Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

[Pestalozzi, Johann Heinrich]: Lienhard und Gertrud. Bd. 3. Frankfurt (Main) u. a., 1785.

Bild:
<< vorherige Seite

Vergesset es einmal euer Lebtag nicht, was
sie zu euch gesagt hat, sagte da der Vater. --
Und -- ich wills einmal meiner Lebtag nicht
vergessen, was sie zu mir gesagt hat, erwie-
derte ihm Rudelj, und dann alle Kinder; --
und wir auch nicht, -- und wir auch nicht.

Wisset ihr was Kinder? Wir wollen nach
dem Nachtessen zu einander sizen, und dann
alle Worte zusammentragen, die sie zu einem
jeden gesagt hat; denn will ichs auf einen Bo-
gen Papier aufschreiben, daß ihrs euer Lebtag
behalten, und lesen könnet.

Das freuete die Kinder gar, daß der Vater
ihnen alle Wort aufschreiben wolle, die die
liebe Großmutter noch geredet, da sie bald von
ihnen weg und in Himmel gegangen. Sie
vergassen darob fast ihre Geiß im Stall, und
redten das ganze Essen über von nichts, als
wie sie alle Worte zusammentragen wollen,
die sie von ihrer lieben Großmutter noch wissen.

Der Rudelj sagte da, gäll Vater, es ist dann
wie es die Imblj (Bienen) in ihren Korb zu-
sammentragen. Ja lieber, es ist dann, wie
es die Imblj machen, wenn wir so zusammen-
tragen, sagte der Vater; -- und der Rudelj,
gäll Vater, das Papier ist dann der Imbli-
korb? --

Ja, wir wollen ihm dann so sagen, wann
du es darauf geschrieben hast, sagte das Nännlj.


Vergeſſet es einmal euer Lebtag nicht, was
ſie zu euch geſagt hat, ſagte da der Vater. —
Und — ich wills einmal meiner Lebtag nicht
vergeſſen, was ſie zu mir geſagt hat, erwie-
derte ihm Rudelj, und dann alle Kinder; —
und wir auch nicht, — und wir auch nicht.

Wiſſet ihr was Kinder? Wir wollen nach
dem Nachteſſen zu einander ſizen, und dann
alle Worte zuſammentragen, die ſie zu einem
jeden geſagt hat; denn will ichs auf einen Bo-
gen Papier aufſchreiben, daß ihrs euer Lebtag
behalten, und leſen koͤnnet.

Das freuete die Kinder gar, daß der Vater
ihnen alle Wort aufſchreiben wolle, die die
liebe Großmutter noch geredet, da ſie bald von
ihnen weg und in Himmel gegangen. Sie
vergaſſen darob faſt ihre Geiß im Stall, und
redten das ganze Eſſen uͤber von nichts, als
wie ſie alle Worte zuſammentragen wollen,
die ſie von ihrer lieben Großmutter noch wiſſen.

Der Rudelj ſagte da, gaͤll Vater, es iſt dann
wie es die Imblj (Bienen) in ihren Korb zu-
ſammentragen. Ja lieber, es iſt dann, wie
es die Imblj machen, wenn wir ſo zuſammen-
tragen, ſagte der Vater; — und der Rudelj,
gaͤll Vater, das Papier iſt dann der Imbli-
korb? —

Ja, wir wollen ihm dann ſo ſagen, wann
du es darauf geſchrieben haſt, ſagte das Naͤnnlj.


