Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

[Richardson, Samuel]: Clarissa. Bd. 7. Göttingen, 1751.

Bild:
<< vorherige Seite



nahe das Herz abgestoßen und die Augen ver-
derbet.

Jch bin, ob gleich auf eine angenehme Art,
in bestürzungsvolle Verwunderung gesetzt, daß
Sie so bald und so glücklich den Theil der über-
nommenen Testamentsverwesung, der die Fami-
lie angehet, zu Stande gebracht haben.

Nach dem Ende der zwo mitschuldigen Per-
sonen, der bey den Werkzeuge des höllischen Kerls,
welches Sie berühren, ist zu vermuthen, daß der
Donnerkeil nicht eben kurz vor der Hauptperson
niederfallen werde. Jch empfinde in der That
ein Vergnügen, wenn ich gedenke, daß er bis auf
den verfluchten Kopf, der alles dieß Unglück durch
seine ausgedachte Ränke zuwege gebracht hat,
fortrollet. Jnzwischen muß ich doch sagen, daß,
ob ich gleich glaube, Herr Morden habe in seinen
Gründen Rache zu suchen, nicht gar Unrecht, da
er der lieben Fräulein Vetter und Vormund ist,
ich dennoch dafür halte, daß Sie sehr wohl thun,
wenn Sie es ihm widerrathen, da Jhnen die Voll-
ziehung ihres Testaments aufgetragen ist, und
Sie ihrem ernstlichen Verlangen darinn gemäß
handeln.

Aber was für ein Brief ist es, den der hölli-
sche Kerl geschrieben hat! Jch kann keine Auf-
merksamkeit dabey behalten: und eben so wenig
bey den hinterlassenen Briefen meiner werthen
Freundinn; sonderlich bey dem, der an ihn ge-
richtet ist. O! Herr Belford, was für unzäh-

lige



nahe das Herz abgeſtoßen und die Augen ver-
derbet.

Jch bin, ob gleich auf eine angenehme Art,
in beſtuͤrzungsvolle Verwunderung geſetzt, daß
Sie ſo bald und ſo gluͤcklich den Theil der uͤber-
nommenen Teſtamentsverweſung, der die Fami-
lie angehet, zu Stande gebracht haben.

Nach dem Ende der zwo mitſchuldigen Per-
ſonen, der bey den Werkzeuge des hoͤlliſchen Kerls,
welches Sie beruͤhren, iſt zu vermuthen, daß der
Donnerkeil nicht eben kurz vor der Hauptperſon
niederfallen werde. Jch empfinde in der That
ein Vergnuͤgen, wenn ich gedenke, daß er bis auf
den verfluchten Kopf, der alles dieß Ungluͤck durch
ſeine ausgedachte Raͤnke zuwege gebracht hat,
fortrollet. Jnzwiſchen muß ich doch ſagen, daß,
ob ich gleich glaube, Herr Morden habe in ſeinen
Gruͤnden Rache zu ſuchen, nicht gar Unrecht, da
er der lieben Fraͤulein Vetter und Vormund iſt,
ich dennoch dafuͤr halte, daß Sie ſehr wohl thun,
wenn Sie es ihm widerrathen, da Jhnen die Voll-
ziehung ihres Teſtaments aufgetragen iſt, und
Sie ihrem ernſtlichen Verlangen darinn gemaͤß
handeln.

Aber was fuͤr ein Brief iſt es, den der hoͤlli-
ſche Kerl geſchrieben hat! Jch kann keine Auf-
merkſamkeit dabey behalten: und eben ſo wenig
bey den hinterlaſſenen Briefen meiner werthen
Freundinn; ſonderlich bey dem, der an ihn ge-
richtet iſt. O! Herr Belford, was fuͤr unzaͤh-

