Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Pomet, Peter: Der aufrichtige Materialist und Specerey-Händler. Leipzig, 1717.

Bild:
<< vorherige Seite

Hauptbeschreibung dritter Theil.
[Spaltenumbruch] zu nichts nicht nutz ist, als daß er den
Schafen oder Tauben gegeben werde.
Es kan nichts ungereimters seyn; denn
das wahrhafte Glassaltz ist annoch also
gemeine, daß wir das Pfund um vier
oder fünff Sols verkauffen, dahinge-
gen die weisse Suda nicht zu haben, was
man auch dafür geben wolte, und die-
ses wegen obangeführter Ursache. So
wird auch überdiß die Glasgalle oder das
Glalssaltz nicht für das Vieh gebrau-
chet, sondern die Töpfer bedienen sich
ihrer, den Sand, daraus sie das Weiß
machen, damit sie die feinen Geschirre
verglasüren, desto geschwinder zu
schmeltzen: ja es ist ein solcher Unter-
schied zwischen der Glasgalle und dem
Anatrum, als wie zwischen Tag und
Nacht, indem die Stücken der Glas-
galle wie Kuchen oder vierecket sind,
überaus schwer, und kurtz zu sagen,
dem Marmor gantz ähnlich, werden
auch an der Luft nicht im geringsten
feuchte. Das Natrum dagegen ist ein
weisses Saltz, und grosse crystallisirte
Stücke, so gleichfalls schwer, saltzicht
schmecket und stinckt; dem unerachtet
gebrauchten es die armen Leute zur sel-
bigen Zeit, da es zum waschen gebrau-
chet wurde, an statt des Saltzes: es zer-
schmiltzt auch dermassen leichtlich an
der Luft, daß es in gar kurtzer Zeit zu
lauter Wasser wird. Das Egyptische
Natrum
wird einiger massen in der
Artzney gebraucht, denn es eines von
denen Stücken ist, die zu dem Stein des
Crollius genommen werden; dannen-
hero mögen sich diejenigen, die es nöthig
haben, wohl vorsehen, und an seine
statt nicht das Glassaltz nehmen, weil
es nicht wenig von jenem unterschieden,
jenes auch ein reines Saltz, dieses aber
ein bloser Schaum ist.

Allein, weil die letztern Gattungen
des Salpeters bey uns nicht gebräuch-
lich sind, dieweil wir so gar wenig da-
[Spaltenumbruch] von haben, uns auch keines andern,
denn des durch Kunst bereiteten Salpe-
ters bedienen, als will ich sagen, daß
man denjenigen erwehlen solle, welcher
gut, und wie sichs gebühret, bereitet ist,
der auch allezeit trucken, und soviel mög-
lich, ohne Saltz sey. Damit man aber
seiner Güte versichert seyn möchte, so
solten die Einwohner in- und um Pa-
ris
den Salpeter im Arsenal erkauffen,
denn dieselben Leute können einen nicht
betrügen; und nicht bey solchen Leuten,
die ihn hausiren tragen, dazumahl es
gar verboten ist, ihn von solchen Kerlen
zu erkauffen, weil sie mehrentheils un-
nütze Zeug zu verkauffen pflegen.

Der gemeine soll recht weiß seyn, tru-
cken, und so wenig als nur seyn kan, mit
Saltze beschweret: ie truckner und weis-
ser der geläuterte Salpeter ist, ie schö-
ner, breiter und länger auch die
Crystallen sind, ie höher wird er gehal-
ten.

Der Gebrauch des Salpeters ist
überaus groß, weil nicht nur eine un-
mäßige grosse Menge desselben zum
Pulver verbrauchet wird, sondern auch,
weil ihn gar vielerley Handwercksleute
gebrauchen, und noch überdiß aller-
hand Chymische Dinge daraus bereitet
werden. Darum und von wegen die-
ses so grossen Gebrauchs ist den Spe-
zereyhändlern untersaget worden, ihn
zu verkauffen: so dürffen auch diejeni-
gen, die ihn in und um Paris benöthigt
sind, keinen andern gebrauchen, als den
sie im Arsenal gekauffet haben, und
zwar bey Straffe der Confiscir- oder
Wegnehmung und Erlegung zehen
Francken für iedes Pfund, das man
antrifft. Jngleichen ist verboten, das
Salpetersaltz zu gebrauchen, welches,
wie etliche sagen, das Jucken und Beis-
sen der Haut vertreiben und stillen soll,
welches auch Lemery versichert.

