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Die Bayerische Presse. Nr. 212. Würzburg, 4. September 1850.

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[Spaltenumbruch] ähnliche Weise eine sichere Lebensdauer von neun
Jahren zuspräche, und Jeden als Aufrührer be-
handelte, der sich ein Wort gegen die Anmaßung
erlauben würde? -- Ueber die fremden Flücht-
linge, diese Landplage, ist ein neuer Census er-
gangen, der im Ganzen 900 Deutsche erzeigte,
die dem Canton Tessin zugeschiedenen italienischen
Flüchtlinge ungerechnet. Von jener Gesammtzahl
sind 181 dem Canton Bern, 4 den kleinsten Can-
tonen zugeschieden, den übrigen nach Verhältniß.
Mit dem 1. September hören die Unterstützungen
aus der Bundeskasse auf, und es bleibt den Can-
tonen anheimgestellt, wie weit sie auch für die
Zukunft jenen Fremdlingen das Privilegium des
Müßiggangs einräumen wollen. -- Der Präsi-
dent der französischen Republik kam der Schwei-
zergrenze so nahe, daß der Bundesrath in Ueber-
legung nehmen mußte, ob nicht eine Ehrendeputa-
tation zur Begrüßung an ihn abzusenden sei. Er
hat sich für die Negative entschieden und daher
auch in dieser Beziehung die schweizerische diplo-
matische Sitte abgeändert; ehedem, wenn ein Po-
tentat auf Reisen sich der Schweizergrenze nä-
herte, sandte der jeweilige Vorort zwei der ange-
sehensten schweizerischen Magistraten in irgend eine
Grenzstadt zur [unleserliches Material - 13 Zeichen fehlen]Lewillkommung des fürstlichen
Nachbarn ab. Wird einst Ledru=Rollin Präsident
Frankreichs, so wird es hoffentlich der Bundesrath
gerade so gegen ihn halten, wie gegen den Prin-
zen Bonaparte. -- Die Berner Regierung und
der Bundesrath stehen eben nicht in der besten
Harmonie; bedarf es irgend einer Experten=Com-
mission in schweizerischen Dingen und findet man
gut, in dieselbe auch einen Bürger von Bern zu
wählen, so nimmt ihn der Bundesrath zuverläßig
aus dem Personale der beseitigten Regierung. Die
Anleihungsfrage von Bern soll erst im Septem-
ber ausgetragen werden; überhaupt trat während
der Sommermonate ein allgemeiner Geschäftsstill-
stand ein. Belebter werden Herbst und Winter
sein. -- Nicht weniger denn vier Cantone tragen
sich mit Revision ihrer cantonalen Verfassungen,
im Aargau ist ein Entwurf bereits durchberathen,
nächstens soll die vorgeschriebene zweite Berathung
folgen; in Solothurn beginnt eine ähnliche Re-
vision des Grundgesetzes vom 9. September; in
Baselland finden eben jetzt die Wahlen in einen
Verfassungsrath zu gleichem Zwecke Statt; in St.
Gallen ist ein Antrag auf der Tagesordnung, der
zu ähnlichem Unternehmen führen soll; in Luzern
heißt's: aufgeschoben ist nicht aufgehoben, und
wahrscheinlich wird dort im Laufe von 1851 die
Revision sich ebenfalls Bahn brechen; daß sie end-
lich auch in Freiburg unvermeidlich ist, das hat
die Eingangs besprochene Petition klar gemacht.
Jn der Schweiz wird's besser werden, wenn die
Menschen klüger und verträglicher, -- Verfassungs-
formen mögen höchstens ein Mittel zur Gewin-
nung besserer Parteistellung sein. -- Jn Bern
trifft nächstens der englische Jngenieur Robert
Stephenson zur Prüfung der schweizerischen Ei-
senbahnpläne ein. Mittlerweile wächst die Unzu-
friedenheit mit den finanziellen Ergebnissen der
Bundesverwaltung; einzelne Cantone vermissen
die fetten Posteinkünfte, die ihnen bis dahin nur
theilweise aus der Bundeskasse vergütet worden
sind; die diesjährige Ernte soll abermals ungün-
stig ausfallen, obwohl die Posten eine Unmasse
von fremden Reisenden hin= und hergeschoben ha-
ben. Auch spricht man von einer nahe bevorste-
henden Revision des Zolltarifs, die jedenfalls in
Folge der Einführung des neuen Münzfußes bald
erforderlich wird.

Vermischte Nachrichten.

Ad vocem Friedenscongreß ist es doch auf-
fallend, daß die Haupt=Friedens=Boten Amerikaner
sind, Amerikaner, welche ihre rothhäutigen Nach-
barn ausrotten, welche die Weißen und die Gel-
ben in Neu= und Alt = Mexico, Texas, Havana
räuberisch, blutdürstig überfallen; welche den Por-
tugiesen, um ungerechter und verjährter Forderun-
gen willen, unter drohenden Feuerschlünden das
Messer an die Kehle setzen, und welche, nachdem
[Spaltenumbruch] mehrere ihrer Staaten schmählich Bankrott ge-
macht haben, alle Staatsanleihen in Verruf er-
klärten. -- Auch englische Chartisten kommen mit
dem Oelblatt im Schnabel. Und doch haben ge-
rade die großbritanischen Guineen, Jntriguen und
Depeschen=Verlierungen so viel dazu beigetragen,
Europa in Gährung zu erhalten, damit das fried-
fertige England mittlerweile im Trüben fischen
könne. -- Und spielt nicht auch der rothe Ruge
jetzt Friedensrichter, nachdem er im Sommer 1848
als Concurrent von Vater Karbe Fiasco gemacht
hat auf der Schauspielhaustreppe? Erst Aufwieg-
ler und dann Friedensbündler! Es fehlt bloß
noch, daß der Russe Bakunin, der Rädelsführer
der Dresdener Rebellion, gekommen wäre und
versichert hätte, daß das Blutvergießen und die
Mordbrennereien in Dresden, Prag, Wien, Ber-
lin u. s. w. bloß um des "lieben Friedens" wil-
len von ihm vermittelt worden seien.

