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Allgemeine Zeitung, Nr. 33, 15. August 1914.

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Allgemeine Zeitung 15. August 1914.
[Spaltenumbruch] gerade Belgien sich uns gegenüber zu dem wärmsten Danke ver-
pflichtet fühlen sollte, da wir diesen blutigen Krieg leicht vermeiden
konnten, wenn wir Belgien der Habgier Frankreichs hätten preis-
geben wollen, und da dieser blutige Kampf zugleich der Erhaltung
der Unabhängigkeit Belgiens gilt."



Vom französischen Kriegsschauplatz liegt unterm 10. ds. nach-
stehendes Telegramm aus Berlin vor: Von Belfort ins Oberelsaß
vorgedrungene französische Streitkräfte, anscheinend das 7. fran-
zösische Armeekorps und eine Infanteriedivision der Besatzung von
Belfort, sind heute von unseren Truppen aus einer verstärkten
Stellung westlich Mülhausens in südlicher Richtung zurückgeworfen
worden. Die Verluste unserer Truppen sind nicht erheblich, die der
Franzosen groß.

Das Wolffsche Telegraphen-Bureau meldet unterm 11.: Eine
vorgeschobene gemischte Brigade des französischen XV. Armeekorps
wurde von unseren Sicherungstruppen bei Lagarde in Lothringen
angegriffen. Der Gegner wurde unter schweren Verlusten in den
Wald von Parroy, nordwestlich von Luneville, zurückgeworfen.
Der Feind ließ in unserer Hand eine Fahne, 2 Batterien, 4 Maschi-
nengewehre und 700 Gefangene. Ein französischer General ist ge-
fallen.


Nach dem letzten, kurz vor Schluß der Redaktion eingetroffenen
Telegramm wird von einem neuerlichen Sieg gemeldet: Bei
Mühlhausen haben die deutschen Truppen 10 französische Offiziere
und 513 Mann gefangen genommen, außerdem wurden 4 Geschütze,
10 Fahrzeuge und eine sehr große Anzahl Gewehre erbeutet. Der
deutsche Boden ist vom Feind gesäubert.

L. Eine französische Aufteilung Deutschlands
wird in einer in Millionen von Exemplaren in Frankreich ver-
breiteten Flugschrift unter dem Titel: "Le partage d'Allemagne"
als nahe bevorstehend erklärt. Frankreich verzichtet auf Holland und
Belgien. Diese beiden Staaten bleiben selbständig. Um so mehr
erweitert sich Frankreich am Mittel- und Oberrhein und annektiert
von Köln aus alles südliche Deutschland, auch Württemberg und
Teile Bayerns mit Würzburg. England wird reich bedacht: Es er-
hält Oldenburg und das ganze rheinisch-westfälische Industriegebiet,
um die deutsche Konkurrenz unterdrücken zu können. Rußland rückt
seine Grenzen nach Westen bis zur Elbe vor. Stettin, Berlin,
Magdeburg werden russisch. Auch Dänemark erhält einen fetten
Bissen. Außer Schleswig-Holstein darf es sogar die drei Hansastädte
verschlucken! Man sieht daraus, zu welcher Siedehitze die franzö-
sische Einbildungskraft durch den Krieg bereits gesteigert ist!


Mängel im französischen Heere.

Das Wolffsche Telegraphenbureau veröffentlicht nachstehende
interessante Charakteristik:

