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Laukhard, Friedrich Christian: F. C. Laukhards Leben und Schicksale. Bd. 2. Halle, 1792.

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daß ihm aber das kaiserliche Oberamt zu Winweiler
allerhand Händel gemacht habe, obgleich mein Bru-
der die Präsentation vom Herrn von Dienheim,
als dem Patron, gehabt hätte. Mein Bruder hatte
darüber mit dem Oberamte processirt, und war so-
gar selbst nach Freiburg, zur Regierung gereiset;
aber alles vergeblich: ein gewisser Schweikert
hatte auf Betrieb des Oberamtmanns zu Winweiler
die Pfarre erhalten. Ich muß gestehen, daß ich
mich bei dieser Erzählung gar nicht betrübt habe:
Vielmehr empfand ich eine Art von Schadenfreude,
die freilich unanständig, aber doch sehr natürlich ist,
zumal wenn der Schade Menschenkinder betrift, die
uns empfindlich gekränkt haben. Her Dietsch treibt
auch Weingeschäfte in Halle, und so habe ich ihn
hernach mehrmals gesprochen.

Zwei und dreissigstes Kapitel.

Maskirte Schlittenfahrt. Händel mit Quacksalbergesindel.
Tod meines Vaters.



Im Winter 1788 hielten die Studenten eine mas-
kirte Schlittenfahrt, dergleichen ich noch nie gesehen
hatte. Die Gießer Schlittenfahrten en masque wa-
ren zwar grell genug; hatten aber weiter nichts als

daß ihm aber das kaiſerliche Oberamt zu Winweiler
allerhand Haͤndel gemacht habe, obgleich mein Bru-
der die Praͤſentation vom Herrn von Dienheim,
als dem Patron, gehabt haͤtte. Mein Bruder hatte
daruͤber mit dem Oberamte proceſſirt, und war ſo-
gar ſelbſt nach Freiburg, zur Regierung gereiſet;
aber alles vergeblich: ein gewiſſer Schweikert
hatte auf Betrieb des Oberamtmanns zu Winweiler
die Pfarre erhalten. Ich muß geſtehen, daß ich
mich bei dieſer Erzaͤhlung gar nicht betruͤbt habe:
Vielmehr empfand ich eine Art von Schadenfreude,
die freilich unanſtaͤndig, aber doch ſehr natuͤrlich iſt,
zumal wenn der Schade Menſchenkinder betrift, die
uns empfindlich gekraͤnkt haben. Her Dietſch treibt
auch Weingeſchaͤfte in Halle, und ſo habe ich ihn
hernach mehrmals geſprochen.

Zwei und dreiſſigſtes Kapitel.

Maskirte Schlittenfahrt. Haͤndel mit Quackſalbergeſindel.
Tod meines Vaters.



Im Winter 1788 hielten die Studenten eine mas-
kirte Schlittenfahrt, dergleichen ich noch nie geſehen
hatte. Die Gießer Schlittenfahrten en masque wa-
ren zwar grell genug; hatten aber weiter nichts als

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[383[385]/0387] daß ihm aber das kaiſerliche Oberamt zu Winweiler allerhand Haͤndel gemacht habe, obgleich mein Bru- der die Praͤſentation vom Herrn von Dienheim, als dem Patron, gehabt haͤtte. Mein Bruder hatte daruͤber mit dem Oberamte proceſſirt, und war ſo- gar ſelbſt nach Freiburg, zur Regierung gereiſet; aber alles vergeblich: ein gewiſſer Schweikert hatte auf Betrieb des Oberamtmanns zu Winweiler die Pfarre erhalten. Ich muß geſtehen, daß ich mich bei dieſer Erzaͤhlung gar nicht betruͤbt habe: Vielmehr empfand ich eine Art von Schadenfreude, die freilich unanſtaͤndig, aber doch ſehr natuͤrlich iſt, zumal wenn der Schade Menſchenkinder betrift, die uns empfindlich gekraͤnkt haben. Her Dietſch treibt auch Weingeſchaͤfte in Halle, und ſo habe ich ihn hernach mehrmals geſprochen. Zwei und dreiſſigſtes Kapitel. Maskirte Schlittenfahrt. Haͤndel mit Quackſalbergeſindel. Tod meines Vaters. Im Winter 1788 hielten die Studenten eine mas- kirte Schlittenfahrt, dergleichen ich noch nie geſehen hatte. Die Gießer Schlittenfahrten en masque wa- ren zwar grell genug; hatten aber weiter nichts als

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Zitationshilfe: Laukhard, Friedrich Christian: F. C. Laukhards Leben und Schicksale. Bd. 2. Halle, 1792, S. 383[385]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/laukhard_leben02_1792/387>, abgerufen am 14.04.2021.