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[Lettus, Henricus]: Der Liefländischen Chronik Andrer Theil. Halle (Saale), 1753.

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Leben und Thaten der liefländischen Ordensmeister,
1407

Unter dem revelschen Bischof Johan Ocke legten 3 begüterte Kaufleute
aus Revel, nemlich Heinrich Schwalberg, Heinrich Hüxer, und Gerlach
Kruse
am St. Vitustage das Brigittenkloster Marienthal eine Stunde von
Revel an, welches erst nach 29 Jahren fertig, und von Mönchen und Nonnen
bewohnet wurde. Die Stifter desselben wurden die ersten Klosterbrüder b).

1408

Nachher gerieth Conrad mit den Russen aus Plescow in Verdrieslich-

keiten
auf dem Thurme. Am 16ten September wohnte der König Gustav Adolph dem Gottesdienste
bey, und lies wegen Uebergabe der Stadt das Te Deum laudamus singen. Jm Jahr 1651 nahm
man den alten Hahn ab; die Kirche aber wurde in der rußischen Belagerung 1656, wie der
Dom, ziemlich schadhaft geschossen. Jm Jahr 1659 am 17ten November fiel der ganze Knopf
mit dem neuen Hahn herunter, dafür einige freigebige Bürger 1660 einen andern Hahn |zu
6 Ltt. 3 Pf. und einen neuen Knopf zu 6 Ltt. 7 Pf. aufsetzen liessen. Jm Jahr 1666 am
11ten Merz am Sontage nach Reminiscere fiel der 75 Faden hohe Thurm Nachmittags um
2 Uhr herunter, zerschmetterte 8 Personen und zertrümmerte des Rathsherrn Eberhard Wit-
tens
Haus. Jm Jahr 1667 am 29sten Jul. ward der erste Stein zum neuen Thurm geleget,
und 1677 bis an das Kirchendach um 34030 Thlr. Alberts und 69 Gr. aufgeführet. Ein ange-
legter Brand machte sie am 21sten May zu Schanden, sie ward aber bald wieder hergestellet so
daß am 14ten Sept. 1679 am 13ten Sontage nach Trinitatis die erste Predigt wieder darin gehal-
ten wurde. Jm Jahr 1683 schenkten des Bürgermeisters Herman Samsons Erben die stemerne
Kanzel, und des Bürgermeisters Georg von Duntens Erben den marmorsteinernen Altar. Jm
Jahr 1689 hatte der Thurm eine Höhe von 418 Fus rigisch, die 17787 Thlr. 79 Gr. Alb. zu
stehen kam. Jm Jahr 1690 verehrte Se. königl. Maj. von Schweden zur Bedeckung der Kir-
che 50 Centner Kupfer zu 5000 Thlr. Am 10ten May Morgens zwischen 8 und 9 Uhr ward der
Hahn und Knopf, in welchen 3 Tonnen Getraide giengen, aufgesetzet und kostete 504 Thlr. 15 Gr.
Claus Missthäd vermachte im Testament eine Partey Salz zu den Portalen der 3 Kirchthü-
thüren. Am 6ten Sept. 1695 schenkte der Bürgermeister Hans Dreiling das schöne Glocken-
spiel, das er um 8000 Thlr. in Holland verfertigen lassen. Die Stadt lies es 1697 aufsetzen,
und hatte noch an Kosten für Compositionsthon, Claviere, Noten, Hämmer, Aufziehrad, Herz-
