Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Lenz, Jakob Michael Reinhold: Die Soldaten. Leipzig, 1776.

Bild:
<< vorherige Seite


Stolzius (kehrt sich kaltblütig um, und faßt ihm
in den Degen.
)
Geben Sie sich keine Mühe,
es ist schon geschehen. Jch sterbe ver-
gnügt, da ich den mitnehmen kann.
Mary (läßt ihm den Degen in der Hand, und
läuft heraus.
)
Hülfe! -- Hülfe! --
Desportes. Jch bin vergiftet.
Stolzius. Ja, Verräther, das bist
du -- und ich bin Stolzius, dessen
Braut du zur Hure machtest. Sie war
meine Braut. Wenn ihr nicht leben
könnt, ohne Frauenzimmer unglücklich zu
machen, warum wendet ihr euch an die,
die euch nicht widerstehen können, die
euch aufs erste Wort glauben. -- Du
bist gerochen, meine Marie! Gott kann
mich nicht verdammen.
(sinkt nieder.)
Desportes. Hülfe! (nach einigen Verzu-
ckungen stirdt er gleichfalls.
)
Vierte Scene.
Wesener spatziert an der Lys in tiefen
Gedanken. Es ist Dämmerung. Ei-
ne
H


Stolzius (kehrt ſich kaltbluͤtig um, und faßt ihm
in den Degen.
)
Geben Sie ſich keine Muͤhe,
es iſt ſchon geſchehen. Jch ſterbe ver-
gnuͤgt, da ich den mitnehmen kann.
Mary (laͤßt ihm den Degen in der Hand, und
laͤuft heraus.
)
Huͤlfe! — Huͤlfe! —
Desportes. Jch bin vergiftet.
Stolzius. Ja, Verraͤther, das biſt
du — und ich bin Stolzius, deſſen
Braut du zur Hure machteſt. Sie war
meine Braut. Wenn ihr nicht leben
koͤnnt, ohne Frauenzimmer ungluͤcklich zu
machen, warum wendet ihr euch an die,
die euch nicht widerſtehen koͤnnen, die
euch aufs erſte Wort glauben. — Du
biſt gerochen, meine Marie! Gott kann
mich nicht verdammen.
(ſinkt nieder.)
Desportes. Huͤlfe! (nach einigen Verzu-
ckungen ſtirdt er gleichfalls.
)
Vierte Scene.
Weſener ſpatziert an der Lys in tiefen
Gedanken. Es iſt Daͤmmerung. Ei-
ne
H
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <pb facs="#f0117" n="113"/>
          <milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
          <sp who="#STO">
            <speaker>Stolzius</speaker>
            <stage>(<hi rendition="#fr">kehrt &#x017F;ich kaltblu&#x0364;tig um, und faßt ihm<lb/>
in den Degen.</hi>)</stage>
            <p>Geben Sie &#x017F;ich keine Mu&#x0364;he,<lb/>
es i&#x017F;t &#x017F;chon ge&#x017F;chehen. Jch &#x017F;terbe ver-<lb/>
gnu&#x0364;gt, da ich den mitnehmen kann.</p>
          </sp><lb/>
          <sp who="#MARY">
            <speaker>Mary</speaker>
            <stage>(<hi rendition="#fr">la&#x0364;ßt ihm den Degen in der Hand, und<lb/>
la&#x0364;uft heraus.</hi>)</stage>
            <p>Hu&#x0364;lfe! &#x2014; Hu&#x0364;lfe! &#x2014;</p>
          </sp><lb/>
          <sp who="#DES">
            <speaker>Desportes.</speaker>
            <p>Jch bin vergiftet.</p>
          </sp><lb/>
          <sp who="#STO">
            <speaker>Stolzius.</speaker>
            <p>Ja, Verra&#x0364;ther, das bi&#x017F;t<lb/>
du &#x2014; und ich bin Stolzius, de&#x017F;&#x017F;en<lb/>
Braut du zur Hure machte&#x017F;t. Sie war<lb/>
meine Braut. Wenn ihr nicht leben<lb/>
ko&#x0364;nnt, ohne Frauenzimmer unglu&#x0364;cklich zu<lb/>
machen, warum wendet ihr euch an die,<lb/>
die euch nicht wider&#x017F;tehen ko&#x0364;nnen, die<lb/>
euch aufs er&#x017F;te Wort glauben. &#x2014; Du<lb/>
bi&#x017F;t gerochen, meine Marie! Gott kann<lb/>
mich nicht verdammen.</p>
            <stage>(<hi rendition="#fr">&#x017F;inkt nieder.</hi>)</stage>
          </sp><lb/>
          <sp who="#DES">
            <speaker>Desportes.</speaker>
            <p>Hu&#x0364;lfe!</p>
            <stage>(<hi rendition="#fr">nach einigen Verzu-<lb/>
ckungen &#x017F;tirdt er gleichfalls.</hi>)</stage>
          </sp>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#g">Vierte Scene.</hi> </head><lb/>
          <stage><hi rendition="#fr">We&#x017F;ener</hi> &#x017F;patziert an der Lys in tiefen<lb/>
Gedanken. Es i&#x017F;t Da&#x0364;mmerung. Ei-<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">H</fw><fw place="bottom" type="catch">ne</fw><lb/></stage>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[113/0117] Stolzius (kehrt ſich kaltbluͤtig um, und faßt ihm in den Degen.) Geben Sie ſich keine Muͤhe, es iſt ſchon geſchehen. Jch ſterbe ver- gnuͤgt, da ich den mitnehmen kann. Mary (laͤßt ihm den Degen in der Hand, und laͤuft heraus.) Huͤlfe! — Huͤlfe! — Desportes. Jch bin vergiftet. Stolzius. Ja, Verraͤther, das biſt du — und ich bin Stolzius, deſſen Braut du zur Hure machteſt. Sie war meine Braut. Wenn ihr nicht leben koͤnnt, ohne Frauenzimmer ungluͤcklich zu machen, warum wendet ihr euch an die, die euch nicht widerſtehen koͤnnen, die euch aufs erſte Wort glauben. — Du biſt gerochen, meine Marie! Gott kann mich nicht verdammen. (ſinkt nieder.) Desportes. Huͤlfe! (nach einigen Verzu- ckungen ſtirdt er gleichfalls.) Vierte Scene. Weſener ſpatziert an der Lys in tiefen Gedanken. Es iſt Daͤmmerung. Ei- ne H

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/lenz_soldaten_1776
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/lenz_soldaten_1776/117
Zitationshilfe: Lenz, Jakob Michael Reinhold: Die Soldaten. Leipzig, 1776, S. 113. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/lenz_soldaten_1776/117>, abgerufen am 17.04.2021.