Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Möser, Justus: Patriotische Phantasien. Bd. 3. 2. Aufl. Berlin, 1778.

Bild:
<< vorherige Seite

des Laufs der Steckbriefe.
durchliefen einen Kreis von zwanzig Meilen in der größten
Geschwindigkeit.

Auf gleiche Art sollten die gemeinen Kreisbestellungen,
und besonders die offnen Steckbriefe ihren Lauf haben. Es
ist nicht genung, wenn selbige jetzt nur eine Linie gehen.
Selbige müßten sich sofort auf alle Kreuzstrassen und Neben-
wege verbreiten, und in ihrem Fortlauf vervielfältigen kön-
nen. Wir wollen davon ein Beyspiel geben:

Ein Steckbrief soll die Strasse von Frankfurt hinaus-
laufen, so müßte

1) derselbe erstlich seine einmal festgesetzte und bekannte
Route, ohne daß man eine Direction dabey zu geben ge-
brauchte, halten; es müßte
2) die Minute der Ankunft und des Ablaufs darauf
notirt, und auf die geringste Versäumniß eine Strafe ge-
setzt seyn, was ich aber hauptsächlich vorzuschlagen habe,
ist dieses, daß
3) auf jeder Station eine beständige Vorschrift seyn
müßte, wie vielmal jeder dort ankommender Steckbrief co-
piirt, und auf beyde Seiten abgeschickt werden sollte. Je-
der Hauptnebenort müßte wieder seine Vorschriften haben,
wie vielmal er dort copiirt, und wiederum in kleinere Ne-
benorte versandt werden sollte. Auf diese Art fischte man
mit einem Garn von drey bis sechs Meilen in die Breite;
alle von der Franfurter Strasse rechts und links abliegen-
de Orte würden mit gleicher Schnelligkeit benachrichtiget,
und es müßte erschrecklich seyn, wenn ein Steckbrief der in
der Zeit von 24 Stunden gewiß 8 Meilen laufen, und
mehr als hundert mal copiirt seyn kann, (wenn auf jeder
Station zuerst nur eine Copey behalten, und solche immittelst,
daß die eine fortläuft, von neuem abgeschrieben wird), nicht
meh-
L 3

des Laufs der Steckbriefe.
durchliefen einen Kreis von zwanzig Meilen in der groͤßten
Geſchwindigkeit.

Auf gleiche Art ſollten die gemeinen Kreisbeſtellungen,
und beſonders die offnen Steckbriefe ihren Lauf haben. Es
iſt nicht genung, wenn ſelbige jetzt nur eine Linie gehen.
Selbige muͤßten ſich ſofort auf alle Kreuzſtraſſen und Neben-
wege verbreiten, und in ihrem Fortlauf vervielfaͤltigen koͤn-
nen. Wir wollen davon ein Beyſpiel geben:

