Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Clara, Abraham a Sancta: Judas Der Ertz-Schelm. Bd. 1. Salzburg, 1686.

Bild:
<< vorherige Seite

welche doch Christus gewendet.
umb? Hauer vnd Bauer fragt nicht mehr/ warumb dises
vnd jenes Ubel dich überfallen? sondern schreib es deinen
Sünden zu. Es hat einmahl einer vil Jahr mit gröster
Treuheit vnd Frombkeit seinem Herrn gedienet/ vnd war
beynebens ein Gottseeliger Mensch/ vnnd aller Gotts-
forcht ergeben. Disem aber hat einest der Herr auß über-
mässigen Zorn einen Fuß abgehaut in einem Wald/ vnd
also elend lassen ligen/ biß endlich durch sein grosses Ge-
schray/ vnd Weheklagen ein heiliger Eremit/ welcher in
derselben Einöde wohnte/ zu ihm kommen/ vnd bester-
massen dem armen Tropffen in seinem Hüttl gewartet.
Es kont sich aber der Gottseelige Einsidler nicht genug-
samb verwundern/ daß GOtt über disen so H. Menschen
ein so grosses Elend verhengt habe/ vnd wolte schier im
Zweiffel stehen/ als ob GOtt hierinfahls vngerecht ware.
GOtt der Allmächtige aber hat ihn bald durch einen Engel
vnderrichtet/ daß solches Ubel disem Menschen gar recht
seye widerfahren/ dann ob er schon dermahlen fromm/ vndMans. lit.
P. fol.
432.

heilig gelebt/ so habe er dannoch vor vilen Jahren einmahl
auff dem Weeg mit disem Fuß sein Mutter vom Wagen
herab gestossen. Derenthalben sey ihm anjetzo dises Elend
widerfahren. Auß welchem dann sattsamb erhellet/ daß
vnsers Elends eintzige Mutter seye die Sünd: vnsers Un-
sterns eintzige Wurtzel seye die Sünd. Etliche edleste Pro-
vintzen/ vnd Landschafften seynd in disen 600. Jahren
durch grosse Kriegs-Empörungen auß Länderen Elender
worden/ vnd ligen anjetzo im Aschen/ vnd sicht man nichts
als einen lautern Aschermittwoch. Aber glaub du mir/ daß
sie dermahlen einen so traurigen Ascher-Mittwochen ce-
lebrieren/ ist die Ursach/ weilen sie zuvor ein gar zu
lustige vnd übermüthige Faßnacht
begangen.

War-
K k k k

welche doch Chriſtus gewendet.
umb? Hauer vnd Bauer fragt nicht mehr/ warumb diſes
vnd jenes Ubel dich uͤberfallen? ſondern ſchreib es deinen
Suͤnden zu. Es hat einmahl einer vil Jahr mit groͤſter
Treuheit vnd Frombkeit ſeinem Herꝛn gedienet/ vnd war
beynebens ein Gottſeeliger Menſch/ vnnd aller Gotts-
forcht ergeben. Diſem aber hat eineſt der Herꝛ auß uͤber-
maͤſſigen Zorn einen Fuß abgehaut in einem Wald/ vnd
alſo elend laſſen ligen/ biß endlich durch ſein groſſes Ge-
ſchray/ vnd Weheklagen ein heiliger Eremit/ welcher in
derſelben Einoͤde wohnte/ zu ihm kommen/ vnd beſter-
maſſen dem armen Tropffen in ſeinem Huͤttl gewartet.
Es kont ſich aber der Gottſeelige Einſidler nicht genug-
ſamb verwundern/ daß GOtt uͤber diſen ſo H. Menſchen
ein ſo groſſes Elend verhengt habe/ vnd wolte ſchier im
Zweiffel ſtehen/ als ob GOtt hierinfahls vngerecht ware.
GOtt der Allmaͤchtige aber hat ihn bald durch einen Engel
vnderrichtet/ daß ſolches Ubel diſem Menſchen gar recht
ſeye widerfahren/ dann ob er ſchon dermahlen fromm/ vndMans. lit.
P. fol.
432.

heilig gelebt/ ſo habe er dannoch vor vilen Jahren einmahl
auff dem Weeg mit diſem Fuß ſein Mutter vom Wagen
herab geſtoſſen. Derenthalben ſey ihm anjetzo diſes Elend
widerfahren. Auß welchem dann ſattſamb erhellet/ daß
vnſers Elends eintzige Mutter ſeye die Suͤnd: vnſers Un-
ſterns eintzige Wurtzel ſeye die Suͤnd. Etliche edleſte Pro-
vintzen/ vnd Landſchafften ſeynd in diſen 600. Jahren
durch groſſe Kriegs-Empoͤrungen auß Laͤnderen Elender
worden/ vnd ligen anjetzo im Aſchen/ vnd ſicht man nichts
als einen lautern Aſchermittwoch. Aber glaub du mir/ daß
ſie dermahlen einen ſo traurigen Aſcher-Mittwochen ce-
lebrieren/ iſt die Urſach/ weilen ſie zuvor ein gar zu
luſtige vnd uͤbermuͤthige Faßnacht
begangen.

