Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

[Richardson, Samuel]: Clarissa. Bd. 3. Göttingen, 1749.

Bild:
<< vorherige Seite


Jch hoffe, daß Jhr nachdenckendes Gemüth sich
diesen Winck zu Nutze machen wird. Wer wollte
sich scheuen, ein grosses Uebel zu erdulden, wenn er
es für eine Wohlthat der mütterlichen Hände der
Vorsicht anzusehen hat, die dadurch ein grösseres
Uebel verhütet? sonderlich wenn uns unser Hertz
von allen tadelhaften Neigungen losspricht?

Erlauben Sie mir, noch eine Anmerckung zu
machen. Sie sehen aus meiner Nachricht, was
Jhre liebenswürdige Mutter vorhin hätte ausrich-
ten können, wenn sie sich gegen ein so liebenswürdi-
ges und unterdrücktes Kind als Mutter aufgeführet
hätte. Jch bin ewig

Jhre
Anna Howe.


Jn der Antwort auf den ersten von diesen
beyden Briefen beklaget sich die Fräulein
Harlowe darüber, daß ihr Rath bey ihrer
Freundin so wenig Eingang finde, und
daß diese ihrer Mutter so schlecht begeg-
ne. Obgleich die Briefe später geschrieben
sind, so wollen wir doch hier folgenden
Auszug daraus mittheilen.

Jch will das nicht wiederhohlen, was ich für
Herrn Hickmann geschrieben habe: sondern Jhnen
nur noch einmahl meine öfters gemachte Anmer-
ckung in das Gemüth bringen, daß Sie Jhre er-
ste Liebe überlebet haben.
Wenn daher Jhr
zweyter Liebhaber ein Engel wäre, so würde er Jh-
nen doch kaum mittelmäßig zu seyn scheinen.

Die


Jch hoffe, daß Jhr nachdenckendes Gemuͤth ſich
dieſen Winck zu Nutze machen wird. Wer wollte
ſich ſcheuen, ein groſſes Uebel zu erdulden, wenn er
es fuͤr eine Wohlthat der muͤtterlichen Haͤnde der
Vorſicht anzuſehen hat, die dadurch ein groͤſſeres
Uebel verhuͤtet? ſonderlich wenn uns unſer Hertz
von allen tadelhaften Neigungen losſpricht?

Erlauben Sie mir, noch eine Anmerckung zu
machen. Sie ſehen aus meiner Nachricht, was
Jhre liebenswuͤrdige Mutter vorhin haͤtte ausrich-
ten koͤnnen, wenn ſie ſich gegen ein ſo liebenswuͤrdi-
ges und unterdruͤcktes Kind als Mutter aufgefuͤhret
haͤtte. Jch bin ewig

Jhre
Anna Howe.


Jn der Antwort auf den erſten von dieſen
beyden Briefen beklaget ſich die Fraͤulein
Harlowe daruͤber, daß ihr Rath bey ihrer
Freundin ſo wenig Eingang finde, und
daß dieſe ihrer Mutter ſo ſchlecht begeg-
ne. Obgleich die Briefe ſpaͤter geſchrieben
ſind, ſo wollen wir doch hier folgenden
Auszug daraus mittheilen.

Jch will das nicht wiederhohlen, was ich fuͤr
Herrn Hickmann geſchrieben habe: ſondern Jhnen
nur noch einmahl meine oͤfters gemachte Anmer-
ckung in das Gemuͤth bringen, daß Sie Jhre er-
ſte Liebe uͤberlebet haben.
Wenn daher Jhr
zweyter Liebhaber ein Engel waͤre, ſo wuͤrde er Jh-
nen doch kaum mittelmaͤßig zu ſeyn ſcheinen.

