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Rein, Johann Justus: Japan nach Reisen und Studien. Bd. 2. Leipzig, 1886.

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I. Land- und Forstwirthschaft.
panische Schirmtanne ist ein herrliches Nadelholz, steht einzig da in
ihrer Tracht und ist unstreitig eine der schönsten Arten, welche wir
Ostasien verdanken. Der eigentliche Name ist Kane-matsu, d. h.
Goldkiefer. Die Benennung Koya-maki erinnert an Maki (Podo-
carpus macrophylla), mit dem ihre Blätter einige Aehnlichkeit haben,
und an die Klosterstadt Koya in Kishiu, woselbst die Schirmtanne einen
prächtigen Hain bildet und auch sonst in der Nachbarschaft bei 400 bis
800 m Höhe in mehreren grösseren Beständen vorkommt. Der Baum ist
hier erwiesenermaassen überall nur angebaut. Er erreicht bei geradem
Wuchs und starker Verästelung, wie wir sie beispielsweise bei Pinus
Strobus finden, 20--24 m Höhe und 2--4 m Umfang. *) Die Zapfen
erinnern an Kiefern, ebenso die rissige Rinde älterer Bäume, sowie
die abstehenden Aeste. Aber die Form der Krone ist regelmässiger
kegelförmig, wie bei den meisten Abiesarten, und was den Bäumen
ihren besonderen eigenartigen Charakter verleiht, sind ihre Blätter.
Dieselben erscheinen quirlförmig gestellt, wie die Aeste und Zweige,
lang, wie die Nadeln von Kiefern, breit, dick und glänzend, grün,
wie bei Podocarpus. Das gelblichweisse, leichte, feinkörnige und
breitringige Holz gleicht am meisten dem verschiedener Abiesarten
und zeichnet sich nicht durch besonders werthvolle Eigenschaften aus.
Hierin mag der Grund liegen, wesshalb man die Schirmtanne ausser
auf dem Koya-san und um ihn herum fast nirgends als Waldbaum,
wohl aber hier und da zur Zierde angepflanzt findet.

Fam. Salicineae.

33. Salix japonica Thunb., jap. Yanagi. Das weiche, weisse
Holz dieser und einiger andern Weidenarten, wozu auch die als Zier-
pflanze vorkommende Trauerweide (Salix Babylonica L.), Shidare-
yanagi
(Hängeweide) genannt, zu rechnen ist, dient zur Darstellung
der Yo-ji oder Zahnbürsten. Auch werden Kinderspielsachen, wie
Schüsselchen, Becher etc. daraus gedreht. Der Verwendung der Wei-
den zu Flechtwerk wurde bereits Seite 204 gedacht.

34. Populus tremula L. (P. Sieboldi Miq.), jap. Yama-narashi
und Dorofu ist in den Bergwaldungen Japans, zumal auf Lichtungen
etwa vom 34. Breitengrad an nordwärts zu finden, wenn auch nicht so
häufig als in Europa. Das Holz wird kaum verwerthet.

*) Die irrige Angabe Siebold's, als bilde die Schirmtanne nur einen Strauch
von wenigen Metern Höhe, hat sich in manchen unserer Bücher wiederholt und
erhalten, obgleich schon längst durch Veitch die Entwickelung zum stattlichen
Baum nachgewiesen worden ist.

I. Land- und Forstwirthschaft.
panische Schirmtanne ist ein herrliches Nadelholz, steht einzig da in
ihrer Tracht und ist unstreitig eine der schönsten Arten, welche wir
Ostasien verdanken. Der eigentliche Name ist Kane-matsu, d. h.
Goldkiefer. Die Benennung Koya-maki erinnert an Maki (Podo-
carpus macrophylla), mit dem ihre Blätter einige Aehnlichkeit haben,
und an die Klosterstadt Koya in Kishiu, woselbst die Schirmtanne einen
prächtigen Hain bildet und auch sonst in der Nachbarschaft bei 400 bis
800 m Höhe in mehreren grösseren Beständen vorkommt. Der Baum ist
hier erwiesenermaassen überall nur angebaut. Er erreicht bei geradem
Wuchs und starker Verästelung, wie wir sie beispielsweise bei Pinus
Strobus finden, 20—24 m Höhe und 2—4 m Umfang. *) Die Zapfen
erinnern an Kiefern, ebenso die rissige Rinde älterer Bäume, sowie
die abstehenden Aeste. Aber die Form der Krone ist regelmässiger
kegelförmig, wie bei den meisten Abiesarten, und was den Bäumen
ihren besonderen eigenartigen Charakter verleiht, sind ihre Blätter.
Dieselben erscheinen quirlförmig gestellt, wie die Aeste und Zweige,
lang, wie die Nadeln von Kiefern, breit, dick und glänzend, grün,
wie bei Podocarpus. Das gelblichweisse, leichte, feinkörnige und
breitringige Holz gleicht am meisten dem verschiedener Abiesarten
und zeichnet sich nicht durch besonders werthvolle Eigenschaften aus.
Hierin mag der Grund liegen, wesshalb man die Schirmtanne ausser
auf dem Koya-san und um ihn herum fast nirgends als Waldbaum,
wohl aber hier und da zur Zierde angepflanzt findet.

