Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

[Pestalozzi, Johann Heinrich]: Lienhard und Gertrud. Bd. 3. Frankfurt (Main) u. a., 1785.

Bild:
<< vorherige Seite

Weiber, es sey Baumwollengarn, obschon der
Bündel einem Baumwollenbündel gar nicht
gleich sah.

Gertrud entlehnte gar nichts, und sagte,
man muß für niemand anders etwas entlehnen,
ausser man habe es nicht zu achten, und könne
es denn wohl zahlen, wenn es verlohren geht,
und zu Grund gerichtet wird; aber sie gab was
sie immer nur hatte, und konnte.

Bis um Neun Uhr hatte eine jede daheim
das Haus voll dieser Kinder. Um 9 Uhr gieng
alles zum Mareylj, wo sich der Zug versam-
melte.

§. 46.
Das Kind eines Manns, der sich selbst
erhenkt; -- und ein Ausfall wider das
Tändeln.

Sie waren kaum bey einander, so sagte das
Mareylj, jezt haben wir auch schön ver-
gessen unserm Zug eine Königin zu suchen, und
sie einen Spruch für den Junker zu lehren.

So gehts, sagte die Reinoldin, wenn jezt
unser nur eins gewesen wäre, so wär's gewiß
nicht vergessen worden. --

Hand in Hand, stuhnden jezt alle drey zu
den Haufen Kinderen auf der Matte hinzu,

Weiber, es ſey Baumwollengarn, obſchon der
Buͤndel einem Baumwollenbuͤndel gar nicht
gleich ſah.

Gertrud entlehnte gar nichts, und ſagte,
man muß fuͤr niemand anders etwas entlehnen,
auſſer man habe es nicht zu achten, und koͤnne
es denn wohl zahlen, wenn es verlohren geht,
und zu Grund gerichtet wird; aber ſie gab was
ſie immer nur hatte, und konnte.

Bis um Neun Uhr hatte eine jede daheim
das Haus voll dieſer Kinder. Um 9 Uhr gieng
alles zum Mareylj, wo ſich der Zug verſam-
melte.

§. 46.
Das Kind eines Manns, der ſich ſelbſt
erhenkt; — und ein Ausfall wider das
Taͤndeln.

Sie waren kaum bey einander, ſo ſagte das
Mareylj, jezt haben wir auch ſchoͤn ver-
geſſen unſerm Zug eine Koͤnigin zu ſuchen, und
ſie einen Spruch fuͤr den Junker zu lehren.

So gehts, ſagte die Reinoldin, wenn jezt
unſer nur eins geweſen waͤre, ſo waͤr’s gewiß
nicht vergeſſen worden. —

Hand in Hand, ſtuhnden jezt alle drey zu
den Haufen Kinderen auf der Matte hinzu,

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <p><pb facs="#f0228" n="206"/>
Weiber, es &#x017F;ey Baumwollengarn, ob&#x017F;chon der<lb/>
Bu&#x0364;ndel einem Baumwollenbu&#x0364;ndel gar nicht<lb/>
gleich &#x017F;ah.</p><lb/>
        <p>Gertrud entlehnte gar nichts, und &#x017F;agte,<lb/>
man muß fu&#x0364;r niemand anders etwas entlehnen,<lb/>
au&#x017F;&#x017F;er man habe es nicht zu achten, und ko&#x0364;nne<lb/>
es denn wohl zahlen, wenn es verlohren geht,<lb/>
und zu Grund gerichtet wird; aber &#x017F;ie gab was<lb/>
&#x017F;ie immer nur hatte, und konnte.</p><lb/>
        <p>Bis um Neun Uhr hatte eine jede daheim<lb/>
das Haus voll die&#x017F;er Kinder. Um 9 Uhr gieng<lb/>
alles zum Mareylj, wo &#x017F;ich der Zug ver&#x017F;am-<lb/>
melte.</p>
      </div><lb/>
      <div n="1">
        <head>§. 46.<lb/>
Das Kind eines Manns, der &#x017F;ich &#x017F;elb&#x017F;t<lb/>
erhenkt; &#x2014; und ein Ausfall wider das<lb/>
Ta&#x0364;ndeln.</head><lb/>
        <p><hi rendition="#in">S</hi>ie waren kaum bey einander, &#x017F;o &#x017F;agte das<lb/>
Mareylj, jezt haben wir auch &#x017F;cho&#x0364;n ver-<lb/>
ge&#x017F;&#x017F;en un&#x017F;erm Zug eine Ko&#x0364;nigin zu &#x017F;uchen, und<lb/>
&#x017F;ie einen Spruch fu&#x0364;r den Junker zu lehren.</p><lb/>
        <p>So gehts, &#x017F;agte die Reinoldin, wenn jezt<lb/>
un&#x017F;er nur eins gewe&#x017F;en wa&#x0364;re, &#x017F;o wa&#x0364;r&#x2019;s gewiß<lb/>
nicht verge&#x017F;&#x017F;en worden. &#x2014;</p><lb/>
        <p>Hand in Hand, &#x017F;tuhnden jezt alle drey zu<lb/>
den Haufen Kinderen auf der Matte hinzu,<lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[206/0228] Weiber, es ſey Baumwollengarn, obſchon der Buͤndel einem Baumwollenbuͤndel gar nicht gleich ſah. Gertrud entlehnte gar nichts, und ſagte, man muß fuͤr niemand anders etwas entlehnen, auſſer man habe es nicht zu achten, und koͤnne es denn wohl zahlen, wenn es verlohren geht, und zu Grund gerichtet wird; aber ſie gab was ſie immer nur hatte, und konnte. Bis um Neun Uhr hatte eine jede daheim das Haus voll dieſer Kinder. Um 9 Uhr gieng alles zum Mareylj, wo ſich der Zug verſam- melte. §. 46. Das Kind eines Manns, der ſich ſelbſt erhenkt; — und ein Ausfall wider das Taͤndeln. Sie waren kaum bey einander, ſo ſagte das Mareylj, jezt haben wir auch ſchoͤn ver- geſſen unſerm Zug eine Koͤnigin zu ſuchen, und ſie einen Spruch fuͤr den Junker zu lehren. So gehts, ſagte die Reinoldin, wenn jezt unſer nur eins geweſen waͤre, ſo waͤr’s gewiß nicht vergeſſen worden. — Hand in Hand, ſtuhnden jezt alle drey zu den Haufen Kinderen auf der Matte hinzu,

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/pestalozzi_lienhard03_1785
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/pestalozzi_lienhard03_1785/228
Zitationshilfe: [Pestalozzi, Johann Heinrich]: Lienhard und Gertrud. Bd. 3. Frankfurt (Main) u. a., 1785, S. 206. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/pestalozzi_lienhard03_1785/228>, abgerufen am 18.04.2021.