Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

[Richardson, Samuel]: Clarissa. Bd. 7. Göttingen, 1751.

Bild:
<< vorherige Seite



ken und Aufmerksamkeit: und der wäre bey einer
Mannsperson, die noch in dem Stande der Prü-
fung stünde, nicht zu entschuldigen.

Er hoffete, daß er mehr, als einen Stand der
Prüfung, gehabt hätte, war seine Antwort.

Mochten sie denn deswegen nachläßiger
seyn, mein Herr? - - Auf die Art vermehren sie
die Nachläßigkeit noch mit Undank, und ma-
chen das, was sie zu ihrer Rechtfertigung für et-
was Zufälliges, welches selbst eine Entschuldi-
gung nöthig hat, ausgeben, zu einem Vorsatz,
der keine Entschuldigung verdienet.

Jch wollte ihn zween Tage über nicht sehen:
und er war so reuevoll und so demüthig, daß ich
mich beynahe selbst verlohren hätte, um es ihm
wieder gut zu machen. Denn, wie Sie bemer-
ket haben, ein Unwillen, der zu hoch getrieben
wird, lauft oft auf eine allzu demüthige Vergü-
tung hinaus.

Mich verlangt, näher bey Jhnen zu seyn: al-
lein das muß noch nicht seyn, wie es scheint. Ha-
ben Sie die Gewogenheit, wertheste Freundinn,
mir so oft, als Sie können, von Sich Nachricht
zu geben.

Der Himmel mehre Jhre Tröstungen und stelle
Jhre Gesundheit wieder her: das ist das Gebeth

Jhrer ewig getreuen und ergebenen
Anna Howe.

P. S. Entschuldigen Sie mich, daß ich nicht eher ge-
schrieben habe: es hat mich eine kleine Reise an
die Küsten, welche ich mir gefallen zu lassen ge-
nöthigt war, davon abgehalten.

Der
J 2



ken und Aufmerkſamkeit: und der waͤre bey einer
Mannsperſon, die noch in dem Stande der Pruͤ-
fung ſtuͤnde, nicht zu entſchuldigen.

Er hoffete, daß er mehr, als einen Stand der
Pruͤfung, gehabt haͤtte, war ſeine Antwort.

Mochten ſie denn deswegen nachlaͤßiger
ſeyn, mein Herr? ‒ ‒ Auf die Art vermehren ſie
die Nachlaͤßigkeit noch mit Undank, und ma-
chen das, was ſie zu ihrer Rechtfertigung fuͤr et-
was Zufaͤlliges, welches ſelbſt eine Entſchuldi-
gung noͤthig hat, ausgeben, zu einem Vorſatz,
der keine Entſchuldigung verdienet.

Jch wollte ihn zween Tage uͤber nicht ſehen:
und er war ſo reuevoll und ſo demuͤthig, daß ich
mich beynahe ſelbſt verlohren haͤtte, um es ihm
wieder gut zu machen. Denn, wie Sie bemer-
ket haben, ein Unwillen, der zu hoch getrieben
wird, lauft oft auf eine allzu demuͤthige Verguͤ-
tung hinaus.

Mich verlangt, naͤher bey Jhnen zu ſeyn: al-
lein das muß noch nicht ſeyn, wie es ſcheint. Ha-
ben Sie die Gewogenheit, wertheſte Freundinn,
mir ſo oft, als Sie koͤnnen, von Sich Nachricht
zu geben.

Der Himmel mehre Jhre Troͤſtungen und ſtelle
Jhre Geſundheit wieder her: das iſt das Gebeth

Jhrer ewig getreuen und ergebenen
Anna Howe.

P. S. Entſchuldigen Sie mich, daß ich nicht eher ge-
ſchrieben habe: es hat mich eine kleine Reiſe an
die Kuͤſten, welche ich mir gefallen zu laſſen ge-
noͤthigt war, davon abgehalten.

