Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Laube, Heinrich: Die Bernsteinhexe. Leipzig, 1846.

Bild:
<< vorherige Seite
Zweiter Akt.

Dasselbe Zimmer wie im ersten Akte. Es ist leer, und es ist
Tageslicht.
Erste Scene.

Birkhahn (sieht vorsichtig durch die Thür herein und tritt dann
ein, an der Thür links horchend).

Kein Mäuschen regt sich; ich glaube wahrhaftig, sie
hat sich ein Herz gefaßt und ist in die Frühkirche gegan-
gen! Jch hatte aber das Herz nicht, in die Kirche hinein
zu treten; solch 'ne Angst hab' ich mein Lebtag nicht in
den Gliedern gehabt! --
(Er sieht nach dem Seiger.) Halb
Sechs! Hat sie doch gestern Abend die Ruhe noch gefun-
den, den Seiger aufzuziehn, gute Jungfer, sie ist gewiß un-
schuldig! Aber 's glaubt mir's kein Mensch. -- Mag's
sein wie's will, und wenn mein Mühlstein drüber den
Kasten zerreißt, ich bleibe bei ihr und such' ihr zu hel-
Zweiter Akt.

Daſſelbe Zimmer wie im erſten Akte. Es iſt leer, und es iſt
Tageslicht.
Erſte Scene.

Birkhahn (ſieht vorſichtig durch die Thuͤr herein und tritt dann
ein, an der Thuͤr links horchend).

Kein Maͤuschen regt ſich; ich glaube wahrhaftig, ſie
hat ſich ein Herz gefaßt und iſt in die Fruͤhkirche gegan-
gen! Jch hatte aber das Herz nicht, in die Kirche hinein
zu treten; ſolch ’ne Angſt hab’ ich mein Lebtag nicht in
den Gliedern gehabt! —
(Er ſieht nach dem Seiger.) Halb
Sechs! Hat ſie doch geſtern Abend die Ruhe noch gefun-
den, den Seiger aufzuziehn, gute Jungfer, ſie iſt gewiß un-
ſchuldig! Aber ’s glaubt mir’s kein Menſch. — Mag’s
ſein wie’s will, und wenn mein Muͤhlſtein druͤber den
Kaſten zerreißt, ich bleibe bei ihr und ſuch’ ihr zu hel-
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <pb facs="#f0100" n="[94]"/>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#b"><hi rendition="#g">Zweiter Akt</hi>.</hi> </head><lb/>
          <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
          <stage>Da&#x017F;&#x017F;elbe Zimmer wie im er&#x017F;ten Akte. Es i&#x017F;t leer, und es i&#x017F;t<lb/>
Tageslicht.</stage><lb/>
          <div n="3">
            <head><hi rendition="#g">Er&#x017F;te Scene</hi>.</head><lb/>
            <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
            <sp who="#BIR">
              <speaker> <hi rendition="#b">Birkhahn</hi> </speaker>
              <stage>(&#x017F;ieht vor&#x017F;ichtig durch die Thu&#x0364;r herein und tritt dann<lb/>
ein, an der Thu&#x0364;r links horchend).</stage><lb/>
              <p>Kein Ma&#x0364;uschen regt &#x017F;ich; ich glaube wahrhaftig, &#x017F;ie<lb/>
hat &#x017F;ich ein Herz gefaßt und i&#x017F;t in die Fru&#x0364;hkirche gegan-<lb/>
gen! Jch hatte aber das Herz nicht, in die Kirche hinein<lb/>
zu treten; &#x017F;olch &#x2019;ne Ang&#x017F;t hab&#x2019; ich mein Lebtag nicht in<lb/>
den Gliedern gehabt! &#x2014;</p>
              <stage>(Er &#x017F;ieht nach dem Seiger.)</stage>
              <p>Halb<lb/>
Sechs! Hat &#x017F;ie doch ge&#x017F;tern Abend die Ruhe noch gefun-<lb/>
den, den Seiger aufzuziehn, gute Jungfer, &#x017F;ie i&#x017F;t gewiß un-<lb/>
&#x017F;chuldig! Aber &#x2019;s glaubt mir&#x2019;s kein Men&#x017F;ch. &#x2014; Mag&#x2019;s<lb/>
&#x017F;ein wie&#x2019;s will, und wenn mein Mu&#x0364;hl&#x017F;tein dru&#x0364;ber den<lb/>
Ka&#x017F;ten zerreißt, ich bleibe bei ihr und &#x017F;uch&#x2019; ihr zu hel-<lb/></p>
            </sp>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[[94]/0100] Zweiter Akt. Daſſelbe Zimmer wie im erſten Akte. Es iſt leer, und es iſt Tageslicht. Erſte Scene. Birkhahn (ſieht vorſichtig durch die Thuͤr herein und tritt dann ein, an der Thuͤr links horchend). Kein Maͤuschen regt ſich; ich glaube wahrhaftig, ſie hat ſich ein Herz gefaßt und iſt in die Fruͤhkirche gegan- gen! Jch hatte aber das Herz nicht, in die Kirche hinein zu treten; ſolch ’ne Angſt hab’ ich mein Lebtag nicht in den Gliedern gehabt! — (Er ſieht nach dem Seiger.) Halb Sechs! Hat ſie doch geſtern Abend die Ruhe noch gefun- den, den Seiger aufzuziehn, gute Jungfer, ſie iſt gewiß un- ſchuldig! Aber ’s glaubt mir’s kein Menſch. — Mag’s ſein wie’s will, und wenn mein Muͤhlſtein druͤber den Kaſten zerreißt, ich bleibe bei ihr und ſuch’ ihr zu hel-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/laube_bernsteinhexe_1846
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/laube_bernsteinhexe_1846/100
Zitationshilfe: Laube, Heinrich: Die Bernsteinhexe. Leipzig, 1846, S. [94]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/laube_bernsteinhexe_1846/100>, abgerufen am 17.06.2024.