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Happel, Eberhard Werner: Der Academische Roman. Ulm, 1690.

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Deß Academischen
diese Räuber-Zunfft vor einem halben Jahr begeben
hätten. Sie erzehleten/ daß man in ihren Höhlen/
welche sie bezeichneten/ gar wenig finden würde/ in-
massen sie/ so bald sie einige Baarschafften erbeutet/
solche alsobald den Jhrigen zugeführet hätten/ um/
darvon zu leben. Jhr Führer wäre ein Obrist-Lieu-
tenant auß Friaul, der von dem Estaat zu Venedig vor
einigen Jahren disgoustirt worden. Jm übrigen
hätten sie allemahl an Lebens-Mitteln und Pferd-
Futter von einem nahe bey dem Ende deß Walds be-
legenen Dorff in der Nacht an einem gewissen Ort
ihre Zufuhr vor baares Geld überkommen/ dann sie
hätten einsmahls einen Bauren in die Klauen be-
kommen/ welcher mit diesem Beding sein Leben erhal-
ten/ daß er/ nach gethanem leiblichen Eyd/ mit sotha-
ner Zufuhr ihnen für doppelte Bezahlung jedes mahl
an die Hand gehen solte/ welchem er auch bißhero/
und schon eine gute Zeit vor ihrer Ankunfft in diese
Gesellschafft/ getreulich nachgelebet hätte. Was den
Obrist Lieutenant belanget/ wolle derselbe nur noch
ein halb Jahr auf Beute gehen/ und sich alsdann
mit seinem Schatz in ein fremdes Gebieth begeben/
mit welchem sich Carniolani auch schon verabredet
hätte/ ihm zu folgen/ der aber vor der Zeit sein Ende
genommen. Die Ubrigen alle wolten dem Handel
gleicher Gestalt nur so lang abwarten/ biß sie ein gut
Stück Geldes gemacht daß sie leben könten/ alsdann
wolten sie auch ihres Weges gehen/ und das Rauben
quittiren. Sie zween Gefangene würden alsdann
vor sich selber/ und allein/ nichts sonderliches mehr ha-
ben außrichten können.

Auf diese gethane Bekänntnüß/ welche sie mit
hohen Flüchen und Eydschwüren bekräfftigten/ wur-
den sie geköpffet/ geviertheilet/ und ihre Leibes-Theile

an

Deß Academiſchen
dieſe Raͤuber-Zunfft vor einem halben Jahr begeben
haͤtten. Sie erzehleten/ daß man in ihren Hoͤhlen/
welche ſie bezeichneten/ gar wenig finden wuͤrde/ in-
maſſen ſie/ ſo bald ſie einige Baarſchafften erbeutet/
ſolche alſobald den Jhrigen zugefuͤhret haͤtten/ um/
darvon zu leben. Jhr Fuͤhrer waͤre ein Obriſt-Lieu-
tenant auß Friaul, der von dem Eſtaat zu Venedig vor
einigen Jahren disgouſtirt worden. Jm uͤbrigen
haͤtten ſie allemahl an Lebens-Mitteln und Pferd-
Futter von einem nahe bey dem Ende deß Walds be-
legenen Dorff in der Nacht an einem gewiſſen Ort
ihre Zufuhr vor baares Geld uͤberkommen/ dann ſie
haͤtten einsmahls einen Bauren in die Klauen be-
kommen/ welcher mit dieſem Beding ſein Leben erhal-
ten/ daß er/ nach gethanem leiblichen Eyd/ mit ſotha-
ner Zufuhr ihnen fuͤr doppelte Bezahlung jedes mahl
an die Hand gehen ſolte/ welchem er auch bißhero/
und ſchon eine gute Zeit vor ihrer Ankunfft in dieſe
Geſellſchafft/ getreulich nachgelebet haͤtte. Was den
Obriſt Lieutenant belanget/ wolle derſelbe nur noch
ein halb Jahr auf Beute gehen/ und ſich alsdann
mit ſeinem Schatz in ein fremdes Gebieth begeben/
mit welchem ſich Carniolani auch ſchon verabredet
haͤtte/ ihm zu folgen/ der aber vor der Zeit ſein Ende
genommen. Die Ubrigen alle wolten dem Handel
gleicher Geſtalt nur ſo lang abwarten/ biß ſie ein gut
Stuͤck Geldes gemacht daß ſie leben koͤnten/ alsdann
wolten ſie auch ihres Weges gehen/ und das Rauben
quittiren. Sie zween Gefangene wuͤrden alsdann
vor ſich ſelber/ und allein/ nichts ſonderliches mehr ha-
ben außrichten koͤnnen.

Auf dieſe gethane Bekaͤnntnuͤß/ welche ſie mit
hohen Fluͤchen und Eydſchwuͤren bekraͤfftigten/ wur-
den ſie gekoͤpffet/ geviertheilet/ und ihre Leibes-Theile

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[136/0148] Deß Academiſchen dieſe Raͤuber-Zunfft vor einem halben Jahr begeben haͤtten. Sie erzehleten/ daß man in ihren Hoͤhlen/ welche ſie bezeichneten/ gar wenig finden wuͤrde/ in- maſſen ſie/ ſo bald ſie einige Baarſchafften erbeutet/ ſolche alſobald den Jhrigen zugefuͤhret haͤtten/ um/ darvon zu leben. Jhr Fuͤhrer waͤre ein Obriſt-Lieu- tenant auß Friaul, der von dem Eſtaat zu Venedig vor einigen Jahren disgouſtirt worden. Jm uͤbrigen haͤtten ſie allemahl an Lebens-Mitteln und Pferd- Futter von einem nahe bey dem Ende deß Walds be- legenen Dorff in der Nacht an einem gewiſſen Ort ihre Zufuhr vor baares Geld uͤberkommen/ dann ſie haͤtten einsmahls einen Bauren in die Klauen be- kommen/ welcher mit dieſem Beding ſein Leben erhal- ten/ daß er/ nach gethanem leiblichen Eyd/ mit ſotha- ner Zufuhr ihnen fuͤr doppelte Bezahlung jedes mahl an die Hand gehen ſolte/ welchem er auch bißhero/ und ſchon eine gute Zeit vor ihrer Ankunfft in dieſe Geſellſchafft/ getreulich nachgelebet haͤtte. Was den Obriſt Lieutenant belanget/ wolle derſelbe nur noch ein halb Jahr auf Beute gehen/ und ſich alsdann mit ſeinem Schatz in ein fremdes Gebieth begeben/ mit welchem ſich Carniolani auch ſchon verabredet haͤtte/ ihm zu folgen/ der aber vor der Zeit ſein Ende genommen. Die Ubrigen alle wolten dem Handel gleicher Geſtalt nur ſo lang abwarten/ biß ſie ein gut Stuͤck Geldes gemacht daß ſie leben koͤnten/ alsdann wolten ſie auch ihres Weges gehen/ und das Rauben quittiren. Sie zween Gefangene wuͤrden alsdann vor ſich ſelber/ und allein/ nichts ſonderliches mehr ha- ben außrichten koͤnnen. Auf dieſe gethane Bekaͤnntnuͤß/ welche ſie mit hohen Fluͤchen und Eydſchwuͤren bekraͤfftigten/ wur- den ſie gekoͤpffet/ geviertheilet/ und ihre Leibes-Theile an

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Zitationshilfe: Happel, Eberhard Werner: Der Academische Roman. Ulm, 1690, S. 136. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/happel_roman_1690/148>, abgerufen am 21.02.2024.