Ein Steckbrief ſoll die Straſſe von Frankfurt hinaus-
laufen, ſo muͤßte

1) derſelbe erſtlich ſeine einmal feſtgeſetzte und bekannte
Route, ohne daß man eine Direction dabey zu geben ge-
brauchte, halten; es muͤßte
2) die Minute der Ankunft und des Ablaufs darauf
notirt, und auf die geringſte Verſaͤumniß eine Strafe ge-
ſetzt ſeyn, was ich aber hauptſaͤchlich vorzuſchlagen habe,
iſt dieſes, daß
3) auf jeder Station eine beſtaͤndige Vorſchrift ſeyn
muͤßte, wie vielmal jeder dort ankommender Steckbrief co-
piirt, und auf beyde Seiten abgeſchickt werden ſollte. Je-
der Hauptnebenort muͤßte wieder ſeine Vorſchriften haben,
wie vielmal er dort copiirt, und wiederum in kleinere Ne-
benorte verſandt werden ſollte. Auf dieſe Art fiſchte man
mit einem Garn von drey bis ſechs Meilen in die Breite;
alle von der Franfurter Straſſe rechts und links abliegen-
de Orte wuͤrden mit gleicher Schnelligkeit benachrichtiget,
und es muͤßte erſchrecklich ſeyn, wenn ein Steckbrief der in
der Zeit von 24 Stunden gewiß 8 Meilen laufen, und
mehr als hundert mal copiirt ſeyn kann, (wenn auf jeder
Station zuerſt nur eine Copey behalten, und ſolche immittelſt,
daß die eine fortlaͤuft, von neuem abgeſchrieben wird), nicht
meh-
L 3
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <p><pb facs="#f0179" n="165"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">des Laufs der Steckbriefe.</hi></fw><lb/>
durchliefen einen Kreis von zwanzig Meilen in der gro&#x0364;ßten<lb/>
Ge&#x017F;chwindigkeit.</p><lb/>
        <p>Auf gleiche Art &#x017F;ollten die gemeinen Kreisbe&#x017F;tellungen,<lb/>
und be&#x017F;onders die offnen Steckbriefe ihren Lauf haben. Es<lb/>
i&#x017F;t nicht genung, wenn &#x017F;elbige jetzt nur eine Linie gehen.<lb/>
Selbige mu&#x0364;ßten &#x017F;ich &#x017F;ofort auf alle Kreuz&#x017F;tra&#x017F;&#x017F;en und Neben-<lb/>
wege verbreiten, und in ihrem Fortlauf vervielfa&#x0364;ltigen ko&#x0364;n-<lb/>
nen. Wir wollen davon ein Bey&#x017F;piel geben:</p><lb/>
        <p>Ein Steckbrief &#x017F;oll die Stra&#x017F;&#x017F;e von Frankfurt hinaus-<lb/>
laufen, &#x017F;o mu&#x0364;ßte</p><lb/>
        <list>
          <item>1) der&#x017F;elbe er&#x017F;tlich &#x017F;eine einmal fe&#x017F;tge&#x017F;etzte und bekannte<lb/>
Route, ohne daß man eine Direction dabey zu geben ge-<lb/>
brauchte, halten; es mu&#x0364;ßte</item><lb/>
          <item>2) die Minute der Ankunft und des Ablaufs darauf<lb/>
notirt, und auf die gering&#x017F;te Ver&#x017F;a&#x0364;umniß eine Strafe ge-<lb/>
&#x017F;etzt &#x017F;eyn, was ich aber haupt&#x017F;a&#x0364;chlich vorzu&#x017F;chlagen habe,<lb/>
i&#x017F;t die&#x017F;es, daß</item><lb/>
          <item>3) auf jeder Station eine be&#x017F;ta&#x0364;ndige Vor&#x017F;chrift &#x017F;eyn<lb/>
mu&#x0364;ßte, wie vielmal jeder dort ankommender Steckbrief co-<lb/>
piirt, und auf beyde Seiten abge&#x017F;chickt werden &#x017F;ollte. Je-<lb/>
der Hauptnebenort mu&#x0364;ßte wieder &#x017F;eine Vor&#x017F;chriften haben,<lb/>
wie vielmal er dort copiirt, und wiederum in kleinere Ne-<lb/>
benorte ver&#x017F;andt werden &#x017F;ollte. Auf die&#x017F;e Art fi&#x017F;chte man<lb/>
mit einem Garn von drey bis &#x017F;echs Meilen in die Breite;<lb/>
alle von der Franfurter Stra&#x017F;&#x017F;e rechts und links abliegen-<lb/>
de Orte wu&#x0364;rden mit gleicher Schnelligkeit benachrichtiget,<lb/>
und es mu&#x0364;ßte er&#x017F;chrecklich &#x017F;eyn, wenn ein Steckbrief der in<lb/>
der Zeit von 24 Stunden gewiß 8 Meilen laufen, und<lb/>
mehr als hundert mal copiirt &#x017F;eyn kann, (wenn auf jeder<lb/>
Station zuer&#x017F;t nur eine Copey behalten, und &#x017F;olche immittel&#x017F;t,<lb/>
daß die eine fortla&#x0364;uft, von neuem abge&#x017F;chrieben wird), nicht<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">L 3</fw><fw place="bottom" type="catch">meh-</fw><lb/></item>
        </list>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[165/0179] des Laufs der Steckbriefe. durchliefen einen Kreis von zwanzig Meilen in der groͤßten Geſchwindigkeit. Auf gleiche Art ſollten die gemeinen Kreisbeſtellungen, und beſonders die offnen Steckbriefe ihren Lauf haben. Es iſt nicht genung, wenn ſelbige jetzt nur eine Linie gehen. Selbige muͤßten ſich ſofort auf alle Kreuzſtraſſen und Neben- wege verbreiten, und in ihrem Fortlauf vervielfaͤltigen koͤn- nen. Wir wollen davon ein Beyſpiel geben: Ein Steckbrief ſoll die Straſſe von Frankfurt hinaus- laufen, ſo muͤßte 1) derſelbe erſtlich ſeine einmal feſtgeſetzte und bekannte Route, ohne daß man eine Direction dabey zu geben ge- brauchte, halten; es muͤßte 2) die Minute der Ankunft und des Ablaufs darauf notirt, und auf die geringſte Verſaͤumniß eine Strafe ge- ſetzt ſeyn, was ich aber hauptſaͤchlich vorzuſchlagen habe, iſt dieſes, daß 3) auf jeder Station eine beſtaͤndige Vorſchrift ſeyn muͤßte, wie vielmal jeder dort ankommender Steckbrief co- piirt, und auf beyde Seiten abgeſchickt werden ſollte. Je- der Hauptnebenort muͤßte wieder ſeine Vorſchriften haben, wie vielmal er dort copiirt, und wiederum in kleinere Ne- benorte verſandt werden ſollte. Auf dieſe Art fiſchte man mit einem Garn von drey bis ſechs Meilen in die Breite; alle von der Franfurter Straſſe rechts und links abliegen- de Orte wuͤrden mit gleicher Schnelligkeit benachrichtiget, und es muͤßte erſchrecklich ſeyn, wenn ein Steckbrief der in der Zeit von 24 Stunden gewiß 8 Meilen laufen, und mehr als hundert mal copiirt ſeyn kann, (wenn auf jeder Station zuerſt nur eine Copey behalten, und ſolche immittelſt, daß die eine fortlaͤuft, von neuem abgeſchrieben wird), nicht meh- L 3

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Für das DTA wurde die „Neue verbesserte und verme… [mehr]

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/moeser_phantasien03_1778
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/moeser_phantasien03_1778/179
Zitationshilfe: Möser, Justus: Patriotische Phantasien. Bd. 3. 2. Aufl. Berlin, 1778, S. 165. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/moeser_phantasien03_1778/179>, abgerufen am 27.02.2024.