[Ende Spaltensatz]
Das sechs und dreyßigste Capitel.
Vom geschmoltznen Salpeter.
[Spaltenumbruch]

SAlniter nennt man den geschmol-
tzenen Salpeter, welcher geschmol-
tzen in eine Pfanne geschüttet, und sol-
chergestalt zu drey oder vier Finger di-
cken Stücken gemachet worden ist.

[Spaltenumbruch]

Der auf diese Weise bereitete Sal-
niter
aber wird wenig, hingegen der
Salpeter desto mehr gebraucht, wenn
er geschmoltzen worden, und man ein
wenig Schwefelblumen drauf geworf-

en
C c c

Hauptbeſchreibung dritter Theil.
[Spaltenumbruch] zu nichts nicht nutz iſt, als daß er den
Schafen oder Tauben gegeben werde.
Es kan nichts ungereimters ſeyn; denn
das wahrhafte Glasſaltz iſt annoch alſo
gemeine, daß wir das Pfund um vier
oder fuͤnff Sols verkauffen, dahinge-
gen die weiſſe Suda nicht zu haben, was
man auch dafuͤr geben wolte, und die-
ſes wegen obangefuͤhrter Urſache. So
wiꝛd auch uͤberdiß die Glasgalle oder das
Glalsſaltz nicht fuͤr das Vieh gebrau-
chet, ſondern die Toͤpfer bedienen ſich
ihrer, den Sand, daraus ſie das Weiß
machen, damit ſie die feinen Geſchirre
verglaſuͤren, deſto geſchwinder zu
ſchmeltzen: ja es iſt ein ſolcher Unter-
ſchied zwiſchen der Glasgalle und dem
Anatrum, als wie zwiſchen Tag und
Nacht, indem die Stuͤcken der Glas-
galle wie Kuchen oder vierecket ſind,
uͤberaus ſchwer, und kurtz zu ſagen,
dem Marmor gantz aͤhnlich, werden
auch an der Luft nicht im geringſten
feuchte. Das Natrum dagegen iſt ein
weiſſes Saltz, und groſſe cryſtalliſirte
Stuͤcke, ſo gleichfalls ſchwer, ſaltzicht
ſchmecket und ſtinckt; dem unerachtet
gebrauchten es die armen Leute zur ſel-
bigen Zeit, da es zum waſchen gebrau-
chet wurde, an ſtatt des Saltzes: es zer-
ſchmiltzt auch dermaſſen leichtlich an
der Luft, daß es in gar kurtzer Zeit zu
lauter Waſſer wird. Das Egyptiſche
Natrum
wird einiger maſſen in der
Artzney gebraucht, denn es eines von
denen Stuͤcken iſt, die zu dem Stein des
Crollius genommen werden; dannen-
hero moͤgen ſich diejenigen, die es noͤthig
haben, wohl vorſehen, und an ſeine
ſtatt nicht das Glasſaltz nehmen, weil
es nicht wenig von jenem unterſchieden,
jenes auch ein reines Saltz, dieſes aber
ein bloſer Schaum iſt.

Allein, weil die letztern Gattungen
des Salpeters bey uns nicht gebraͤuch-
lich ſind, dieweil wir ſo gar wenig da-
[Spaltenumbruch] von haben, uns auch keines andern,
denn des durch Kunſt bereiteten Salpe-
ters bedienen, als will ich ſagen, daß
man denjenigen erwehlen ſolle, welcher
gut, und wie ſichs gebuͤhret, bereitet iſt,
der auch allezeit trucken, und ſoviel moͤg-
lich, ohne Saltz ſey. Damit man aber
ſeiner Guͤte verſichert ſeyn moͤchte, ſo
ſolten die Einwohner in- und um Pa-
ris
den Salpeter im Arſenal erkauffen,
denn dieſelben Leute koͤnnen einen nicht
betruͤgen; und nicht bey ſolchen Leuten,
die ihn hauſiren tragen, dazumahl es
gar verboten iſt, ihn von ſolchen Kerlen
zu erkauffen, weil ſie mehrentheils un-
nuͤtze Zeug zu verkauffen pflegen.

