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[Pestalozzi, Johann Heinrich]: Lienhard und Gertrud. Bd. 3. Frankfurt (Main) u. a., 1785.

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los zu seinen Füssen: Er aber kehrte sich von
ihr weg und sagte, du hast eine wüste garstige
Seele.

Zu ihrem Glük gieng Therese eben durch
den Gang, vor der Audienz-Thüre, in eine
hintere Stube, sah' das schöne Mensch am
Boden; horte warum, und ein Wort, das
sie lachend fallen ließ, machte daß der Junker
das Mensch ohne Harschier heimgehen ließ.

Von dieser Stund an aber liessen ihn doch
die Leuthe ruhig, die nichts bey ihm zu thun
hatten.

§. 14.
Ein Großmutter-Gemähld.

Es kam Arner wohl, besonders jezt, da
die zwey Tage, die er am Sonntag
verlesen lassen, vor der Thüre waren.

Er hatte bis dann alle Händ voll zu thun;
des Vogts Rechnungen mußten zum voraus
eingesehen und untersucht seyn.

Das Ried, das man vertheilen wollte,
mußte abgestekt und ausgemessen seyn.

Er hatte mit Glüphi hundert Sachen we-
gen den Schuleinrichtungen abzureden.

Die Einrichtungen mit den Geissen und
Bäumen, die er austheilen wollte, forder-
ten Ueberlegung und Zeit.


los zu ſeinen Fuͤſſen: Er aber kehrte ſich von
ihr weg und ſagte, du haſt eine wuͤſte garſtige
Seele.

Zu ihrem Gluͤk gieng Thereſe eben durch
den Gang, vor der Audienz-Thuͤre, in eine
hintere Stube, ſah’ das ſchoͤne Menſch am
Boden; horte warum, und ein Wort, das
ſie lachend fallen ließ, machte daß der Junker
das Menſch ohne Harſchier heimgehen ließ.

Von dieſer Stund an aber lieſſen ihn doch
die Leuthe ruhig, die nichts bey ihm zu thun
hatten.

§. 14.
Ein Großmutter-Gemaͤhld.

Es kam Arner wohl, beſonders jezt, da
die zwey Tage, die er am Sonntag
verleſen laſſen, vor der Thuͤre waren.

Er hatte bis dann alle Haͤnd voll zu thun;
des Vogts Rechnungen mußten zum voraus
eingeſehen und unterſucht ſeyn.

Das Ried, das man vertheilen wollte,
mußte abgeſtekt und ausgemeſſen ſeyn.

Er hatte mit Gluͤphi hundert Sachen we-
gen den Schuleinrichtungen abzureden.

Die Einrichtungen mit den Geiſſen und
Baͤumen, die er austheilen wollte, forder-
ten Ueberlegung und Zeit.


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[61/0083] los zu ſeinen Fuͤſſen: Er aber kehrte ſich von ihr weg und ſagte, du haſt eine wuͤſte garſtige Seele. Zu ihrem Gluͤk gieng Thereſe eben durch den Gang, vor der Audienz-Thuͤre, in eine hintere Stube, ſah’ das ſchoͤne Menſch am Boden; horte warum, und ein Wort, das ſie lachend fallen ließ, machte daß der Junker das Menſch ohne Harſchier heimgehen ließ. Von dieſer Stund an aber lieſſen ihn doch die Leuthe ruhig, die nichts bey ihm zu thun hatten. §. 14. Ein Großmutter-Gemaͤhld. Es kam Arner wohl, beſonders jezt, da die zwey Tage, die er am Sonntag verleſen laſſen, vor der Thuͤre waren. Er hatte bis dann alle Haͤnd voll zu thun; des Vogts Rechnungen mußten zum voraus eingeſehen und unterſucht ſeyn. Das Ried, das man vertheilen wollte, mußte abgeſtekt und ausgemeſſen ſeyn. Er hatte mit Gluͤphi hundert Sachen we- gen den Schuleinrichtungen abzureden. Die Einrichtungen mit den Geiſſen und Baͤumen, die er austheilen wollte, forder- ten Ueberlegung und Zeit.

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Zitationshilfe: [Pestalozzi, Johann Heinrich]: Lienhard und Gertrud. Bd. 3. Frankfurt (Main) u. a., 1785, S. 61. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/pestalozzi_lienhard03_1785/83>, abgerufen am 21.04.2021.