Mehrere Berliner Zeitungen geben ein Gespräch eines
militärischen Sachverständigen mit einem höheren franzö-
sischen Generalstabsoffizier wieder. Die Unterhaltung fand
unmittelbar nach den Enthüllungen des Senators Humbert
im französischen Senate statt. Der französische Generalstabs-
offizier meinte, Humbert habe nichts gesagt, was der fran-
zösische Generalstab nicht schon unzählige Male ausgesprochen
habe, freilich vergebens:
"Jetzt", fuhr er fort, "entdecken plötzlich diese Politiker,
was wir immer und immer wieder berichteten. Dann be-
haupten sie noch, es wäre neu. -- Seit Jahren macht der
Generalstab auf die enorme Ueberlegenheit aufmerksam, die
Deutschland durch die schwere Artillerie seines Feldheeres
besitzt. Man glaubte uns nicht. Jetzt haben wir nichts, als
diese unbrauchbaren Rimailho-Geschütze. Alles andere ist
noch Zukunftsmusik oder neu angestrichenes altes Eisen.
Unser Feldgeschütz wirkte bahnbrechend, aber jetzt ist es das
älteste seiner Art und natürlich den modernen, auch dem
Ihren, nicht mehr gleichwertig. Ebenso ist es mit dem Lebel-
gewehr.
Ihre Truppenübungsplätze verfolgten wir seit Jahren
mit dem größten Interesse. Wir wissen, welch' unschätzbaren
Wert sie für die Ausbildung haben. Bei uns strichen die
Finanzminister die Uebungsplätze stets. Die drahtlose Tele-
graphie Verdun-Toul ist unbenutzbar, sobald die Groß-Station
Metz mit ihrem starken Strom arbeitet. Von den Munitions-
und Verpflegungsvorräten will ich gar nicht sprechen. Nur
[Spaltenumbruch] in einem Punkte ist der Generalstab mitschuldig, wenn man
will, nämlich hinsichtlich des Zustandes der Festungen, außer
den vier großen Ostfestungen. Humbert beklagt jetzt, daß die
Maas-Sperrforts nicht modernisiert seien. Der Generalstab
wünschte das gar nicht und hält das Geld für die vielen
kleinen Festungen und die Sperrforts für eine Verschwen-
dung."
Diese Aeußerungen sind für uns insofern besonders wert-
voll, als sie von einem feindlichen Offizier stammen, der die
Verhältnisse nicht nur vom Hörensagen, sondern aus eigener
und von maßgebender Stelle gewonnenen Anschauung kennt.


England.
Die englische Flotte.

Im Krieg mit England kommt bekanntlich nur die eng-
lische Flotte in Betracht. Eine Uebersicht über die Stärke
derselben begegnet daher im gegenwärtigen Zeitpunkt allge-
meinem Interesse. Im November vorigen Jahres zählte sie
57 Linienschiffe mit 1,017,000 Tonnen Verdrang, 43 Panzer-
kreuzer mit 621,400 Tonnen, 61 geschützte Kreuzer mit 318,940
Tonnen, einige ungeschützte Kreuzer und Kanonenboote, dazu
etwa 240 Torpedobootszerstörer, die zwischen 500 und 1000
Tonnen schwanken, 29 Hochseetorpedoboote von etwa 200
Tonnen und etwa 75 Unterseeboote. Im ganzen dürften 625
Fahrzeuge mit 2,370,326 Tonnen und 6,826,800 indizierten
Pferdekräften in Betracht kommen, die 2878 schwere Geschütze
und 412 Torpedorohre unter Wasser führen bei einer Be-
mannung von 135,040 Mann nach dem laufenden Etat. Es
ist also eine gewaltige Macht, die England aufzubieten hat.
Zu beachten ist aber dabei, daß einmal nicht die ganze Flotte
mobil ist und auch nicht so rasch mobil gemacht werden kann,
weil die Besatzung angeworben werden muß. Die soge-
nannte zweite Flotte hat etwa drei Fünftel Besatzung, die
dritte noch geringere Kaders. Zum zweiten steht nicht die
ganze Flotte in der Heimat, sondern ist über den Erdball ver-
teilt. Für den europäischen Krieg kommt zunächst die erste
Heimatflotte in Betracht, die im November 1913 außer dem
Flaggschiff Neptune 4 Schlachtschiffgeschwader zu sieben Schif-
fen, ein Schlachtkreuzergeschwader zu 3, zwei Kreuzerge-
schwader zu 4 Schiffen und 4 Torpedobootsflottillen mit 80
Schiffen umfaßt; im ganzen kommen hierfür 147 Fahrzeuge
in Betracht. Ueber die Verteilung im einzelnen ist nichts
Sicheres bekannt. Schließlich entscheidet aber nicht die Zahl
der Schiffe allein über den Ausgang, sondern vor allem der
Geist der Mannschaft. Darüber aber Vermutungen anzu-
stellen, ist ein müßiges Beginnen; jeder Seemann tut im
Ernstfall seine Pflicht und gleicht dadurch Mängel der Aus-
bildung und Organisation aus. Eines aber wissen wir, daß
in unserer Flotte auf jeden Fall der denkbar beste Geist
herrscht und daß jeder Mann bis zum äußersten entschlossen
ist. Und darin liegt auch eine Gewähr für Erfolg.


