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Laukhard, Friedrich Christian: F. C. Laukhards Leben und Schicksale. Bd. 5. Leipzig, 1802.

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sprächen von Verbesserungen, welche der neue Ma-
gistrat vornehmen würde. Es blieb jedoch alles
ruhig, so ziemlich nämlich, bis gegen den Herbst
1801, wo die sogenannten Studentenkränzchen
aufgehoben werden sollten.

Ehedem existirten in Halle eine große Menge
Ordensbrüder, welche unter dem Namen der Uni-
tisten und Constantisten vorzüglich bekannt waren.
Es gab zwar auch zu gewissen Zeiten Inviolabi-
listen, Desperatisten und andre Klicken mit selt-
samen Namen, aber diese kamen vor jenen nicht
recht auf, und unter andern nahm der Orden der
Herren Desperatisten ein gar desperates Ende. Die
Universität war immer aufmerksam auf die Ordens-
verbindungen, und stellte mehrmals scharfe Unter-
suchungen darwider an: aber ganz vertilgt wurden
sie doch nie, bis es der Mehrheit der Studenten
selbst einfiel, gegen die Orden zu agiren, und ih-
nen ein derbes Bollwerk entgegen zu setzen. Dieses
Contra gegen die Orden sollten die Kränzchen wer-
den, welche die verschiedenen Landsmannschaften
unter sich errichteten, und den Orden opponirten.
Das Ding hatte den besten Erfolg; die Orden wur-
den gewisser Maaßen infamisirt, und gingen so
nach und nach ein, wenigstens wurden sie unsicht-
bar, wie die unsichtbare christliche Kirche, und

ſpraͤchen von Verbeſſerungen, welche der neue Ma-
giſtrat vornehmen wuͤrde. Es blieb jedoch alles
ruhig, ſo ziemlich naͤmlich, bis gegen den Herbſt
1801, wo die ſogenannten Studentenkraͤnzchen
aufgehoben werden ſollten.

Ehedem exiſtirten in Halle eine große Menge
Ordensbruͤder, welche unter dem Namen der Uni-
tiſten und Conſtantiſten vorzuͤglich bekannt waren.
Es gab zwar auch zu gewiſſen Zeiten Inviolabi-
liſten, Deſperatiſten und andre Klicken mit ſelt-
ſamen Namen, aber dieſe kamen vor jenen nicht
recht auf, und unter andern nahm der Orden der
Herren Deſperatiſten ein gar deſperates Ende. Die
Univerſitaͤt war immer aufmerkſam auf die Ordens-
verbindungen, und ſtellte mehrmals ſcharfe Unter-
ſuchungen darwider an: aber ganz vertilgt wurden
ſie doch nie, bis es der Mehrheit der Studenten
ſelbſt einfiel, gegen die Orden zu agiren, und ih-
nen ein derbes Bollwerk entgegen zu ſetzen. Dieſes
Contra gegen die Orden ſollten die Kraͤnzchen wer-
den, welche die verſchiedenen Landsmannſchaften
unter ſich errichteten, und den Orden opponirten.
Das Ding hatte den beſten Erfolg; die Orden wur-
den gewiſſer Maaßen infamiſirt, und gingen ſo
nach und nach ein, wenigſtens wurden ſie unſicht-
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[303/0311] ſpraͤchen von Verbeſſerungen, welche der neue Ma- giſtrat vornehmen wuͤrde. Es blieb jedoch alles ruhig, ſo ziemlich naͤmlich, bis gegen den Herbſt 1801, wo die ſogenannten Studentenkraͤnzchen aufgehoben werden ſollten. Ehedem exiſtirten in Halle eine große Menge Ordensbruͤder, welche unter dem Namen der Uni- tiſten und Conſtantiſten vorzuͤglich bekannt waren. Es gab zwar auch zu gewiſſen Zeiten Inviolabi- liſten, Deſperatiſten und andre Klicken mit ſelt- ſamen Namen, aber dieſe kamen vor jenen nicht recht auf, und unter andern nahm der Orden der Herren Deſperatiſten ein gar deſperates Ende. Die Univerſitaͤt war immer aufmerkſam auf die Ordens- verbindungen, und ſtellte mehrmals ſcharfe Unter- ſuchungen darwider an: aber ganz vertilgt wurden ſie doch nie, bis es der Mehrheit der Studenten ſelbſt einfiel, gegen die Orden zu agiren, und ih- nen ein derbes Bollwerk entgegen zu ſetzen. Dieſes Contra gegen die Orden ſollten die Kraͤnzchen wer- den, welche die verſchiedenen Landsmannſchaften unter ſich errichteten, und den Orden opponirten. Das Ding hatte den beſten Erfolg; die Orden wur- den gewiſſer Maaßen infamiſirt, und gingen ſo nach und nach ein, wenigſtens wurden ſie unſicht- bar, wie die unſichtbare chriſtliche Kirche, und

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Zitationshilfe: Laukhard, Friedrich Christian: F. C. Laukhards Leben und Schicksale. Bd. 5. Leipzig, 1802, S. 303. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/laukhard_leben05_1802/311>, abgerufen am 28.02.2024.