Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Pufendorf, Samuel von: Bericht Vom Zustande des Teutschen Reichs. [s. l.], 1667.

Bild:
<< vorherige Seite

Vom Zustand
nun erwehlet werde/ wollen wir hernach
sehen. Es wird aber der Mühe werth seyn/
etwas weitläuftiger von der Sache zu han-
deln/ damit man zugleich sehe/ was für ein
grosser unterscheid zwischen der alten und
newen Wahl/ und welches der eigentliche
Ursprung der Churfürsten sey. Muß man
demnach bey dem Carolo M. und dessen
Nachkommen das Römische Reich und
das Fränckische Reich mit unterscheid be-
trachten. Jenes daß Römische ist dem Ca-
rolo
mit bewilligung des Römischen
Volcks und des Padstes/ als dessen vor-
nehmsten Gliedes/ der sonsten auch merck-
lich über das Volck zu regieren trachtete/
auffgetragen worden/ und zwar/ wie es
das ansehen hat/ erblich; Also/ daß seine
nachfolgere nicht nach einer newen und
freyen Wahl/ sondern nur nach der gemei-
nen einweihung sind gekrönet worden.
Denn ob man zwar lieset/ daß der Caro-
lus
seinen Sohn Ludovicum, und dieser
den Lotharium zu gehülffen des Reichs

ange-

Vom Zuſtand
nun erwehlet werde/ wollen wir hernach
ſehen. Es wird aber der Muͤhe werth ſeyn/
etwas weitlaͤuftiger von der Sache zu han-
deln/ damit man zugleich ſehe/ was fuͤr ein
groſſer unterſcheid zwiſchen der alten und
newen Wahl/ und welches der eigentliche
Urſprung der Churfuͤrſten ſey. Muß man
demnach bey dem Carolo M. und deſſen
Nachkommen das Roͤmiſche Reich und
das Fraͤnckiſche Reich mit unterſcheid be-
trachten. Jenes daß Roͤmiſche iſt dem Ca-
rolo
mit bewilligung des Roͤmiſchen
Volcks und des Padſtes/ als deſſen vor-
nehmſten Gliedes/ der ſonſten auch merck-
lich uͤber das Volck zu regieren trachtete/
auffgetragen worden/ und zwar/ wie es
das anſehen hat/ erblich; Alſo/ daß ſeine
nachfolgere nicht nach einer newen und
freyen Wahl/ ſondern nur nach der gemei-
nen einweihung ſind gekroͤnet worden.
Denn ob man zwar lieſet/ daß der Caro-
lus
ſeinen Sohn Ludovicum, und dieſer
den Lotharium zu gehuͤlffen des Reichs

ange-
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0130" n="108"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">Vom Zu&#x017F;tand</hi></fw><lb/>
nun erwehlet werde/ wollen wir hernach<lb/>
&#x017F;ehen. Es wird aber der Mu&#x0364;he werth &#x017F;eyn/<lb/>
etwas weitla&#x0364;uftiger von der Sache zu han-<lb/>
deln/ damit man zugleich &#x017F;ehe/ was fu&#x0364;r ein<lb/>
gro&#x017F;&#x017F;er unter&#x017F;cheid zwi&#x017F;chen der alten und<lb/>
newen Wahl/ und welches der eigentliche<lb/>
Ur&#x017F;prung der Churfu&#x0364;r&#x017F;ten &#x017F;ey. Muß man<lb/>
demnach bey dem <hi rendition="#aq"><hi rendition="#g">Carolo M</hi>.</hi> und de&#x017F;&#x017F;en<lb/>
Nachkommen das Ro&#x0364;mi&#x017F;che Reich und<lb/>
das Fra&#x0364;ncki&#x017F;che Reich mit unter&#x017F;cheid be-<lb/>
trachten. Jenes daß Ro&#x0364;mi&#x017F;che i&#x017F;t dem <hi rendition="#aq"><hi rendition="#g">Ca-<lb/>
rolo</hi></hi> mit bewilligung des Ro&#x0364;mi&#x017F;chen<lb/>
Volcks und des Pad&#x017F;tes/ als de&#x017F;&#x017F;en vor-<lb/>
nehm&#x017F;ten Gliedes/ der &#x017F;on&#x017F;ten auch merck-<lb/>
lich u&#x0364;ber das Volck zu regieren trachtete/<lb/>
auffgetragen worden/ und zwar/ wie es<lb/>
das an&#x017F;ehen hat/ erblich; Al&#x017F;o/ daß &#x017F;eine<lb/>
nachfolgere nicht nach einer newen und<lb/>
freyen Wahl/ &#x017F;ondern nur nach der gemei-<lb/>
nen einweihung &#x017F;ind gekro&#x0364;net worden.<lb/>
Denn ob man zwar lie&#x017F;et/ daß der <hi rendition="#aq"><hi rendition="#g">Caro-<lb/>
lus</hi></hi> &#x017F;einen Sohn <hi rendition="#aq"><hi rendition="#g">Ludovicum</hi>,</hi> und die&#x017F;er<lb/>
den <hi rendition="#aq"><hi rendition="#g">Lotharium</hi></hi> zu gehu&#x0364;lffen des Reichs<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">ange-</fw><lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[108/0130] Vom Zuſtand nun erwehlet werde/ wollen wir hernach ſehen. Es wird aber der Muͤhe werth ſeyn/ etwas weitlaͤuftiger von der Sache zu han- deln/ damit man zugleich ſehe/ was fuͤr ein groſſer unterſcheid zwiſchen der alten und newen Wahl/ und welches der eigentliche Urſprung der Churfuͤrſten ſey. Muß man demnach bey dem Carolo M. und deſſen Nachkommen das Roͤmiſche Reich und das Fraͤnckiſche Reich mit unterſcheid be- trachten. Jenes daß Roͤmiſche iſt dem Ca- rolo mit bewilligung des Roͤmiſchen Volcks und des Padſtes/ als deſſen vor- nehmſten Gliedes/ der ſonſten auch merck- lich uͤber das Volck zu regieren trachtete/ auffgetragen worden/ und zwar/ wie es das anſehen hat/ erblich; Alſo/ daß ſeine nachfolgere nicht nach einer newen und freyen Wahl/ ſondern nur nach der gemei- nen einweihung ſind gekroͤnet worden. Denn ob man zwar lieſet/ daß der Caro- lus ſeinen Sohn Ludovicum, und dieſer den Lotharium zu gehuͤlffen des Reichs ange-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/pufendorf_bericht_1667
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/pufendorf_bericht_1667/130
Zitationshilfe: Pufendorf, Samuel von: Bericht Vom Zustande des Teutschen Reichs. [s. l.], 1667, S. 108. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/pufendorf_bericht_1667/130>, abgerufen am 13.04.2024.