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Morhof, Daniel Georg: Unterricht Von Der Teutschen Sprache und Poesie. Kiel, 1682.

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An den geneigten Leser.

WAs ich allhie von der Teutschen Sprache
und Poesie geschrieben/ ist mir so unter
den Händen gewachsen/ daß/ da ich erst-
lich nur etliche Bogen hievon meinen Gedichten
anzuhängen vermeinet/ dieses grösser als die
Getichte selbst geworden. Daher dan kom-
men/ daß wie dieselbe von der Feder so fort un-
ter die Presse gebracht/ an einem Ohrte was
außgelassen/ das am andern Ohrt/ da es seine
rechte Stelle nicht eben findet/ beyläuffig ein-
geschoben; damit es gleichwoll nicht vergessen
würde. Dessen ist ein Exempel in dem sech-
sten Capittel des andern Theils/ woselbst von
dem Wort Barritus gedacht wird/ ob es Teutsch
sey/ welches der Hr. Rudbeck leugnet; nachge-
hends habe ich aber bey einem alten Meister-
sänger Hans Sachsen solches gefunden/ und
dasselbe im folgenden siebenden Capittel ange-
führet. Ich habe auch in dem andern Capit-
tel des ersten Theils am 30. Blade/ meines ge-
ehrten Freundes Herrn Caspar Vogten/ vor-
nehmen Bürgermeistern der Stadt Wißmarn
gedacht/ und eine grosse Hoffnung von seiner
Italia gemacht. Es hat aber derselbe unter die-
ser Arbeit unvermuthlich die Welt gesegnen

müs-
)( 3
An den geneigten Leſer.

WAs ich allhie von der Teutſchen Sprache
und Poeſie geſchrieben/ iſt mir ſo unter
den Haͤnden gewachſen/ daß/ da ich erſt-
lich nur etliche Bogen hievon meinen Gedichten
anzuhaͤngen vermeinet/ dieſes groͤſſer als die
Getichte ſelbſt geworden. Daher dan kom-
men/ daß wie dieſelbe von der Feder ſo fort un-
ter die Preſſe gebracht/ an einem Ohrte was
außgelaſſen/ das am andern Ohrt/ da es ſeine
rechte Stelle nicht eben findet/ beylaͤuffig ein-
geſchoben; damit es gleichwoll nicht vergeſſen
wuͤrde. Deſſen iſt ein Exempel in dem ſech-
ſten Capittel des andern Theils/ woſelbſt von
dem Wort Barritus gedacht wird/ ob es Teutſch
ſey/ welches der Hr. Rudbeck leugnet; nachge-
hends habe ich aber bey einem alten Meiſter-
ſaͤnger Hans Sachſen ſolches gefunden/ und
daſſelbe im folgenden ſiebenden Capittel ange-
fuͤhret. Ich habe auch in dem andern Capit-
tel des erſten Theils am 30. Blade/ meines ge-
ehrten Freundes Herrn Caſpar Vogten/ vor-
nehmen Buͤrgermeiſtern der Stadt Wißmarn
gedacht/ und eine groſſe Hoffnung von ſeiner
Italiâ gemacht. Es hat aber derſelbe unter die-
ſer Arbeit unvermuthlich die Welt geſegnen

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[0009] An den geneigten Leſer. WAs ich allhie von der Teutſchen Sprache und Poeſie geſchrieben/ iſt mir ſo unter den Haͤnden gewachſen/ daß/ da ich erſt- lich nur etliche Bogen hievon meinen Gedichten anzuhaͤngen vermeinet/ dieſes groͤſſer als die Getichte ſelbſt geworden. Daher dan kom- men/ daß wie dieſelbe von der Feder ſo fort un- ter die Preſſe gebracht/ an einem Ohrte was außgelaſſen/ das am andern Ohrt/ da es ſeine rechte Stelle nicht eben findet/ beylaͤuffig ein- geſchoben; damit es gleichwoll nicht vergeſſen wuͤrde. Deſſen iſt ein Exempel in dem ſech- ſten Capittel des andern Theils/ woſelbſt von dem Wort Barritus gedacht wird/ ob es Teutſch ſey/ welches der Hr. Rudbeck leugnet; nachge- hends habe ich aber bey einem alten Meiſter- ſaͤnger Hans Sachſen ſolches gefunden/ und daſſelbe im folgenden ſiebenden Capittel ange- fuͤhret. Ich habe auch in dem andern Capit- tel des erſten Theils am 30. Blade/ meines ge- ehrten Freundes Herrn Caſpar Vogten/ vor- nehmen Buͤrgermeiſtern der Stadt Wißmarn gedacht/ und eine groſſe Hoffnung von ſeiner Italiâ gemacht. Es hat aber derſelbe unter die- ſer Arbeit unvermuthlich die Welt geſegnen muͤſ- )( 3

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Zitationshilfe: Morhof, Daniel Georg: Unterricht Von Der Teutschen Sprache und Poesie. Kiel, 1682, S. . In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/morhof_unterricht_1682/9>, abgerufen am 11.04.2021.