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[Pestalozzi, Johann Heinrich]: Lienhard und Gertrud. Bd. 4. Frankfurt (Main) u. a., 1787.

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Aber was hätte ich davon, wenn ich es thun
würde? Sie würde mir keinen faulen Vierer an
den Schaden geben, erwiederte der Jäger. -- Syl-
via sagte, du hast recht -- und Aglee hörte vor
der Thüre, was sie sagte. --



§. 23.
Unsterblichkeit und Wahrheit.
Deutschland und Asien.

Im Sturm dieser Verwirrung war Arner allein
ruhig. Das Fieber, das ihm seinen Kopf frey
ließ, gab seiner Einbildungskraft eine Stimmung,
die ihn bey Stunden wie in einem Traum erhielt,
in welchem ihm wohl war. --

Er staunte in diesem Zustand zurück in sein
Leben, alles Thun der Menschen schien ihm ein
Spiel, das nicht so fast um seiner Wirkung willen,
als um die Kräfte des Menschen in Uebung zu er-
halten, und desselben Anlagen zu entwickeln, eini-
gen Werth habe.

So sah er sein Werk in Bonnal an; es freute
ihn, daß er sich darnach bestrebt, aber das Uebrige
war ihm izt nichts, und die Bilder des Todes und
der Ewigkeit waren ihm so lebhaft und reizend,

Aber was haͤtte ich davon, wenn ich es thun
wuͤrde? Sie wuͤrde mir keinen faulen Vierer an
den Schaden geben, erwiederte der Jaͤger. — Syl-
via ſagte, du haſt recht — und Aglee hoͤrte vor
der Thuͤre, was ſie ſagte. —



§. 23.
Unſterblichkeit und Wahrheit.
Deutſchland und Aſien.

Im Sturm dieſer Verwirrung war Arner allein
ruhig. Das Fieber, das ihm ſeinen Kopf frey
ließ, gab ſeiner Einbildungskraft eine Stimmung,
die ihn bey Stunden wie in einem Traum erhielt,
in welchem ihm wohl war. —

Er ſtaunte in dieſem Zuſtand zuruͤck in ſein
Leben, alles Thun der Menſchen ſchien ihm ein
Spiel, das nicht ſo faſt um ſeiner Wirkung willen,
als um die Kraͤfte des Menſchen in Uebung zu er-
halten, und deſſelben Anlagen zu entwickeln, eini-
gen Werth habe.

So ſah er ſein Werk in Bonnal an; es freute
ihn, daß er ſich darnach beſtrebt, aber das Uebrige
war ihm izt nichts, und die Bilder des Todes und
der Ewigkeit waren ihm ſo lebhaft und reizend,

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[91/0109] Aber was haͤtte ich davon, wenn ich es thun wuͤrde? Sie wuͤrde mir keinen faulen Vierer an den Schaden geben, erwiederte der Jaͤger. — Syl- via ſagte, du haſt recht — und Aglee hoͤrte vor der Thuͤre, was ſie ſagte. — §. 23. Unſterblichkeit und Wahrheit. Deutſchland und Aſien. Im Sturm dieſer Verwirrung war Arner allein ruhig. Das Fieber, das ihm ſeinen Kopf frey ließ, gab ſeiner Einbildungskraft eine Stimmung, die ihn bey Stunden wie in einem Traum erhielt, in welchem ihm wohl war. — Er ſtaunte in dieſem Zuſtand zuruͤck in ſein Leben, alles Thun der Menſchen ſchien ihm ein Spiel, das nicht ſo faſt um ſeiner Wirkung willen, als um die Kraͤfte des Menſchen in Uebung zu er- halten, und deſſelben Anlagen zu entwickeln, eini- gen Werth habe. So ſah er ſein Werk in Bonnal an; es freute ihn, daß er ſich darnach beſtrebt, aber das Uebrige war ihm izt nichts, und die Bilder des Todes und der Ewigkeit waren ihm ſo lebhaft und reizend,

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Zitationshilfe: [Pestalozzi, Johann Heinrich]: Lienhard und Gertrud. Bd. 4. Frankfurt (Main) u. a., 1787, S. 91. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/pestalozzi_lienhard04_1787/109>, abgerufen am 10.04.2021.