am a. O. S. 978.</note><lb/>
            <note place="end" n="g]">Ebenda&#x017F;elb&#x017F;t S. 981.</note><lb/>
            <note place="end" n="h]">Ebenda&#x017F;. S. 986 u. f. Man vergl. <hi rendition="#fr">Mo&#x017F;ers</hi> Ver&#x017F;uch<lb/>
1. Th. S. 59. u. Beitr. in Frz. 1. Th. S. 43. u. f.</note>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 51.<lb/><hi rendition="#g">Gegenwa&#x0364;rtige Grund&#x017F;a&#x0364;tze der europa&#x0364;i&#x017F;chen<lb/>
Staaten</hi>.</head><lb/>
            <p>In neuern Zeiten haben die europa&#x0364;i&#x017F;chen Nazionen<lb/>
den Grund&#x017F;atz der natu&#x0364;rlichen Gleichheit unter &#x017F;ich immer<lb/>
mehr einzufu&#x0364;hren ge&#x017F;ucht. Gu&#x017F;tav Adolph von Schwe-<lb/>
den war einer der er&#x017F;ten, der &#x017F;owohl gegen den franzo&#x0364;&#x017F;i-<lb/>
&#x017F;chen Ge&#x017F;andten an &#x017F;einem Hofe in Ge&#x017F;pra&#x0364;chen, als be-<lb/>
&#x017F;onders auf der we&#x017F;tpha&#x0364;li&#x017F;chen Friedensver&#x017F;amlung die&#x017F;e<lb/>
Gleichheit behauptete <hi rendition="#aq"><hi rendition="#sup">a</hi></hi>]. Sein Ehrgeitz, &#x017F;agt Real <hi rendition="#aq"><hi rendition="#sup">b</hi></hi>],<lb/>
konte &#x017F;ich nicht ent&#x017F;chlu&#x0364;ßen, irgend iemand u&#x0364;ber &#x017F;ich zu<lb/>
erkennen, oder ihm einen Vorrang einzura&#x0364;umen. Es<lb/>
kam ihm &#x017F;onderbar vor, daß unter Ko&#x0364;nigen, die einan-<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">der</fw><lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[276/0302] Von der urſpruͤnglichen Gleichheit zwiſchen Sardinien und Hungarn, Genua und Modena entſtanden, iſt bereits oben Erwaͤhnung geſchehen. a] Real am a. O. S. 964. behauptet zwar, daß ein jeder Fuͤrſt, welcher den Gelegenheiten zu einem Rangſtreit ausweicht, dadurch unmittelbar nachgebe; aber ich kann keinen Grund hiervon finden. b] Luͤnigs Theat. Cerem. T. I. S. 199. u. f. c] Speners teutſches Staatsrecht 7. Th. S. 12. d] Luͤnig am a. O. S. 211. e] Auf aͤhnliche Art ſoll auch der ſicilianiſche Miniſter zu Con- ſtantinopel 1742 es alſo eingeleitet haben, daß der neue Großvezier, um allen Rangſtreit zu vermeiden, ihm zehn Tage nach allen andern Geſandten Audienz ertheilte. Moſers Beitraͤge in Friedz. 1. Th. S. 52. f] Real am a. O. S. 978. g] Ebendaſelbſt S. 981. h] Ebendaſ. S. 986 u. f. Man vergl. Moſers Verſuch 1. Th. S. 59. u. Beitr. in Frz. 1. Th. S. 43. u. f. §. 51. Gegenwaͤrtige Grundſaͤtze der europaͤiſchen Staaten. In neuern Zeiten haben die europaͤiſchen Nazionen den Grundſatz der natuͤrlichen Gleichheit unter ſich immer mehr einzufuͤhren geſucht. Guſtav Adolph von Schwe- den war einer der erſten, der ſowohl gegen den franzoͤſi- ſchen Geſandten an ſeinem Hofe in Geſpraͤchen, als be- ſonders auf der weſtphaͤliſchen Friedensverſamlung dieſe Gleichheit behauptete a]. Sein Ehrgeitz, ſagt Real b], konte ſich nicht entſchluͤßen, irgend iemand uͤber ſich zu erkennen, oder ihm einen Vorrang einzuraͤumen. Es kam ihm ſonderbar vor, daß unter Koͤnigen, die einan- der

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/guenther_voelkerrecht01_1787
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/guenther_voelkerrecht01_1787/302
Zitationshilfe: Günther, Karl Gottlob: Europäisches Völkerrecht in Friedenszeiten nach Vernunft, Verträgen und Herkommen, mit Anwendung auf die teutschen Reichsstände. Bd. 1. Altenburg, 1787, S. 276. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/guenther_voelkerrecht01_1787/302>, abgerufen am 18.07.2024.