Auch unsere Marine darf die ersten Erfolge gegen England er-
freulich verzeichnen:

Berlin, 8. August. Sicheren Gerüchten zufolge ist der
von der Kaiserl. Marine übernommene Bäderdampfer "Köni-
gin Luise" beim Legen von Minen vor dem Kriegshafen an
der Themsemündung von einer englischen Torpedobootsflot-
tille unter der Führung des kleinen Kreuzers "Amphion" an-
gegriffen und zum Sinken gebracht worden. "Amphion" selbst
ist auf eine von der "Königin Luise" geworfene Mine aufge-
laufen und gesunken. Von der englischen Besatzung sind
130 Mann ertrunken und 150 Mann gerettet. Von den
6 Offizieren und 115 Mann der "Königin Luise" ist ebenfalls
ein Teil gerettet.

Der bei dieser beispiellos kühnen deutschen Aktion zu
Grunde gegangene englische geschützte Kreuzer "Amphion"
war 1911 erbaut, hatte 3500 Tonnen Wasserverdrängung, lief
25 Seemeilen, war mit 14 Geschützen -- 10.2 und 4.7 -- ar-
miert und hatte 290 Mann Besatzung.

Dieses heldenmütige Vorgehen der "Königin Luife" hat nach
englischen Zeitungsnachrichtenn tiefen Eindruck auf ganz England
gemacht und Besorgnis erregt. Diese Unternehmung wie auch jene
der Beschießung des Kriegshafens Libau und seine Sperrung durch

Allgemeine Zeitung 15. Auguſt 1914.
[Spaltenumbruch] gerade Belgien ſich uns gegenüber zu dem wärmſten Danke ver-
pflichtet fühlen ſollte, da wir dieſen blutigen Krieg leicht vermeiden
konnten, wenn wir Belgien der Habgier Frankreichs hätten preis-
geben wollen, und da dieſer blutige Kampf zugleich der Erhaltung
der Unabhängigkeit Belgiens gilt.“



Vom franzöſiſchen Kriegsſchauplatz liegt unterm 10. ds. nach-
ſtehendes Telegramm aus Berlin vor: Von Belfort ins Oberelſaß
vorgedrungene franzöſiſche Streitkräfte, anſcheinend das 7. fran-
zöſiſche Armeekorps und eine Infanteriediviſion der Beſatzung von
Belfort, ſind heute von unſeren Truppen aus einer verſtärkten
Stellung weſtlich Mülhauſens in ſüdlicher Richtung zurückgeworfen
worden. Die Verluſte unſerer Truppen ſind nicht erheblich, die der
Franzoſen groß.

Das Wolffſche Telegraphen-Bureau meldet unterm 11.: Eine
vorgeſchobene gemiſchte Brigade des franzöſiſchen XV. Armeekorps
wurde von unſeren Sicherungstruppen bei Lagarde in Lothringen
angegriffen. Der Gegner wurde unter ſchweren Verluſten in den
Wald von Parroy, nordweſtlich von Luneville, zurückgeworfen.
Der Feind ließ in unſerer Hand eine Fahne, 2 Batterien, 4 Maſchi-
nengewehre und 700 Gefangene. Ein franzöſiſcher General iſt ge-
fallen.