Der gemeine ſoll recht weiß ſeyn, tru-
cken, und ſo wenig als nur ſeyn kan, mit
Saltze beſchweret: ie truckner und weiſ-
ſer der gelaͤuterte Salpeter iſt, ie ſchoͤ-
ner, breiter und laͤnger auch die
Cryſtallen ſind, ie hoͤher wird er gehal-
ten.

Der Gebrauch des Salpeters iſt
uͤberaus groß, weil nicht nur eine un-
maͤßige groſſe Menge deſſelben zum
Pulver verbrauchet wird, ſondern auch,
weil ihn gar vielerley Handwercksleute
gebrauchen, und noch uͤberdiß aller-
hand Chymiſche Dinge daraus bereitet
werden. Darum und von wegen die-
ſes ſo groſſen Gebrauchs iſt den Spe-
zereyhaͤndlern unterſaget worden, ihn
zu verkauffen: ſo duͤrffen auch diejeni-
gen, die ihn in und um Paris benoͤthigt
ſind, keinen andern gebrauchen, als den
ſie im Arſenal gekauffet haben, und
zwar bey Straffe der Confiſcir- oder
Wegnehmung und Erlegung zehen
Francken fuͤr iedes Pfund, das man
antrifft. Jngleichen iſt verboten, das
Salpeterſaltz zu gebrauchen, welches,
wie etliche ſagen, das Jucken und Beiſ-
ſen der Haut vertreiben und ſtillen ſoll,
welches auch Lemery verſichert.

[Ende Spaltensatz]
Das ſechs und dreyßigſte Capitel.
Vom geſchmoltznen Salpeter.
[Spaltenumbruch]

SAlniter nennt man den geſchmol-
tzenen Salpeter, welcher geſchmol-
tzen in eine Pfanne geſchuͤttet, und ſol-
chergeſtalt zu drey oder vier Finger di-
cken Stuͤcken gemachet worden iſt.

[Spaltenumbruch]

Der auf dieſe Weiſe bereitete Sal-
niter
aber wird wenig, hingegen der
Salpeter deſto mehr gebraucht, wenn
er geſchmoltzen worden, und man ein
wenig Schwefelblumen drauf geworf-

