Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Laukhard, Friedrich Christian: F. C. Laukhards Leben und Schicksale. Bd. 2. Halle, 1792.

Bild:
<< vorherige Seite

Landsleuten oder Ordensbrüdern umgeben ist. Ich
hatte besonders mit einigen Franzosen, die ihre Spra-
che gut redeten, Umgang, und da ich seit sehr langer
Zeit nicht mehr französisch zu sprechen Gelegenheit
gehabt hatte, so war es mir lieb, mir bei ihnen die
verlohrne Flüchtigkeit im Reden wieder zu verschaf-
fen. Oft hab ich die Bemerkung gemacht, daß
eine vier Wochen unterlassene Uebung in einer
Sprache die Fertigkeit im Reden gleich hemmt; eine
Uebung aber nur einige Tage fortgesetzt, dieselbe
wieder herstellt.

Daß ich auch bei den Soldaten ein Fuchs war,
und als Fuchs geprellt worden bin, läßt sich leicht
abnehmen. Oft mußte ich für meine Mitkonsorten
die Zeche bezahlen, bald ihnen Geld borgen, das ich
niemals wieder bekam, bald mich sonst anführen las-
sen. Allein das ist einmal nicht anders: Füchse müs-
sen geprellt seyn, und unter dem Militair giebt es
eben so pfiffige, ja noch viel pfiffigere, als unter den
Studenten.



Landsleuten oder Ordensbruͤdern umgeben iſt. Ich
hatte beſonders mit einigen Franzoſen, die ihre Spra-
che gut redeten, Umgang, und da ich ſeit ſehr langer
Zeit nicht mehr franzoͤſiſch zu ſprechen Gelegenheit
gehabt hatte, ſo war es mir lieb, mir bei ihnen die
verlohrne Fluͤchtigkeit im Reden wieder zu verſchaf-
fen. Oft hab ich die Bemerkung gemacht, daß
eine vier Wochen unterlaſſene Uebung in einer
Sprache die Fertigkeit im Reden gleich hemmt; eine
Uebung aber nur einige Tage fortgeſetzt, dieſelbe
wieder herſtellt.

Daß ich auch bei den Soldaten ein Fuchs war,
und als Fuchs geprellt worden bin, laͤßt ſich leicht
abnehmen. Oft mußte ich fuͤr meine Mitkonſorten
die Zeche bezahlen, bald ihnen Geld borgen, das ich
niemals wieder bekam, bald mich ſonſt anfuͤhren laſ-
ſen. Allein das iſt einmal nicht anders: Fuͤchſe muͤſ-
ſen geprellt ſeyn, und unter dem Militair giebt es
eben ſo pfiffige, ja noch viel pfiffigere, als unter den
Studenten.



<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <p><pb facs="#f0274" n="262[272]"/>
Landsleuten oder Ordensbru&#x0364;dern umgeben i&#x017F;t. Ich<lb/>
hatte be&#x017F;onders mit einigen Franzo&#x017F;en, die ihre Spra-<lb/>
che gut redeten, Umgang, und da ich &#x017F;eit &#x017F;ehr langer<lb/>
Zeit nicht mehr franzo&#x0364;&#x017F;i&#x017F;ch zu &#x017F;prechen Gelegenheit<lb/>
gehabt hatte, &#x017F;o war es mir lieb, mir bei ihnen die<lb/>
verlohrne Flu&#x0364;chtigkeit im Reden wieder zu ver&#x017F;chaf-<lb/>
fen. Oft hab ich die Bemerkung gemacht, daß<lb/>
eine vier Wochen unterla&#x017F;&#x017F;ene Uebung in einer<lb/>
Sprache die Fertigkeit im Reden gleich hemmt; eine<lb/>
Uebung aber nur einige Tage fortge&#x017F;etzt, die&#x017F;elbe<lb/>
wieder her&#x017F;tellt.</p><lb/>
        <p>Daß ich auch bei den Soldaten ein Fuchs war,<lb/>
und als Fuchs geprellt worden bin, la&#x0364;ßt &#x017F;ich leicht<lb/>
abnehmen. Oft mußte ich fu&#x0364;r meine Mitkon&#x017F;orten<lb/>
die Zeche bezahlen, bald ihnen Geld borgen, das ich<lb/>
niemals wieder bekam, bald mich &#x017F;on&#x017F;t anfu&#x0364;hren la&#x017F;-<lb/>
&#x017F;en. Allein das i&#x017F;t einmal nicht anders: Fu&#x0364;ch&#x017F;e mu&#x0364;&#x017F;-<lb/>
&#x017F;en geprellt &#x017F;eyn, und unter dem Militair giebt es<lb/>
eben &#x017F;o pfiffige, ja noch viel pfiffigere, als unter den<lb/>
Studenten.</p>
      </div><lb/>
      <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
    </body>
  </text>
</TEI>
[262[272]/0274] Landsleuten oder Ordensbruͤdern umgeben iſt. Ich hatte beſonders mit einigen Franzoſen, die ihre Spra- che gut redeten, Umgang, und da ich ſeit ſehr langer Zeit nicht mehr franzoͤſiſch zu ſprechen Gelegenheit gehabt hatte, ſo war es mir lieb, mir bei ihnen die verlohrne Fluͤchtigkeit im Reden wieder zu verſchaf- fen. Oft hab ich die Bemerkung gemacht, daß eine vier Wochen unterlaſſene Uebung in einer Sprache die Fertigkeit im Reden gleich hemmt; eine Uebung aber nur einige Tage fortgeſetzt, dieſelbe wieder herſtellt. Daß ich auch bei den Soldaten ein Fuchs war, und als Fuchs geprellt worden bin, laͤßt ſich leicht abnehmen. Oft mußte ich fuͤr meine Mitkonſorten die Zeche bezahlen, bald ihnen Geld borgen, das ich niemals wieder bekam, bald mich ſonſt anfuͤhren laſ- ſen. Allein das iſt einmal nicht anders: Fuͤchſe muͤſ- ſen geprellt ſeyn, und unter dem Militair giebt es eben ſo pfiffige, ja noch viel pfiffigere, als unter den Studenten.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/laukhard_leben02_1792
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/laukhard_leben02_1792/274
Zitationshilfe: Laukhard, Friedrich Christian: F. C. Laukhards Leben und Schicksale. Bd. 2. Halle, 1792, S. 262[272]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/laukhard_leben02_1792/274>, abgerufen am 21.02.2024.