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Laband, Paul: Das Staatsrecht des Deutschen Reiches. Bd. 2. Tübingen, 1877.

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§. 75. Die Verwaltung des Maß- und Gewichtswesens.
der Verpflichtung, die Reichskassen-Scheine zur Einziehung des
Staatspapiergeldes zu verwenden 1).

§. 75. Die Verwaltung des Maß- und Gewichtswesens *).
I. Allgemeine Grundsätze.

Zwischen dem Maß- und Gewichtswesen und dem Münzwesen
besteht hinsichtlich ihrer wirthschaftlichen und rechtlichen Bedeutung
eine unverkennbare Analogie, indem Maß und Gewicht zur quan-
titativen Bestimmung von Waaren, Arbeit oder Leistungen, Geld
zur quantitativen Bestimmung des Preises oder Lohnes dient. In
der staatsrechtlichen Gestaltung findet diese Analogie ihren Aus-
druck. Sowie bei dem Münzwesen zu unterscheiden ist zwischen dem
Münzsystem und der Münzprägung, so auch bei dem Maß- und

1) §. 3 u. §. 4 eod. Diese Vorschriften enthalten keine Rechtssätze, welche
die Emission von Papiergeld betreffen, sondern volkswirthschaftliche und staats-
wirthschaftliche Maßregeln.
*)
Gesetzgebung. Maß- und Gewichts-Ordnung f. den Nordd.
Bund v. 17. August 1868. B.-G.-Bl. S. 473. Motive dazu in den
Drucksachen des Reichstages 1868. Aktenstück Nro. 76. Kommissions-
Bericht ebendas. Nro. 107. Verhandlungen des Reichstages Stenogr.
Berichte S. 397 ff. 430.
Sie ist mit dem 1. Januar 1872 in Kraft getreten. Inzwischen
hat sie für Baden, Südhessen und Württemberg Gesetzeskraft erhalten
durch die vereinbarte Verfassung Art. 80 I. Nro. 11. (B.-G.-Bl. 1870
S. 647. 654); in Bayern durch das R.-G. v. 26. Nov. 1871 (R.-G.-Bl.
S. 397). In Elsaß-Lothringen ist sie am 1. Juli 1875 in Kraft ge-
treten in Folge des R.-G. v. 19. Dezember 1874 (R.-G.-Bl. 1875 (S. 1).
Art. 4 der M.- u. Gew.-Ordn. ist aufgehoben worden durch das
R.-G. v. 7. Dezemb. 1873. (R.-G.-Bl. S. 377).
Eichordnung v. 16. Juli 1869. (B.-G.-Bl. 1869 Beilage zu Nro. 32.)
Eichgebührentaxe v. 12. Dezember 1869. (B.-G.-Bl. 1869 Beilage
zu Nro. 40). Vom 24. Dezember 1874 (Centralbl. 1875 S. 94).
Schiffsvermessungs-Ordnung vom 5. Juli 1872. (R.-G.-Bl. S. 270).
Literatur. Eine Ausgabe der M.- u. Gew.-Ordn. mit Auszügen aus dem
Gesetzgebungs-Material nebst der Eichordnung ist besorgt von Kletke.
(2. Aufl. Berlin 1871). Eine ähnliche Ausgabe erschien im Kortkampf'-
schen Verlage in Berlin. 2. Auflage 1873. -- Vgl. ferner Thudichum
Verf. des Nordd. Bundes S. 356 ff. Rösler, Deutsches Verwaltungsr.
I. 2. S. 317 ff. v. Rönne, Staatsr. des D. R. II. 1 S. 241 ff.
v. Stein, Handbuch der Verwaltungslehre. 2. Aufl. S. 429 ff. Keine
dieser Schriften enthält eine juristische Behandlung des Gegenstandes.

§. 75. Die Verwaltung des Maß- und Gewichtsweſens.
der Verpflichtung, die Reichskaſſen-Scheine zur Einziehung des
Staatspapiergeldes zu verwenden 1).

§. 75. Die Verwaltung des Maß- und Gewichtsweſens *).
I. Allgemeine Grundſätze.

Zwiſchen dem Maß- und Gewichtsweſen und dem Münzweſen
beſteht hinſichtlich ihrer wirthſchaftlichen und rechtlichen Bedeutung
eine unverkennbare Analogie, indem Maß und Gewicht zur quan-
titativen Beſtimmung von Waaren, Arbeit oder Leiſtungen, Geld
zur quantitativen Beſtimmung des Preiſes oder Lohnes dient. In
der ſtaatsrechtlichen Geſtaltung findet dieſe Analogie ihren Aus-
druck. Sowie bei dem Münzweſen zu unterſcheiden iſt zwiſchen dem
Münzſyſtem und der Münzprägung, ſo auch bei dem Maß- und