Ein neuer Beleg wie die Demokratie die
schleswig=holsteinische Angelegenheit für ihre Zwecke
ausbeutet, liegt uns in einem der Flugblätter vor,
welche die demokratische Agitation in Hamburg
und den Herzogthümern eifrig verbreitet. Es führt
den Titel: "Schreckliche Prophezeihung eines hun-
dertjährigen Matrosen in Kopenhagen", Verlag
der Hamburg=Altonaer Volksbuchhandlung in St.
Pauli, und zeigt an der Spitze im Holzschnitt
den Untergang des dänischen Königthrons. Ein
alter Matrose, der in Neubuden in Kopenhagen
wohnen soll, prophezeit über den jetzigen Krieg
zwischen Dänemark und den Herzogthümern. Da-
nach werden in einer blutigen Schlacht bei Flens-
burg im Horslethal die Dänen so völlig vernich-
tet werden, daß die "siegreichen Streiter werden
waten im Dänenblut bis an die Knöchel." Die
Großen des Landes werden die Hauptstadt verlas-
sen, und das wüthende Volk wird ihnen folgen
und sie umbringen ( natürlich auch plündern! ) . Der
Name Dänemark werde verwischt werden von der
Erde, die Flotte werde ihren Untergang finden im
Meere und eine fremde desgleichen! Zuletzt kommt
das Beste, und wir lassen den Schluß daher
wörtlich hier folgen: "Aber es wird Einer wi-
der uns streiten im Land Schleswig, dem wird
kein Däne widerstehen. Jn seinem Namen wird
er führen den festen Willen und das starke Eisen,
und wo der Wille ist vereint mit dem Eisen, da
ist der Sieg. Und sein Heer wird an ihm hän-
gen mit Liebe, wie an einem Vater, und wird an
ihm hängen mit Vertrauen, wie an seinem Gott,
darum wird auch der Lorbeer grünen auf seinem
Wege, und er wird sagen können ein zweiter Bo-
naparte: Droben am Himmel leuchtet mein Stern,
nnd so lange er leuchtet, trifft mich keines Un-
heils Nacht. Der Stern aber wird ihn leiten zu
großen Dingen, er wird ihn leiten von Sprosse
zu Sprosse empor auf der Leiter des Ruhms,
daß er bald wird höher stehen als Deutschlands
höchster Thron; aber nur dann, wenn er sein Auge
abwendet von Kronen und Diamanten, sonst wird
sein Auge erblinden und sein Stern verlöschen und
sein Ruhm wird hinschwinden wie der Ruhm ei-
nes Helden von gestern. Wenn er wird gesiegt
haben für Schleswig=Holstein und wird geschlagen
haben unser Heer, so wird ihm jauchzend zurufen
das ganze deutsche Reich: Mann von Eisen, hilf
auch uns! schlag' auch unsere Feinde! und dann
wird sich's zeigen, ob er folgen wird seinem Sterne,
oder ob er ihn wird lassen untergehen am Hori-
zonte. Geht er unter, dann wird's auch ganz
Nacht werden im Deutschen Reiche und die Für-
sten werden sagen zu ihren Völkern: "Schickt
Euch in die Zeit! Mit ledernen Peitschen hat
Euch mein Vater gezüchtigt, mit zackigen und stach-
lichten Geißeln will ich Euch züchtigen." Folgt
aber der Eisenmann dem Rufe der Völker und
läßt er seinen Stern leuchten vor sich her, dann
wird das zerrissene Deutschland ein eherner Ring
werden, fest und unzerbrechlich, und wird ausdeh-
nen seine eiserne Macht über ganz Europa und
der Sieger und Retter wird selbst werden zum
Stern seines Volkes und wird das Licht des freien
Himmels und den Frieden des Paradieses ver-
breiten über die Erde."

[Spaltenumbruch]

Paris, 27. August. Ein bekanntes Mitglied
der Permanenzcommission erzählte gestern, unter
Verbürgung der Wahrheit folgenden Vorfall: Jm
März kam ein Schweizer nach Paris, wo er in
einem obscuren Hotel abstieg, und mehrere Tage
einsam in seinem Zimmer zubrachte. Eines Nach-
mittags klopfte man an seine Thüre, und ein
Mann trat ein, in welchem der Verschwörer --
denn dies war der -- den Präsidenten der Repu-
blik erkannte. "Jch kenne," sagte L. Napoleon,
"Jhre Absicht; Sie sind ein Unglücklicher, und
nach Paris gekommen, um mich zu ermorden. Jch
habe Jhnen in Thurgau Gutes erwiesen und will
es nochmals thun. Man hat mir Alles gesagt,
ich komme, Sie zu retten. Entsagen Sie diesem
abscheulichen Unternehmen, das schon verrathen
war, bevor Sie hier eintrafen. Fliehen Sie, neh-
men Sie diese Börse. Hier ist ein Paß, und
möge man Sie in Frankreich nicht mehr erblicken,
so lange ich irgend eine Gewalt bekleide." Der
Verschwörer stürzte todtblaß dem Präsidenten zu
Füßen, und bat ihn, ihn in Paris zu lassen, da-
mit er fortan von allen Complotten gegen sein
Leben sofort ihn in Kenntniß setzen könne. Der
Präsident entfernte sich, nachdem er diese Bitte
gewährt hatte, und jetzt wacht dieser Verschwörer
mit Sorgfalt über dasselbe Leben, zu dessen Ver-
nichtung er nach Paris gekommen war. ( ?? )

Karl Gützlaff und das Missionswesen.

