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Lehnert, Josef von u. a.: Die Seehäfen des Weltverkehrs. Bd. 1. Wien, 1891.

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Der atlantische Ocean.

Die Zuckerraffinerien, Chocolade-, Liqueur-, Tabak- und Cigarrenfabriken
haben wir bereits genannt. Ausser ihnen sind dort eine Borax- und eine Kampher-
raffinerie, Oel- und Kerzenfabriken, Bierbrauereien, Mühlen und Brotfabriken;
letztere sind eine Specialität Hollands; ferner Fabriken für Segeltuch, für Gold-
und Silberwaaren, Eisengiessereien, eine Reihe grosser Maschinenfabriken und
Schiffbauanstalten und endlich die berühmten Diamantenschleifereien. Diese
beschäftigten noch 1886 7000--8000 Arbeiter, denen an Löhnen über sechs Mil-
lionen Gulden ausbezahlt wurden. Kaum der sechste Theil derselben findet momentan
Arbeit, weil ein Ring der Besitzer der Diamantengruben im Caplande die Preise
des Rohmateriales sehr hoch hält. Diese Krisis trifft hart die Colonie portugiesi-
scher Juden in Amsterdam, die dort seit Jahrhunderten Schutz und Freiheit der
Religion gefunden haben, welche ihnen in Portugal versagt waren; dafür ver-
pflanzten sie die Fertigkeit, Diamanten zu schleifen, in die neue Heimat; sie
wird nur noch in Antwerpen, London und New-York in grossem Style betrieben.
Doch steht Amsterdam noch immer an der Spitze dieses Industriezweiges.

Der Schiffsverkehr von Amsterdam betrug:

[Tabelle]

Auch im Hafen von Amsterdam entfällt der grösste Antheil an der Tonnen-
zahl auf die englische Flagge (1888) mit 41 %, während die niederländische
Flagge kaum 39 % erreicht und auf die nächststehende deutsche Flagge nur mehr
7·6 % entfallen; ihnen reihen sich an die norwegische und die spanische Flagge.

Amsterdam ist auch ein bekannter Auswandererhafen. Im Jahre 1889
gingen ihrer 5058 nach New-York und 2024 nach Südamerika.

Die Marine von Amsterdam bestand Ende 1889 aus 50 Segelschiffen mit
41.041 m3 und 62 Dampfschiffen mit 93.136 m3, zusammen aus 112 Seeschiffen
mit 134.177 m3.

Amsterdam hat eine Reihe von regelmässigen Postverbindungen im Inlande,
so nach Harlingen und Zwolle. Ebenso wichtig ist die Einrichtung einer regel-
mässigen Verbindung auf Flüssen und Canälen von Amsterdam zum Oberrhein
durch die Amsterdamer "Reijnbeurtvaart" und die "Amstel-Reijn-Main"-Dampf-
schiffgesellschaft.

Nach New-York (3428 Seemeilen), Montevideo und Buenos-Ayres gehen von
hier abwechselnd mit Rotterdam Schiffe der Niederländisch-amerikanischen Dampf-
schiffahrts-Gesellschaft, nach Westindien und New-York der Koninklijke West-
indische Maildienst, nach Java die Stoomvart-Maatschappij "Nederland", die
letztere läuft Southampton und Genua an.

Nach Niederländisch-Indien gehen ferner die Gesellschaften "Java" und
"Insulinde".

Von den zahlreichen anderen Verbindungen Amsterdams heben wir hier
die mit den englischen, deutschen und nordischen Plätzen, mit Havre, der py-
renäischen Halbinsel und der Levante hervor.

Unter den Gesellschaften, welche diesen Verkehr vermitteln, ist die wich-
tigste die Koninklijke Nederlandsche Stoomboot-Maatschappij, den Verkehr mit
London insbesondere vermittelt die Hollandsche Stoomboot-Maatschappij.

Amsterdam ist Knotenpunkt von fünf Eisenbahnlinien.