1) §. 3 u. §. 4 eod. Dieſe Vorſchriften enthalten keine Rechtsſätze, welche
die Emiſſion von Papiergeld betreffen, ſondern volkswirthſchaftliche und ſtaats-
wirthſchaftliche Maßregeln.
*)
Geſetzgebung. Maß- und Gewichts-Ordnung f. den Nordd.
Bund v. 17. Auguſt 1868. B.-G.-Bl. S. 473. Motive dazu in den
Druckſachen des Reichstages 1868. Aktenſtück Nro. 76. Kommiſſions-
Bericht ebendaſ. Nro. 107. Verhandlungen des Reichstages Stenogr.
Berichte S. 397 ff. 430.
Sie iſt mit dem 1. Januar 1872 in Kraft getreten. Inzwiſchen
hat ſie für Baden, Südheſſen und Württemberg Geſetzeskraft erhalten
durch die vereinbarte Verfaſſung Art. 80 I. Nro. 11. (B.-G.-Bl. 1870
S. 647. 654); in Bayern durch das R.-G. v. 26. Nov. 1871 (R.-G.-Bl.
S. 397). In Elſaß-Lothringen iſt ſie am 1. Juli 1875 in Kraft ge-
treten in Folge des R.-G. v. 19. Dezember 1874 (R.-G.-Bl. 1875 (S. 1).
Art. 4 der M.- u. Gew.-Ordn. iſt aufgehoben worden durch das
R.-G. v. 7. Dezemb. 1873. (R.-G.-Bl. S. 377).
Eichordnung v. 16. Juli 1869. (B.-G.-Bl. 1869 Beilage zu Nro. 32.)
Eichgebührentaxe v. 12. Dezember 1869. (B.-G.-Bl. 1869 Beilage
zu Nro. 40). Vom 24. Dezember 1874 (Centralbl. 1875 S. 94).
Schiffsvermeſſungs-Ordnung vom 5. Juli 1872. (R.-G.-Bl. S. 270).
Literatur. Eine Ausgabe der M.- u. Gew.-Ordn. mit Auszügen aus dem
Geſetzgebungs-Material nebſt der Eichordnung iſt beſorgt von Kletke.
(2. Aufl. Berlin 1871). Eine ähnliche Ausgabe erſchien im Kortkampf’-
ſchen Verlage in Berlin. 2. Auflage 1873. — Vgl. ferner Thudichum
Verf. des Nordd. Bundes S. 356 ff. Rösler, Deutſches Verwaltungsr.
I. 2. S. 317 ff. v. Rönne, Staatsr. des D. R. II. 1 S. 241 ff.
v. Stein, Handbuch der Verwaltungslehre. 2. Aufl. S. 429 ff. Keine
dieſer Schriften enthält eine juriſtiſche Behandlung des Gegenſtandes.
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[439/0453] §. 75. Die Verwaltung des Maß- und Gewichtsweſens. der Verpflichtung, die Reichskaſſen-Scheine zur Einziehung des Staatspapiergeldes zu verwenden 1). §. 75. Die Verwaltung des Maß- und Gewichtsweſens *). I. Allgemeine Grundſätze. Zwiſchen dem Maß- und Gewichtsweſen und dem Münzweſen beſteht hinſichtlich ihrer wirthſchaftlichen und rechtlichen Bedeutung eine unverkennbare Analogie, indem Maß und Gewicht zur quan- titativen Beſtimmung von Waaren, Arbeit oder Leiſtungen, Geld zur quantitativen Beſtimmung des Preiſes oder Lohnes dient. In der ſtaatsrechtlichen Geſtaltung findet dieſe Analogie ihren Aus- druck. Sowie bei dem Münzweſen zu unterſcheiden iſt zwiſchen dem Münzſyſtem und der Münzprägung, ſo auch bei dem Maß- und 1) §. 3 u. §. 4 eod. Dieſe Vorſchriften enthalten keine Rechtsſätze, welche die Emiſſion von Papiergeld betreffen, ſondern volkswirthſchaftliche und ſtaats- wirthſchaftliche Maßregeln. *) Geſetzgebung. Maß- und Gewichts-Ordnung f. den Nordd. Bund v. 17. Auguſt 1868. B.-G.-Bl. S. 473. Motive dazu in den Druckſachen des Reichstages 1868. Aktenſtück Nro. 76. Kommiſſions- Bericht ebendaſ. Nro. 107. Verhandlungen des Reichstages Stenogr. Berichte S. 397 ff. 430. Sie iſt mit dem 1. Januar 1872 in Kraft getreten. Inzwiſchen hat ſie für Baden, Südheſſen und Württemberg Geſetzeskraft erhalten durch die vereinbarte Verfaſſung Art. 80 I. Nro. 11. (B.-G.-Bl. 1870 S. 647. 654); in Bayern durch das R.-G. v. 26. Nov. 1871 (R.-G.-Bl. S. 397). In Elſaß-Lothringen iſt ſie am 1. Juli 1875 in Kraft ge- treten in Folge des R.-G. v. 19. Dezember 1874 (R.-G.-Bl. 1875 (S. 1). Art. 4 der M.- u. Gew.-Ordn. iſt aufgehoben worden durch das R.-G. v. 7. Dezemb. 1873. (R.-G.-Bl. S. 377). Eichordnung v. 16. Juli 1869. (B.-G.-Bl. 1869 Beilage zu Nro. 32.) Eichgebührentaxe v. 12. Dezember 1869. (B.-G.-Bl. 1869 Beilage zu Nro. 40). Vom 24. Dezember 1874 (Centralbl. 1875 S. 94). Schiffsvermeſſungs-Ordnung vom 5. Juli 1872. (R.-G.-Bl. S. 270). Literatur. Eine Ausgabe der M.- u. Gew.-Ordn. mit Auszügen aus dem Geſetzgebungs-Material nebſt der Eichordnung iſt beſorgt von Kletke. (2. Aufl. Berlin 1871). Eine ähnliche Ausgabe erſchien im Kortkampf’- ſchen Verlage in Berlin. 2. Auflage 1873. — Vgl. ferner Thudichum Verf. des Nordd. Bundes S. 356 ff. Rösler, Deutſches Verwaltungsr. I. 2. S. 317 ff. v. Rönne, Staatsr. des D. R. II. 1 S. 241 ff. v. Stein, Handbuch der Verwaltungslehre. 2. Aufl. S. 429 ff. Keine dieſer Schriften enthält eine juriſtiſche Behandlung des Gegenſtandes.

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Zitationshilfe: Laband, Paul: Das Staatsrecht des Deutschen Reiches. Bd. 2. Tübingen, 1877, S. 439. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/laband_staatsrecht02_1878/453>, abgerufen am 27.02.2021.