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Pütter, Johann Stephan: Historische Entwickelung der heutigen Staatsverfassung des Teutschen Reichs. Bd. 2: Von 1558 bis 1740. Göttingen, 1786.

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7) R. H. R. O. u. R. A. 1654.
brachte Verfassung beriefen, vermöge deren der
Landesherr solche Ausgaben von seinen Cammer-
einkünften zu bestreiten schuldig sey, überall aber
keine Steuer ohne ihre Einwilligung statt finden
könne. Allein nach dem subordinirten Verhält-
nisse, worin alle Teutsche Landschaften unter Kai-
ser und Reich stehen, ließ sich wohl nicht bezwei-
flen, daß ein allgemeines Reichsgesetz, worin für
die gemeinsame Wohlfahrt des ganzen Reichs etwas
neues verordnet wurde, auch von jeder einzelnen
Landschaft befolget werden müße. Die Landschaf-
ten haben auch, früh oder spät, doch endlich durch-
gängig sich dazu bequemen müßen. Jene von
neuem vorgeschriebene Wahlen der Kreisobersten
sind aber auch diesmal nicht zur Vollziehung ge-
kommen. In den meisten Kreisen haben die kreis-
ausschreibenden Fürsten diese Stelle oder doch die
derselben beygelegten Vorzüge sich selbsten zuge-
eignet.




VIII.
P. Entw. d. Staatsverf. Th. II. P

7) R. H. R. O. u. R. A. 1654.
brachte Verfaſſung beriefen, vermoͤge deren der
Landesherr ſolche Ausgaben von ſeinen Cammer-
einkuͤnften zu beſtreiten ſchuldig ſey, uͤberall aber
keine Steuer ohne ihre Einwilligung ſtatt finden
koͤnne. Allein nach dem ſubordinirten Verhaͤlt-
niſſe, worin alle Teutſche Landſchaften unter Kai-
ſer und Reich ſtehen, ließ ſich wohl nicht bezwei-
flen, daß ein allgemeines Reichsgeſetz, worin fuͤr
die gemeinſame Wohlfahrt des ganzen Reichs etwas
neues verordnet wurde, auch von jeder einzelnen
Landſchaft befolget werden muͤße. Die Landſchaf-
ten haben auch, fruͤh oder ſpaͤt, doch endlich durch-
gaͤngig ſich dazu bequemen muͤßen. Jene von
neuem vorgeſchriebene Wahlen der Kreisoberſten
ſind aber auch diesmal nicht zur Vollziehung ge-
kommen. In den meiſten Kreiſen haben die kreis-
ausſchreibenden Fuͤrſten dieſe Stelle oder doch die
derſelben beygelegten Vorzuͤge ſich ſelbſten zuge-
eignet.




VIII.
P. Entw. d. Staatsverf. Th. II. P
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[225/0267] 7) R. H. R. O. u. R. A. 1654. brachte Verfaſſung beriefen, vermoͤge deren der Landesherr ſolche Ausgaben von ſeinen Cammer- einkuͤnften zu beſtreiten ſchuldig ſey, uͤberall aber keine Steuer ohne ihre Einwilligung ſtatt finden koͤnne. Allein nach dem ſubordinirten Verhaͤlt- niſſe, worin alle Teutſche Landſchaften unter Kai- ſer und Reich ſtehen, ließ ſich wohl nicht bezwei- flen, daß ein allgemeines Reichsgeſetz, worin fuͤr die gemeinſame Wohlfahrt des ganzen Reichs etwas neues verordnet wurde, auch von jeder einzelnen Landſchaft befolget werden muͤße. Die Landſchaf- ten haben auch, fruͤh oder ſpaͤt, doch endlich durch- gaͤngig ſich dazu bequemen muͤßen. Jene von neuem vorgeſchriebene Wahlen der Kreisoberſten ſind aber auch diesmal nicht zur Vollziehung ge- kommen. In den meiſten Kreiſen haben die kreis- ausſchreibenden Fuͤrſten dieſe Stelle oder doch die derſelben beygelegten Vorzuͤge ſich ſelbſten zuge- eignet. VIII. P. Entw. d. Staatsverf. Th. II. P

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Zitationshilfe: Pütter, Johann Stephan: Historische Entwickelung der heutigen Staatsverfassung des Teutschen Reichs. Bd. 2: Von 1558 bis 1740. Göttingen, 1786, S. 225. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/puetter_staatsverfassung02_1786/267>, abgerufen am 24.02.2024.