Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Pufendorf, Samuel von: Bericht Vom Zustande des Teutschen Reichs. [s. l.], 1667.

Bild:
<< vorherige Seite

Vom Zustand
des empfangen die Bißthumber Halberstat/
Minden und Camin/ und nach Abgang
Hertzogen Augusti zu Sachsen das Crtz-
bißthumb Magdeburg/ welches alle grosse
und fruchtbahre Länder seyn/ doch mey-
nen etliche er habe an statt derer lieber das
gantze Pommern behalten wollen.

Jch erinnere mich/ daß/ als ich neulich
aus Teutschland wieder gen Padua kam/
und in einer Versamblung etlicher Jtaliä-
nischen und Frantzösischen Marggraffen
erzehlete/ der gedachte Churfürst könne
durch sein Gebieth 200. Teutsche Meilen
in die länge reysen/ daß er nicht einmahl
in einem fremden Territorio über Nacht
bleiben dürffe; (ungeachtet das solches
Gebiet zwar an einem und anderm Orth/
durch kleine darzwischen-liegende Terri-
toria
zerrissen) die meisten der anwe-
senden Herren mir das den Reisenden
gemeine Laster beylegeten. Und hät-
ten mir meine Landsleute/ welche das Va-
terland/ weiß nicht warumb/ so ungern von

sich

Vom Zuſtand
des empfangẽ die Bißthumber Halberſtat/
Minden und Camin/ und nach Abgang
Hertzogen Auguſti zu Sachſen das Crtz-
bißthumb Magdeburg/ welches alle groſſe
und fruchtbahre Laͤnder ſeyn/ doch mey-
nen etliche er habe an ſtatt derer lieber das
gantze Pommern behalten wollen.

Jch erinnere mich/ daß/ als ich neulich
aus Teutſchland wieder gen Padua kam/
und in einer Verſamblung etlicher Jtaliaͤ-
niſchen und Frantzoͤſiſchen Marggraffen
erzehlete/ der gedachte Churfuͤrſt koͤnne
durch ſein Gebieth 200. Teutſche Meilen
in die laͤnge reyſen/ daß er nicht einmahl
in einem fremden Territorio uͤber Nacht
bleiben duͤrffe; (ungeachtet das ſolches
Gebiet zwar an einem und anderm Orth/
durch kleine darzwiſchen-liegende Terri-
toria
zerriſſen) die meiſten der anwe-
ſenden Herren mir das den Reiſenden
gemeine Laſter beylegeten. Und haͤt-
ten mir meine Landsleute/ welche das Va-
terland/ weiß nicht warumb/ ſo ungern von

ſich
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0080" n="58"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">Vom Zu&#x017F;tand</hi></fw><lb/>
des empfange&#x0303; die Bißthumber Halber&#x017F;tat/<lb/>
Minden und Camin/ und nach Abgang<lb/>
Hertzogen Augu&#x017F;ti zu Sach&#x017F;en das Crtz-<lb/>
bißthumb Magdeburg/ welches alle gro&#x017F;&#x017F;e<lb/>
und fruchtbahre La&#x0364;nder &#x017F;eyn/ doch mey-<lb/>
nen etliche er habe an &#x017F;tatt derer lieber das<lb/>
gantze Pommern behalten wollen.</p><lb/>
            <p>Jch erinnere mich/ daß/ als ich neulich<lb/>
aus Teut&#x017F;chland wieder gen Padua kam/<lb/>
und in einer Ver&#x017F;amblung etlicher Jtalia&#x0364;-<lb/>
ni&#x017F;chen und Frantzo&#x0364;&#x017F;i&#x017F;chen Marggraffen<lb/>
erzehlete/ der gedachte Churfu&#x0364;r&#x017F;t ko&#x0364;nne<lb/>
durch &#x017F;ein Gebieth 200. Teut&#x017F;che Meilen<lb/>
in die la&#x0364;nge rey&#x017F;en/ daß er nicht einmahl<lb/>
in einem fremden <hi rendition="#aq"><hi rendition="#g">Territorio</hi></hi> u&#x0364;ber Nacht<lb/>
bleiben du&#x0364;rffe; (ungeachtet das &#x017F;olches<lb/>
Gebiet zwar an einem und anderm Orth/<lb/>
durch kleine darzwi&#x017F;chen-liegende <hi rendition="#aq"><hi rendition="#g">Terri-<lb/>
toria</hi></hi> zerri&#x017F;&#x017F;en) die mei&#x017F;ten der anwe-<lb/>
&#x017F;enden Herren mir das den Rei&#x017F;enden<lb/>
gemeine La&#x017F;ter beylegeten. Und ha&#x0364;t-<lb/>
ten mir meine Landsleute/ welche das Va-<lb/>
terland/ weiß nicht warumb/ &#x017F;o ungern von<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">&#x017F;ich</fw><lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[58/0080] Vom Zuſtand des empfangẽ die Bißthumber Halberſtat/ Minden und Camin/ und nach Abgang Hertzogen Auguſti zu Sachſen das Crtz- bißthumb Magdeburg/ welches alle groſſe und fruchtbahre Laͤnder ſeyn/ doch mey- nen etliche er habe an ſtatt derer lieber das gantze Pommern behalten wollen. Jch erinnere mich/ daß/ als ich neulich aus Teutſchland wieder gen Padua kam/ und in einer Verſamblung etlicher Jtaliaͤ- niſchen und Frantzoͤſiſchen Marggraffen erzehlete/ der gedachte Churfuͤrſt koͤnne durch ſein Gebieth 200. Teutſche Meilen in die laͤnge reyſen/ daß er nicht einmahl in einem fremden Territorio uͤber Nacht bleiben duͤrffe; (ungeachtet das ſolches Gebiet zwar an einem und anderm Orth/ durch kleine darzwiſchen-liegende Terri- toria zerriſſen) die meiſten der anwe- ſenden Herren mir das den Reiſenden gemeine Laſter beylegeten. Und haͤt- ten mir meine Landsleute/ welche das Va- terland/ weiß nicht warumb/ ſo ungern von ſich

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/pufendorf_bericht_1667
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/pufendorf_bericht_1667/80
Zitationshilfe: Pufendorf, Samuel von: Bericht Vom Zustande des Teutschen Reichs. [s. l.], 1667, S. 58. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/pufendorf_bericht_1667/80>, abgerufen am 20.02.2024.