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Möser, Justus: Patriotische Phantasien. Bd. 1. Berlin, 1775.

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Bey dem Anfange der Osnabrück. Lotterie.
absicht dabey hat, als mit einem redlichen Spiele die Gauner
zu vertreiben.



XXVIII.
Trostgründe bey den zunehmenden Mangel
des Geldes.

Geld! entsetzliche Erfindung! du bist das wahre Uebel in
der Welt. Ohne deine Zauberey war kein Räuber
oder Held vermögend das Mark zahlreicher Provinzien in
eine Hauptstadt zusammen zu ziehen, und unzählbare Heere
zum Fluch seiner Nachbaren zu erhalten. Du warst es, wo-
durch er zuerst die Heerden seiner getreuen Nachbarn ihre
Erndten und ihre Kinder sich eigen machte, und zum Un-
glück einer künftigen Welt, den Schweiß von Millionen ar-
men Unterthanen in tiefen Gewölben bewachen ließ. Ehe du
erfunden wurdest, waren keine Schatzungen, und keine ste-
hende Heere. Der Hirte gab ein Böcklein von seiner Heerde,
der Weinbauer von seinem Stocke einen Eymer Weins, und
der Ackersmann den Zehnten gern von allem was er bauete:
denn er hatte genug für sich, und genoß des Opfers mit,
welches er von seinem Ueberflusse brachte. Der Herr war
froh seinen Acker zu verleihen, und so viel Korn dafür zu em-
pfangen, als er für sich und seine Freunde gebrauchte. Er
würde erstaunt seyn, wenn ihm sein Knecht, durch die Zau-
berkraft des Geldes, die ganze Erndte von funfzig Jahren
zum Antrittsgelde oder zum Weinkaufe hätte opfern wollen.

Welch ein grausames und lächerliches Geschöpf würde
ein Geizhals zu der Zeit gewesen seyn, da man deine Zaube-
rey, die Kunst das Vermögen von hundert Mitbürgern in

einer
L 4

Bey dem Anfange der Oſnabruͤck. Lotterie.
abſicht dabey hat, als mit einem redlichen Spiele die Gauner
zu vertreiben.



XXVIII.
Troſtgruͤnde bey den zunehmenden Mangel
des Geldes.

Geld! entſetzliche Erfindung! du biſt das wahre Uebel in
der Welt. Ohne deine Zauberey war kein Raͤuber
oder Held vermoͤgend das Mark zahlreicher Provinzien in
eine Hauptſtadt zuſammen zu ziehen, und unzaͤhlbare Heere
zum Fluch ſeiner Nachbaren zu erhalten. Du warſt es, wo-
durch er zuerſt die Heerden ſeiner getreuen Nachbarn ihre
Erndten und ihre Kinder ſich eigen machte, und zum Un-
gluͤck einer kuͤnftigen Welt, den Schweiß von Millionen ar-
men Unterthanen in tiefen Gewoͤlben bewachen ließ. Ehe du
erfunden wurdeſt, waren keine Schatzungen, und keine ſte-
hende Heere. Der Hirte gab ein Boͤcklein von ſeiner Heerde,
der Weinbauer von ſeinem Stocke einen Eymer Weins, und
der Ackersmann den Zehnten gern von allem was er bauete:
denn er hatte genug fuͤr ſich, und genoß des Opfers mit,
welches er von ſeinem Ueberfluſſe brachte. Der Herr war
froh ſeinen Acker zu verleihen, und ſo viel Korn dafuͤr zu em-
pfangen, als er fuͤr ſich und ſeine Freunde gebrauchte. Er
wuͤrde erſtaunt ſeyn, wenn ihm ſein Knecht, durch die Zau-
berkraft des Geldes, die ganze Erndte von funfzig Jahren
zum Antrittsgelde oder zum Weinkaufe haͤtte opfern wollen.

Welch ein grauſames und laͤcherliches Geſchoͤpf wuͤrde
ein Geizhals zu der Zeit geweſen ſeyn, da man deine Zaube-
rey, die Kunſt das Vermoͤgen von hundert Mitbuͤrgern in

einer
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[167/0185] Bey dem Anfange der Oſnabruͤck. Lotterie. abſicht dabey hat, als mit einem redlichen Spiele die Gauner zu vertreiben. XXVIII. Troſtgruͤnde bey den zunehmenden Mangel des Geldes. Geld! entſetzliche Erfindung! du biſt das wahre Uebel in der Welt. Ohne deine Zauberey war kein Raͤuber oder Held vermoͤgend das Mark zahlreicher Provinzien in eine Hauptſtadt zuſammen zu ziehen, und unzaͤhlbare Heere zum Fluch ſeiner Nachbaren zu erhalten. Du warſt es, wo- durch er zuerſt die Heerden ſeiner getreuen Nachbarn ihre Erndten und ihre Kinder ſich eigen machte, und zum Un- gluͤck einer kuͤnftigen Welt, den Schweiß von Millionen ar- men Unterthanen in tiefen Gewoͤlben bewachen ließ. Ehe du erfunden wurdeſt, waren keine Schatzungen, und keine ſte- hende Heere. Der Hirte gab ein Boͤcklein von ſeiner Heerde, der Weinbauer von ſeinem Stocke einen Eymer Weins, und der Ackersmann den Zehnten gern von allem was er bauete: denn er hatte genug fuͤr ſich, und genoß des Opfers mit, welches er von ſeinem Ueberfluſſe brachte. Der Herr war froh ſeinen Acker zu verleihen, und ſo viel Korn dafuͤr zu em- pfangen, als er fuͤr ſich und ſeine Freunde gebrauchte. Er wuͤrde erſtaunt ſeyn, wenn ihm ſein Knecht, durch die Zau- berkraft des Geldes, die ganze Erndte von funfzig Jahren zum Antrittsgelde oder zum Weinkaufe haͤtte opfern wollen. Welch ein grauſames und laͤcherliches Geſchoͤpf wuͤrde ein Geizhals zu der Zeit geweſen ſeyn, da man deine Zaube- rey, die Kunſt das Vermoͤgen von hundert Mitbuͤrgern in einer L 4

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Zitationshilfe: Möser, Justus: Patriotische Phantasien. Bd. 1. Berlin, 1775, S. 167. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/moeser_phantasien01_1775/185>, abgerufen am 15.04.2021.