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Rein, Johann Justus: Japan nach Reisen und Studien. Bd. 2. Leipzig, 1886.

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I. Land- und Forstwirthschaft.
welches ich kenne und Japan wahrscheinlich aufweisen kann, befindet
sich in einem Tempelhofe zu Nikko. Lehmann, der die Höhe zu
24 m und den Umfang zu 4,15 m bestimmte, hörte, dass der Baum
250 Jahre alt sei, eine Angabe, welche zu dem Alter der dortigen
Parkanlage recht gut stimmt.

Weitere Angaben, auch über Grössenverhältnisse, wird man in
den folgenden Spalten finden, in welchen ich versucht habe, das
Wissenswertheste über die in systematischer Ordnung aufgezählten
Nutzhölzer Japans kurz zusammenzufassen.

Fam. Gramineae, Abt. Bambusaceen.

Die grösseren, holzbildenden Arten Bambusrohre, welche hier allein
in Betracht kommen, führen den Collectivnamen Take, in Zusammen-
setzungen oft dake geschrieben, wofür auch die chinesisch-japanische
Form chiku*) viel gebraucht wird.

1. Bambusa arundinacea L. (Arundo Bambos L. & Thunb.), jap.
Ma-take, d. h. männliches Bambusrohr. Es ist die werthvollste und
am meisten cultivierte japanische Art, mit der häufig auch B. vulgaris
Wendl. vergesellschaftet vorkommt.**) Ihre cylindrischen Glieder sind
lang und gerade, das Holz ist fest und in hohem Grade widerstands-
fähig und dient zu vielerlei Zwecken. Ha-chiku scheint eine klei-
nere Abart zu sein. Ma-take erreicht in Japan 15--20 m Höhe und
45--50 cm Stammumfang, doch nur auf besonders günstigem Boden.
In schlechteren und höheren Lagen bleiben seine Dimensionen hinter
den angegebenen weit zurück.

2. B. agrestis Poir. (B. spinosa Roxb.), jap. Kan-chiku, wird
6--8 m hoch und über daumendick. Es ist ein starkes, dickwandiges
Rohr, das sich besonders durch seine dicken Knotenanschwellungen
auszeichnet. Man findet es häufig zu lebenden Hecken verwendet.

*) Da die meisten in Japan nie blühen und Samen bringen, ist ihre Bestimmung
und Identificierung mit bekannten indischen Arten schwer. Daher haben die Au-
toren von Werken über die japanische Flora sie entweder ganz übergangen, wie
Franchet und Savatier, oder sich mit der Anführung ihrer japanischen Namen be-
gnügt. Ich habe an der Hand der bekannten Abhandlung von Col. Munro: "A
Monograph of the Bambusaceae" in Transact. Linn. Soc. Vol. XXVI, pg. 1--159
eine Bestimmung versucht und übergebe hier mit aller Reserve das Resultat, in-
dem ich es einem Nachfolger überlassen muss, die schwierige Aufgabe besser zu
lösen und über diese interessante Frage mehr Licht zu verbreiten. --
**) Von den aus Indien stammenden Arten Bambusa haben diese beiden die
weiteste Verbreitung gefunden. Erstere wurde 1730 in die Gewächshäuser Eng-
lands eingeführt und war bis zum Jahre 1813 die einzige in denselben vorkom-
mende Art. In Westindien, auf den Mascarenen und anderwärts hat sich die Cul-
tur beider sehr verbreitet.

I. Land- und Forstwirthschaft.
welches ich kenne und Japan wahrscheinlich aufweisen kann, befindet
sich in einem Tempelhofe zu Nikko. Lehmann, der die Höhe zu
24 m und den Umfang zu 4,15 m bestimmte, hörte, dass der Baum
250 Jahre alt sei, eine Angabe, welche zu dem Alter der dortigen
Parkanlage recht gut stimmt.

Weitere Angaben, auch über Grössenverhältnisse, wird man in
den folgenden Spalten finden, in welchen ich versucht habe, das
Wissenswertheste über die in systematischer Ordnung aufgezählten
Nutzhölzer Japans kurz zusammenzufassen.

Fam. Gramineae, Abt. Bambusaceen.

Die grösseren, holzbildenden Arten Bambusrohre, welche hier allein
in Betracht kommen, führen den Collectivnamen Take, in Zusammen-
setzungen oft dake geschrieben, wofür auch die chinesisch-japanische
Form chiku*) viel gebraucht wird.

1. Bambusa arundinacea L. (Arundo Bambos L. & Thunb.), jap.
Ma-take, d. h. männliches Bambusrohr. Es ist die werthvollste und
am meisten cultivierte japanische Art, mit der häufig auch B. vulgaris
Wendl. vergesellschaftet vorkommt.**) Ihre cylindrischen Glieder sind
lang und gerade, das Holz ist fest und in hohem Grade widerstands-
fähig und dient zu vielerlei Zwecken. Ha-chiku scheint eine klei-
nere Abart zu sein. Ma-take erreicht in Japan 15—20 m Höhe und
45—50 cm Stammumfang, doch nur auf besonders günstigem Boden.
In schlechteren und höheren Lagen bleiben seine Dimensionen hinter
den angegebenen weit zurück.