Fam. Salicineae.

33. Salix japonica Thunb., jap. Yanagi. Das weiche, weisse
Holz dieser und einiger andern Weidenarten, wozu auch die als Zier-
pflanze vorkommende Trauerweide (Salix Babylonica L.), Shidare-
yanagi
(Hängeweide) genannt, zu rechnen ist, dient zur Darstellung
der Yo-ji oder Zahnbürsten. Auch werden Kinderspielsachen, wie
Schüsselchen, Becher etc. daraus gedreht. Der Verwendung der Wei-
den zu Flechtwerk wurde bereits Seite 204 gedacht.

34. Populus tremula L. (P. Sieboldi Miq.), jap. Yama-narashi
und Dorofu ist in den Bergwaldungen Japans, zumal auf Lichtungen
etwa vom 34. Breitengrad an nordwärts zu finden, wenn auch nicht so
häufig als in Europa. Das Holz wird kaum verwerthet.

*) Die irrige Angabe Siebold’s, als bilde die Schirmtanne nur einen Strauch
von wenigen Metern Höhe, hat sich in manchen unserer Bücher wiederholt und
erhalten, obgleich schon längst durch Veitch die Entwickelung zum stattlichen
Baum nachgewiesen worden ist.
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[284/0308] I. Land- und Forstwirthschaft. panische Schirmtanne ist ein herrliches Nadelholz, steht einzig da in ihrer Tracht und ist unstreitig eine der schönsten Arten, welche wir Ostasien verdanken. Der eigentliche Name ist Kane-matsu, d. h. Goldkiefer. Die Benennung Koya-maki erinnert an Maki (Podo- carpus macrophylla), mit dem ihre Blätter einige Aehnlichkeit haben, und an die Klosterstadt Koya in Kishiu, woselbst die Schirmtanne einen prächtigen Hain bildet und auch sonst in der Nachbarschaft bei 400 bis 800 m Höhe in mehreren grösseren Beständen vorkommt. Der Baum ist hier erwiesenermaassen überall nur angebaut. Er erreicht bei geradem Wuchs und starker Verästelung, wie wir sie beispielsweise bei Pinus Strobus finden, 20—24 m Höhe und 2—4 m Umfang. *) Die Zapfen erinnern an Kiefern, ebenso die rissige Rinde älterer Bäume, sowie die abstehenden Aeste. Aber die Form der Krone ist regelmässiger kegelförmig, wie bei den meisten Abiesarten, und was den Bäumen ihren besonderen eigenartigen Charakter verleiht, sind ihre Blätter. Dieselben erscheinen quirlförmig gestellt, wie die Aeste und Zweige, lang, wie die Nadeln von Kiefern, breit, dick und glänzend, grün, wie bei Podocarpus. Das gelblichweisse, leichte, feinkörnige und breitringige Holz gleicht am meisten dem verschiedener Abiesarten und zeichnet sich nicht durch besonders werthvolle Eigenschaften aus. Hierin mag der Grund liegen, wesshalb man die Schirmtanne ausser auf dem Koya-san und um ihn herum fast nirgends als Waldbaum, wohl aber hier und da zur Zierde angepflanzt findet. Fam. Salicineae. 33. Salix japonica Thunb., jap. Yanagi. Das weiche, weisse Holz dieser und einiger andern Weidenarten, wozu auch die als Zier- pflanze vorkommende Trauerweide (Salix Babylonica L.), Shidare- yanagi (Hängeweide) genannt, zu rechnen ist, dient zur Darstellung der Yo-ji oder Zahnbürsten. Auch werden Kinderspielsachen, wie Schüsselchen, Becher etc. daraus gedreht. Der Verwendung der Wei- den zu Flechtwerk wurde bereits Seite 204 gedacht. 34. Populus tremula L. (P. Sieboldi Miq.), jap. Yama-narashi und Dorofu ist in den Bergwaldungen Japans, zumal auf Lichtungen etwa vom 34. Breitengrad an nordwärts zu finden, wenn auch nicht so häufig als in Europa. Das Holz wird kaum verwerthet. *) Die irrige Angabe Siebold’s, als bilde die Schirmtanne nur einen Strauch von wenigen Metern Höhe, hat sich in manchen unserer Bücher wiederholt und erhalten, obgleich schon längst durch Veitch die Entwickelung zum stattlichen Baum nachgewiesen worden ist.

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Zitationshilfe: Rein, Johann Justus: Japan nach Reisen und Studien. Bd. 2. Leipzig, 1886, S. 284. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/rein_japan02_1886/308>, abgerufen am 11.04.2021.