Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

[Pestalozzi, Johann Heinrich]: Lienhard und Gertrud. Bd. 3. Frankfurt (Main) u. a., 1785.

Bild:
<< vorherige Seite

wie es mich freuet, daß ihr so zu mir gekom-
men! -- Und sezte sich dann nach und nach
von ihrem Anblik erquikt, zu ihnen auf den
Rasenbank hin, machte sie näher zu ihm zu
kommen, und die kleinsten hart an ihn zu ste-
hen, dann nahm er von diesen bald das eine,
bald ein anders auf seinen Schoos und wollte
mit ihnen sprachen. Im Anfang gaben die
Kleinen ihm keine Antwort, und sahen ihn
nur so an; bald aber siengen sie doch an mit
den Augen und mit dem Kopf ja und nein zu
niken, drükten aber dabey die Lippen so fest
über einander, wie wenn sie sagen wollten,
sie hätten kein Maul; andere verdekten das
Maul mit der Hand, wenn sie reden sollten. --

Aber des Rudis und der Gertrud Kinder
gaben ihm Antwort, so bald er mit ihnen redte,
und das that den andern bald auch das Maul
auf. Zuerst antworteten sie ihm nur ein Wörtlj,
dann zwey, dann drey, -- dann so viel er
wollte, und bald darauf giengen ihnen die Mäu-
ler wie eine Wasserstampfe.

Sie sassen ihm jezt von selbst auf den Schoos,
umfaßten ihn bald mit den Händen um den
Hals, und thaten bald völlig mit ihm, wie
wenn sie den Aettj unter den Händen hätten.

Das Bären-Annelj machte auf seinem
Schoos gar wie wenn es eine Geissel in der
Hand hätte, hü -- hü. -- Er verstuhnd

wie es mich freuet, daß ihr ſo zu mir gekom-
men! — Und ſezte ſich dann nach und nach
von ihrem Anblik erquikt, zu ihnen auf den
Raſenbank hin, machte ſie naͤher zu ihm zu
kommen, und die kleinſten hart an ihn zu ſte-
hen, dann nahm er von dieſen bald das eine,
bald ein anders auf ſeinen Schoos und wollte
mit ihnen ſprachen. Im Anfang gaben die
Kleinen ihm keine Antwort, und ſahen ihn
nur ſo an; bald aber ſiengen ſie doch an mit
den Augen und mit dem Kopf ja und nein zu
niken, druͤkten aber dabey die Lippen ſo feſt
uͤber einander, wie wenn ſie ſagen wollten,
ſie haͤtten kein Maul; andere verdekten das
Maul mit der Hand, wenn ſie reden ſollten. —

Aber des Rudis und der Gertrud Kinder
gaben ihm Antwort, ſo bald er mit ihnen redte,
und das that den andern bald auch das Maul
auf. Zuerſt antworteten ſie ihm nur ein Woͤrtlj,
dann zwey, dann drey, — dann ſo viel er
wollte, und bald darauf giengen ihnen die Maͤu-
ler wie eine Waſſerſtampfe.

Sie ſaſſen ihm jezt von ſelbſt auf den Schoos,
umfaßten ihn bald mit den Haͤnden um den
Hals, und thaten bald voͤllig mit ihm, wie
wenn ſie den Aettj unter den Haͤnden haͤtten.

Das Baͤren-Annelj machte auf ſeinem
Schoos gar wie wenn es eine Geiſſel in der
Hand haͤtte, huͤ — huͤ. — Er verſtuhnd

