Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Pufendorf, Samuel von: Bericht Vom Zustande des Teutschen Reichs. [s. l.], 1667.

Bild:
<< vorherige Seite

Vom Zustand
haben aber die Reichs Stände diese Frey-
heit/ daß sie in ihren Ländern/ was die civil
Sachen betrifft/ können Gesetze geben/ die
von dem gemeinen Recht abgehen/ wie
auch andere zu ihren Nutzen dienliche
Stifftungen machen/ auch ohne des Käy-
sers Vorwissen/ wo sie nur nichts dem Zu-
stande des gantzen Reichs zuwider in sich
halten. Ob gleich viele gemacht haben/ daß
ihre Land Rechte durch den Käyser bekräff-
tiget werden; Ja sie können auch in cri-
minal
Sachen sonderliche Gesetze geben/
denn es wird des K. Caroli V. Peinliche
Halsgerichts Ordnung in allem nicht in
acht genommen. Es haben auch die Stän-
de das Recht den schüldigen die Straffe zu-
erlassen. Wo etwas neues/ das alle ver-
binden soll/ beschlossen werden muß/ daß
kan nicht als auff dem Reichstage durch
aller bewilligung zugelassen werden/ und
wird eben so woll der Käyser als die Stän-
de dadurch verbunden. vid. art. 2. capi-
tul. Leopold
.

Die

Vom Zuſtand
haben aber die Reichs Staͤnde dieſe Frey-
heit/ daß ſie in ihren Laͤndern/ was die civil
Sachen betrifft/ koͤnnen Geſetze geben/ die
von dem gemeinen Recht abgehen/ wie
auch andere zu ihren Nutzen dienliche
Stifftungen machen/ auch ohne des Kaͤy-
ſers Vorwiſſen/ wo ſie nur nichts dem Zu-
ſtande des gantzen Reichs zuwider in ſich
halten. Ob gleich viele gemacht haben/ daß
ihre Land Rechte durch den Kaͤyſer bekraͤff-
tiget werden; Ja ſie koͤnnen auch in cri-
minal
Sachen ſonderliche Geſetze geben/
denn es wird des K. Caroli V. Peinliche
Halsgerichts Ordnung in allem nicht in
acht genom̃en. Es haben auch die Staͤn-
de das Recht den ſchuͤldigen die Straffe zu-
erlaſſen. Wo etwas neues/ das alle ver-
binden ſoll/ beſchloſſen werden muß/ daß
kan nicht als auff dem Reichstage durch
aller bewilligung zugelaſſen werden/ und
wird eben ſo woll der Kaͤyſer als die Staͤn-
de dadurch verbunden. vid. art. 2. capi-
tul. Leopold
.

Die
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0194" n="172"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">Vom Zu&#x017F;tand</hi></fw><lb/>
haben aber die Reichs Sta&#x0364;nde die&#x017F;e Frey-<lb/>
heit/ daß &#x017F;ie in ihren La&#x0364;ndern/ was die <hi rendition="#aq"><hi rendition="#g">civil</hi></hi><lb/>
Sachen betrifft/ ko&#x0364;nnen Ge&#x017F;etze geben/ die<lb/>
von dem gemeinen Recht abgehen/ wie<lb/>
auch andere zu ihren Nutzen dienliche<lb/>
Stifftungen machen/ auch ohne des Ka&#x0364;y-<lb/>
&#x017F;ers Vorwi&#x017F;&#x017F;en/ wo &#x017F;ie nur nichts dem Zu-<lb/>
&#x017F;tande des gantzen Reichs zuwider in &#x017F;ich<lb/>
halten. Ob gleich viele gemacht haben/ daß<lb/>
ihre Land Rechte durch den Ka&#x0364;y&#x017F;er bekra&#x0364;ff-<lb/>
tiget werden; Ja &#x017F;ie ko&#x0364;nnen auch in <hi rendition="#aq"><hi rendition="#g">cri-<lb/>
minal</hi></hi> Sachen &#x017F;onderliche Ge&#x017F;etze geben/<lb/>
denn es wird des K. <hi rendition="#aq"><hi rendition="#g">Caroli V.</hi></hi> Peinliche<lb/>
Halsgerichts Ordnung in allem nicht in<lb/>
acht genom&#x0303;en. Es haben auch die Sta&#x0364;n-<lb/>
de das Recht den &#x017F;chu&#x0364;ldigen die Straffe zu-<lb/>
erla&#x017F;&#x017F;en. Wo etwas neues/ das alle ver-<lb/>
binden &#x017F;oll/ be&#x017F;chlo&#x017F;&#x017F;en werden muß/ daß<lb/>
kan nicht als auff dem Reichstage durch<lb/>
aller bewilligung zugela&#x017F;&#x017F;en werden/ und<lb/>
wird eben &#x017F;o woll der Ka&#x0364;y&#x017F;er als die Sta&#x0364;n-<lb/>
de dadurch verbunden. <hi rendition="#aq"><hi rendition="#g">vid. art. 2. capi-<lb/>
tul. Leopold</hi>.</hi></p>
          </div><lb/>
          <fw place="bottom" type="catch">Die</fw><lb/>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[172/0194] Vom Zuſtand haben aber die Reichs Staͤnde dieſe Frey- heit/ daß ſie in ihren Laͤndern/ was die civil Sachen betrifft/ koͤnnen Geſetze geben/ die von dem gemeinen Recht abgehen/ wie auch andere zu ihren Nutzen dienliche Stifftungen machen/ auch ohne des Kaͤy- ſers Vorwiſſen/ wo ſie nur nichts dem Zu- ſtande des gantzen Reichs zuwider in ſich halten. Ob gleich viele gemacht haben/ daß ihre Land Rechte durch den Kaͤyſer bekraͤff- tiget werden; Ja ſie koͤnnen auch in cri- minal Sachen ſonderliche Geſetze geben/ denn es wird des K. Caroli V. Peinliche Halsgerichts Ordnung in allem nicht in acht genom̃en. Es haben auch die Staͤn- de das Recht den ſchuͤldigen die Straffe zu- erlaſſen. Wo etwas neues/ das alle ver- binden ſoll/ beſchloſſen werden muß/ daß kan nicht als auff dem Reichstage durch aller bewilligung zugelaſſen werden/ und wird eben ſo woll der Kaͤyſer als die Staͤn- de dadurch verbunden. vid. art. 2. capi- tul. Leopold. Die

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/pufendorf_bericht_1667
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/pufendorf_bericht_1667/194
Zitationshilfe: Pufendorf, Samuel von: Bericht Vom Zustande des Teutschen Reichs. [s. l.], 1667, S. 172. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/pufendorf_bericht_1667/194>, abgerufen am 28.02.2024.