rad, Windfang, Uhre und dergleichen über 4128 Thlr. verwenden müssen. Jm Jahr 1709 ward
ein neuer Hahn von 9 Ltt. 9 Pf. wieder aufgesetzet. Den 10ten May 1721 Morgens zwischen
4 und 5 Uhr schlug der Blitz über dem Altar ein, wodurch in 2 Stunden alles in Trümmern lag.
Der Kaiser Peter der Erste, der dabey zugegen war und keine Gefahr scheuete, machte die trefli-
che Anstalt, daß das in die herumliegenden Häuser gesprengte Feuer nicht zum Ausbruch kam.
Zu gutem Glücke fiel der Thurm nicht um, sondern sank in sich selbst ein. Am 12ten Jan. 1724
ward die Kirche wieder eingeweihet. Jm Jahr 1743 ward vom Rath der Thurmban beschlossen.
Am 30sten May 1745 ward der Stern aufgeleget, und bis den 24sten Sept. 1746 der Thurm
zu einer Höhe von 400 rheinländischen Füssen gebracht. Am 30sten Sept. die eiserne Stange
von 40 Fus unb an Gewichte 5 Schtt. 16 Ltt. der Knopf und Hahn aber am 9ten Octob. 1746
aufgesetzt.
b) Von diesem Kloster Marienthal der Brigittennonnen und Augustinerbrüder mel-
det Olearius in seiner perstanischen Reisebeschreibung, daß es eine gute halbe Meile
von Revel abgelegen, wovon nach der am Sontage Exaudi 1564 erlittenen Feuers-
brunst nur die Mauren und gewölbten Gänge unter der Erden noch zu sehen gewesen.
Als Olearius durch Revel gieng, wies ihm Hr. D. Vestring ein altes Buch, nach
welchem der Anfang zum Bau des Klosters im Jahr 1400 zu Cord Vietinghoffs
Zeiten gemacht worden. Die Schwestern sollen Sontags vor Johannis 1431, die
Brüder aber den Sontag nach Johannis eingeweihet worden seyn, und den gewesenen
Kaufman Gerlach Kruse zum Pater und Confessor erhalten haben. Die Kloster-
leute bedienten sich der Sprache der Stummen, z. E. der vorderste Finger, so das
Auge aufwertssehend berühret, bedeutet Christum, mit selbigem Finger das Haupt
berühret, bezeichnet den Beichtvater, ein Kreuz an dem Haupte den Diaconus, 2 Fin-
ger an das Haupt gelegt die Aebtißin, und dergleichen. Es scheint daher nur ein
Nothargument zu seyn, wenn bey der estländischen Subiection die Aebtißin, Prio-
rin und gemeinen Conventschwestern an den König Erich 1561 Donnerstags nach Ja-
cobi
schreiben, und ihn bitten, sie doch ja nicht Hülf- und Trostlos zu lassen, weil
das Kloster aus dem Reiche Schweden anfänglich gestiftet sey. Doch vielleicht ziel-
ten sie auf die heil. Brigitte aus Schweden. Von den Aebtißinnen dieses Klosters
sind folgende in alten Briefschaften gefunden worden:
[Spaltenumbruch] Christina Tocke,
Margaretha Woldeken,
Elisabeth
von der Beke,
Kunigunda Orgies,
Gerdrut Weckebrodt,
[Spaltenumbruch] Gerdrut Orgies,
Brigitta Hafvesfer,
Gerdrut
von Vietinghove,
Margaretha Doenhoff,
Magdalena Szoyge.
Leben und Thaten der lieflaͤndiſchen Ordensmeiſter,
1407

