Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

[Herwegh, Georg]: Gedichte eines Lebendigen. Bd. 1. Zürich u. a., 1841.

Bild:
<< vorherige Seite
III.
Aus Hütten einzig kommt das Heil der Welt,
Im härnen Mantel predigt der Prophete --
So ward auch Blei, und nicht das Gold, bestellt,
Daß tausendzüngig jede Wahrheit rede.
Ein böser Geist der Tiefe haust im Gold,
Es ist ein Knecht und gibt sich gern in Sold;
Wie Porzia, faßt das Beste man in Blei,
Und reimt man drauf, so reimt man immer: Frei!
Das schwere Blei wird in des Meisters Hand
Der Elfengeister luftiges Gewand;
Er läßt es nicht als Todeskugel fliegen,
Er führet es als Wort von Sieg zu Siegen,
Und wo die beste Waffe fehlt von Erz,
Da trifft ein Wort des rechten Mannes Herz;
Es zittert nicht vor des Tyrannen Miene --
Was will die Flocke gegen die Lawine?
Kein Censor fällt der Wahrheit in die Zügel,
Er hat nur Federn, doch die Wahrheit Flügel.

III.
Aus Hütten einzig kommt das Heil der Welt,
Im härnen Mantel predigt der Prophete —
So ward auch Blei, und nicht das Gold, beſtellt,
Daß tauſendzüngig jede Wahrheit rede.
Ein böſer Geiſt der Tiefe hauſt im Gold,
Es iſt ein Knecht und gibt ſich gern in Sold;
Wie Porzia, faßt das Beſte man in Blei,
Und reimt man drauf, ſo reimt man immer: Frei!
Das ſchwere Blei wird in des Meiſters Hand
Der Elfengeiſter luftiges Gewand;
Er läßt es nicht als Todeskugel fliegen,
Er führet es als Wort von Sieg zu Siegen,
Und wo die beſte Waffe fehlt von Erz,
Da trifft ein Wort des rechten Mannes Herz;
Es zittert nicht vor des Tyrannen Miene —
Was will die Flocke gegen die Lawine?
Kein Cenſor fällt der Wahrheit in die Zügel,
Er hat nur Federn, doch die Wahrheit Flügel.

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <pb facs="#f0053" n="47"/>
        </div>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#aq">III.</hi><lb/>
          </head>
          <lg type="poem">
            <l>Aus Hütten einzig kommt das Heil der Welt,</l><lb/>
            <l>Im härnen Mantel predigt der Prophete &#x2014;</l><lb/>
            <l>So ward auch Blei, und nicht das Gold, be&#x017F;tellt,</l><lb/>
            <l>Daß tau&#x017F;endzüngig jede Wahrheit rede.</l><lb/>
            <l>Ein bö&#x017F;er Gei&#x017F;t der Tiefe hau&#x017F;t im Gold,</l><lb/>
            <l>Es i&#x017F;t ein Knecht und gibt &#x017F;ich gern in Sold;</l><lb/>
            <l>Wie Porzia, faßt das Be&#x017F;te man in Blei,</l><lb/>
            <l>Und reimt man drauf, &#x017F;o reimt man immer: Frei!</l><lb/>
            <l>Das &#x017F;chwere Blei wird in des Mei&#x017F;ters Hand</l><lb/>
            <l>Der Elfengei&#x017F;ter luftiges Gewand;</l><lb/>
            <l>Er läßt es nicht als Todeskugel fliegen,</l><lb/>
            <l>Er führet es als Wort von Sieg zu Siegen,</l><lb/>
            <l>Und wo die be&#x017F;te Waffe fehlt von Erz,</l><lb/>
            <l>Da trifft ein Wort des rechten Mannes Herz;</l><lb/>
            <l>Es zittert nicht vor des Tyrannen Miene &#x2014;</l><lb/>
            <l>Was will die Flocke gegen die Lawine?</l><lb/>
            <l>Kein Cen&#x017F;or fällt der Wahrheit in die Zügel,</l><lb/>
            <l>Er hat nur Federn, doch die Wahrheit Flügel.</l><lb/>
          </lg>
          <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[47/0053] III. Aus Hütten einzig kommt das Heil der Welt, Im härnen Mantel predigt der Prophete — So ward auch Blei, und nicht das Gold, beſtellt, Daß tauſendzüngig jede Wahrheit rede. Ein böſer Geiſt der Tiefe hauſt im Gold, Es iſt ein Knecht und gibt ſich gern in Sold; Wie Porzia, faßt das Beſte man in Blei, Und reimt man drauf, ſo reimt man immer: Frei! Das ſchwere Blei wird in des Meiſters Hand Der Elfengeiſter luftiges Gewand; Er läßt es nicht als Todeskugel fliegen, Er führet es als Wort von Sieg zu Siegen, Und wo die beſte Waffe fehlt von Erz, Da trifft ein Wort des rechten Mannes Herz; Es zittert nicht vor des Tyrannen Miene — Was will die Flocke gegen die Lawine? Kein Cenſor fällt der Wahrheit in die Zügel, Er hat nur Federn, doch die Wahrheit Flügel.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde von OCR-Software automatisch erfasst und anschließend gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien von Muttersprachlern nachkontrolliert. Es wurde gemäß dem DTA-Basisformat in XML/TEI P5 kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/herwegh_gedichte01_1841
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/herwegh_gedichte01_1841/53
Zitationshilfe: [Herwegh, Georg]: Gedichte eines Lebendigen. Bd. 1. Zürich u. a., 1841, S. 47. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/herwegh_gedichte01_1841/53>, abgerufen am 14.04.2024.