Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

[Richardson, Samuel]: Clarissa. Bd. 7. Göttingen, 1751.

Bild:
<< vorherige Seite



zu Dank gemachet habe. Denn ich würde es kei-
nesweges gerne sehen, wenn man gedächte, daß
bey meiner letzten Verordnung irgend etwas einer
Tochter, einer Schwester oder einer Base unan-
ständiges in einem Gemüthe, welches, wie ich mich
unterstehe zu sagen, der Wahrheit nach so frey von
allem Unwillen ist, daß es itzo von Dankbarkeit
für das Gute, das ich empfangen habe, überfließet,
ob es gleich nicht alles ist, was mein Herz zu em-
pfangen gewünschet hat. Wäre es auch eine
Härte, daß mir nicht mehr zugestanden ist: was
ist es denn wohl anders, als eine Härte von einem
halben Jahre, die gegen die liebreichste Güte
von achtzehn und einem halben Jahre, welche je-
mahls einer Tochter bewiesen ist, gehalten werden
muß?

Mein Vetter, melden Sie mir, glaubet, daß
ich nicht auf meiner Huth gewesen, und bey einem
oder dem andern Vortheil, den ich über mich
eingeräumet hätte, gefangen sey. Jn Wahrheit,
meine liebe Freundinn, das ist nicht geschehen. Jn
Wahrheit, ich habe keine Vortheile über mich ein-
geräumet. Jch hoffe, daß man dieses dereinst
sehen werde: wo mir die Gerechtigkeit widerfäh-
ret, von welcher mir Herr Belford Versicherung
giebet.

Jch sollte hoffen, daß mein Vetter sich nicht
die Freyheiten genommen habe, derer Sie ihn,
bey einer nicht ungegründeten Anmerkung zu be-
schuldigen scheinen. Denn es ist seltsam zu ge-
denken, daß das männliche Geschlecht überhaupt

solche



zu Dank gemachet habe. Denn ich wuͤrde es kei-
nesweges gerne ſehen, wenn man gedaͤchte, daß
bey meiner letzten Verordnung irgend etwas einer
Tochter, einer Schweſter oder einer Baſe unan-
ſtaͤndiges in einem Gemuͤthe, welches, wie ich mich
unterſtehe zu ſagen, der Wahrheit nach ſo frey von
allem Unwillen iſt, daß es itzo von Dankbarkeit
fuͤr das Gute, das ich empfangen habe, uͤberfließet,
ob es gleich nicht alles iſt, was mein Herz zu em-
pfangen gewuͤnſchet hat. Waͤre es auch eine
Haͤrte, daß mir nicht mehr zugeſtanden iſt: was
iſt es denn wohl anders, als eine Haͤrte von einem
halben Jahre, die gegen die liebreichſte Guͤte
von achtzehn und einem halben Jahre, welche je-
mahls einer Tochter bewieſen iſt, gehalten werden
muß?

Mein Vetter, melden Sie mir, glaubet, daß
ich nicht auf meiner Huth geweſen, und bey einem
oder dem andern Vortheil, den ich uͤber mich
eingeraͤumet haͤtte, gefangen ſey. Jn Wahrheit,
meine liebe Freundinn, das iſt nicht geſchehen. Jn
Wahrheit, ich habe keine Vortheile uͤber mich ein-
geraͤumet. Jch hoffe, daß man dieſes dereinſt
ſehen werde: wo mir die Gerechtigkeit widerfaͤh-
ret, von welcher mir Herr Belford Verſicherung
giebet.

Jch ſollte hoffen, daß mein Vetter ſich nicht
die Freyheiten genommen habe, derer Sie ihn,
bey einer nicht ungegruͤndeten Anmerkung zu be-
ſchuldigen ſcheinen. Denn es iſt ſeltſam zu ge-
denken, daß das maͤnnliche Geſchlecht uͤberhaupt