Nach dem letzten, kurz vor Schluß der Redaktion eingetroffenen
Telegramm wird von einem neuerlichen Sieg gemeldet: Bei
Mühlhauſen haben die deutſchen Truppen 10 franzöſiſche Offiziere
und 513 Mann gefangen genommen, außerdem wurden 4 Geſchütze,
10 Fahrzeuge und eine ſehr große Anzahl Gewehre erbeutet. Der
deutſche Boden iſt vom Feind geſäubert.

L. Eine franzöſiſche Aufteilung Deutſchlands
wird in einer in Millionen von Exemplaren in Frankreich ver-
breiteten Flugſchrift unter dem Titel: „Le partage d’Allemagne
als nahe bevorſtehend erklärt. Frankreich verzichtet auf Holland und
Belgien. Dieſe beiden Staaten bleiben ſelbſtändig. Um ſo mehr
erweitert ſich Frankreich am Mittel- und Oberrhein und annektiert
von Köln aus alles ſüdliche Deutſchland, auch Württemberg und
Teile Bayerns mit Würzburg. England wird reich bedacht: Es er-
hält Oldenburg und das ganze rheiniſch-weſtfäliſche Induſtriegebiet,
um die deutſche Konkurrenz unterdrücken zu können. Rußland rückt
ſeine Grenzen nach Weſten bis zur Elbe vor. Stettin, Berlin,
Magdeburg werden ruſſiſch. Auch Dänemark erhält einen fetten
Biſſen. Außer Schleswig-Holſtein darf es ſogar die drei Hanſaſtädte
verſchlucken! Man ſieht daraus, zu welcher Siedehitze die franzö-
ſiſche Einbildungskraft durch den Krieg bereits geſteigert iſt!


Mängel im franzöſiſchen Heere.

Das Wolffſche Telegraphenbureau veröffentlicht nachſtehende
intereſſante Charakteriſtik:

Mehrere Berliner Zeitungen geben ein Geſpräch eines
militäriſchen Sachverſtändigen mit einem höheren franzö-
ſiſchen Generalſtabsoffizier wieder. Die Unterhaltung fand
unmittelbar nach den Enthüllungen des Senators Humbert
im franzöſiſchen Senate ſtatt. Der franzöſiſche Generalſtabs-
offizier meinte, Humbert habe nichts geſagt, was der fran-
zöſiſche Generalſtab nicht ſchon unzählige Male ausgeſprochen
habe, freilich vergebens:
„Jetzt“, fuhr er fort, „entdecken plötzlich dieſe Politiker,
was wir immer und immer wieder berichteten. Dann be-
haupten ſie noch, es wäre neu. — Seit Jahren macht der
Generalſtab auf die enorme Ueberlegenheit aufmerkſam, die
Deutſchland durch die ſchwere Artillerie ſeines Feldheeres
beſitzt. Man glaubte uns nicht. Jetzt haben wir nichts, als
dieſe unbrauchbaren Rimailho-Geſchütze. Alles andere iſt
noch Zukunftsmuſik oder neu angeſtrichenes altes Eiſen.
Unſer Feldgeſchütz wirkte bahnbrechend, aber jetzt iſt es das
älteſte ſeiner Art und natürlich den modernen, auch dem
Ihren, nicht mehr gleichwertig. Ebenſo iſt es mit dem Lebel-
gewehr.
Ihre Truppenübungsplätze verfolgten wir ſeit Jahren
mit dem größten Intereſſe. Wir wiſſen, welch’ unſchätzbaren
Wert ſie für die Ausbildung haben. Bei uns ſtrichen die
Finanzminiſter die Uebungsplätze ſtets. Die drahtloſe Tele-
graphie Verdun-Toul iſt unbenutzbar, ſobald die Groß-Station
Metz mit ihrem ſtarken Strom arbeitet. Von den Munitions-
und Verpflegungsvorräten will ich gar nicht ſprechen. Nur
[Spaltenumbruch] in einem Punkte iſt der Generalſtab mitſchuldig, wenn man
will, nämlich hinſichtlich des Zuſtandes der Feſtungen, außer
den vier großen Oſtfeſtungen. Humbert beklagt jetzt, daß die
Maas-Sperrforts nicht moderniſiert ſeien. Der Generalſtab
wünſchte das gar nicht und hält das Geld für die vielen
kleinen Feſtungen und die Sperrforts für eine Verſchwen-
dung.“
Dieſe Aeußerungen ſind für uns inſofern beſonders wert-
voll, als ſie von einem feindlichen Offizier ſtammen, der die
Verhältniſſe nicht nur vom Hörenſagen, ſondern aus eigener
und von maßgebender Stelle gewonnenen Anſchauung kennt.