Unter dem revelſchen Biſchof Johan Ocke legten 3 beguͤterte Kaufleute
aus Revel, nemlich Heinrich Schwalberg, Heinrich Huͤxer, und Gerlach
Kruſe
am St. Vitustage das Brigittenkloſter Marienthal eine Stunde von
Revel an, welches erſt nach 29 Jahren fertig, und von Moͤnchen und Nonnen
bewohnet wurde. Die Stifter deſſelben wurden die erſten Kloſterbruͤder b).

1408

Nachher gerieth Conrad mit den Ruſſen aus Plescow in Verdrieslich-

keiten
auf dem Thurme. Am 16ten September wohnte der Koͤnig Guſtav Adolph dem Gottesdienſte
bey, und lies wegen Uebergabe der Stadt das Te Deum laudamus ſingen. Jm Jahr 1651 nahm
man den alten Hahn ab; die Kirche aber wurde in der rußiſchen Belagerung 1656, wie der
Dom, ziemlich ſchadhaft geſchoſſen. Jm Jahr 1659 am 17ten November fiel der ganze Knopf
mit dem neuen Hahn herunter, dafuͤr einige freigebige Buͤrger 1660 einen andern Hahn |zu
6 Ltt. 3 Pf. und einen neuen Knopf zu 6 Ltt. 7 Pf. aufſetzen lieſſen. Jm Jahr 1666 am
11ten Merz am Sontage nach Reminiſcere fiel der 75 Faden hohe Thurm Nachmittags um
2 Uhr herunter, zerſchmetterte 8 Perſonen und zertruͤmmerte des Rathsherrn Eberhard Wit-
tens
Haus. Jm Jahr 1667 am 29ſten Jul. ward der erſte Stein zum neuen Thurm geleget,
und 1677 bis an das Kirchendach um 34030 Thlr. Alberts und 69 Gr. aufgefuͤhret. Ein ange-
legter Brand machte ſie am 21ſten May zu Schanden, ſie ward aber bald wieder hergeſtellet ſo
daß am 14ten Sept. 1679 am 13ten Sontage nach Trinitatis die erſte Predigt wieder darin gehal-
ten wurde. Jm Jahr 1683 ſchenkten des Buͤrgermeiſters Herman Samſons Erben die ſtemerne
Kanzel, und des Buͤrgermeiſters Georg von Duntens Erben den marmorſteinernen Altar. Jm
Jahr 1689 hatte der Thurm eine Hoͤhe von 418 Fus rigiſch, die 17787 Thlr. 79 Gr. Alb. zu
ſtehen kam. Jm Jahr 1690 verehrte Se. koͤnigl. Maj. von Schweden zur Bedeckung der Kir-
che 50 Centner Kupfer zu 5000 Thlr. Am 10ten May Morgens zwiſchen 8 und 9 Uhr ward der
Hahn und Knopf, in welchen 3 Tonnen Getraide giengen, aufgeſetzet und koſtete 504 Thlr. 15 Gr.
Claus Misſthaͤd vermachte im Teſtament eine Partey Salz zu den Portalen der 3 Kirchthuͤ-
thuͤren. Am 6ten Sept. 1695 ſchenkte der Buͤrgermeiſter Hans Dreiling das ſchoͤne Glocken-
ſpiel, das er um 8000 Thlr. in Holland verfertigen laſſen. Die Stadt lies es 1697 aufſetzen,
und hatte noch an Koſten fuͤr Compoſitionsthon, Claviere, Noten, Haͤmmer, Aufziehrad, Herz-
rad, Windfang, Uhre und dergleichen uͤber 4128 Thlr. verwenden muͤſſen. Jm Jahr 1709 ward
ein neuer Hahn von 9 Ltt. 9 Pf. wieder aufgeſetzet. Den 10ten May 1721 Morgens zwiſchen
4 und 5 Uhr ſchlug der Blitz uͤber dem Altar ein, wodurch in 2 Stunden alles in Truͤmmern lag.
Der Kaiſer Peter der Erſte, der dabey zugegen war und keine Gefahr ſcheuete, machte die trefli-
che Anſtalt, daß das in die herumliegenden Haͤuſer geſprengte Feuer nicht zum Ausbruch kam.
Zu gutem Gluͤcke fiel der Thurm nicht um, ſondern ſank in ſich ſelbſt ein. Am 12ten Jan. 1724
ward die Kirche wieder eingeweihet. Jm Jahr 1743 ward vom Rath der Thurmban beſchloſſen.
Am 30ſten May 1745 ward der Stern aufgeleget, und bis den 24ſten Sept. 1746 der Thurm