Die
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <pb facs="#f0436" n="422"/>
          <milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
          <p>Jch hoffe, daß Jhr nachdenckendes Gemu&#x0364;th &#x017F;ich<lb/>
die&#x017F;en Winck zu Nutze machen wird. Wer wollte<lb/>
&#x017F;ich &#x017F;cheuen, ein gro&#x017F;&#x017F;es Uebel zu erdulden, wenn er<lb/>
es fu&#x0364;r eine Wohlthat der mu&#x0364;tterlichen Ha&#x0364;nde der<lb/>
Vor&#x017F;icht anzu&#x017F;ehen hat, die dadurch ein gro&#x0364;&#x017F;&#x017F;eres<lb/>
Uebel verhu&#x0364;tet? &#x017F;onderlich wenn uns un&#x017F;er Hertz<lb/>
von allen tadelhaften Neigungen los&#x017F;pricht?</p><lb/>
          <p>Erlauben Sie mir, noch eine Anmerckung zu<lb/>
machen. Sie &#x017F;ehen aus meiner Nachricht, was<lb/>
Jhre liebenswu&#x0364;rdige Mutter vorhin ha&#x0364;tte ausrich-<lb/>
ten ko&#x0364;nnen, wenn &#x017F;ie &#x017F;ich gegen ein &#x017F;o liebenswu&#x0364;rdi-<lb/>
ges und unterdru&#x0364;cktes Kind als Mutter aufgefu&#x0364;hret<lb/>
ha&#x0364;tte. Jch bin ewig</p><lb/>
          <closer>
            <salute> <hi rendition="#et">Jhre<lb/><hi rendition="#fr">Anna Howe.</hi></hi> </salute>
          </closer>
        </div><lb/>
        <milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
        <div>
          <p> <hi rendition="#fr">Jn der Antwort auf den er&#x017F;ten von die&#x017F;en<lb/>
beyden Briefen beklaget &#x017F;ich die Fra&#x0364;ulein<lb/>
Harlowe daru&#x0364;ber, daß ihr Rath bey ihrer<lb/>
Freundin &#x017F;o wenig Eingang finde, und<lb/>
daß die&#x017F;e ihrer Mutter &#x017F;o &#x017F;chlecht begeg-<lb/>
ne. Obgleich die Briefe &#x017F;pa&#x0364;ter ge&#x017F;chrieben<lb/>
&#x017F;ind, &#x017F;o wollen wir doch hier folgenden<lb/>
Auszug daraus mittheilen.</hi> </p><lb/>
          <floatingText>
            <body>
              <p>Jch will das nicht wiederhohlen, was ich fu&#x0364;r<lb/>
Herrn <hi rendition="#fr">Hickmann</hi> ge&#x017F;chrieben habe: &#x017F;ondern Jhnen<lb/>
nur noch einmahl meine o&#x0364;fters gemachte Anmer-<lb/>
ckung in das Gemu&#x0364;th bringen, <hi rendition="#fr">daß Sie Jhre er-<lb/>
&#x017F;te Liebe u&#x0364;berlebet haben.</hi> Wenn daher Jhr<lb/>
zweyter Liebhaber ein Engel wa&#x0364;re, &#x017F;o wu&#x0364;rde er Jh-<lb/>
nen doch kaum mittelma&#x0364;ßig zu &#x017F;eyn &#x017F;cheinen.</p><lb/>
              <fw place="bottom" type="catch">Die</fw><lb/>
            </body>
          </floatingText>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[422/0436] Jch hoffe, daß Jhr nachdenckendes Gemuͤth ſich dieſen Winck zu Nutze machen wird. Wer wollte ſich ſcheuen, ein groſſes Uebel zu erdulden, wenn er es fuͤr eine Wohlthat der muͤtterlichen Haͤnde der Vorſicht anzuſehen hat, die dadurch ein groͤſſeres Uebel verhuͤtet? ſonderlich wenn uns unſer Hertz von allen tadelhaften Neigungen losſpricht? Erlauben Sie mir, noch eine Anmerckung zu machen. Sie ſehen aus meiner Nachricht, was Jhre liebenswuͤrdige Mutter vorhin haͤtte ausrich- ten koͤnnen, wenn ſie ſich gegen ein ſo liebenswuͤrdi- ges und unterdruͤcktes Kind als Mutter aufgefuͤhret haͤtte. Jch bin ewig Jhre Anna Howe. Jn der Antwort auf den erſten von dieſen beyden Briefen beklaget ſich die Fraͤulein Harlowe daruͤber, daß ihr Rath bey ihrer Freundin ſo wenig Eingang finde, und daß dieſe ihrer Mutter ſo ſchlecht begeg- ne. Obgleich die Briefe ſpaͤter geſchrieben ſind, ſo wollen wir doch hier folgenden Auszug daraus mittheilen. Jch will das nicht wiederhohlen, was ich fuͤr Herrn Hickmann geſchrieben habe: ſondern Jhnen nur noch einmahl meine oͤfters gemachte Anmer- ckung in das Gemuͤth bringen, daß Sie Jhre er- ſte Liebe uͤberlebet haben. Wenn daher Jhr zweyter Liebhaber ein Engel waͤre, ſo wuͤrde er Jh- nen doch kaum mittelmaͤßig zu ſeyn ſcheinen. Die

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/richardson_clarissa03_1749
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/richardson_clarissa03_1749/436
Zitationshilfe: [Richardson, Samuel]: Clarissa. Bd. 3. Göttingen, 1749, S. 422. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/richardson_clarissa03_1749/436>, abgerufen am 18.04.2021.