en
C c c
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="1">
          <div n="2">
            <div n="3">
              <p><pb facs="#f0535"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">Hauptbe&#x017F;chreibung dritter Theil.</hi></fw><lb/><cb n="767"/>
zu nichts nicht nutz i&#x017F;t, als daß er den<lb/>
Schafen oder Tauben gegeben werde.<lb/>
Es kan nichts ungereimters &#x017F;eyn; denn<lb/>
das wahrhafte Glas&#x017F;altz i&#x017F;t annoch al&#x017F;o<lb/>
gemeine, daß wir das Pfund um vier<lb/>
oder fu&#x0364;nff Sols verkauffen, dahinge-<lb/>
gen die wei&#x017F;&#x017F;e Suda nicht zu haben, was<lb/>
man auch dafu&#x0364;r geben wolte, und die-<lb/>
&#x017F;es wegen obangefu&#x0364;hrter Ur&#x017F;ache. So<lb/>
wi&#xA75B;d auch u&#x0364;berdiß die Glasgalle oder das<lb/>
Glals&#x017F;altz nicht fu&#x0364;r das Vieh gebrau-<lb/>
chet, &#x017F;ondern die To&#x0364;pfer bedienen &#x017F;ich<lb/>
ihrer, den Sand, daraus &#x017F;ie das Weiß<lb/>
machen, damit &#x017F;ie die feinen Ge&#x017F;chirre<lb/>
vergla&#x017F;u&#x0364;ren, de&#x017F;to ge&#x017F;chwinder zu<lb/>
&#x017F;chmeltzen: ja es i&#x017F;t ein &#x017F;olcher Unter-<lb/>
&#x017F;chied zwi&#x017F;chen der Glasgalle und dem<lb/>
Anatrum, als wie zwi&#x017F;chen Tag und<lb/>
Nacht, indem die Stu&#x0364;cken der Glas-<lb/>
galle wie Kuchen oder vierecket &#x017F;ind,<lb/>
u&#x0364;beraus &#x017F;chwer, und kurtz zu &#x017F;agen,<lb/>
dem Marmor gantz a&#x0364;hnlich, werden<lb/>
auch an der Luft nicht im gering&#x017F;ten<lb/>
feuchte. Das Natrum dagegen i&#x017F;t ein<lb/>
wei&#x017F;&#x017F;es Saltz, und gro&#x017F;&#x017F;e cry&#x017F;talli&#x017F;irte<lb/>
Stu&#x0364;cke, &#x017F;o gleichfalls &#x017F;chwer, &#x017F;altzicht<lb/>
&#x017F;chmecket und &#x017F;tinckt; dem unerachtet<lb/>
gebrauchten es die armen Leute zur &#x017F;el-<lb/>
bigen Zeit, da es zum wa&#x017F;chen gebrau-<lb/>
chet wurde, an &#x017F;tatt des Saltzes: es zer-<lb/>
&#x017F;chmiltzt auch derma&#x017F;&#x017F;en leichtlich an<lb/>
der Luft, daß es in gar kurtzer Zeit zu<lb/>
lauter Wa&#x017F;&#x017F;er wird. Das <hi rendition="#fr">Egypti&#x017F;che<lb/>
Natrum</hi> wird einiger ma&#x017F;&#x017F;en in der<lb/>
Artzney gebraucht, denn es eines von<lb/>
denen Stu&#x0364;cken i&#x017F;t, die zu dem Stein des<lb/>
Crollius genommen werden; dannen-<lb/>
hero mo&#x0364;gen &#x017F;ich diejenigen, die es no&#x0364;thig<lb/>
haben, wohl vor&#x017F;ehen, und an &#x017F;eine<lb/>
&#x017F;tatt nicht das Glas&#x017F;altz nehmen, weil<lb/>
es nicht wenig von jenem unter&#x017F;chieden,<lb/>
jenes auch ein reines Saltz, die&#x017F;es aber<lb/>
ein blo&#x017F;er Schaum i&#x017F;t.</p><lb/>
              <p>Allein, weil die letztern Gattungen<lb/>
des Salpeters bey uns nicht gebra&#x0364;uch-<lb/>
lich &#x017F;ind, dieweil wir &#x017F;o gar wenig da-<lb/><cb n="768"/>
von haben, uns auch keines andern,<lb/>
denn des durch Kun&#x017F;t bereiteten Salpe-<lb/>
ters bedienen, als will ich &#x017F;agen, daß<lb/>
man denjenigen erwehlen &#x017F;olle, welcher<lb/>
gut, und wie &#x017F;ichs gebu&#x0364;hret, bereitet i&#x017F;t,<lb/>
der auch allezeit trucken, und &#x017F;oviel mo&#x0364;g-<lb/>
lich, ohne Saltz &#x017F;ey. Damit man aber<lb/>
&#x017F;einer Gu&#x0364;te ver&#x017F;ichert &#x017F;eyn mo&#x0364;chte, &#x017F;o<lb/>
&#x017F;olten die Einwohner in- und um <hi rendition="#fr">Pa-<lb/>
ris</hi> den Salpeter im Ar&#x017F;enal erkauffen,<lb/>
denn die&#x017F;elben Leute ko&#x0364;nnen einen nicht<lb/>
betru&#x0364;gen; und nicht bey &#x017F;olchen Leuten,<lb/>