zu einer Hoͤhe von 400 rheinlaͤndiſchen Fuͤſſen gebracht. Am 30ſten Sept. die eiſerne Stange
von 40 Fus unb an Gewichte 5 Schtt. 16 Ltt. der Knopf und Hahn aber am 9ten Octob. 1746
aufgeſetzt.
b) Von dieſem Kloſter Marienthal der Brigittennonnen und Auguſtinerbruͤder mel-
det Olearius in ſeiner perſtaniſchen Reiſebeſchreibung, daß es eine gute halbe Meile
von Revel abgelegen, wovon nach der am Sontage Exaudi 1564 erlittenen Feuers-
brunſt nur die Mauren und gewoͤlbten Gaͤnge unter der Erden noch zu ſehen geweſen.
Als Olearius durch Revel gieng, wies ihm Hr. D. Veſtring ein altes Buch, nach
welchem der Anfang zum Bau des Kloſters im Jahr 1400 zu Cord Vietinghoffs
Zeiten gemacht worden. Die Schweſtern ſollen Sontags vor Johannis 1431, die
Bruͤder aber den Sontag nach Johannis eingeweihet worden ſeyn, und den geweſenen
Kaufman Gerlach Kruſe zum Pater und Confeſſor erhalten haben. Die Kloſter-
leute bedienten ſich der Sprache der Stummen, z. E. der vorderſte Finger, ſo das
Auge aufwertsſehend beruͤhret, bedeutet Chriſtum, mit ſelbigem Finger das Haupt
beruͤhret, bezeichnet den Beichtvater, ein Kreuz an dem Haupte den Diaconus, 2 Fin-
ger an das Haupt gelegt die Aebtißin, und dergleichen. Es ſcheint daher nur ein
Nothargument zu ſeyn, wenn bey der eſtlaͤndiſchen Subiection die Aebtißin, Prio-
rin und gemeinen Conventſchweſtern an den Koͤnig Erich 1561 Donnerſtags nach Ja-
cobi
ſchreiben, und ihn bitten, ſie doch ja nicht Huͤlf- und Troſtlos zu laſſen, weil
das Kloſter aus dem Reiche Schweden anfaͤnglich geſtiftet ſey. Doch vielleicht ziel-
ten ſie auf die heil. Brigitte aus Schweden. Von den Aebtißinnen dieſes Kloſters
ſind folgende in alten Briefſchaften gefunden worden:
[Spaltenumbruch] Chriſtina Tocke,
Margaretha Woldeken,
Eliſabeth
von der Beke,
Kunigunda Orgies,
Gerdrut Weckebrodt,
[Spaltenumbruch] Gerdrut Orgies,
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von Vietinghove,
Margaretha Doenhoff,
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Die Schweſtern ſollen Sontags vor Johannis 1431, die Bruͤder aber den Sontag nach Johannis eingeweihet worden ſeyn, und den geweſenen Kaufman Gerlach Kruſe zum Pater und Confeſſor erhalten haben. Die Kloſter- leute bedienten ſich der Sprache der Stummen, z. E. der vorderſte Finger, ſo das Auge aufwertsſehend beruͤhret, bedeutet Chriſtum, mit ſelbigem Finger das Haupt beruͤhret, bezeichnet den Beichtvater, ein Kreuz an dem Haupte den Diaconus, 2 Fin- ger an das Haupt gelegt die Aebtißin, und dergleichen. Es ſcheint daher nur ein Nothargument zu ſeyn, wenn bey der eſtlaͤndiſchen Subiection die Aebtißin, Prio- rin und gemeinen Conventſchweſtern an den Koͤnig Erich 1561 Donnerſtags nach Ja- cobi ſchreiben, und ihn bitten, ſie doch ja nicht Huͤlf- und Troſtlos zu laſſen, weil das Kloſter aus dem Reiche Schweden anfaͤnglich geſtiftet ſey. Doch vielleicht ziel- ten ſie auf die heil. Brigitte aus Schweden. Von den Aebtißinnen dieſes Kloſters ſind folgende in alten Briefſchaften gefunden worden: Chriſtina Tocke, Margaretha Woldeken, Eliſabeth von der Beke, Kunigunda Orgies, Gerdrut Weckebrodt, Gerdrut Orgies, Brigitta Hafvesfer, Gerdrut von Vietinghove, Margaretha Doenhoff, Magdalena