Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

von Preuschen, Hermione: Yoshiwara. Vom Freudenhaus des Lebens. Berlin, 1920.

Bild:
<< vorherige Seite

Märchenfeuer in seinen Tiefen birgt, wenn man hineinschaut bis zum Grund. Wie wenige aber vermögen diese Schönheit zu sehen und zu fassen.

Nein, Indra wollte das ganze Leben auskosten, seine verborgensten Schönheiten ergründen. Nicht verzagen, wenn's aus der Oberfläche auch manchmal nur Leid und Jammer schien. Freilich jetzt, in dieser Transfiguration allen Lebens, war's schwer, an Jammer und Lebensnot zu glauben. Brostoczicz ging in eifrigem Gespräch mit Madame vorüber. -- "Ich will nicht," hörte sie ihn sagen. -- "Du mußt", sprach Madame. -- Nach einer Weile kam er wie suchend und setzte sich zu ihr. Indra war ihm dankbar, daß er nicht sprach, das Herz war ihr zu voll von dieser überirdischen Schönheit. -- -- --

Endlich warf das Schiff Anker in Singapore. Madame erschien in ihrem besten Staat und hatte auch Indra veranlaßt, sich nach Kräften schön zu machen.

Um bei Madame Vais und ihrem Pensionat einen guten Eindruck zu machen. Sie sah reizend aus -- aber das jungfräulich Herbe, Dianenhafte

Märchenfeuer in seinen Tiefen birgt, wenn man hineinschaut bis zum Grund. Wie wenige aber vermögen diese Schönheit zu sehen und zu fassen.

Nein, Indra wollte das ganze Leben auskosten, seine verborgensten Schönheiten ergründen. Nicht verzagen, wenn’s aus der Oberfläche auch manchmal nur Leid und Jammer schien. Freilich jetzt, in dieser Transfiguration allen Lebens, war’s schwer, an Jammer und Lebensnot zu glauben. Brostoczicz ging in eifrigem Gespräch mit Madame vorüber. — „Ich will nicht,“ hörte sie ihn sagen. — „Du mußt“, sprach Madame. — Nach einer Weile kam er wie suchend und setzte sich zu ihr. Indra war ihm dankbar, daß er nicht sprach, das Herz war ihr zu voll von dieser überirdischen Schönheit. — — —

Endlich warf das Schiff Anker in Singapore. Madame erschien in ihrem besten Staat und hatte auch Indra veranlaßt, sich nach Kräften schön zu machen.

Um bei Madame Vais und ihrem Pensionat einen guten Eindruck zu machen. Sie sah reizend aus — aber das jungfräulich Herbe, Dianenhafte

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <p><pb facs="#f0045" n="46"/>
Märchenfeuer in seinen Tiefen birgt, wenn man hineinschaut bis zum Grund. Wie wenige aber vermögen diese Schönheit zu sehen und zu fassen.</p>
        <p>Nein, Indra wollte das ganze Leben auskosten, seine verborgensten Schönheiten ergründen. Nicht verzagen, wenn&#x2019;s aus der Oberfläche auch manchmal nur Leid und Jammer schien. Freilich jetzt, in dieser Transfiguration allen Lebens, war&#x2019;s schwer, an Jammer und Lebensnot zu glauben. Brostoczicz ging in eifrigem Gespräch mit Madame vorüber. &#x2014; &#x201E;Ich will nicht,&#x201C; hörte sie ihn sagen. &#x2014; &#x201E;Du mußt&#x201C;, sprach Madame. &#x2014; Nach einer Weile kam er wie suchend und setzte sich zu ihr. Indra war ihm dankbar, daß er nicht sprach, das Herz war ihr zu voll von dieser überirdischen Schönheit. &#x2014; &#x2014; &#x2014;</p>
        <p>Endlich warf das Schiff Anker in Singapore. Madame erschien in ihrem besten Staat und hatte auch Indra veranlaßt, sich nach Kräften schön zu machen.</p>
        <p>Um bei Madame Vais und ihrem Pensionat einen guten Eindruck zu machen. Sie sah reizend aus &#x2014; aber das jungfräulich Herbe, Dianenhafte
</p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[46/0045] Märchenfeuer in seinen Tiefen birgt, wenn man hineinschaut bis zum Grund. Wie wenige aber vermögen diese Schönheit zu sehen und zu fassen. Nein, Indra wollte das ganze Leben auskosten, seine verborgensten Schönheiten ergründen. Nicht verzagen, wenn’s aus der Oberfläche auch manchmal nur Leid und Jammer schien. Freilich jetzt, in dieser Transfiguration allen Lebens, war’s schwer, an Jammer und Lebensnot zu glauben. Brostoczicz ging in eifrigem Gespräch mit Madame vorüber. — „Ich will nicht,“ hörte sie ihn sagen. — „Du mußt“, sprach Madame. — Nach einer Weile kam er wie suchend und setzte sich zu ihr. Indra war ihm dankbar, daß er nicht sprach, das Herz war ihr zu voll von dieser überirdischen Schönheit. — — — Endlich warf das Schiff Anker in Singapore. Madame erschien in ihrem besten Staat und hatte auch Indra veranlaßt, sich nach Kräften schön zu machen. Um bei Madame Vais und ihrem Pensionat einen guten Eindruck zu machen. Sie sah reizend aus — aber das jungfräulich Herbe, Dianenhafte

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Wikisource: Bereitstellung der Texttranskription und Auszeichnung in Wikisource-Syntax. (2012-10-29T10:30:31Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme aus Wikisource entsprechen muss.
Wikimedia Commons: Bereitstellung der Bilddigitalisate (2012-10-29T10:30:31Z)
Frank Wiegand: Konvertierung von Wikisource-Markup nach XML/TEI gemäß DTA-Basisformat. (2012-10-29T10:30:31Z)

Weitere Informationen:

Anmerkungen zur Transkription:




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/preuschen_yoshiwara_1920
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/preuschen_yoshiwara_1920/45
Zitationshilfe: von Preuschen, Hermione: Yoshiwara. Vom Freudenhaus des Lebens. Berlin, 1920, S. 46. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/preuschen_yoshiwara_1920/45>, abgerufen am 02.03.2021.