Jn der Domkirche von Marienwerther hatte
ich Gelegenheit, den berühmten Apostel der Chi-
nesen zu hören. Dem Bilde, welches uns die
gewöhnliche Romanlectüre von einem Heidenbekeh-
rer liefert, entspricht er keineswegs: ein kurzer,
starker Mann mit hochrothem Gesichte, großem
und breitem Munde, nach chinesischer Art schläf-
rig zusammengekniffenen Augenliedern, heftigen
Armbewegungen, einer mehr robusten als wohl-
klingenden Stimme. Ein Biograph von ihm sagt:
"Man hat häufig bemerkt, daß die Leute, welche
lange Zeit mit den Jndianern Amerika's zusam-
menleben, auch in der Gesichtsbildung ihnen ähn-
lich werden. Dieselbe Erfahrung macht man im
Orient. Die Gesichtszüge und das ganze Wesen
Gützlaff's haben in der Art das Gepräge des
ächten Sohnes des Jao und Schun erhalten, daß
ihn die Chinesen gewöhnlich als Landsmann be-
grüßen." Jch lasse diese physiologische Bemerkung
dahingestellt sein. Karl Gützlaff ist 1803 zu Py-
ritz, einem pommerischen Dorfe, geboren. Seine
apostolische Wirksamkeit beginnt vorzüglich in den
dreißiger Jahren. Er hatte sich mit einer Eng-
länderin verheirathet, die von der gleichen Begei-
sterung durchdrungen war und ihn auf seiner Mis-
sionsreise begleitete. Seine großen Kenntnisse im
Chinesischen und den verwandten Mundarten im-
ponirten schon damals dem Begründer der evan-
gelischen Mission in China, Robert Morrison,
mit dem er sich 1832 in Macao vereinigte, und
machten ihn bei den englischen Kaufleuten sehr
gesucht. Er wurde in den Jahren 1832 und
1833 auf einigen Schmuggelschiffen, die mit Opium
handelten, als Dolmetsch gebraucht, ( Das sind
die Wege der Jesuiten nicht, obschon -- "der
Zweck die Mittel heiligt". ) und wußte auch die-
ses an sich nicht eben ruhmvolle Unternehmen zu
seinen heiligen Zwecken, zur Verbreitung von Bi-
beln und Tractaten, zu benutzen. Eine Missions-
reise nach Japan im Jahre 1837 blieb ohne Er-
folg. Nach Morrison's Tode wurde Gützlaff als
chinesischer Sekretär des englischen Consulates in
Canton angestellt, und gründete im Jahre 1840
einen christlichen Verein von Chinesen zur Aus-
breitung des Evangeliums unter ihren Landsleu-
ten. Seine gegenwärtige Reise durch Europa hat
einen ähnlichen Zweck: die Gründung von Mis-
sionsvereinen für die Verbreitung des Christen-
thums in China. Seine literarische Thätigkeit
hat einen unglaublichen Umfang. Er selber gibt
folgende Uebersicht seiner Schriften ec. ec. Eine
so ungeheuere Ausdehnung läßt mit Recht auf
eine wunderbar leichte Fassungsgabe, wie auf eine
unermüdliche Ausdauer im Arbeiten schließen. Wenn
man den Mann auf seinem Missionswerke sieht,