Szoyge. *) auf dem Thurme. Am 16ten September wohnte der Koͤnig Guſtav Adolph dem Gottesdienſte bey, und lies wegen Uebergabe der Stadt das Te Deum laudamus ſingen. Jm Jahr 1651 nahm man den alten Hahn ab; die Kirche aber wurde in der rußiſchen Belagerung 1656, wie der Dom, ziemlich ſchadhaft geſchoſſen. Jm Jahr 1659 am 17ten November fiel der ganze Knopf mit dem neuen Hahn herunter, dafuͤr einige freigebige Buͤrger 1660 einen andern Hahn |zu 6 Ltt. 3 Pf. und einen neuen Knopf zu 6 Ltt. 7 Pf. aufſetzen lieſſen. Jm Jahr 1666 am 11ten Merz am Sontage nach Reminiſcere fiel der 75 Faden hohe Thurm Nachmittags um 2 Uhr herunter, zerſchmetterte 8 Perſonen und zertruͤmmerte des Rathsherrn Eberhard Wit- tens Haus. Jm Jahr 1667 am 29ſten Jul. ward der erſte Stein zum neuen Thurm geleget, und 1677 bis an das Kirchendach um 34030 Thlr. Alberts und 69 Gr. aufgefuͤhret. Ein ange- legter Brand machte ſie am 21ſten May zu Schanden, ſie ward aber bald wieder hergeſtellet ſo daß am 14ten Sept. 1679 am 13ten Sontage nach Trinitatis die erſte Predigt wieder darin gehal- ten wurde. Jm Jahr 1683 ſchenkten des Buͤrgermeiſters Herman Samſons Erben die ſtemerne Kanzel, und des Buͤrgermeiſters Georg von Duntens Erben den marmorſteinernen Altar. Jm Jahr 1689 hatte der Thurm eine Hoͤhe von 418 Fus rigiſch, die 17787 Thlr. 79 Gr. Alb. zu ſtehen kam. Jm Jahr 1690 verehrte Se. koͤnigl. Maj. von Schweden zur Bedeckung der Kir- che 50 Centner Kupfer zu 5000 Thlr. Am 10ten May Morgens zwiſchen 8 und 9 Uhr ward der Hahn und Knopf, in welchen 3 Tonnen Getraide giengen, aufgeſetzet und koſtete 504 Thlr. 15 Gr. Claus Misſthaͤd vermachte im Teſtament eine Partey Salz zu den Portalen der 3 Kirchthuͤ- thuͤren. Am 6ten Sept. 1695 ſchenkte der Buͤrgermeiſter Hans Dreiling das ſchoͤne Glocken- ſpiel, das er um 8000 Thlr. in Holland verfertigen laſſen. Die Stadt lies es 1697 aufſetzen, und hatte noch an Koſten fuͤr Compoſitionsthon, Claviere, Noten, Haͤmmer, Aufziehrad, Herz- rad, Windfang, Uhre und dergleichen uͤber 4128 Thlr. verwenden muͤſſen. Jm Jahr 1709 ward ein neuer Hahn von 9 Ltt. 9 Pf. wieder aufgeſetzet. Den 10ten May 1721 Morgens zwiſchen 4 und 5 Uhr ſchlug der Blitz uͤber dem Altar ein, wodurch in 2 Stunden alles in Truͤmmern lag. Der Kaiſer Peter der Erſte, der dabey zugegen war und keine Gefahr ſcheuete, machte die trefli- che Anſtalt, daß das in die herumliegenden Haͤuſer geſprengte Feuer nicht zum Ausbruch kam. Zu gutem Gluͤcke fiel der Thurm nicht um, ſondern ſank in ſich ſelbſt ein. Am 12ten Jan. 1724 ward die Kirche wieder eingeweihet. Jm Jahr 1743 ward vom Rath der Thurmban beſchloſſen. Am 30ſten May 1745 ward der Stern aufgeleget, und bis den 24ſten Sept. 1746 der Thurm zu einer Hoͤhe von 400 rheinlaͤndiſchen Fuͤſſen gebracht. Am 30ſten Sept. die eiſerne Stange von 40 Fus unb an Gewichte 5 Schtt. 16 Ltt. der Knopf und Hahn aber am 9ten Octob. 1746 aufgeſetzt.

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Zitationshilfe: [Lettus, Henricus]: Der Liefländischen Chronik Andrer Theil. Halle (Saale), 1753, S. 120. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/lettus_chronik02_1753/138>, abgerufen am 20.04.2024.