Der atlantische Ocean.

Die Zuckerraffinerien, Chocolade-, Liqueur-, Tabak- und Cigarrenfabriken
haben wir bereits genannt. Ausser ihnen sind dort eine Borax- und eine Kampher-
raffinerie, Oel- und Kerzenfabriken, Bierbrauereien, Mühlen und Brotfabriken;
letztere sind eine Specialität Hollands; ferner Fabriken für Segeltuch, für Gold-
und Silberwaaren, Eisengiessereien, eine Reihe grosser Maschinenfabriken und
Schiffbauanstalten und endlich die berühmten Diamantenschleifereien. Diese
beschäftigten noch 1886 7000—8000 Arbeiter, denen an Löhnen über sechs Mil-
lionen Gulden ausbezahlt wurden. Kaum der sechste Theil derselben findet momentan
Arbeit, weil ein Ring der Besitzer der Diamantengruben im Caplande die Preise
des Rohmateriales sehr hoch hält. Diese Krisis trifft hart die Colonie portugiesi-
scher Juden in Amsterdam, die dort seit Jahrhunderten Schutz und Freiheit der
Religion gefunden haben, welche ihnen in Portugal versagt waren; dafür ver-
pflanzten sie die Fertigkeit, Diamanten zu schleifen, in die neue Heimat; sie
wird nur noch in Antwerpen, London und New-York in grossem Style betrieben.
Doch steht Amsterdam noch immer an der Spitze dieses Industriezweiges.

Der Schiffsverkehr von Amsterdam betrug:

[Tabelle]

Auch im Hafen von Amsterdam entfällt der grösste Antheil an der Tonnen-
zahl auf die englische Flagge (1888) mit 41 %, während die niederländische
Flagge kaum 39 % erreicht und auf die nächststehende deutsche Flagge nur mehr
7·6 % entfallen; ihnen reihen sich an die norwegische und die spanische Flagge.

Amsterdam ist auch ein bekannter Auswandererhafen. Im Jahre 1889
gingen ihrer 5058 nach New-York und 2024 nach Südamerika.

Die Marine von Amsterdam bestand Ende 1889 aus 50 Segelschiffen mit
41.041 m3 und 62 Dampfschiffen mit 93.136 m3, zusammen aus 112 Seeschiffen
mit 134.177 m3.

Amsterdam hat eine Reihe von regelmässigen Postverbindungen im Inlande,
so nach Harlingen und Zwolle. Ebenso wichtig ist die Einrichtung einer regel-
mässigen Verbindung auf Flüssen und Canälen von Amsterdam zum Oberrhein
durch die Amsterdamer „Reijnbeurtvaart“ und die „Amstel-Reijn-Main“-Dampf-
schiffgesellschaft.

Nach New-York (3428 Seemeilen), Montevideo und Buenos-Ayres gehen von
hier abwechselnd mit Rotterdam Schiffe der Niederländisch-amerikanischen Dampf-
schiffahrts-Gesellschaft, nach Westindien und New-York der Koninklijke West-
indische Maildienst, nach Java die Stoomvart-Maatschappij „Nederland“, die
letztere läuft Southampton und Genua an.

Nach Niederländisch-Indien gehen ferner die Gesellschaften „Java“ und
„Insulinde“.

Von den zahlreichen anderen Verbindungen Amsterdams heben wir hier
die mit den englischen, deutschen und nordischen Plätzen, mit Hâvre, der py-
renäischen Halbinsel und der Levante hervor.

Unter den Gesellschaften, welche diesen Verkehr vermitteln, ist die wich-
tigste die Koninklijke Nederlandsche Stoomboot-Maatschappij, den Verkehr mit
London insbesondere vermittelt die Hollandsche Stoomboot-Maatschappij.

Amsterdam ist Knotenpunkt von fünf Eisenbahnlinien.


