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Pocci, Franz von: Lustiges Komödienbüchlein. Bd. 1. München, 1859.

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II. Aufzug.
Zimmer im Pallaste des Königs Goldkron
König sitzt, vor ihm Dünkelmayer.
Dünkelmayer.
Euer Majestät haben mich rufen lassen, womit
kann meine Gelehrsamkeit dienen?
König.
Jhre Gelehrsamkeit werde ich demnächst nicht
mehr gebrauchen können; denn was soll's mit
Jhrer Astronomie, Geographie, Philologie, Che-
mie und Philosophie, wenn Sie noch nicht ent-
decken konnten, wo meine geliebte Tochter ist, die
mir vor einem Jahre schon entführt wurde? Güti-
ger Himmel! Vielleicht ist dieses liebe Kind gar
nicht mehr unter den Sterblichen! etwa schon von
einem wilden Thiere gefressen! Es ist erschrecklich,
was mein königliches Vaterherz oder mein väterliches
Königsherz leidet! Wozu habe ich Sie angestellt,
als daß mir Jhre Wissenschaft und Jhre Genie
nützlich werden? Wozu habe ich Sie zum Hofrathe
ernannt, wenn Sie keinen Rath zu geben wissen?
II. Aufzug.
Zimmer im Pallaſte des Königs Goldkron
König ſitzt, vor ihm Dünkelmayer.
Dünkelmayer.
Euer Majeſtät haben mich rufen laſſen, womit
kann meine Gelehrſamkeit dienen?
König.
Jhre Gelehrſamkeit werde ich demnächſt nicht
mehr gebrauchen können; denn was ſoll’s mit
Jhrer Aſtronomie, Geographie, Philologie, Che-
mie und Philoſophie, wenn Sie noch nicht ent-
decken konnten, wo meine geliebte Tochter iſt, die
mir vor einem Jahre ſchon entführt wurde? Güti-
ger Himmel! Vielleicht iſt dieſes liebe Kind gar
nicht mehr unter den Sterblichen! etwa ſchon von
einem wilden Thiere gefreſſen! Es iſt erſchrecklich,
was mein königliches Vaterherz oder mein väterliches
Königsherz leidet! Wozu habe ich Sie angeſtellt,
als daß mir Jhre Wiſſenſchaft und Jhre Genie
nützlich werden? Wozu habe ich Sie zum Hofrathe
ernannt, wenn Sie keinen Rath zu geben wiſſen?
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[14/0020] II. Aufzug. Zimmer im Pallaſte des Königs Goldkron König ſitzt, vor ihm Dünkelmayer. Dünkelmayer. Euer Majeſtät haben mich rufen laſſen, womit kann meine Gelehrſamkeit dienen? König. Jhre Gelehrſamkeit werde ich demnächſt nicht mehr gebrauchen können; denn was ſoll’s mit Jhrer Aſtronomie, Geographie, Philologie, Che- mie und Philoſophie, wenn Sie noch nicht ent- decken konnten, wo meine geliebte Tochter iſt, die mir vor einem Jahre ſchon entführt wurde? Güti- ger Himmel! Vielleicht iſt dieſes liebe Kind gar nicht mehr unter den Sterblichen! etwa ſchon von einem wilden Thiere gefreſſen! Es iſt erſchrecklich, was mein königliches Vaterherz oder mein väterliches Königsherz leidet! Wozu habe ich Sie angeſtellt, als daß mir Jhre Wiſſenſchaft und Jhre Genie nützlich werden? Wozu habe ich Sie zum Hofrathe ernannt, wenn Sie keinen Rath zu geben wiſſen?

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Zitationshilfe: Pocci, Franz von: Lustiges Komödienbüchlein. Bd. 1. München, 1859, S. 14. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/pocci_komoedienbuechlein01_1859/20>, abgerufen am 27.11.2021.