die ihn hau&#x017F;iren tragen, dazumahl es<lb/>
gar verboten i&#x017F;t, ihn von &#x017F;olchen Kerlen<lb/>
zu erkauffen, weil &#x017F;ie mehrentheils un-<lb/>
nu&#x0364;tze Zeug zu verkauffen pflegen.</p><lb/>
              <p>Der gemeine &#x017F;oll recht weiß &#x017F;eyn, tru-<lb/>
cken, und &#x017F;o wenig als nur &#x017F;eyn kan, mit<lb/>
Saltze be&#x017F;chweret: ie truckner und wei&#x017F;-<lb/>
&#x017F;er der gela&#x0364;uterte Salpeter i&#x017F;t, ie &#x017F;cho&#x0364;-<lb/>
ner, breiter und la&#x0364;nger auch die<lb/>
Cry&#x017F;tallen &#x017F;ind, ie ho&#x0364;her wird er gehal-<lb/>
ten.</p><lb/>
              <p>Der Gebrauch des Salpeters i&#x017F;t<lb/>
u&#x0364;beraus groß, weil nicht nur eine un-<lb/>
ma&#x0364;ßige gro&#x017F;&#x017F;e Menge de&#x017F;&#x017F;elben zum<lb/>
Pulver verbrauchet wird, &#x017F;ondern auch,<lb/>
weil ihn gar vielerley Handwercksleute<lb/>
gebrauchen, und noch u&#x0364;berdiß aller-<lb/>
hand Chymi&#x017F;che Dinge daraus bereitet<lb/>
werden. Darum und von wegen die-<lb/>
&#x017F;es &#x017F;o gro&#x017F;&#x017F;en Gebrauchs i&#x017F;t den Spe-<lb/>
zereyha&#x0364;ndlern unter&#x017F;aget worden, ihn<lb/>
zu verkauffen: &#x017F;o du&#x0364;rffen auch diejeni-<lb/>
gen, die ihn in und um Paris beno&#x0364;thigt<lb/>
&#x017F;ind, keinen andern gebrauchen, als den<lb/>
&#x017F;ie im Ar&#x017F;enal gekauffet haben, und<lb/>
zwar bey Straffe der Confi&#x017F;cir- oder<lb/>
Wegnehmung und Erlegung zehen<lb/>
Francken fu&#x0364;r iedes Pfund, das man<lb/>
antrifft. Jngleichen i&#x017F;t verboten, das<lb/>
Salpeter&#x017F;altz zu gebrauchen, welches,<lb/>
wie etliche &#x017F;agen, das Jucken und Bei&#x017F;-<lb/>
&#x017F;en der Haut vertreiben und &#x017F;tillen &#x017F;oll,<lb/>
welches auch <hi rendition="#fr">Lemery</hi> ver&#x017F;ichert.</p>
              <cb type="end"/>
            </div><lb/>
            <div n="3">
              <head> <hi rendition="#b">Das &#x017F;echs und dreyßig&#x017F;te Capitel.<lb/>
Vom ge&#x017F;chmoltznen Salpeter.</hi> </head><lb/>
              <cb n="767"/>
              <p><hi rendition="#in">S</hi><hi rendition="#fr">Alniter</hi> nennt man den ge&#x017F;chmol-<lb/>
tzenen Salpeter, welcher ge&#x017F;chmol-<lb/>
tzen in eine Pfanne ge&#x017F;chu&#x0364;ttet, und &#x017F;ol-<lb/>
cherge&#x017F;talt zu drey oder vier Finger di-<lb/>
cken Stu&#x0364;cken gemachet worden i&#x017F;t.</p><lb/>
              <cb n="768"/>
              <p>Der auf die&#x017F;e Wei&#x017F;e bereitete <hi rendition="#fr">Sal-<lb/>
niter</hi> aber wird wenig, hingegen der<lb/><hi rendition="#fr">Salpeter</hi> de&#x017F;to mehr gebraucht, wenn<lb/>
er ge&#x017F;chmoltzen worden, und man ein<lb/>
wenig Schwefelblumen drauf geworf-<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">C c c</fw><fw place="bottom" type="catch">en</fw><lb/></p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[0535] Hauptbeſchreibung dritter Theil. zu nichts nicht nutz iſt, als daß er den Schafen oder Tauben gegeben werde. Es kan nichts ungereimters ſeyn; denn das wahrhafte Glasſaltz iſt annoch alſo gemeine, daß wir das Pfund um vier oder fuͤnff Sols verkauffen, dahinge- gen die weiſſe Suda nicht zu haben, was man auch dafuͤr geben wolte, und die- ſes wegen obangefuͤhrter Urſache. So wiꝛd auch uͤberdiß die Glasgalle oder das Glalsſaltz nicht fuͤr das Vieh gebrau- chet, ſondern die Toͤpfer bedienen ſich ihrer, den Sand, daraus ſie das Weiß machen, damit ſie die feinen Geſchirre verglaſuͤren, deſto geſchwinder zu ſchmeltzen: ja es iſt ein ſolcher Unter- ſchied zwiſchen der Glasgalle und dem