England.
Die engliſche Flotte.

Im Krieg mit England kommt bekanntlich nur die eng-
liſche Flotte in Betracht. Eine Ueberſicht über die Stärke
derſelben begegnet daher im gegenwärtigen Zeitpunkt allge-
meinem Intereſſe. Im November vorigen Jahres zählte ſie
57 Linienſchiffe mit 1,017,000 Tonnen Verdrang, 43 Panzer-
kreuzer mit 621,400 Tonnen, 61 geſchützte Kreuzer mit 318,940
Tonnen, einige ungeſchützte Kreuzer und Kanonenboote, dazu
etwa 240 Torpedobootszerſtörer, die zwiſchen 500 und 1000
Tonnen ſchwanken, 29 Hochſeetorpedoboote von etwa 200
Tonnen und etwa 75 Unterſeeboote. Im ganzen dürften 625
Fahrzeuge mit 2,370,326 Tonnen und 6,826,800 indizierten
Pferdekräften in Betracht kommen, die 2878 ſchwere Geſchütze
und 412 Torpedorohre unter Waſſer führen bei einer Be-
mannung von 135,040 Mann nach dem laufenden Etat. Es
iſt alſo eine gewaltige Macht, die England aufzubieten hat.
Zu beachten iſt aber dabei, daß einmal nicht die ganze Flotte
mobil iſt und auch nicht ſo raſch mobil gemacht werden kann,
weil die Beſatzung angeworben werden muß. Die ſoge-
nannte zweite Flotte hat etwa drei Fünftel Beſatzung, die
dritte noch geringere Kaders. Zum zweiten ſteht nicht die
ganze Flotte in der Heimat, ſondern iſt über den Erdball ver-
teilt. Für den europäiſchen Krieg kommt zunächſt die erſte
Heimatflotte in Betracht, die im November 1913 außer dem
Flaggſchiff Neptune 4 Schlachtſchiffgeſchwader zu ſieben Schif-
fen, ein Schlachtkreuzergeſchwader zu 3, zwei Kreuzerge-
ſchwader zu 4 Schiffen und 4 Torpedobootsflottillen mit 80
Schiffen umfaßt; im ganzen kommen hierfür 147 Fahrzeuge
in Betracht. Ueber die Verteilung im einzelnen iſt nichts
Sicheres bekannt. Schließlich entſcheidet aber nicht die Zahl
der Schiffe allein über den Ausgang, ſondern vor allem der
Geiſt der Mannſchaft. Darüber aber Vermutungen anzu-
ſtellen, iſt ein müßiges Beginnen; jeder Seemann tut im
Ernſtfall ſeine Pflicht und gleicht dadurch Mängel der Aus-
bildung und Organiſation aus. Eines aber wiſſen wir, daß
in unſerer Flotte auf jeden Fall der denkbar beſte Geiſt
herrſcht und daß jeder Mann bis zum äußerſten entſchloſſen
iſt. Und darin liegt auch eine Gewähr für Erfolg.


