Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Humboldt, Alexander von: Über die Bedeutung dieses feierlichen Tages [Grundsteinlegung des dem Könige Friedrich II. zur Denkfeier seiner Thronbesteigung zu errichtenden Monuments] in Beziehung auf die Akademie. In: Bericht über die zur Bekanntmachung geeigneten Verhandlungen der Königl[ich] Preuß[ischen] Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Aus dem Jahre 1840. Berlin, 1840, S. 129-130.

Bild:
<< vorherige Seite

"Mir ist die Ehre zu Theil geworden, einige Worte an diese
"Versammlung zu richten. Diesen Vorzug verdanke ich der
"Zufälligkeit allein, dem alten Geschlechte anzugehören, wel-
"chem noch aus eigener jugendlicher Anschauung das Bild des
"grossen Monarchen vor die Seele tritt.

"Seiner geistigen Kraft und aller Kraft des Geistes kühn ver-
"trauend, hat er gleich mächtig, so weit Gesittung und Welt-
"verkehr die Menschheit empfänglich machten, auf die Herr-
"scher, wie auf die Völker gewirkt. Er hat (um mich eines Aus-
"drucks des römischen Geschichtsschreibers* zu bedienen, der
"mit tief verhaltener Wehmuth alle Regungen des Staats- und
"Völkerlebens durchspähte), er hat die schroffen Gegensätze,
""die widerstrebenden Elemente der Herrschaft und Freiheit"
"mit einander zu versöhnen gewusst.

"Den köstlichsten Schatz dieser Freiheit, das ungehinderte
"Streben nach Wahrheit und Licht, hat er früh und vorzugs-
"weise dem wissenschaftlichen Vereine anvertraut, dessen Glanz
"er, ein Weiser auf dem Throne, durch eigene Arbeiten und
"schützende Theilnahme erhöhte. Die Akademie, von Leibnitz
"gestiftet, von Friedrich dem Grossen erneuert, blickt mit glei-
"cher Rührung auf jene schon vom milderen Lichte der Ferne
"umflossene Zeit, wie auf das neunzehnte Jahrhundert, wo die
"Huld eines theuren Monarchen, in allen Theilen des vergrö-
"sserten Reiches, für Begründung wissenschaftlicher Anstalten
"und die edlen Blüthen des Kunstlebens grossartigst gesorgt
"hat. Daher ist es uns eine süsse Pflicht, ein Bedürfniss des Ge-
"fühls, - nicht der Sitte -, an diesem festlichen Tage, zweien
"erhabenen Wohlthätern den Ausdruck der Bewunderung und
"des ehrfurchtvollsten Dankes darzubringen."


[irrelevantes Material - 7 Zeilen fehlen]
* Tac. vita Agr. cap. 3 (Hist. I, 1.).

„Mir ist die Ehre zu Theil geworden, einige Worte an diese
„Versammlung zu richten. Diesen Vorzug verdanke ich der
„Zufälligkeit allein, dem alten Geschlechte anzugehören, wel-
„chem noch aus eigener jugendlicher Anschauung das Bild des
groſsen Monarchen vor die Seele tritt.

„Seiner geistigen Kraft und aller Kraft des Geistes kühn ver-
„trauend, hat er gleich mächtig, so weit Gesittung und Welt-
„verkehr die Menschheit empfänglich machten, auf die Herr-
„scher, wie auf die Völker gewirkt. Er hat (um mich eines Aus-
„drucks des römischen Geschichtsschreibers* zu bedienen, der
„mit tief verhaltener Wehmuth alle Regungen des Staats- und
„Völkerlebens durchspähte), er hat die schroffen Gegensätze,
„«die widerstrebenden Elemente der Herrschaft und Freiheit»
„mit einander zu versöhnen gewuſst.

„Den köstlichsten Schatz dieser Freiheit, das ungehinderte
„Streben nach Wahrheit und Licht, hat er früh und vorzugs-
„weise dem wissenschaftlichen Vereine anvertraut, dessen Glanz
„er, ein Weiser auf dem Throne, durch eigene Arbeiten und
„schützende Theilnahme erhöhte. Die Akademie, von Leibnitz
„gestiftet, von Friedrich dem Groſsen erneuert, blickt mit glei-
„cher Rührung auf jene schon vom milderen Lichte der Ferne
„umflossene Zeit, wie auf das neunzehnte Jahrhundert, wo die
„Huld eines theuren Monarchen, in allen Theilen des vergrö-
„ſserten Reiches, für Begründung wissenschaftlicher Anstalten
„und die edlen Blüthen des Kunstlebens groſsartigst gesorgt
„hat. Daher ist es uns eine süſse Pflicht, ein Bedürfniſs des Ge-
„fühls, – nicht der Sitte –, an diesem festlichen Tage, zweien
„erhabenen Wohlthätern den Ausdruck der Bewunderung und
„des ehrfurchtvollsten Dankes darzubringen.”