ſolche
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0323" n="317"/><milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
zu Dank gemachet habe. Denn ich wu&#x0364;rde es kei-<lb/>
nesweges gerne &#x017F;ehen, wenn man geda&#x0364;chte, daß<lb/>
bey meiner letzten Verordnung irgend etwas einer<lb/>
Tochter, einer Schwe&#x017F;ter oder einer Ba&#x017F;e unan-<lb/>
&#x017F;ta&#x0364;ndiges in einem Gemu&#x0364;the, welches, wie ich mich<lb/>
unter&#x017F;tehe zu &#x017F;agen, der Wahrheit nach &#x017F;o frey von<lb/>
allem Unwillen i&#x017F;t, daß es itzo von Dankbarkeit<lb/>
fu&#x0364;r das Gute, das ich empfangen <hi rendition="#fr">habe,</hi> u&#x0364;berfließet,<lb/>
ob es gleich nicht alles i&#x017F;t, was mein Herz zu em-<lb/>
pfangen gewu&#x0364;n&#x017F;chet hat. Wa&#x0364;re es auch eine<lb/><hi rendition="#fr">Ha&#x0364;rte,</hi> daß mir nicht mehr zuge&#x017F;tanden i&#x017F;t: was<lb/>
i&#x017F;t es denn wohl anders, als eine Ha&#x0364;rte von einem<lb/>
halben Jahre, die gegen die <hi rendition="#fr">liebreich&#x017F;te</hi> Gu&#x0364;te<lb/>
von achtzehn und einem halben Jahre, welche je-<lb/>
mahls einer Tochter bewie&#x017F;en i&#x017F;t, gehalten werden<lb/>
muß?</p><lb/>
            <p>Mein Vetter, melden Sie mir, glaubet, daß<lb/>
ich nicht auf meiner Huth gewe&#x017F;en, und bey einem<lb/>
oder dem andern Vortheil, den ich u&#x0364;ber mich<lb/>
eingera&#x0364;umet ha&#x0364;tte, gefangen &#x017F;ey. Jn Wahrheit,<lb/>
meine liebe Freundinn, das i&#x017F;t nicht ge&#x017F;chehen. Jn<lb/>
Wahrheit, ich habe keine Vortheile u&#x0364;ber mich ein-<lb/>
gera&#x0364;umet. Jch hoffe, daß man die&#x017F;es derein&#x017F;t<lb/>
&#x017F;ehen werde: wo mir die Gerechtigkeit widerfa&#x0364;h-<lb/>
ret, von welcher mir Herr Belford Ver&#x017F;icherung<lb/>
giebet.</p><lb/>
            <p>Jch &#x017F;ollte hoffen, daß mein Vetter &#x017F;ich nicht<lb/>
die Freyheiten genommen habe, derer Sie ihn,<lb/>
bey einer nicht ungegru&#x0364;ndeten Anmerkung zu be-<lb/>
&#x017F;chuldigen &#x017F;cheinen. Denn es i&#x017F;t &#x017F;elt&#x017F;am zu ge-<lb/>
denken, daß das ma&#x0364;nnliche Ge&#x017F;chlecht u&#x0364;berhaupt<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">&#x017F;olche</fw><lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[317/0323] zu Dank gemachet habe. Denn ich wuͤrde es kei- nesweges gerne ſehen, wenn man gedaͤchte, daß bey meiner letzten Verordnung irgend etwas einer Tochter, einer Schweſter oder einer Baſe unan- ſtaͤndiges in einem Gemuͤthe, welches, wie ich mich unterſtehe zu ſagen, der Wahrheit nach ſo frey von allem Unwillen iſt, daß es itzo von Dankbarkeit fuͤr das Gute, das ich empfangen habe, uͤberfließet, ob es gleich nicht alles iſt, was mein Herz zu em- pfangen gewuͤnſchet hat. Waͤre es auch eine Haͤrte, daß mir nicht mehr zugeſtanden iſt: was iſt es denn wohl anders, als eine Haͤrte von einem halben Jahre, die gegen die liebreichſte Guͤte von achtzehn und einem halben Jahre, welche je- mahls einer Tochter bewieſen iſt, gehalten werden muß? Mein Vetter, melden Sie mir, glaubet, daß ich nicht auf meiner Huth geweſen, und bey einem oder dem andern Vortheil, den ich uͤber mich eingeraͤumet haͤtte, gefangen ſey. Jn Wahrheit, meine liebe Freundinn, das iſt nicht geſchehen. Jn Wahrheit, ich habe keine Vortheile uͤber mich ein- geraͤumet. Jch hoffe, daß man dieſes dereinſt ſehen werde: wo mir die Gerechtigkeit widerfaͤh- ret, von welcher mir Herr Belford Verſicherung giebet. Jch ſollte hoffen, daß mein Vetter ſich nicht die Freyheiten genommen habe, derer Sie ihn, bey einer nicht ungegruͤndeten Anmerkung zu be- ſchuldigen ſcheinen. Denn es iſt ſeltſam zu ge- denken, daß das maͤnnliche Geſchlecht uͤberhaupt ſolche

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/richardson_clarissa07_1751
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/richardson_clarissa07_1751/323
Zitationshilfe: [Richardson, Samuel]: Clarissa. Bd. 7. Göttingen, 1751, S. 317. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/richardson_clarissa07_1751/323>, abgerufen am 12.04.2024.