Auch unſere Marine darf die erſten Erfolge gegen England er-
freulich verzeichnen:

Berlin, 8. Auguſt. Sicheren Gerüchten zufolge iſt der
von der Kaiſerl. Marine übernommene Bäderdampfer „Köni-
gin Luiſe“ beim Legen von Minen vor dem Kriegshafen an
der Themſemündung von einer engliſchen Torpedobootsflot-
tille unter der Führung des kleinen Kreuzers „Amphion“ an-
gegriffen und zum Sinken gebracht worden. „Amphion“ ſelbſt
iſt auf eine von der „Königin Luiſe“ geworfene Mine aufge-
laufen und geſunken. Von der engliſchen Beſatzung ſind
130 Mann ertrunken und 150 Mann gerettet. Von den
6 Offizieren und 115 Mann der „Königin Luiſe“ iſt ebenfalls
ein Teil gerettet.

Der bei dieſer beiſpiellos kühnen deutſchen Aktion zu
Grunde gegangene engliſche geſchützte Kreuzer „Amphion“
war 1911 erbaut, hatte 3500 Tonnen Waſſerverdrängung, lief
25 Seemeilen, war mit 14 Geſchützen — 10.2 und 4.7 — ar-
miert und hatte 290 Mann Beſatzung.

Dieſes heldenmütige Vorgehen der „Königin Luife“ hat nach
engliſchen Zeitungsnachrichtenn tiefen Eindruck auf ganz England
gemacht und Beſorgnis erregt. Dieſe Unternehmung wie auch jene
der Beſchießung des Kriegshafens Libau und ſeine Sperrung durch