[Spaltenumbruch] ähnliche Weise eine sichere Lebensdauer von neun
Jahren zuspräche, und Jeden als Aufrührer be-
handelte, der sich ein Wort gegen die Anmaßung
erlauben würde? -- Ueber die fremden Flücht-
linge, diese Landplage, ist ein neuer Census er-
gangen, der im Ganzen 900 Deutsche erzeigte,
die dem Canton Tessin zugeschiedenen italienischen
Flüchtlinge ungerechnet. Von jener Gesammtzahl
sind 181 dem Canton Bern, 4 den kleinsten Can-
tonen zugeschieden, den übrigen nach Verhältniß.
Mit dem 1. September hören die Unterstützungen
aus der Bundeskasse auf, und es bleibt den Can-
tonen anheimgestellt, wie weit sie auch für die
Zukunft jenen Fremdlingen das Privilegium des
Müßiggangs einräumen wollen. -- Der Präsi-
dent der französischen Republik kam der Schwei-
zergrenze so nahe, daß der Bundesrath in Ueber-
legung nehmen mußte, ob nicht eine Ehrendeputa-
tation zur Begrüßung an ihn abzusenden sei. Er
hat sich für die Negative entschieden und daher
auch in dieser Beziehung die schweizerische diplo-
matische Sitte abgeändert; ehedem, wenn ein Po-
tentat auf Reisen sich der Schweizergrenze nä-
herte, sandte der jeweilige Vorort zwei der ange-
sehensten schweizerischen Magistraten in irgend eine
Grenzstadt zur [unleserliches Material – 13 Zeichen fehlen]Lewillkommung des fürstlichen
Nachbarn ab. Wird einst Ledru=Rollin Präsident
Frankreichs, so wird es hoffentlich der Bundesrath
gerade so gegen ihn halten, wie gegen den Prin-
zen Bonaparte. -- Die Berner Regierung und
der Bundesrath stehen eben nicht in der besten
Harmonie; bedarf es irgend einer Experten=Com-
mission in schweizerischen Dingen und findet man
gut, in dieselbe auch einen Bürger von Bern zu
wählen, so nimmt ihn der Bundesrath zuverläßig
aus dem Personale der beseitigten Regierung. Die
Anleihungsfrage von Bern soll erst im Septem-
ber ausgetragen werden; überhaupt trat während
der Sommermonate ein allgemeiner Geschäftsstill-
stand ein. Belebter werden Herbst und Winter
sein. -- Nicht weniger denn vier Cantone tragen
sich mit Revision ihrer cantonalen Verfassungen,
im Aargau ist ein Entwurf bereits durchberathen,
nächstens soll die vorgeschriebene zweite Berathung
folgen; in Solothurn beginnt eine ähnliche Re-
vision des Grundgesetzes vom 9. September; in
Baselland finden eben jetzt die Wahlen in einen
Verfassungsrath zu gleichem Zwecke Statt; in St.
Gallen ist ein Antrag auf der Tagesordnung, der
zu ähnlichem Unternehmen führen soll; in Luzern
heißt's: aufgeschoben ist nicht aufgehoben, und
wahrscheinlich wird dort im Laufe von 1851 die
Revision sich ebenfalls Bahn brechen; daß sie end-
lich auch in Freiburg unvermeidlich ist, das hat
die Eingangs besprochene Petition klar gemacht.
Jn der Schweiz wird's besser werden, wenn die
Menschen klüger und verträglicher, -- Verfassungs-
formen mögen höchstens ein Mittel zur Gewin-
nung besserer Parteistellung sein. -- Jn Bern
trifft nächstens der englische Jngenieur Robert
Stephenson zur Prüfung der schweizerischen Ei-
senbahnpläne ein. Mittlerweile wächst die Unzu-
friedenheit mit den finanziellen Ergebnissen der
Bundesverwaltung; einzelne Cantone vermissen
die fetten Posteinkünfte, die ihnen bis dahin nur
theilweise aus der Bundeskasse vergütet worden
sind; die diesjährige Ernte soll abermals ungün-
stig ausfallen, obwohl die Posten eine Unmasse
von fremden Reisenden hin= und hergeschoben ha-
ben. Auch spricht man von einer nahe bevorste-
henden Revision des Zolltarifs, die jedenfalls in
Folge der Einführung des neuen Münzfußes bald
erforderlich wird.

Vermischte Nachrichten.

Ad vocem Friedenscongreß ist es doch auf-
fallend, daß die Haupt=Friedens=Boten Amerikaner
sind, Amerikaner, welche ihre rothhäutigen Nach-
barn ausrotten, welche die Weißen und die Gel-
ben in Neu= und Alt = Mexico, Texas, Havana
räuberisch, blutdürstig überfallen; welche den Por-
tugiesen, um ungerechter und verjährter Forderun-
gen willen, unter drohenden Feuerschlünden das
Messer an die Kehle setzen, und welche, nachdem
[Spaltenumbruch] mehrere ihrer Staaten schmählich Bankrott ge-
macht haben, alle Staatsanleihen in Verruf er-
klärten. -- Auch englische Chartisten kommen mit
dem Oelblatt im Schnabel. Und doch haben ge-
rade die großbritanischen Guineen, Jntriguen und
Depeschen=Verlierungen so viel dazu beigetragen,
Europa in Gährung zu erhalten, damit das fried-
fertige England mittlerweile im Trüben fischen
könne. -- Und spielt nicht auch der rothe Ruge
jetzt Friedensrichter, nachdem er im Sommer 1848
als Concurrent von Vater Karbe Fiasco gemacht
hat auf der Schauspielhaustreppe? Erst Aufwieg-
ler und dann Friedensbündler! Es fehlt bloß
noch, daß der Russe Bakunin, der Rädelsführer
der Dresdener Rebellion, gekommen wäre und
versichert hätte, daß das Blutvergießen und die
Mordbrennereien in Dresden, Prag, Wien, Ber-
lin u. s. w. bloß um des „lieben Friedens“ wil-
len von ihm vermittelt worden seien.