[irrelevantes Material – 7 Zeilen fehlen]
* Tac. vita Agr. cap. 3 (Hist. I, 1.).
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <cit>
          <quote>
            <pb facs="#f0003" n="130"/>
            <p>&#x201E;Mir ist die Ehre zu Theil geworden, einige Worte an diese<lb/>
&#x201E;Versammlung zu richten. Diesen Vorzug verdanke ich der<lb/>
&#x201E;Zufälligkeit allein, dem alten Geschlechte anzugehören, wel-<lb/>
&#x201E;chem noch aus eigener jugendlicher Anschauung das Bild des<lb/>
&#x201E;<persName>gro&#x017F;sen Monarchen</persName> vor die Seele tritt.</p><lb/>
            <p>&#x201E;Seiner geistigen Kraft und aller Kraft des Geistes kühn ver-<lb/>
&#x201E;trauend, hat er gleich mächtig, so weit Gesittung und Welt-<lb/>
&#x201E;verkehr die Menschheit empfänglich machten, auf die Herr-<lb/>
&#x201E;scher, wie auf die Völker gewirkt. Er hat (um mich eines Aus-<lb/>
&#x201E;drucks des römischen Geschichtsschreibers<note place="foot" n="*">Tac. vita Agr. cap. 3 (Hist. I, 1.).<lb/></note> zu bedienen, der<lb/>
&#x201E;mit tief verhaltener Wehmuth alle Regungen des Staats- und<lb/>
&#x201E;Völkerlebens durchspähte), er hat die schroffen Gegensätze,<lb/>
&#x201E;«die widerstrebenden Elemente der Herrschaft und Freiheit»<lb/>
&#x201E;mit einander zu versöhnen gewu&#x017F;st.</p><lb/>
            <p>&#x201E;Den köstlichsten Schatz dieser Freiheit, das ungehinderte<lb/>
&#x201E;Streben nach Wahrheit und Licht, hat er früh und vorzugs-<lb/>
&#x201E;weise dem wissenschaftlichen Vereine anvertraut, dessen Glanz<lb/>
&#x201E;er, ein Weiser auf dem Throne, durch eigene Arbeiten und<lb/>
&#x201E;schützende Theilnahme erhöhte. Die Akademie, von <persName>Leibnitz</persName><lb/>
&#x201E;gestiftet, von <persName>Friedrich dem Gro&#x017F;sen</persName> erneuert, blickt mit glei-<lb/>
&#x201E;cher Rührung auf jene schon vom milderen Lichte der Ferne<lb/>
&#x201E;umflossene Zeit, wie auf das neunzehnte Jahrhundert, wo die<lb/>
&#x201E;Huld eines theuren Monarchen, in allen Theilen des vergrö-<lb/>
&#x201E;&#x017F;serten Reiches, für Begründung wissenschaftlicher Anstalten<lb/>
&#x201E;und die edlen Blüthen des Kunstlebens gro&#x017F;sartigst gesorgt<lb/>
&#x201E;hat. Daher ist es uns eine sü&#x017F;se Pflicht, ein Bedürfni&#x017F;s des Ge-<lb/>
&#x201E;fühls, &#x2013; nicht der Sitte &#x2013;, an diesem festlichen Tage, zweien<lb/>
&#x201E;erhabenen Wohlthätern den Ausdruck der Bewunderung und<lb/>
&#x201E;des ehrfurchtvollsten Dankes darzubringen.&#x201D;</p>
          </quote>
        </cit><lb/>
        <gap reason="insignificant" unit="lines" quantity="7"/><lb/>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[130/0003] „Mir ist die Ehre zu Theil geworden, einige Worte an diese „Versammlung zu richten. Diesen Vorzug verdanke ich der „Zufälligkeit allein, dem alten Geschlechte anzugehören, wel- „chem noch aus eigener jugendlicher Anschauung das Bild des „groſsen Monarchen vor die Seele tritt. „Seiner geistigen Kraft und aller Kraft des Geistes kühn ver- „trauend, hat er gleich mächtig, so weit Gesittung und Welt- „verkehr die Menschheit empfänglich machten, auf die Herr- „scher, wie auf die Völker gewirkt. Er hat (um mich eines Aus- „drucks des römischen Geschichtsschreibers * zu bedienen, der „mit tief verhaltener Wehmuth alle Regungen des Staats- und „Völkerlebens durchspähte), er hat die schroffen Gegensätze, „«die widerstrebenden Elemente der Herrschaft und Freiheit» „mit einander zu versöhnen gewuſst. „Den köstlichsten Schatz dieser Freiheit, das ungehinderte „Streben nach Wahrheit und Licht, hat er früh und vorzugs- „weise dem wissenschaftlichen Vereine anvertraut, dessen Glanz „er, ein Weiser auf dem Throne, durch eigene Arbeiten und „schützende Theilnahme erhöhte. Die Akademie, von Leibnitz „gestiftet, von Friedrich dem Groſsen erneuert, blickt mit glei- „cher Rührung auf jene schon vom milderen Lichte der Ferne „umflossene Zeit, wie auf das neunzehnte Jahrhundert, wo die „Huld eines theuren Monarchen, in allen Theilen des vergrö- „ſserten Reiches, für Begründung wissenschaftlicher Anstalten „und die edlen Blüthen des Kunstlebens groſsartigst gesorgt „hat. Daher ist es uns eine süſse Pflicht, ein Bedürfniſs des Ge- „fühls, – nicht der Sitte –, an diesem festlichen Tage, zweien „erhabenen Wohlthätern den Ausdruck der Bewunderung und „des ehrfurchtvollsten Dankes darzubringen.” _______ * Tac. vita Agr. cap. 3 (Hist. I, 1.).

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Weitere Informationen:

Eine weitere Fassung dieses Textes finden Sie in der Ausgabe Sämtliche Schriften digital (2021 ff.) der Universität Bern.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/humboldt_worte_1840
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/humboldt_worte_1840/3
Zitationshilfe: Humboldt, Alexander von: Über die Bedeutung dieses feierlichen Tages [Grundsteinlegung des dem Könige Friedrich II. zur Denkfeier seiner Thronbesteigung zu errichtenden Monuments] in Beziehung auf die Akademie. In: Bericht über die zur Bekanntmachung geeigneten Verhandlungen der Königl[ich] Preuß[ischen] Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Aus dem Jahre 1840. Berlin, 1840, S. 129-130, hier S. 130. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/humboldt_worte_1840/3>, abgerufen am 29.05.2024.