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[510/0004] Allgemeine Zeitung 15. Auguſt 1914. gerade Belgien ſich uns gegenüber zu dem wärmſten Danke ver- pflichtet fühlen ſollte, da wir dieſen blutigen Krieg leicht vermeiden konnten, wenn wir Belgien der Habgier Frankreichs hätten preis- geben wollen, und da dieſer blutige Kampf zugleich der Erhaltung der Unabhängigkeit Belgiens gilt.“ Vom franzöſiſchen Kriegsſchauplatz liegt unterm 10. ds. nach- ſtehendes Telegramm aus Berlin vor: Von Belfort ins Oberelſaß vorgedrungene franzöſiſche Streitkräfte, anſcheinend das 7. fran- zöſiſche Armeekorps und eine Infanteriediviſion der Beſatzung von Belfort, ſind heute von unſeren Truppen aus einer verſtärkten Stellung weſtlich Mülhauſens in ſüdlicher Richtung zurückgeworfen worden. Die Verluſte unſerer Truppen ſind nicht erheblich, die der Franzoſen groß. Das Wolffſche Telegraphen-Bureau meldet unterm 11.: Eine vorgeſchobene gemiſchte Brigade des franzöſiſchen XV. Armeekorps wurde von unſeren Sicherungstruppen bei Lagarde in Lothringen angegriffen. Der Gegner wurde unter ſchweren Verluſten in den Wald von Parroy, nordweſtlich von Luneville, zurückgeworfen. Der Feind ließ in unſerer Hand eine Fahne, 2 Batterien, 4 Maſchi- nengewehre und 700 Gefangene. Ein franzöſiſcher General iſt ge- fallen. Nach dem letzten, kurz vor Schluß der Redaktion eingetroffenen Telegramm wird von einem neuerlichen Sieg gemeldet: Bei Mühlhauſen haben die deutſchen Truppen 10 franzöſiſche Offiziere und 513 Mann gefangen genommen, außerdem wurden 4 Geſchütze, 10 Fahrzeuge und eine ſehr große Anzahl Gewehre erbeutet. Der deutſche Boden iſt vom Feind geſäubert. L. Eine franzöſiſche Aufteilung Deutſchlands wird in einer in Millionen von Exemplaren in Frankreich ver- breiteten Flugſchrift unter dem Titel: „Le partage d’Allemagne“ als nahe bevorſtehend erklärt. Frankreich verzichtet auf Holland und Belgien. Dieſe beiden Staaten bleiben ſelbſtändig. Um ſo mehr erweitert ſich Frankreich am Mittel- und Oberrhein und annektiert von Köln aus alles ſüdliche Deutſchland, auch Württemberg und Teile Bayerns mit Würzburg. England wird reich bedacht: Es er- hält Oldenburg und das ganze rheiniſch-weſtfäliſche Induſtriegebiet, um die deutſche Konkurrenz unterdrücken zu können. Rußland rückt ſeine Grenzen nach Weſten bis zur Elbe vor. Stettin, Berlin, Magdeburg werden ruſſiſch. Auch Dänemark erhält einen fetten Biſſen. Außer Schleswig-Holſtein darf es ſogar die drei Hanſaſtädte verſchlucken! Man ſieht daraus, zu welcher Siedehitze die franzö- ſiſche Einbildungskraft durch den Krieg bereits geſteigert iſt! Mängel im franzöſiſchen Heere. Das Wolffſche Telegraphenbureau veröffentlicht nachſtehende intereſſante Charakteriſtik: Mehrere Berliner Zeitungen geben ein Geſpräch eines militäriſchen Sachverſtändigen mit einem höheren franzö- ſiſchen Generalſtabsoffizier wieder. Die Unterhaltung fand unmittelbar nach den Enthüllungen des Senators Humbert im franzöſiſchen Senate ſtatt. Der franzöſiſche Generalſtabs- offizier meinte, Humbert habe nichts geſagt, was der fran- zöſiſche Generalſtab nicht ſchon unzählige Male ausgeſprochen habe, freilich vergebens: „Jetzt“, fuhr er fort, „entdecken plötzlich dieſe Politiker, was wir immer und immer wieder berichteten. Dann be- haupten ſie noch, es wäre neu. — Seit Jahren macht der Generalſtab auf die enorme Ueberlegenheit aufmerkſam, die Deutſchland durch die ſchwere Artillerie ſeines Feldheeres beſitzt. Man glaubte uns nicht. Jetzt haben wir nichts, als dieſe unbrauchbaren Rimailho-Geſchütze. Alles andere iſt noch Zukunftsmuſik oder neu angeſtrichenes altes Eiſen. Unſer Feldgeſchütz wirkte bahnbrechend, aber jetzt iſt es das älteſte ſeiner Art und natürlich den modernen, auch dem Ihren, nicht mehr gleichwertig. Ebenſo iſt es mit dem Lebel- gewehr. Ihre Truppenübungsplätze verfolgten wir ſeit Jahren mit dem größten Intereſſe. Wir wiſſen, welch’ unſchätzbaren Wert ſie für die Ausbildung haben. Bei uns ſtrichen die Finanzminiſter die Uebungsplätze ſtets. Die drahtloſe Tele- graphie Verdun-Toul iſt unbenutzbar, ſobald die Groß-Station Metz mit ihrem ſtarken Strom arbeitet. Von den Munitions- und Verpflegungsvorräten will ich gar nicht ſprechen. Nur in einem Punkte iſt der Generalſtab mitſchuldig, wenn man will, nämlich hinſichtlich des Zuſtandes der Feſtungen, außer den vier großen Oſtfeſtungen. Humbert beklagt jetzt, daß die Maas-Sperrforts nicht moderniſiert ſeien. Der Generalſtab wünſchte das gar nicht und hält das Geld für die vielen kleinen Feſtungen und die Sperrforts für eine Verſchwen- dung.