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Knigge, Adolph von: Ueber den Umgang mit Menschen. Bd. 2. Hannover, 1788.

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als sie in der verheissenen Frist zu liefern im
Stande sind. Es würde der Mühe werth seyn,
daß sich, wie ich etwas Aenliches vorgeschlagen
habe, als ich von dem Ueberfordern der Krämer
redete, die angesehensten Leute einer Stadt da¬
hin vereinigten, bey einem solchen Windbeutel
nicht mehr arbeiten zu lassen. Was mich be¬
trifft, (der ich vielleicht zu pedantisch auf Worts-
Erfüllung und Ordnung halte) ich mache mit
den Handwerksleuten, welche für mich arbeiten,
den Vertrag, daß ich augenblicklich von ihnen
abgehe, sobald sie mir ihre Zusage nicht halten.
In ihrer Gegenwart schreibe ich mehrentheils
die Stunde auf, in welcher sie die Arbeit zu lie¬
fern verheissen; Ist nun diese Stunde erschie¬
nen, und sie stellen sich nicht ein; so haben sie
vom frühen Morgen bis in die Nacht vor mir
und meinen Leuten keine Ruhe. Dadurch nun,
und weil ich jedesmal bey Ablieferung der Ar¬
beit baar bezahle, erlange ich, daß ich seltener
belogen werde, als Andre.

8.

Ein Blick zurück auf das, was ich von
dem Umgange mit Kaufleuten gesagt habe, er¬

in¬

als ſie in der verheiſſenen Friſt zu liefern im
Stande ſind. Es wuͤrde der Muͤhe werth ſeyn,
daß ſich, wie ich etwas Aenliches vorgeſchlagen
habe, als ich von dem Ueberfordern der Kraͤmer
redete, die angeſehenſten Leute einer Stadt da¬
hin vereinigten, bey einem ſolchen Windbeutel
nicht mehr arbeiten zu laſſen. Was mich be¬
trifft, (der ich vielleicht zu pedantiſch auf Worts-
Erfuͤllung und Ordnung halte) ich mache mit
den Handwerksleuten, welche fuͤr mich arbeiten,
den Vertrag, daß ich augenblicklich von ihnen
abgehe, ſobald ſie mir ihre Zuſage nicht halten.
In ihrer Gegenwart ſchreibe ich mehrentheils
die Stunde auf, in welcher ſie die Arbeit zu lie¬
fern verheiſſen; Iſt nun dieſe Stunde erſchie¬
nen, und ſie ſtellen ſich nicht ein; ſo haben ſie
vom fruͤhen Morgen bis in die Nacht vor mir
und meinen Leuten keine Ruhe. Dadurch nun,
und weil ich jedesmal bey Ablieferung der Ar¬
beit baar bezahle, erlange ich, daß ich ſeltener
belogen werde, als Andre.

8.

Ein Blick zuruͤck auf das, was ich von
dem Umgange mit Kaufleuten geſagt habe, er¬

in¬
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[140/0162] als ſie in der verheiſſenen Friſt zu liefern im Stande ſind. Es wuͤrde der Muͤhe werth ſeyn, daß ſich, wie ich etwas Aenliches vorgeſchlagen habe, als ich von dem Ueberfordern der Kraͤmer redete, die angeſehenſten Leute einer Stadt da¬ hin vereinigten, bey einem ſolchen Windbeutel nicht mehr arbeiten zu laſſen. Was mich be¬ trifft, (der ich vielleicht zu pedantiſch auf Worts- Erfuͤllung und Ordnung halte) ich mache mit den Handwerksleuten, welche fuͤr mich arbeiten, den Vertrag, daß ich augenblicklich von ihnen abgehe, ſobald ſie mir ihre Zuſage nicht halten. In ihrer Gegenwart ſchreibe ich mehrentheils die Stunde auf, in welcher ſie die Arbeit zu lie¬ fern verheiſſen; Iſt nun dieſe Stunde erſchie¬ nen, und ſie ſtellen ſich nicht ein; ſo haben ſie vom fruͤhen Morgen bis in die Nacht vor mir und meinen Leuten keine Ruhe. Dadurch nun, und weil ich jedesmal bey Ablieferung der Ar¬ beit baar bezahle, erlange ich, daß ich ſeltener belogen werde, als Andre. 8. Ein Blick zuruͤck auf das, was ich von dem Umgange mit Kaufleuten geſagt habe, er¬ in¬

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Zitationshilfe: Knigge, Adolph von: Ueber den Umgang mit Menschen. Bd. 2. Hannover, 1788, S. 140. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/knigge_umgang02_1788/162>, abgerufen am 29.02.2024.