Ein neuer Beleg wie die Demokratie die
schleswig=holsteinische Angelegenheit für ihre Zwecke
ausbeutet, liegt uns in einem der Flugblätter vor,
welche die demokratische Agitation in Hamburg
und den Herzogthümern eifrig verbreitet. Es führt
den Titel: „Schreckliche Prophezeihung eines hun-
dertjährigen Matrosen in Kopenhagen“, Verlag
der Hamburg=Altonaer Volksbuchhandlung in St.
Pauli, und zeigt an der Spitze im Holzschnitt
den Untergang des dänischen Königthrons. Ein
alter Matrose, der in Neubuden in Kopenhagen
wohnen soll, prophezeit über den jetzigen Krieg
zwischen Dänemark und den Herzogthümern. Da-
nach werden in einer blutigen Schlacht bei Flens-
burg im Horslethal die Dänen so völlig vernich-
tet werden, daß die „siegreichen Streiter werden
waten im Dänenblut bis an die Knöchel.“ Die
Großen des Landes werden die Hauptstadt verlas-
sen, und das wüthende Volk wird ihnen folgen
und sie umbringen ( natürlich auch plündern! ) . Der
Name Dänemark werde verwischt werden von der
Erde, die Flotte werde ihren Untergang finden im
Meere und eine fremde desgleichen! Zuletzt kommt
das Beste, und wir lassen den Schluß daher
wörtlich hier folgen: „Aber es wird Einer wi-
der uns streiten im Land Schleswig, dem wird
kein Däne widerstehen. Jn seinem Namen wird
er führen den festen Willen und das starke Eisen,
und wo der Wille ist vereint mit dem Eisen, da
ist der Sieg. Und sein Heer wird an ihm hän-
gen mit Liebe, wie an einem Vater, und wird an
ihm hängen mit Vertrauen, wie an seinem Gott,
darum wird auch der Lorbeer grünen auf seinem
Wege, und er wird sagen können ein zweiter Bo-
naparte: Droben am Himmel leuchtet mein Stern,
nnd so lange er leuchtet, trifft mich keines Un-
heils Nacht. Der Stern aber wird ihn leiten zu
großen Dingen, er wird ihn leiten von Sprosse
zu Sprosse empor auf der Leiter des Ruhms,
daß er bald wird höher stehen als Deutschlands
höchster Thron; aber nur dann, wenn er sein Auge
abwendet von Kronen und Diamanten, sonst wird
sein Auge erblinden und sein Stern verlöschen und
sein Ruhm wird hinschwinden wie der Ruhm ei-
nes Helden von gestern. Wenn er wird gesiegt
haben für Schleswig=Holstein und wird geschlagen
haben unser Heer, so wird ihm jauchzend zurufen
das ganze deutsche Reich: Mann von Eisen, hilf
auch uns! schlag' auch unsere Feinde! und dann
wird sich's zeigen, ob er folgen wird seinem Sterne,
oder ob er ihn wird lassen untergehen am Hori-
zonte. Geht er unter, dann wird's auch ganz
Nacht werden im Deutschen Reiche und die Für-
sten werden sagen zu ihren Völkern: „Schickt
Euch in die Zeit! Mit ledernen Peitschen hat
Euch mein Vater gezüchtigt, mit zackigen und stach-
lichten Geißeln will ich Euch züchtigen.“ Folgt
aber der Eisenmann dem Rufe der Völker und
läßt er seinen Stern leuchten vor sich her, dann
wird das zerrissene Deutschland ein eherner Ring
werden, fest und unzerbrechlich, und wird ausdeh-
nen seine eiserne Macht über ganz Europa und
der Sieger und Retter wird selbst werden zum
Stern seines Volkes und wird das Licht des freien
Himmels und den Frieden des Paradieses ver-
breiten über die Erde.“

[Spaltenumbruch]

Paris, 27. August. Ein bekanntes Mitglied
der Permanenzcommission erzählte gestern, unter
Verbürgung der Wahrheit folgenden Vorfall: Jm
März kam ein Schweizer nach Paris, wo er in
einem obscuren Hotel abstieg, und mehrere Tage
einsam in seinem Zimmer zubrachte. Eines Nach-
mittags klopfte man an seine Thüre, und ein
Mann trat ein, in welchem der Verschwörer --
denn dies war der -- den Präsidenten der Repu-
blik erkannte. „Jch kenne,“ sagte L. Napoleon,
„Jhre Absicht; Sie sind ein Unglücklicher, und
nach Paris gekommen, um mich zu ermorden. Jch
habe Jhnen in Thurgau Gutes erwiesen und will
es nochmals thun. Man hat mir Alles gesagt,
ich komme, Sie zu retten. Entsagen Sie diesem
abscheulichen Unternehmen, das schon verrathen
war, bevor Sie hier eintrafen. Fliehen Sie, neh-
men Sie diese Börse. Hier ist ein Paß, und
möge man Sie in Frankreich nicht mehr erblicken,
so lange ich irgend eine Gewalt bekleide.“ Der
Verschwörer stürzte todtblaß dem Präsidenten zu
Füßen, und bat ihn, ihn in Paris zu lassen, da-
mit er fortan von allen Complotten gegen sein
Leben sofort ihn in Kenntniß setzen könne. Der
Präsident entfernte sich, nachdem er diese Bitte
gewährt hatte, und jetzt wacht dieser Verschwörer
mit Sorgfalt über dasselbe Leben, zu dessen Ver-
nichtung er nach Paris gekommen war. ( ?? )

Karl Gützlaff und das Missionswesen.