<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <pb facs="#f0154" n="132"/>
        <p>Verge&#x017F;&#x017F;et es einmal euer Lebtag nicht, was<lb/>
&#x017F;ie zu euch ge&#x017F;agt hat, &#x017F;agte da der Vater. &#x2014;<lb/>
Und &#x2014; ich wills einmal meiner Lebtag nicht<lb/>
verge&#x017F;&#x017F;en, was &#x017F;ie zu mir ge&#x017F;agt hat, erwie-<lb/>
derte ihm Rudelj, und dann alle Kinder; &#x2014;<lb/>
und wir auch nicht, &#x2014; und wir auch nicht.</p><lb/>
        <p>Wi&#x017F;&#x017F;et ihr was Kinder? Wir wollen nach<lb/>
dem Nachte&#x017F;&#x017F;en zu einander &#x017F;izen, und dann<lb/>
alle Worte zu&#x017F;ammentragen, die &#x017F;ie zu einem<lb/>
jeden ge&#x017F;agt hat; denn will ichs auf einen Bo-<lb/>
gen Papier auf&#x017F;chreiben, daß ihrs euer Lebtag<lb/>
behalten, und le&#x017F;en ko&#x0364;nnet.</p><lb/>
        <p>Das freuete die Kinder gar, daß der Vater<lb/>
ihnen alle Wort auf&#x017F;chreiben wolle, die die<lb/>
liebe Großmutter noch geredet, da &#x017F;ie bald von<lb/>
ihnen weg und in Himmel gegangen. Sie<lb/>
verga&#x017F;&#x017F;en darob fa&#x017F;t ihre Geiß im Stall, und<lb/>
redten das ganze E&#x017F;&#x017F;en u&#x0364;ber von nichts, als<lb/>
wie &#x017F;ie alle Worte zu&#x017F;ammentragen wollen,<lb/>
die &#x017F;ie von ihrer lieben Großmutter noch wi&#x017F;&#x017F;en.</p><lb/>
        <p>Der Rudelj &#x017F;agte da, ga&#x0364;ll Vater, es i&#x017F;t dann<lb/>
wie es die Imblj (Bienen) in ihren Korb zu-<lb/>
&#x017F;ammentragen. Ja lieber, es i&#x017F;t dann, wie<lb/>
es die Imblj machen, wenn wir &#x017F;o zu&#x017F;ammen-<lb/>
tragen, &#x017F;agte der Vater; &#x2014; und der Rudelj,<lb/>
ga&#x0364;ll Vater, das Papier i&#x017F;t dann der Imbli-<lb/>
korb? &#x2014;</p><lb/>
        <p>Ja, wir wollen ihm dann &#x017F;o &#x017F;agen, wann<lb/>
du es darauf ge&#x017F;chrieben ha&#x017F;t, &#x017F;agte das Na&#x0364;nnlj.</p><lb/>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[132/0154] Vergeſſet es einmal euer Lebtag nicht, was ſie zu euch geſagt hat, ſagte da der Vater. — Und — ich wills einmal meiner Lebtag nicht vergeſſen, was ſie zu mir geſagt hat, erwie- derte ihm Rudelj, und dann alle Kinder; — und wir auch nicht, — und wir auch nicht. Wiſſet ihr was Kinder? Wir wollen nach dem Nachteſſen zu einander ſizen, und dann alle Worte zuſammentragen, die ſie zu einem jeden geſagt hat; denn will ichs auf einen Bo- gen Papier aufſchreiben, daß ihrs euer Lebtag behalten, und leſen koͤnnet. Das freuete die Kinder gar, daß der Vater ihnen alle Wort aufſchreiben wolle, die die liebe Großmutter noch geredet, da ſie bald von ihnen weg und in Himmel gegangen. Sie vergaſſen darob faſt ihre Geiß im Stall, und redten das ganze Eſſen uͤber von nichts, als wie ſie alle Worte zuſammentragen wollen, die ſie von ihrer lieben Großmutter noch wiſſen. Der Rudelj ſagte da, gaͤll Vater, es iſt dann wie es die Imblj (Bienen) in ihren Korb zu- ſammentragen. Ja lieber, es iſt dann, wie es die Imblj machen, wenn wir ſo zuſammen- tragen, ſagte der Vater; — und der Rudelj, gaͤll Vater, das Papier iſt dann der Imbli- korb? — Ja, wir wollen ihm dann ſo ſagen, wann du es darauf geſchrieben haſt, ſagte das Naͤnnlj.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/pestalozzi_lienhard03_1785
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/pestalozzi_lienhard03_1785/154
Zitationshilfe: [Pestalozzi, Johann Heinrich]: Lienhard und Gertrud. Bd. 3. Frankfurt (Main) u. a., 1785, S. 132. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/pestalozzi_lienhard03_1785/154>, abgerufen am 21.02.2024.