Der
J 2
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0137" n="131"/><milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
ken und Aufmerk&#x017F;amkeit: und der wa&#x0364;re bey einer<lb/>
Mannsper&#x017F;on, die noch in dem Stande der Pru&#x0364;-<lb/>
fung &#x017F;tu&#x0364;nde, nicht zu ent&#x017F;chuldigen.</p><lb/>
          <p>Er hoffete, daß er mehr, als einen Stand der<lb/><hi rendition="#fr">Pru&#x0364;fung,</hi> gehabt ha&#x0364;tte, war &#x017F;eine Antwort.</p><lb/>
          <p>Mochten &#x017F;ie denn deswegen <hi rendition="#fr">nachla&#x0364;ßiger</hi><lb/>
&#x017F;eyn, mein Herr? &#x2012; &#x2012; Auf die Art vermehren &#x017F;ie<lb/>
die <hi rendition="#fr">Nachla&#x0364;ßigkeit</hi> noch mit <hi rendition="#fr">Undank,</hi> und ma-<lb/>
chen das, was &#x017F;ie zu ihrer Rechtfertigung fu&#x0364;r et-<lb/>
was <hi rendition="#fr">Zufa&#x0364;lliges,</hi> welches <hi rendition="#fr">&#x017F;elb&#x017F;t</hi> eine Ent&#x017F;chuldi-<lb/>
gung no&#x0364;thig hat, ausgeben, zu einem <hi rendition="#fr">Vor&#x017F;atz,</hi><lb/>
der keine Ent&#x017F;chuldigung verdienet.</p><lb/>
          <p>Jch wollte ihn zween Tage u&#x0364;ber nicht &#x017F;ehen:<lb/>
und er war &#x017F;o reuevoll und &#x017F;o demu&#x0364;thig, daß ich<lb/>
mich beynahe &#x017F;elb&#x017F;t verlohren ha&#x0364;tte, um es ihm<lb/>
wieder gut zu machen. Denn, wie Sie bemer-<lb/>
ket haben, ein Unwillen, der zu hoch getrieben<lb/>
wird, lauft oft auf eine allzu demu&#x0364;thige Vergu&#x0364;-<lb/>
tung hinaus.</p><lb/>
          <p>Mich verlangt, na&#x0364;her bey Jhnen zu &#x017F;eyn: al-<lb/>
lein das muß noch nicht &#x017F;eyn, wie es &#x017F;cheint. Ha-<lb/>
ben Sie die Gewogenheit, werthe&#x017F;te Freundinn,<lb/>
mir &#x017F;o oft, als Sie ko&#x0364;nnen, von Sich Nachricht<lb/>
zu geben.</p><lb/>
          <p>Der Himmel mehre Jhre Tro&#x0364;&#x017F;tungen und &#x017F;telle<lb/>
Jhre Ge&#x017F;undheit wieder her: das i&#x017F;t das Gebeth</p><lb/>
          <closer>
            <salute> <hi rendition="#et">Jhrer ewig getreuen und ergebenen<lb/><hi rendition="#fr">Anna Howe.</hi></hi> </salute>
          </closer><lb/>
          <postscript>
            <p><hi rendition="#aq">P. S.</hi> Ent&#x017F;chuldigen Sie mich, daß ich nicht eher ge-<lb/>
&#x017F;chrieben habe: es hat mich eine kleine Rei&#x017F;e an<lb/>
die Ku&#x0364;&#x017F;ten, welche ich mir gefallen zu la&#x017F;&#x017F;en ge-<lb/>
no&#x0364;thigt war, davon abgehalten.</p>
          </postscript>
        </div><lb/>
        <fw place="bottom" type="sig">J 2</fw>
        <fw place="bottom" type="catch"> <hi rendition="#fr">Der</hi> </fw><lb/>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[131/0137] ken und Aufmerkſamkeit: und der waͤre bey einer Mannsperſon, die noch in dem Stande der Pruͤ- fung ſtuͤnde, nicht zu entſchuldigen. Er hoffete, daß er mehr, als einen Stand der Pruͤfung, gehabt haͤtte, war ſeine Antwort. Mochten ſie denn deswegen nachlaͤßiger ſeyn, mein Herr? ‒ ‒ Auf die Art vermehren ſie die Nachlaͤßigkeit noch mit Undank, und ma- chen das, was ſie zu ihrer Rechtfertigung fuͤr et- was Zufaͤlliges, welches ſelbſt eine Entſchuldi- gung noͤthig hat, ausgeben, zu einem Vorſatz, der keine Entſchuldigung verdienet. Jch wollte ihn zween Tage uͤber nicht ſehen: und er war ſo reuevoll und ſo demuͤthig, daß ich mich beynahe ſelbſt verlohren haͤtte, um es ihm wieder gut zu machen. Denn, wie Sie bemer- ket haben, ein Unwillen, der zu hoch getrieben wird, lauft oft auf eine allzu demuͤthige Verguͤ- tung hinaus. Mich verlangt, naͤher bey Jhnen zu ſeyn: al- lein das muß noch nicht ſeyn, wie es ſcheint. Ha- ben Sie die Gewogenheit, wertheſte Freundinn, mir ſo oft, als Sie koͤnnen, von Sich Nachricht zu geben. Der Himmel mehre Jhre Troͤſtungen und ſtelle Jhre Geſundheit wieder her: das iſt das Gebeth Jhrer ewig getreuen und ergebenen Anna Howe. P. S. Entſchuldigen Sie mich, daß ich nicht eher ge- ſchrieben habe: es hat mich eine kleine Reiſe an die Kuͤſten, welche ich mir gefallen zu laſſen ge- noͤthigt war, davon abgehalten. Der J 2

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/richardson_clarissa07_1751
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/richardson_clarissa07_1751/137
Zitationshilfe: [Richardson, Samuel]: Clarissa. Bd. 7. Göttingen, 1751, S. 131. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/richardson_clarissa07_1751/137>, abgerufen am 28.02.2024.