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <p><pb facs="#f0245" n="223"/>
wie es mich freuet, daß ihr &#x017F;o zu mir gekom-<lb/>
men! &#x2014; Und &#x017F;ezte &#x017F;ich dann nach und nach<lb/>
von ihrem Anblik erquikt, zu ihnen auf den<lb/>
Ra&#x017F;enbank hin, machte &#x017F;ie na&#x0364;her zu ihm zu<lb/>
kommen, und die klein&#x017F;ten hart an ihn zu &#x017F;te-<lb/>
hen, dann nahm er von die&#x017F;en bald das eine,<lb/>
bald ein anders auf &#x017F;einen Schoos und wollte<lb/>
mit ihnen &#x017F;prachen. Im Anfang gaben die<lb/>
Kleinen ihm keine Antwort, und &#x017F;ahen ihn<lb/>
nur &#x017F;o an; bald aber &#x017F;iengen &#x017F;ie doch an mit<lb/>
den Augen und mit dem Kopf ja und nein zu<lb/>
niken, dru&#x0364;kten aber dabey die Lippen &#x017F;o fe&#x017F;t<lb/>
u&#x0364;ber einander, wie wenn &#x017F;ie &#x017F;agen wollten,<lb/>
&#x017F;ie ha&#x0364;tten kein Maul; andere verdekten das<lb/>
Maul mit der Hand, wenn &#x017F;ie reden &#x017F;ollten. &#x2014;</p><lb/>
        <p>Aber des Rudis und der Gertrud Kinder<lb/>
gaben ihm Antwort, &#x017F;o bald er mit ihnen redte,<lb/>
und das that den andern bald auch das Maul<lb/>
auf. Zuer&#x017F;t antworteten &#x017F;ie ihm nur ein Wo&#x0364;rtlj,<lb/>
dann zwey, dann drey, &#x2014; dann &#x017F;o viel er<lb/>
wollte, und bald darauf giengen ihnen die Ma&#x0364;u-<lb/>
ler wie eine Wa&#x017F;&#x017F;er&#x017F;tampfe.</p><lb/>
        <p>Sie &#x017F;a&#x017F;&#x017F;en ihm jezt von &#x017F;elb&#x017F;t auf den Schoos,<lb/>
umfaßten ihn bald mit den Ha&#x0364;nden um den<lb/>
Hals, und thaten bald vo&#x0364;llig mit ihm, wie<lb/>
wenn &#x017F;ie den Aettj unter den Ha&#x0364;nden ha&#x0364;tten.</p><lb/>
        <p>Das Ba&#x0364;ren-Annelj machte auf &#x017F;einem<lb/>
Schoos gar wie wenn es eine Gei&#x017F;&#x017F;el in der<lb/>
Hand ha&#x0364;tte, hu&#x0364; &#x2014; hu&#x0364;. &#x2014; Er ver&#x017F;tuhnd<lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[223/0245] wie es mich freuet, daß ihr ſo zu mir gekom- men! — Und ſezte ſich dann nach und nach von ihrem Anblik erquikt, zu ihnen auf den Raſenbank hin, machte ſie naͤher zu ihm zu kommen, und die kleinſten hart an ihn zu ſte- hen, dann nahm er von dieſen bald das eine, bald ein anders auf ſeinen Schoos und wollte mit ihnen ſprachen. Im Anfang gaben die Kleinen ihm keine Antwort, und ſahen ihn nur ſo an; bald aber ſiengen ſie doch an mit den Augen und mit dem Kopf ja und nein zu niken, druͤkten aber dabey die Lippen ſo feſt uͤber einander, wie wenn ſie ſagen wollten, ſie haͤtten kein Maul; andere verdekten das Maul mit der Hand, wenn ſie reden ſollten. — Aber des Rudis und der Gertrud Kinder gaben ihm Antwort, ſo bald er mit ihnen redte, und das that den andern bald auch das Maul auf. Zuerſt antworteten ſie ihm nur ein Woͤrtlj, dann zwey, dann drey, — dann ſo viel er wollte, und bald darauf giengen ihnen die Maͤu- ler wie eine Waſſerſtampfe. Sie ſaſſen ihm jezt von ſelbſt auf den Schoos, umfaßten ihn bald mit den Haͤnden um den Hals, und thaten bald voͤllig mit ihm, wie wenn ſie den Aettj unter den Haͤnden haͤtten. Das Baͤren-Annelj machte auf ſeinem Schoos gar wie wenn es eine Geiſſel in der Hand haͤtte, huͤ — huͤ. — Er verſtuhnd

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/pestalozzi_lienhard03_1785
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/pestalozzi_lienhard03_1785/245
Zitationshilfe: [Pestalozzi, Johann Heinrich]: Lienhard und Gertrud. Bd. 3. Frankfurt (Main) u. a., 1785, S. 223. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/pestalozzi_lienhard03_1785/245>, abgerufen am 27.02.2024.