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[710/0730] Der atlantische Ocean. Die Zuckerraffinerien, Chocolade-, Liqueur-, Tabak- und Cigarrenfabriken haben wir bereits genannt. Ausser ihnen sind dort eine Borax- und eine Kampher- raffinerie, Oel- und Kerzenfabriken, Bierbrauereien, Mühlen und Brotfabriken; letztere sind eine Specialität Hollands; ferner Fabriken für Segeltuch, für Gold- und Silberwaaren, Eisengiessereien, eine Reihe grosser Maschinenfabriken und Schiffbauanstalten und endlich die berühmten Diamantenschleifereien. Diese beschäftigten noch 1886 7000—8000 Arbeiter, denen an Löhnen über sechs Mil- lionen Gulden ausbezahlt wurden. Kaum der sechste Theil derselben findet momentan Arbeit, weil ein Ring der Besitzer der Diamantengruben im Caplande die Preise des Rohmateriales sehr hoch hält. Diese Krisis trifft hart die Colonie portugiesi- scher Juden in Amsterdam, die dort seit Jahrhunderten Schutz und Freiheit der Religion gefunden haben, welche ihnen in Portugal versagt waren; dafür ver- pflanzten sie die Fertigkeit, Diamanten zu schleifen, in die neue Heimat; sie wird nur noch in Antwerpen, London und New-York in grossem Style betrieben. Doch steht Amsterdam noch immer an der Spitze dieses Industriezweiges. Der Schiffsverkehr von Amsterdam betrug: _ Auch im Hafen von Amsterdam entfällt der grösste Antheil an der Tonnen- zahl auf die englische Flagge (1888) mit 41 %, während die niederländische Flagge kaum 39 % erreicht und auf die nächststehende deutsche Flagge nur mehr 7·6 % entfallen; ihnen reihen sich an die norwegische und die spanische Flagge. Amsterdam ist auch ein bekannter Auswandererhafen. Im Jahre 1889 gingen ihrer 5058 nach New-York und 2024 nach Südamerika. Die Marine von Amsterdam bestand Ende 1889 aus 50 Segelschiffen mit 41.041 m3 und 62 Dampfschiffen mit 93.136 m3, zusammen aus 112 Seeschiffen mit 134.177 m3. Amsterdam hat eine Reihe von regelmässigen Postverbindungen im Inlande, so nach Harlingen und Zwolle. Ebenso wichtig ist die Einrichtung einer regel- mässigen Verbindung auf Flüssen und Canälen von Amsterdam zum Oberrhein durch die Amsterdamer „Reijnbeurtvaart“ und die „Amstel-Reijn-Main“-Dampf- schiffgesellschaft. Nach New-York (3428 Seemeilen), Montevideo und Buenos-Ayres gehen von hier abwechselnd mit Rotterdam Schiffe der Niederländisch-amerikanischen Dampf- schiffahrts-Gesellschaft, nach Westindien und New-York der Koninklijke West- indische Maildienst, nach Java die Stoomvart-Maatschappij „Nederland“, die letztere läuft Southampton und Genua an. Nach Niederländisch-Indien gehen ferner die Gesellschaften „Java“ und „Insulinde“. Von den zahlreichen anderen Verbindungen Amsterdams heben wir hier die mit den englischen, deutschen und nordischen Plätzen, mit Hâvre, der py- renäischen Halbinsel und der Levante hervor. Unter den Gesellschaften, welche diesen Verkehr vermitteln, ist die wich- tigste die Koninklijke Nederlandsche Stoomboot-Maatschappij, den Verkehr mit London insbesondere vermittelt die Hollandsche Stoomboot-Maatschappij. Amsterdam ist Knotenpunkt von fünf Eisenbahnlinien.

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Zitationshilfe: Lehnert, Josef von u. a.: Die Seehäfen des Weltverkehrs. Bd. 1. Wien, 1891, S. 710. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/lehnert_seehaefen01_1891/730>, abgerufen am 16.06.2024.