2. B. agrestis Poir. (B. spinosa Roxb.), jap. Kan-chiku, wird
6—8 m hoch und über daumendick. Es ist ein starkes, dickwandiges
Rohr, das sich besonders durch seine dicken Knotenanschwellungen
auszeichnet. Man findet es häufig zu lebenden Hecken verwendet.

*) Da die meisten in Japan nie blühen und Samen bringen, ist ihre Bestimmung
und Identificierung mit bekannten indischen Arten schwer. Daher haben die Au-
toren von Werken über die japanische Flora sie entweder ganz übergangen, wie
Franchet und Savatier, oder sich mit der Anführung ihrer japanischen Namen be-
gnügt. Ich habe an der Hand der bekannten Abhandlung von Col. Munro: »A
Monograph of the Bambusaceae« in Transact. Linn. Soc. Vol. XXVI, pg. 1—159
eine Bestimmung versucht und übergebe hier mit aller Reserve das Resultat, in-
dem ich es einem Nachfolger überlassen muss, die schwierige Aufgabe besser zu
lösen und über diese interessante Frage mehr Licht zu verbreiten. —
**) Von den aus Indien stammenden Arten Bambusa haben diese beiden die
weiteste Verbreitung gefunden. Erstere wurde 1730 in die Gewächshäuser Eng-
lands eingeführt und war bis zum Jahre 1813 die einzige in denselben vorkom-
mende Art. In Westindien, auf den Mascarenen und anderwärts hat sich die Cul-
tur beider sehr verbreitet.
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[270/0294] I. Land- und Forstwirthschaft. welches ich kenne und Japan wahrscheinlich aufweisen kann, befindet sich in einem Tempelhofe zu Nikko. Lehmann, der die Höhe zu 24 m und den Umfang zu 4,15 m bestimmte, hörte, dass der Baum 250 Jahre alt sei, eine Angabe, welche zu dem Alter der dortigen Parkanlage recht gut stimmt. Weitere Angaben, auch über Grössenverhältnisse, wird man in den folgenden Spalten finden, in welchen ich versucht habe, das Wissenswertheste über die in systematischer Ordnung aufgezählten Nutzhölzer Japans kurz zusammenzufassen. Fam. Gramineae, Abt. Bambusaceen. Die grösseren, holzbildenden Arten Bambusrohre, welche hier allein in Betracht kommen, führen den Collectivnamen Take, in Zusammen- setzungen oft dake geschrieben, wofür auch die chinesisch-japanische Form chiku *) viel gebraucht wird. 1. Bambusa arundinacea L. (Arundo Bambos L. & Thunb.), jap. Ma-take, d. h. männliches Bambusrohr. Es ist die werthvollste und am meisten cultivierte japanische Art, mit der häufig auch B. vulgaris Wendl. vergesellschaftet vorkommt. **) Ihre cylindrischen Glieder sind lang und gerade, das Holz ist fest und in hohem Grade widerstands- fähig und dient zu vielerlei Zwecken. Ha-chiku scheint eine klei- nere Abart zu sein. Ma-take erreicht in Japan 15—20 m Höhe und 45—50 cm Stammumfang, doch nur auf besonders günstigem Boden. In schlechteren und höheren Lagen bleiben seine Dimensionen hinter den angegebenen weit zurück. 2. B. agrestis Poir. (B. spinosa Roxb.), jap. Kan-chiku, wird 6—8 m hoch und über daumendick. Es ist ein starkes, dickwandiges Rohr, das sich besonders durch seine dicken Knotenanschwellungen auszeichnet. Man findet es häufig zu lebenden Hecken verwendet. *) Da die meisten in Japan nie blühen und Samen bringen, ist ihre Bestimmung und Identificierung mit bekannten indischen Arten schwer. Daher haben die Au- toren von Werken über die japanische Flora sie entweder ganz übergangen, wie Franchet und Savatier, oder sich mit der Anführung ihrer japanischen Namen be- gnügt. Ich habe an der Hand der bekannten Abhandlung von Col. Munro: »A Monograph of the Bambusaceae« in Transact. Linn. Soc. Vol. XXVI, pg. 1—159 eine Bestimmung versucht und übergebe hier mit aller Reserve das Resultat, in- dem ich es einem Nachfolger überlassen muss, die schwierige Aufgabe besser zu lösen und über diese interessante Frage mehr Licht zu verbreiten. — **) Von den aus Indien stammenden Arten Bambusa haben diese beiden die weiteste Verbreitung gefunden. Erstere wurde 1730 in die Gewächshäuser Eng- lands eingeführt und war bis zum Jahre 1813 die einzige in denselben vorkom- mende Art. In Westindien, auf den Mascarenen und anderwärts hat sich die Cul- tur beider sehr verbreitet.

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Zitationshilfe: Rein, Johann Justus: Japan nach Reisen und Studien. Bd. 2. Leipzig, 1886, S. 270. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/rein_japan02_1886/294>, abgerufen am 15.04.2021.