lige
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0770" n="764"/><milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
nahe das Herz abge&#x017F;toßen und die Augen ver-<lb/>
derbet.</p><lb/>
          <p>Jch bin, ob gleich auf eine angenehme Art,<lb/>
in be&#x017F;tu&#x0364;rzungsvolle Verwunderung ge&#x017F;etzt, daß<lb/>
Sie &#x017F;o bald und &#x017F;o glu&#x0364;cklich den Theil der u&#x0364;ber-<lb/>
nommenen Te&#x017F;tamentsverwe&#x017F;ung, der die Fami-<lb/>
lie angehet, zu Stande gebracht haben.</p><lb/>
          <p>Nach dem Ende der zwo mit&#x017F;chuldigen Per-<lb/>
&#x017F;onen, der bey den Werkzeuge des ho&#x0364;lli&#x017F;chen Kerls,<lb/>
welches Sie beru&#x0364;hren, i&#x017F;t zu vermuthen, daß der<lb/>
Donnerkeil nicht eben kurz vor der Hauptper&#x017F;on<lb/>
niederfallen werde. Jch empfinde in der That<lb/>
ein Vergnu&#x0364;gen, wenn ich gedenke, daß er bis auf<lb/>
den verfluchten Kopf, der alles dieß Unglu&#x0364;ck durch<lb/>
&#x017F;eine ausgedachte Ra&#x0364;nke zuwege gebracht hat,<lb/>
fortrollet. Jnzwi&#x017F;chen muß ich doch &#x017F;agen, daß,<lb/>
ob ich gleich glaube, Herr Morden habe in &#x017F;einen<lb/>
Gru&#x0364;nden Rache zu &#x017F;uchen, nicht gar Unrecht, da<lb/>
er der lieben Fra&#x0364;ulein Vetter und Vormund i&#x017F;t,<lb/>
ich dennoch dafu&#x0364;r halte, daß Sie &#x017F;ehr wohl thun,<lb/>
wenn Sie es ihm widerrathen, da Jhnen die Voll-<lb/>
ziehung ihres Te&#x017F;taments aufgetragen i&#x017F;t, und<lb/>
Sie ihrem ern&#x017F;tlichen Verlangen darinn gema&#x0364;ß<lb/>
handeln.</p><lb/>
          <p>Aber was fu&#x0364;r ein Brief i&#x017F;t es, den der ho&#x0364;lli-<lb/>
&#x017F;che Kerl ge&#x017F;chrieben hat! Jch kann keine Auf-<lb/>
merk&#x017F;amkeit dabey behalten: und eben &#x017F;o wenig<lb/>
bey den hinterla&#x017F;&#x017F;enen Briefen meiner werthen<lb/>
Freundinn; &#x017F;onderlich bey dem, der an ihn ge-<lb/>
richtet i&#x017F;t. O! Herr Belford, was fu&#x0364;r unza&#x0364;h-<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">lige</fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[764/0770] nahe das Herz abgeſtoßen und die Augen ver- derbet. Jch bin, ob gleich auf eine angenehme Art, in beſtuͤrzungsvolle Verwunderung geſetzt, daß Sie ſo bald und ſo gluͤcklich den Theil der uͤber- nommenen Teſtamentsverweſung, der die Fami- lie angehet, zu Stande gebracht haben. Nach dem Ende der zwo mitſchuldigen Per- ſonen, der bey den Werkzeuge des hoͤlliſchen Kerls, welches Sie beruͤhren, iſt zu vermuthen, daß der Donnerkeil nicht eben kurz vor der Hauptperſon niederfallen werde. Jch empfinde in der That ein Vergnuͤgen, wenn ich gedenke, daß er bis auf den verfluchten Kopf, der alles dieß Ungluͤck durch ſeine ausgedachte Raͤnke zuwege gebracht hat, fortrollet. Jnzwiſchen muß ich doch ſagen, daß, ob ich gleich glaube, Herr Morden habe in ſeinen Gruͤnden Rache zu ſuchen, nicht gar Unrecht, da er der lieben Fraͤulein Vetter und Vormund iſt, ich dennoch dafuͤr halte, daß Sie ſehr wohl thun, wenn Sie es ihm widerrathen, da Jhnen die Voll- ziehung ihres Teſtaments aufgetragen iſt, und Sie ihrem ernſtlichen Verlangen darinn gemaͤß handeln. Aber was fuͤr ein Brief iſt es, den der hoͤlli- ſche Kerl geſchrieben hat! Jch kann keine Auf- merkſamkeit dabey behalten: und eben ſo wenig bey den hinterlaſſenen Briefen meiner werthen Freundinn; ſonderlich bey dem, der an ihn ge- richtet iſt. O! Herr Belford, was fuͤr unzaͤh- lige

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/richardson_clarissa07_1751
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/richardson_clarissa07_1751/770
Zitationshilfe: [Richardson, Samuel]: Clarissa. Bd. 7. Göttingen, 1751, S. 764. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/richardson_clarissa07_1751/770>, abgerufen am 20.02.2024.