Anatrum, als wie zwiſchen Tag und Nacht, indem die Stuͤcken der Glas- galle wie Kuchen oder vierecket ſind, uͤberaus ſchwer, und kurtz zu ſagen, dem Marmor gantz aͤhnlich, werden auch an der Luft nicht im geringſten feuchte. Das Natrum dagegen iſt ein weiſſes Saltz, und groſſe cryſtalliſirte Stuͤcke, ſo gleichfalls ſchwer, ſaltzicht ſchmecket und ſtinckt; dem unerachtet gebrauchten es die armen Leute zur ſel- bigen Zeit, da es zum waſchen gebrau- chet wurde, an ſtatt des Saltzes: es zer- ſchmiltzt auch dermaſſen leichtlich an der Luft, daß es in gar kurtzer Zeit zu lauter Waſſer wird. Das Egyptiſche Natrum wird einiger maſſen in der Artzney gebraucht, denn es eines von denen Stuͤcken iſt, die zu dem Stein des Crollius genommen werden; dannen- hero moͤgen ſich diejenigen, die es noͤthig haben, wohl vorſehen, und an ſeine ſtatt nicht das Glasſaltz nehmen, weil es nicht wenig von jenem unterſchieden, jenes auch ein reines Saltz, dieſes aber ein bloſer Schaum iſt. Allein, weil die letztern Gattungen des Salpeters bey uns nicht gebraͤuch- lich ſind, dieweil wir ſo gar wenig da- von haben, uns auch keines andern, denn des durch Kunſt bereiteten Salpe- ters bedienen, als will ich ſagen, daß man denjenigen erwehlen ſolle, welcher gut, und wie ſichs gebuͤhret, bereitet iſt, der auch allezeit trucken, und ſoviel moͤg- lich, ohne Saltz ſey. Damit man aber ſeiner Guͤte verſichert ſeyn moͤchte, ſo ſolten die Einwohner in- und um Pa- ris den Salpeter im Arſenal erkauffen, denn dieſelben Leute koͤnnen einen nicht betruͤgen; und nicht bey ſolchen Leuten, die ihn hauſiren tragen, dazumahl es gar verboten iſt, ihn von ſolchen Kerlen zu erkauffen, weil ſie mehrentheils un- nuͤtze Zeug zu verkauffen pflegen. Der gemeine ſoll recht weiß ſeyn, tru- cken, und ſo wenig als nur ſeyn kan, mit Saltze beſchweret: ie truckner und weiſ- ſer der gelaͤuterte Salpeter iſt, ie ſchoͤ- ner, breiter und laͤnger auch die Cryſtallen ſind, ie hoͤher wird er gehal- ten. Der Gebrauch des Salpeters iſt uͤberaus groß, weil nicht nur eine un- maͤßige groſſe Menge deſſelben zum Pulver verbrauchet wird, ſondern auch, weil ihn gar vielerley Handwercksleute gebrauchen, und noch uͤberdiß aller- hand Chymiſche Dinge daraus bereitet werden. Darum und von wegen die- ſes ſo groſſen Gebrauchs iſt den Spe- zereyhaͤndlern unterſaget worden, ihn zu verkauffen: ſo duͤrffen auch diejeni- gen, die ihn in und um Paris benoͤthigt ſind, keinen andern gebrauchen, als den ſie im Arſenal gekauffet haben, und zwar bey Straffe der Confiſcir- oder Wegnehmung und Erlegung zehen Francken fuͤr iedes Pfund, das man antrifft. Jngleichen iſt verboten, das Salpeterſaltz zu gebrauchen, welches, wie etliche ſagen, das Jucken und Beiſ- ſen der Haut vertreiben und ſtillen ſoll, welches auch Lemery verſichert. Das ſechs und dreyßigſte Capitel. Vom geſchmoltznen Salpeter. SAlniter nennt man den geſchmol- tzenen Salpeter, welcher geſchmol- tzen in eine Pfanne geſchuͤttet, und ſol- chergeſtalt zu drey oder vier Finger di- cken Stuͤcken gemachet worden iſt. Der auf dieſe Weiſe bereitete Sal- niter aber wird wenig, hingegen der Salpeter deſto mehr gebraucht, wenn er geſchmoltzen worden, und man ein wenig Schwefelblumen drauf geworf- en C c c

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/pomet_materialist_1717
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/pomet_materialist_1717/535
Zitationshilfe: Pomet, Peter: Der aufrichtige Materialist und Specerey-Händler. Leipzig, 1717, S. . In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/pomet_materialist_1717/535>, abgerufen am 25.02.2021.