Jn der Domkirche von Marienwerther hatte
ich Gelegenheit, den berühmten Apostel der Chi-
nesen zu hören. Dem Bilde, welches uns die
gewöhnliche Romanlectüre von einem Heidenbekeh-
rer liefert, entspricht er keineswegs: ein kurzer,
starker Mann mit hochrothem Gesichte, großem
und breitem Munde, nach chinesischer Art schläf-
rig zusammengekniffenen Augenliedern, heftigen
Armbewegungen, einer mehr robusten als wohl-
klingenden Stimme. Ein Biograph von ihm sagt:
„Man hat häufig bemerkt, daß die Leute, welche
lange Zeit mit den Jndianern Amerika's zusam-
menleben, auch in der Gesichtsbildung ihnen ähn-
lich werden. Dieselbe Erfahrung macht man im
Orient. Die Gesichtszüge und das ganze Wesen
Gützlaff's haben in der Art das Gepräge des
ächten Sohnes des Jao und Schun erhalten, daß
ihn die Chinesen gewöhnlich als Landsmann be-
grüßen.“ Jch lasse diese physiologische Bemerkung
dahingestellt sein. Karl Gützlaff ist 1803 zu Py-
ritz, einem pommerischen Dorfe, geboren. Seine
apostolische Wirksamkeit beginnt vorzüglich in den
dreißiger Jahren. Er hatte sich mit einer Eng-
länderin verheirathet, die von der gleichen Begei-
sterung durchdrungen war und ihn auf seiner Mis-
sionsreise begleitete. Seine großen Kenntnisse im
Chinesischen und den verwandten Mundarten im-
ponirten schon damals dem Begründer der evan-
gelischen Mission in China, Robert Morrison,
mit dem er sich 1832 in Macao vereinigte, und
machten ihn bei den englischen Kaufleuten sehr
gesucht. Er wurde in den Jahren 1832 und
1833 auf einigen Schmuggelschiffen, die mit Opium
handelten, als Dolmetsch gebraucht, ( Das sind
die Wege der Jesuiten nicht, obschon -- „der
Zweck die Mittel heiligt“. ) und wußte auch die-
ses an sich nicht eben ruhmvolle Unternehmen zu
seinen heiligen Zwecken, zur Verbreitung von Bi-
beln und Tractaten, zu benutzen. Eine Missions-
reise nach Japan im Jahre 1837 blieb ohne Er-
folg. Nach Morrison's Tode wurde Gützlaff als
chinesischer Sekretär des englischen Consulates in
Canton angestellt, und gründete im Jahre 1840
einen christlichen Verein von Chinesen zur Aus-
breitung des Evangeliums unter ihren Landsleu-
ten. Seine gegenwärtige Reise durch Europa hat
einen ähnlichen Zweck: die Gründung von Mis-
sionsvereinen für die Verbreitung des Christen-
thums in China. Seine literarische Thätigkeit
hat einen unglaublichen Umfang. Er selber gibt
folgende Uebersicht seiner Schriften ec. ec. Eine
so ungeheuere Ausdehnung läßt mit Recht auf
eine wunderbar leichte Fassungsgabe, wie auf eine
unermüdliche Ausdauer im Arbeiten schließen. Wenn
man den Mann auf seinem Missionswerke sieht,

