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Jacobi, Friedrich Heinrich: Eduard Allwills Briefsammlung. Mit einer Zugabe von eigenen Briefen. Königsberg, 1792.

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V.
Clerdon an Sylli.

Liebste Sylli, daß Du so lange nicht schrie-
best! Wir alle zerbrechen uns die Köpfe
darüber; die gute Amalia, die Nichtchen und
ich; jeder nach seiner Weise. Aber nächsten
Sonnabend kommt sicher ein Brief von Dir;
denn ich weiß, Du lässest meinen jüngsten kei-
nen Tag unbeantwortet. In Fällen, die das
Herz angehen, will ich alles Gute mit weit
größerer Zuverläßigkeit von Dir, als von mir
selbst, voraussagen; denn Sylli kann da nicht
straucheln. Du seufzest doch wohl nicht über
meinen starken Glauben?

Hier bey uns solltest Du jetzt seyn, lieb-
ste Sylli; daß wir Dich mit in unsere Rei-
hen schlängen, den neuen Frühling zu um-
tanzen. Die unwiderstehliche Wonne des ge-
strigen Tages mußt auch Du gefühlt haben.

V.
Clerdon an Sylli.

Liebſte Sylli, daß Du ſo lange nicht ſchrie-
beſt! Wir alle zerbrechen uns die Koͤpfe
daruͤber; die gute Amalia, die Nichtchen und
ich; jeder nach ſeiner Weiſe. Aber naͤchſten
Sonnabend kommt ſicher ein Brief von Dir;
denn ich weiß, Du laͤſſeſt meinen juͤngſten kei-
nen Tag unbeantwortet. In Faͤllen, die das
Herz angehen, will ich alles Gute mit weit
groͤßerer Zuverlaͤßigkeit von Dir, als von mir
ſelbſt, vorausſagen; denn Sylli kann da nicht
ſtraucheln. Du ſeufzeſt doch wohl nicht uͤber
meinen ſtarken Glauben?

Hier bey uns ſollteſt Du jetzt ſeyn, lieb-
ſte Sylli; daß wir Dich mit in unſere Rei-
hen ſchlaͤngen, den neuen Fruͤhling zu um-
tanzen. Die unwiderſtehliche Wonne des ge-
ſtrigen Tages mußt auch Du gefuͤhlt haben.

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[24/0062] V. Clerdon an Sylli. Den 8ten Maͤrz. Liebſte Sylli, daß Du ſo lange nicht ſchrie- beſt! Wir alle zerbrechen uns die Koͤpfe daruͤber; die gute Amalia, die Nichtchen und ich; jeder nach ſeiner Weiſe. Aber naͤchſten Sonnabend kommt ſicher ein Brief von Dir; denn ich weiß, Du laͤſſeſt meinen juͤngſten kei- nen Tag unbeantwortet. In Faͤllen, die das Herz angehen, will ich alles Gute mit weit groͤßerer Zuverlaͤßigkeit von Dir, als von mir ſelbſt, vorausſagen; denn Sylli kann da nicht ſtraucheln. Du ſeufzeſt doch wohl nicht uͤber meinen ſtarken Glauben? Hier bey uns ſollteſt Du jetzt ſeyn, lieb- ſte Sylli; daß wir Dich mit in unſere Rei- hen ſchlaͤngen, den neuen Fruͤhling zu um- tanzen. Die unwiderſtehliche Wonne des ge- ſtrigen Tages mußt auch Du gefuͤhlt haben.

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Zitationshilfe: Jacobi, Friedrich Heinrich: Eduard Allwills Briefsammlung. Mit einer Zugabe von eigenen Briefen. Königsberg, 1792, S. 24. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/jacobi_allwill_1792/62>, abgerufen am 02.03.2021.