“ Dieſe Aeußerungen ſind für uns inſofern beſonders wert- voll, als ſie von einem feindlichen Offizier ſtammen, der die Verhältniſſe nicht nur vom Hörenſagen, ſondern aus eigener und von maßgebender Stelle gewonnenen Anſchauung kennt. England. Die engliſche Flotte. Im Krieg mit England kommt bekanntlich nur die eng- liſche Flotte in Betracht. Eine Ueberſicht über die Stärke derſelben begegnet daher im gegenwärtigen Zeitpunkt allge- meinem Intereſſe. Im November vorigen Jahres zählte ſie 57 Linienſchiffe mit 1,017,000 Tonnen Verdrang, 43 Panzer- kreuzer mit 621,400 Tonnen, 61 geſchützte Kreuzer mit 318,940 Tonnen, einige ungeſchützte Kreuzer und Kanonenboote, dazu etwa 240 Torpedobootszerſtörer, die zwiſchen 500 und 1000 Tonnen ſchwanken, 29 Hochſeetorpedoboote von etwa 200 Tonnen und etwa 75 Unterſeeboote. Im ganzen dürften 625 Fahrzeuge mit 2,370,326 Tonnen und 6,826,800 indizierten Pferdekräften in Betracht kommen, die 2878 ſchwere Geſchütze und 412 Torpedorohre unter Waſſer führen bei einer Be- mannung von 135,040 Mann nach dem laufenden Etat. Es iſt alſo eine gewaltige Macht, die England aufzubieten hat. Zu beachten iſt aber dabei, daß einmal nicht die ganze Flotte mobil iſt und auch nicht ſo raſch mobil gemacht werden kann, weil die Beſatzung angeworben werden muß. Die ſoge- nannte zweite Flotte hat etwa drei Fünftel Beſatzung, die dritte noch geringere Kaders. Zum zweiten ſteht nicht die ganze Flotte in der Heimat, ſondern iſt über den Erdball ver- teilt. Für den europäiſchen Krieg kommt zunächſt die erſte Heimatflotte in Betracht, die im November 1913 außer dem Flaggſchiff Neptune 4 Schlachtſchiffgeſchwader zu ſieben Schif- fen, ein Schlachtkreuzergeſchwader zu 3, zwei Kreuzerge- ſchwader zu 4 Schiffen und 4 Torpedobootsflottillen mit 80 Schiffen umfaßt; im ganzen kommen hierfür 147 Fahrzeuge in Betracht. Ueber die Verteilung im einzelnen iſt nichts Sicheres bekannt. Schließlich entſcheidet aber nicht die Zahl der Schiffe allein über den Ausgang, ſondern vor allem der Geiſt der Mannſchaft. Darüber aber Vermutungen anzu- ſtellen, iſt ein müßiges Beginnen; jeder Seemann tut im Ernſtfall ſeine Pflicht und gleicht dadurch Mängel der Aus- bildung und Organiſation aus. Eines aber wiſſen wir, daß in unſerer Flotte auf jeden Fall der denkbar beſte Geiſt herrſcht und daß jeder Mann bis zum äußerſten entſchloſſen iſt. Und darin liegt auch eine Gewähr für Erfolg. Auch unſere Marine darf die erſten Erfolge gegen England er- freulich verzeichnen: Berlin, 8. Auguſt. Sicheren Gerüchten zufolge iſt der von der Kaiſerl. Marine übernommene Bäderdampfer „Köni- gin Luiſe“ beim Legen von Minen vor dem Kriegshafen an der Themſemündung von einer engliſchen Torpedobootsflot- tille unter der Führung des kleinen Kreuzers „Amphion“ an- gegriffen und zum Sinken gebracht worden. „Amphion“ ſelbſt iſt auf eine von der „Königin Luiſe“ geworfene Mine aufge- laufen und geſunken. Von der engliſchen Beſatzung ſind 130 Mann ertrunken und 150 Mann gerettet. Von den 6 Offizieren und 115 Mann der „Königin Luiſe“ iſt ebenfalls ein Teil gerettet. Der bei dieſer beiſpiellos kühnen deutſchen Aktion zu Grunde gegangene engliſche geſchützte Kreuzer „Amphion“ war 1911 erbaut, hatte 3500 Tonnen Waſſerverdrängung, lief 25 Seemeilen, war mit 14 Geſchützen — 10.2 und 4.7 — ar- miert und hatte 290 Mann Beſatzung. Dieſes heldenmütige Vorgehen der „Königin Luife“ hat nach engliſchen Zeitungsnachrichtenn tiefen Eindruck auf ganz England gemacht und Beſorgnis erregt. Dieſe Unternehmung wie auch jene der Beſchießung des Kriegshafens Libau und ſeine Sperrung durch

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Zitationshilfe: Allgemeine Zeitung, Nr. 33, 15. August 1914, S. 510. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/nn_allgemeine33_1914/4>, abgerufen am 21.04.2024.