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[0003] ähnliche Weise eine sichere Lebensdauer von neun Jahren zuspräche, und Jeden als Aufrührer be- handelte, der sich ein Wort gegen die Anmaßung erlauben würde? -- Ueber die fremden Flücht- linge, diese Landplage, ist ein neuer Census er- gangen, der im Ganzen 900 Deutsche erzeigte, die dem Canton Tessin zugeschiedenen italienischen Flüchtlinge ungerechnet. Von jener Gesammtzahl sind 181 dem Canton Bern, 4 den kleinsten Can- tonen zugeschieden, den übrigen nach Verhältniß. Mit dem 1. September hören die Unterstützungen aus der Bundeskasse auf, und es bleibt den Can- tonen anheimgestellt, wie weit sie auch für die Zukunft jenen Fremdlingen das Privilegium des Müßiggangs einräumen wollen. -- Der Präsi- dent der französischen Republik kam der Schwei- zergrenze so nahe, daß der Bundesrath in Ueber- legung nehmen mußte, ob nicht eine Ehrendeputa- tation zur Begrüßung an ihn abzusenden sei. Er hat sich für die Negative entschieden und daher auch in dieser Beziehung die schweizerische diplo- matische Sitte abgeändert; ehedem, wenn ein Po- tentat auf Reisen sich der Schweizergrenze nä- herte, sandte der jeweilige Vorort zwei der ange- sehensten schweizerischen Magistraten in irgend eine Grenzstadt zur _____________Lewillkommung des fürstlichen Nachbarn ab. Wird einst Ledru=Rollin Präsident Frankreichs, so wird es hoffentlich der Bundesrath gerade so gegen ihn halten, wie gegen den Prin- zen Bonaparte. -- Die Berner Regierung und der Bundesrath stehen eben nicht in der besten Harmonie; bedarf es irgend einer Experten=Com- mission in schweizerischen Dingen und findet man gut, in dieselbe auch einen Bürger von Bern zu wählen, so nimmt ihn der Bundesrath zuverläßig aus dem Personale der beseitigten Regierung. Die Anleihungsfrage von Bern soll erst im Septem- ber ausgetragen werden; überhaupt trat während der Sommermonate ein allgemeiner Geschäftsstill- stand ein. Belebter werden Herbst und Winter sein. -- Nicht weniger denn vier Cantone tragen sich mit Revision ihrer cantonalen Verfassungen, im Aargau ist ein Entwurf bereits durchberathen, nächstens soll die vorgeschriebene zweite Berathung folgen; in Solothurn beginnt eine ähnliche Re- vision des Grundgesetzes vom 9. September; in Baselland finden eben jetzt die Wahlen in einen Verfassungsrath zu gleichem Zwecke Statt; in St. Gallen ist ein Antrag auf der Tagesordnung, der zu ähnlichem Unternehmen führen soll; in Luzern heißt's: aufgeschoben ist nicht aufgehoben, und wahrscheinlich wird dort im Laufe von 1851 die Revision sich ebenfalls Bahn brechen; daß sie end- lich auch in Freiburg unvermeidlich ist, das hat die Eingangs besprochene Petition klar gemacht. Jn der Schweiz wird's besser werden, wenn die Menschen klüger und verträglicher, -- Verfassungs- formen mögen höchstens ein Mittel zur Gewin- nung besserer Parteistellung sein. -- Jn Bern trifft nächstens der englische Jngenieur Robert Stephenson zur Prüfung der schweizerischen Ei- senbahnpläne ein. Mittlerweile wächst die Unzu- friedenheit mit den finanziellen Ergebnissen der Bundesverwaltung; einzelne Cantone vermissen die fetten Posteinkünfte, die ihnen bis dahin nur theilweise aus der Bundeskasse vergütet worden sind; die diesjährige Ernte soll abermals ungün- stig ausfallen, obwohl die Posten eine Unmasse von fremden Reisenden hin= und hergeschoben ha- ben. Auch spricht man von einer nahe bevorste- henden Revision des Zolltarifs, die jedenfalls in Folge der Einführung des neuen Münzfußes bald erforderlich wird. Vermischte Nachrichten. Ad vocem Friedenscongreß ist es doch auf- fallend, daß die Haupt=Friedens=Boten Amerikaner sind, Amerikaner, welche ihre rothhäutigen Nach- barn ausrotten, welche die Weißen und die Gel- ben in Neu= und Alt = Mexico, Texas, Havana räuberisch, blutdürstig überfallen; welche den Por- tugiesen, um ungerechter und verjährter Forderun- gen willen, unter drohenden Feuerschlünden das Messer an die Kehle setzen, und welche, nachdem mehrere ihrer Staaten schmählich Bankrott ge- macht haben, alle Staatsanleihen in Verruf er- klärten. -- Auch englische Chartisten kommen mit dem Oelblatt im Schnabel. Und doch haben ge- rade die großbritanischen Guineen, Jntriguen und Depeschen=Verlierungen so viel dazu beigetragen, Europa in Gährung zu erhalten, damit das fried- fertige England mittlerweile im Trüben fischen könne. -- Und spielt nicht auch der rothe Ruge jetzt Friedensrichter, nachdem er im Sommer 1848 als Concurrent von Vater Karbe Fiasco gemacht hat auf der Schauspielhaustreppe? Erst Aufwieg- ler und dann Friedensbündler! Es fehlt bloß noch, daß der Russe Bakunin, der Rädelsführer der Dresdener Rebellion, gekommen wäre und versichert hätte, daß das Blutvergießen und die Mordbrennereien in Dresden, Prag, Wien, Ber- lin u. s. w. bloß um des „lieben Friedens“ wil- len von ihm vermittelt worden seien. Ein neuer Beleg wie die Demokratie die schleswig=holsteinische Angelegenheit für ihre Zwecke ausbeutet, liegt uns in einem der Flugblätter vor, welche die demokratische Agitation in Hamburg und den Herzogthümern eifrig verbreitet. Es führt den Titel: „Schreckliche Prophezeihung eines hun- dertjährigen Matrosen in Kopenhagen“, Verlag der Hamburg=Altonaer Volksbuchhandlung in St. Pauli, und zeigt an der Spitze im Holzschnitt den Untergang des dänischen Königthrons. Ein alter Matrose, der in Neubuden in Kopenhagen wohnen soll, prophezeit über den jetzigen Krieg zwischen Dänemark und den Herzogthümern. Da- nach werden in einer blutigen Schlacht bei Flens- burg im Horslethal die Dänen so völlig vernich- tet werden, daß die „siegreichen Streiter werden waten im Dänenblut bis an die Knöchel.