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Lucius, Samuel: Das Schweitzerische Von Milch und Honig fliessende Canaan. Bern, 1731.

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Das Schweitzerische Canaan.
len, darinn sauber Tannkriß, in ein Gepsen.
Die volle mit dem stachlechten Tannkriß
ist die züchtigende Gnade mit ihren ernst-
hafften, scharffen Bestraffungen, dardurch
alles unsaubere, so sich in Falschheit, und
unachtsamen Leichtsinn under das Gute
menget, sorgfältiglich abgeschieden, gerich-
tet und verworffen wird, massen unsre Na-
tur sehr geneigt ist alles Göttliche und Hei-
lige mit Eigen-Liebe, Welt-Sinn, Zanck,
bitteren Streit, Behauptung deß eigenen
Rechts, Freyheit oder Ruffs und Ruhms,
ja unflätiger Fleisches-Lust zu verwüsten.
Wer nun das Tannkriß heiliger Erinne-
rungen im Ungehorsam und Eigensinn ver-
wirfft, die züchtigende Stimm GOttes
überhört, das Gewissen übertäubet, und
dem Zuruffen deß zurecht-weisenden heili-
gen Geistes nicht ungesaumt gehorcht, der
wird Schaden und Hertzenleyd haben, in-
dem er mit allen seinen Gaaben und Talen-
ten zu kurtz kommt, und nichts außrichtet,
das da tauglich seye ins Himmelreich, ja
es geht noch wohl, wann es nicht am End
alles dem höllischen Unzeiffer mit ewigem
Hertznagen zu theil wird. Dieses Kriß wird
zwar von der Welt verächtlich gehalten,
aber bey den Weisen ist dasselbe in hohen
Werth, dann es kommt von demjenigen,
der zu Jsrael und Ephraim gesagt hat: Jch

will

Das Schweitzeriſche Canaan.
len, darinn ſauber Tannkriß, in ein Gepſen.
Die volle mit dem ſtachlechten Tannkriß
iſt die zuͤchtigende Gnade mit ihren ernſt-
hafften, ſcharffen Beſtraffungen, dardurch
alles unſaubere, ſo ſich in Falſchheit, und
unachtſamen Leichtſinn under das Gute
menget, ſorgfaͤltiglich abgeſchieden, gerich-
tet und verworffen wird, maſſen unſre Na-
tur ſehr geneigt iſt alles Goͤttliche und Hei-
lige mit Eigen-Liebe, Welt-Sinn, Zanck,
bitteren Streit, Behauptung deß eigenen
Rechts, Freyheit oder Ruffs und Ruhms,
ja unflaͤtiger Fleiſches-Luſt zu verwuͤſten.
Wer nun das Tannkriß heiliger Erinne-
rungen im Ungehorſam und Eigenſinn ver-
wirfft, die zuͤchtigende Stimm GOttes
uͤberhoͤrt, das Gewiſſen uͤbertaͤubet, und
dem Zuruffen deß zurecht-weiſenden heili-
gen Geiſtes nicht ungeſaumt gehorcht, der
wird Schaden und Hertzenleyd haben, in-
dem er mit allen ſeinen Gaaben und Talen-
ten zu kurtz kommt, und nichts außrichtet,
das da tauglich ſeye ins Himmelreich, ja
es geht noch wohl, wann es nicht am End
alles dem hoͤlliſchen Unzeiffer mit ewigem
Hertznagen zu theil wird. Dieſes Kriß wird
zwar von der Welt veraͤchtlich gehalten,
aber bey den Weiſen iſt daſſelbe in hohen
Werth, dann es kommt von demjenigen,
der zu Jſrael und Ephraim geſagt hat: Jch

will
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[50/0118] Das Schweitzeriſche Canaan. len, darinn ſauber Tannkriß, in ein Gepſen. Die volle mit dem ſtachlechten Tannkriß iſt die zuͤchtigende Gnade mit ihren ernſt- hafften, ſcharffen Beſtraffungen, dardurch alles unſaubere, ſo ſich in Falſchheit, und unachtſamen Leichtſinn under das Gute menget, ſorgfaͤltiglich abgeſchieden, gerich- tet und verworffen wird, maſſen unſre Na- tur ſehr geneigt iſt alles Goͤttliche und Hei- lige mit Eigen-Liebe, Welt-Sinn, Zanck, bitteren Streit, Behauptung deß eigenen Rechts, Freyheit oder Ruffs und Ruhms, ja unflaͤtiger Fleiſches-Luſt zu verwuͤſten. Wer nun das Tannkriß heiliger Erinne- rungen im Ungehorſam und Eigenſinn ver- wirfft, die zuͤchtigende Stimm GOttes uͤberhoͤrt, das Gewiſſen uͤbertaͤubet, und dem Zuruffen deß zurecht-weiſenden heili- gen Geiſtes nicht ungeſaumt gehorcht, der wird Schaden und Hertzenleyd haben, in- dem er mit allen ſeinen Gaaben und Talen- ten zu kurtz kommt, und nichts außrichtet, das da tauglich ſeye ins Himmelreich, ja es geht noch wohl, wann es nicht am End alles dem hoͤlliſchen Unzeiffer mit ewigem Hertznagen zu theil wird. Dieſes Kriß wird zwar von der Welt veraͤchtlich gehalten, aber bey den Weiſen iſt daſſelbe in hohen Werth, dann es kommt von demjenigen, der zu Jſrael und Ephraim geſagt hat: Jch will

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Zitationshilfe: Lucius, Samuel: Das Schweitzerische Von Milch und Honig fliessende Canaan. Bern, 1731, S. 50. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/lucius_canaan_1731/118>, abgerufen am 27.06.2022.