Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Laukhard, Friedrich Christian: F. C. Laukhards Leben und Schicksale. Bd. 2. Halle, 1792.

Bild:
<< vorherige Seite

nicht grausam gegen ihre Anbeter wären -- wenn
man das sonst von einem großen Theil der Hallense-
rinnen auch nur überhaupt sagen könnte.

Wir mochten wohl eine Stunde da gewesen
seyn, ohne jedoch das geringste Unanständige unter-
nommen zu haben: denn, wie gesagt, Schmitz und
ich wusten von der Beschaffenheit dieses Hauses gar
nichts, als noch vier Studenten, die wir aber nicht
kannten, herein traten, und sich bei den Mädchen
etwas mehr Freiheit herausnahmen. Köster und
Schmitz zankten über eine Stelle im Horatz, und
dieser Zank schien dem einen Studenten, Namens
Kühkäfer, in einem solchen Hause sehr übel statt zu
finden. Er trat also zu den Streitenden, und zog
sie mit ihrer Pedanterei auf; allein Köster, schon
durch den Schnapps erhitzt, trumpfte ihn gewaltig
ab, und hieß ihn einen dummen Jungen. Dar-
über kam alles in Harnisch, und ich muste mit zu-
greifen, um meine beiden Compagnons nicht im
Stick zu lassen. Es setzte Ohrfeigen, und die Glä-
ser flogen schon hin und her, als auf einmal Min-
chen, die schönste h) der Nymphen, hereinsprang,

h) Es frägt sich: ob man Nymphen dieser Art auch schön
nennen könne? -- Vielleicht lösen uns der Herr Profes-
sor Heidenreich nach Dero bekannten Gründlichkeit die-
se Frage bald im 2ten Theile ihrer vortreflichen Aesthe-
tik auf.

nicht grauſam gegen ihre Anbeter waͤren — wenn
man das ſonſt von einem großen Theil der Hallenſe-
rinnen auch nur uͤberhaupt ſagen koͤnnte.

Wir mochten wohl eine Stunde da geweſen
ſeyn, ohne jedoch das geringſte Unanſtaͤndige unter-
nommen zu haben: denn, wie geſagt, Schmitz und
ich wuſten von der Beſchaffenheit dieſes Hauſes gar
nichts, als noch vier Studenten, die wir aber nicht
kannten, herein traten, und ſich bei den Maͤdchen
etwas mehr Freiheit herausnahmen. Koͤſter und
Schmitz zankten uͤber eine Stelle im Horatz, und
dieſer Zank ſchien dem einen Studenten, Namens
Kuͤhkaͤfer, in einem ſolchen Hauſe ſehr uͤbel ſtatt zu
finden. Er trat alſo zu den Streitenden, und zog
ſie mit ihrer Pedanterei auf; allein Koͤſter, ſchon
durch den Schnapps erhitzt, trumpfte ihn gewaltig
ab, und hieß ihn einen dummen Jungen. Dar-
uͤber kam alles in Harniſch, und ich muſte mit zu-
greifen, um meine beiden Compagnons nicht im
Stick zu laſſen. Es ſetzte Ohrfeigen, und die Glaͤ-
ſer flogen ſchon hin und her, als auf einmal Min-
chen, die ſchoͤnſte h) der Nymphen, hereinſprang,

