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Lilienthal, Otto: Der Vogelflug als Grundlage der Fliegekunst. Ein Beitrag zur Systematik der Flugtechnik. Berlin, 1889.

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von mir gemeinschaftlich mit meinem Bruder Gustav Lilien-
thal angestellt wurden.

Diese Versuche, über einen Zeitraum von 23 Jahren
sich erstreckend, konnten jetzt zu einem gewissen Ab-
schluss gebracht werden, indem durch die Aneinander-
reihung der Ergebnisse ein geschlossener Gedankengang
sich herstellen liess, welcher die Vorgänge beim Vogel-
fluge einer Zergliederung unterwirft, und dadurch eine
Erklärung derselben, wenn auch nicht erschöpfend behan-
delt, so doch anbahnen hilft.

Ohne daher der Anmassung Raum zu geben, dass
das in diesem Werke Gebotene für eine endgültige Theorie
des Vogelfluges gehalten werden soll, hoffe ich doch, dass
für jedermann genug des Anregenden darin sich bieten
möge, um das schon so verbreitete Interesse für die Kunst
des freien Fliegens noch mehr zu heben. Besonders geht
aber mein Wunsch dahin, dass eine grosse Zahl von Fach-
leuten Veranlassung nehmen möchte, das Gebotene genau
zu prüfen und womöglich durch parallele Versuche zur
Läuterung des bereits Gefundenen beizutragen.

Ich habe die Absicht gehabt, nicht nur für Fachleute,
sondern für jeden Gebildeten ein Werk zu schaffen, dessen
Durcharbeitung die Überzeugung verbreiten soll, dass wirk-
lich kein Naturgesetz vorhanden ist, welches wie ein un-
überwindlicher Riegel sich der Lösung des Fliegeproblems
vorschiebt. Ich habe an der Hand von Thatsachen und
Schlüssen, die sich aus den angestellten Messungen er-
gaben, die Hoffnung aller Nachdenkenden beleben wollen,
dass es vom Standpunkt der Mechanik aus wohl gelingen
kann, diese höchste Aufgabe der Technik einmal zu lösen.

von mir gemeinschaftlich mit meinem Bruder Gustav Lilien-
thal angestellt wurden.

Diese Versuche, über einen Zeitraum von 23 Jahren
sich erstreckend, konnten jetzt zu einem gewissen Ab-
schluſs gebracht werden, indem durch die Aneinander-
reihung der Ergebnisse ein geschlossener Gedankengang
sich herstellen lieſs, welcher die Vorgänge beim Vogel-
fluge einer Zergliederung unterwirft, und dadurch eine
Erklärung derselben, wenn auch nicht erschöpfend behan-
delt, so doch anbahnen hilft.

Ohne daher der Anmaſsung Raum zu geben, daſs
das in diesem Werke Gebotene für eine endgültige Theorie
des Vogelfluges gehalten werden soll, hoffe ich doch, daſs
für jedermann genug des Anregenden darin sich bieten
möge, um das schon so verbreitete Interesse für die Kunst
des freien Fliegens noch mehr zu heben. Besonders geht
aber mein Wunsch dahin, daſs eine groſse Zahl von Fach-
leuten Veranlassung nehmen möchte, das Gebotene genau
zu prüfen und womöglich durch parallele Versuche zur
Läuterung des bereits Gefundenen beizutragen.

Ich habe die Absicht gehabt, nicht nur für Fachleute,
sondern für jeden Gebildeten ein Werk zu schaffen, dessen
Durcharbeitung die Überzeugung verbreiten soll, daſs wirk-
lich kein Naturgesetz vorhanden ist, welches wie ein un-
überwindlicher Riegel sich der Lösung des Fliegeproblems
vorschiebt. Ich habe an der Hand von Thatsachen und
Schlüssen, die sich aus den angestellten Messungen er-
gaben, die Hoffnung aller Nachdenkenden beleben wollen,
daſs es vom Standpunkt der Mechanik aus wohl gelingen
kann, diese höchste Aufgabe der Technik einmal zu lösen.

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[IV/0012] von mir gemeinschaftlich mit meinem Bruder Gustav Lilien- thal angestellt wurden. Diese Versuche, über einen Zeitraum von 23 Jahren sich erstreckend, konnten jetzt zu einem gewissen Ab- schluſs gebracht werden, indem durch die Aneinander- reihung der Ergebnisse ein geschlossener Gedankengang sich herstellen lieſs, welcher die Vorgänge beim Vogel- fluge einer Zergliederung unterwirft, und dadurch eine Erklärung derselben, wenn auch nicht erschöpfend behan- delt, so doch anbahnen hilft. Ohne daher der Anmaſsung Raum zu geben, daſs das in diesem Werke Gebotene für eine endgültige Theorie des Vogelfluges gehalten werden soll, hoffe ich doch, daſs für jedermann genug des Anregenden darin sich bieten möge, um das schon so verbreitete Interesse für die Kunst des freien Fliegens noch mehr zu heben. Besonders geht aber mein Wunsch dahin, daſs eine groſse Zahl von Fach- leuten Veranlassung nehmen möchte, das Gebotene genau zu prüfen und womöglich durch parallele Versuche zur Läuterung des bereits Gefundenen beizutragen. Ich habe die Absicht gehabt, nicht nur für Fachleute, sondern für jeden Gebildeten ein Werk zu schaffen, dessen Durcharbeitung die Überzeugung verbreiten soll, daſs wirk- lich kein Naturgesetz vorhanden ist, welches wie ein un- überwindlicher Riegel sich der Lösung des Fliegeproblems vorschiebt. Ich habe an der Hand von Thatsachen und Schlüssen, die sich aus den angestellten Messungen er- gaben, die Hoffnung aller Nachdenkenden beleben wollen, daſs es vom Standpunkt der Mechanik aus wohl gelingen kann, diese höchste Aufgabe der Technik einmal zu lösen.

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Zitationshilfe: Lilienthal, Otto: Der Vogelflug als Grundlage der Fliegekunst. Ein Beitrag zur Systematik der Flugtechnik. Berlin, 1889, S. IV. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/lilienthal_vogelflug_1889/12>, abgerufen am 23.04.2024.