“ Die Großen des Landes werden die Hauptstadt verlas- sen, und das wüthende Volk wird ihnen folgen und sie umbringen ( natürlich auch plündern! ) . Der Name Dänemark werde verwischt werden von der Erde, die Flotte werde ihren Untergang finden im Meere und eine fremde desgleichen! Zuletzt kommt das Beste, und wir lassen den Schluß daher wörtlich hier folgen: „Aber es wird Einer wi- der uns streiten im Land Schleswig, dem wird kein Däne widerstehen. Jn seinem Namen wird er führen den festen Willen und das starke Eisen, und wo der Wille ist vereint mit dem Eisen, da ist der Sieg. Und sein Heer wird an ihm hän- gen mit Liebe, wie an einem Vater, und wird an ihm hängen mit Vertrauen, wie an seinem Gott, darum wird auch der Lorbeer grünen auf seinem Wege, und er wird sagen können ein zweiter Bo- naparte: Droben am Himmel leuchtet mein Stern, nnd so lange er leuchtet, trifft mich keines Un- heils Nacht. Der Stern aber wird ihn leiten zu großen Dingen, er wird ihn leiten von Sprosse zu Sprosse empor auf der Leiter des Ruhms, daß er bald wird höher stehen als Deutschlands höchster Thron; aber nur dann, wenn er sein Auge abwendet von Kronen und Diamanten, sonst wird sein Auge erblinden und sein Stern verlöschen und sein Ruhm wird hinschwinden wie der Ruhm ei- nes Helden von gestern. Wenn er wird gesiegt haben für Schleswig=Holstein und wird geschlagen haben unser Heer, so wird ihm jauchzend zurufen das ganze deutsche Reich: Mann von Eisen, hilf auch uns! schlag' auch unsere Feinde! und dann wird sich's zeigen, ob er folgen wird seinem Sterne, oder ob er ihn wird lassen untergehen am Hori- zonte. Geht er unter, dann wird's auch ganz Nacht werden im Deutschen Reiche und die Für- sten werden sagen zu ihren Völkern: „Schickt Euch in die Zeit! Mit ledernen Peitschen hat Euch mein Vater gezüchtigt, mit zackigen und stach- lichten Geißeln will ich Euch züchtigen.“ Folgt aber der Eisenmann dem Rufe der Völker und läßt er seinen Stern leuchten vor sich her, dann wird das zerrissene Deutschland ein eherner Ring werden, fest und unzerbrechlich, und wird ausdeh- nen seine eiserne Macht über ganz Europa und der Sieger und Retter wird selbst werden zum Stern seines Volkes und wird das Licht des freien Himmels und den Frieden des Paradieses ver- breiten über die Erde.“ Paris, 27. August. Ein bekanntes Mitglied der Permanenzcommission erzählte gestern, unter Verbürgung der Wahrheit folgenden Vorfall: Jm März kam ein Schweizer nach Paris, wo er in einem obscuren Hotel abstieg, und mehrere Tage einsam in seinem Zimmer zubrachte. Eines Nach- mittags klopfte man an seine Thüre, und ein Mann trat ein, in welchem der Verschwörer -- denn dies war der -- den Präsidenten der Repu- blik erkannte. „Jch kenne,“ sagte L. Napoleon, „Jhre Absicht; Sie sind ein Unglücklicher, und nach Paris gekommen, um mich zu ermorden. Jch habe Jhnen in Thurgau Gutes erwiesen und will es nochmals thun. Man hat mir Alles gesagt, ich komme, Sie zu retten. Entsagen Sie diesem abscheulichen Unternehmen, das schon verrathen war, bevor Sie hier eintrafen. Fliehen Sie, neh- men Sie diese Börse. Hier ist ein Paß, und möge man Sie in Frankreich nicht mehr erblicken, so lange ich irgend eine Gewalt bekleide.“ Der Verschwörer stürzte todtblaß dem Präsidenten zu Füßen, und bat ihn, ihn in Paris zu lassen, da- mit er fortan von allen Complotten gegen sein Leben sofort ihn in Kenntniß setzen könne. Der Präsident entfernte sich, nachdem er diese Bitte gewährt hatte, und jetzt wacht dieser Verschwörer mit Sorgfalt über dasselbe Leben, zu dessen Ver- nichtung er nach Paris gekommen war. ( ?? ) Karl Gützlaff und das Missionswesen. Jn der Domkirche von Marienwerther hatte ich Gelegenheit, den berühmten Apostel der Chi- nesen zu hören. Dem Bilde, welches uns die gewöhnliche Romanlectüre von einem Heidenbekeh- rer liefert, entspricht er keineswegs: ein kurzer, starker Mann mit hochrothem Gesichte, großem und breitem Munde, nach chinesischer Art schläf- rig zusammengekniffenen Augenliedern, heftigen Armbewegungen, einer mehr robusten als wohl- klingenden Stimme. Ein Biograph von ihm sagt: „Man hat häufig bemerkt, daß die Leute, welche lange Zeit mit den Jndianern Amerika's zusam- menleben, auch in der Gesichtsbildung ihnen ähn- lich werden. Dieselbe Erfahrung macht man im Orient. Die Gesichtszüge und das ganze Wesen Gützlaff's haben in der Art das Gepräge des ächten Sohnes des Jao und Schun erhalten, daß ihn die Chinesen gewöhnlich als Landsmann be- grüßen.“ Jch lasse diese physiologische Bemerkung dahingestellt sein. Karl Gützlaff ist 1803 zu Py- ritz, einem pommerischen Dorfe, geboren. Seine apostolische Wirksamkeit beginnt vorzüglich in den dreißiger Jahren. Er hatte sich mit einer Eng- länderin verheirathet, die von der gleichen Begei- sterung durchdrungen war und ihn auf seiner Mis- sionsreise begleitete. Seine großen Kenntnisse im Chinesischen und den verwandten Mundarten im- ponirten schon damals dem Begründer der evan- gelischen Mission in China, Robert Morrison, mit dem er sich 1832 in Macao vereinigte, und machten ihn bei den englischen Kaufleuten sehr gesucht. Er wurde in den Jahren 1832 und 1833 auf einigen Schmuggelschiffen, die mit Opium handelten, als Dolmetsch gebraucht, ( Das sind die Wege der Jesuiten nicht, obschon -- „der Zweck die Mittel heiligt“. ) und wußte auch die- ses an sich nicht eben ruhmvolle Unternehmen zu seinen heiligen Zwecken, zur Verbreitung von Bi- beln und Tractaten, zu benutzen. Eine Missions- reise nach Japan im Jahre 1837 blieb ohne Er- folg. Nach Morrison's Tode wurde Gützlaff als chinesischer Sekretär des englischen Consulates in Canton angestellt, und gründete im Jahre 1840 einen christlichen Verein von Chinesen zur Aus- breitung des Evangeliums unter ihren Landsleu- ten. Seine gegenwärtige Reise durch Europa hat einen ähnlichen Zweck: die Gründung von Mis- sionsvereinen für die Verbreitung des Christen- thums in China. Seine literarische Thätigkeit hat einen unglaublichen Umfang. Er selber gibt folgende Uebersicht seiner Schriften ec. ec. Eine so ungeheuere Ausdehnung läßt mit Recht auf eine wunderbar leichte Fassungsgabe, wie auf eine unermüdliche Ausdauer im Arbeiten schließen. Wenn man den Mann auf seinem Missionswerke sieht,

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Zitationshilfe: Die Bayerische Presse. Nr. 212. Würzburg, 4. September 1850, S. . In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/nn_bayerische212_1850/3>, abgerufen am 03.03.2024.