h) Es fraͤgt ſich: ob man Nymphen dieſer Art auch ſchoͤn
nennen koͤnne? — Vielleicht loͤſen uns der Herr Profeſ-
ſor Heidenreich nach Dero bekannten Gruͤndlichkeit die-
ſe Frage bald im 2ten Theile ihrer vortreflichen Aeſthe-
tik auf.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <p><pb facs="#f0156" n="154"/>
nicht grau&#x017F;am gegen ihre Anbeter wa&#x0364;ren &#x2014; wenn<lb/>
man das &#x017F;on&#x017F;t von einem großen Theil der Hallen&#x017F;e-<lb/>
rinnen auch nur u&#x0364;berhaupt &#x017F;agen ko&#x0364;nnte.</p><lb/>
        <p>Wir mochten wohl eine Stunde da gewe&#x017F;en<lb/>
&#x017F;eyn, ohne jedoch das gering&#x017F;te Unan&#x017F;ta&#x0364;ndige unter-<lb/>
nommen zu haben: denn, wie ge&#x017F;agt, Schmitz und<lb/>
ich wu&#x017F;ten von der Be&#x017F;chaffenheit die&#x017F;es Hau&#x017F;es gar<lb/>
nichts, als noch vier Studenten, die wir aber nicht<lb/>
kannten, herein traten, und &#x017F;ich bei den Ma&#x0364;dchen<lb/>
etwas mehr Freiheit herausnahmen. Ko&#x0364;&#x017F;ter und<lb/>
Schmitz zankten u&#x0364;ber eine Stelle im Horatz, und<lb/>
die&#x017F;er Zank &#x017F;chien dem einen Studenten, Namens<lb/>
Ku&#x0364;hka&#x0364;fer, in einem &#x017F;olchen Hau&#x017F;e &#x017F;ehr u&#x0364;bel &#x017F;tatt zu<lb/>
finden. Er trat al&#x017F;o zu den Streitenden, und zog<lb/>
&#x017F;ie mit ihrer Pedanterei auf; allein Ko&#x0364;&#x017F;ter, &#x017F;chon<lb/>
durch den Schnapps erhitzt, trumpfte ihn gewaltig<lb/>
ab, und hieß ihn einen dummen Jungen. Dar-<lb/>
u&#x0364;ber kam alles in Harni&#x017F;ch, und ich mu&#x017F;te mit zu-<lb/>
greifen, um meine beiden Compagnons nicht im<lb/>
Stick zu la&#x017F;&#x017F;en. Es &#x017F;etzte Ohrfeigen, und die Gla&#x0364;-<lb/>
&#x017F;er flogen &#x017F;chon hin und her, als auf einmal <hi rendition="#g">Min</hi>-<lb/><hi rendition="#g">chen</hi>, die &#x017F;cho&#x0364;n&#x017F;te <note place="foot" n="h)">Es fra&#x0364;gt &#x017F;ich: ob man Nymphen die&#x017F;er Art auch &#x017F;cho&#x0364;n<lb/>
nennen ko&#x0364;nne? &#x2014; Vielleicht lo&#x0364;&#x017F;en uns der Herr Profe&#x017F;-<lb/>
&#x017F;or Heidenreich nach Dero bekannten Gru&#x0364;ndlichkeit die-<lb/>
&#x017F;e Frage bald im 2ten Theile ihrer vortreflichen Ae&#x017F;the-<lb/>
tik auf.</note> der Nymphen, herein&#x017F;prang,<lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[154/0156] nicht grauſam gegen ihre Anbeter waͤren — wenn man das ſonſt von einem großen Theil der Hallenſe- rinnen auch nur uͤberhaupt ſagen koͤnnte. Wir mochten wohl eine Stunde da geweſen ſeyn, ohne jedoch das geringſte Unanſtaͤndige unter- nommen zu haben: denn, wie geſagt, Schmitz und ich wuſten von der Beſchaffenheit dieſes Hauſes gar nichts, als noch vier Studenten, die wir aber nicht kannten, herein traten, und ſich bei den Maͤdchen etwas mehr Freiheit herausnahmen. Koͤſter und Schmitz zankten uͤber eine Stelle im Horatz, und dieſer Zank ſchien dem einen Studenten, Namens Kuͤhkaͤfer, in einem ſolchen Hauſe ſehr uͤbel ſtatt zu finden. Er trat alſo zu den Streitenden, und zog ſie mit ihrer Pedanterei auf; allein Koͤſter, ſchon durch den Schnapps erhitzt, trumpfte ihn gewaltig ab, und hieß ihn einen dummen Jungen. Dar- uͤber kam alles in Harniſch, und ich muſte mit zu- greifen, um meine beiden Compagnons nicht im Stick zu laſſen. Es ſetzte Ohrfeigen, und die Glaͤ- ſer flogen ſchon hin und her, als auf einmal Min- chen, die ſchoͤnſte h) der Nymphen, hereinſprang, h) Es fraͤgt ſich: ob man Nymphen dieſer Art auch ſchoͤn nennen koͤnne? — Vielleicht loͤſen uns der Herr Profeſ- ſor Heidenreich nach Dero bekannten Gruͤndlichkeit die- ſe Frage bald im 2ten Theile ihrer vortreflichen Aeſthe- tik auf.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/laukhard_leben02_1792
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/laukhard_leben02_1792/156
Zitationshilfe: Laukhard, Friedrich Christian: F. C. Laukhards Leben und Schicksale. Bd. 2. Halle, 1792, S. 154. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/laukhard_leben02_1792/156>, abgerufen am 19.04.2024.