War-
K k k k
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <p><pb facs="#f0661" n="625"/><fw place="top" type="header">welche doch Chri&#x017F;tus gewendet.</fw><lb/>
umb? Hauer vnd Bauer fragt nicht mehr/ warumb di&#x017F;es<lb/>
vnd jenes Ubel dich u&#x0364;berfallen? &#x017F;ondern &#x017F;chreib es deinen<lb/>
Su&#x0364;nden zu. Es hat einmahl einer vil Jahr mit gro&#x0364;&#x017F;ter<lb/>
Treuheit vnd Frombkeit &#x017F;einem Her&#xA75B;n gedienet/ vnd war<lb/>
beynebens ein Gott&#x017F;eeliger Men&#x017F;ch/ vnnd aller Gotts-<lb/>
forcht ergeben. Di&#x017F;em aber hat eine&#x017F;t der Her&#xA75B; auß u&#x0364;ber-<lb/>
ma&#x0364;&#x017F;&#x017F;igen Zorn einen Fuß abgehaut in einem Wald/ vnd<lb/>
al&#x017F;o elend la&#x017F;&#x017F;en ligen/ biß endlich durch &#x017F;ein gro&#x017F;&#x017F;es Ge-<lb/>
&#x017F;chray/ vnd Weheklagen ein heiliger Eremit/ welcher in<lb/>
der&#x017F;elben Eino&#x0364;de wohnte/ zu ihm kommen/ vnd be&#x017F;ter-<lb/>
ma&#x017F;&#x017F;en dem armen Tropffen in &#x017F;einem Hu&#x0364;ttl gewartet.<lb/>
Es kont &#x017F;ich aber der Gott&#x017F;eelige Ein&#x017F;idler nicht genug-<lb/>
&#x017F;amb verwundern/ daß GOtt u&#x0364;ber di&#x017F;en &#x017F;o H. Men&#x017F;chen<lb/>
ein &#x017F;o gro&#x017F;&#x017F;es Elend verhengt habe/ vnd wolte &#x017F;chier im<lb/>
Zweiffel &#x017F;tehen/ als ob GOtt hierinfahls vngerecht ware.<lb/>
GOtt der Allma&#x0364;chtige aber hat ihn bald durch einen Engel<lb/>
vnderrichtet/ daß &#x017F;olches Ubel di&#x017F;em Men&#x017F;chen gar recht<lb/>
&#x017F;eye widerfahren/ dann ob er &#x017F;chon dermahlen fromm/ vnd<note place="right"><hi rendition="#aq">Mans. lit.<lb/>
P. fol.</hi> 432.</note><lb/>
heilig gelebt/ &#x017F;o habe er dannoch vor vilen Jahren einmahl<lb/>
auff dem Weeg mit di&#x017F;em Fuß &#x017F;ein Mutter vom Wagen<lb/>
herab ge&#x017F;to&#x017F;&#x017F;en. Derenthalben &#x017F;ey ihm anjetzo di&#x017F;es Elend<lb/>
widerfahren. Auß welchem dann &#x017F;att&#x017F;amb erhellet/ daß<lb/>
vn&#x017F;ers Elends eintzige Mutter &#x017F;eye die Su&#x0364;nd: vn&#x017F;ers Un-<lb/>
&#x017F;terns eintzige Wurtzel &#x017F;eye die Su&#x0364;nd. Etliche edle&#x017F;te Pro-<lb/>
vintzen/ vnd Land&#x017F;chafften &#x017F;eynd in di&#x017F;en 600. Jahren<lb/>
durch gro&#x017F;&#x017F;e Kriegs-Empo&#x0364;rungen auß La&#x0364;nderen Elender<lb/>
worden/ vnd ligen anjetzo im A&#x017F;chen/ vnd &#x017F;icht man nichts<lb/>
als einen lautern A&#x017F;chermittwoch. Aber glaub du mir/ daß<lb/>
&#x017F;ie dermahlen einen &#x017F;o traurigen A&#x017F;cher-Mittwochen <hi rendition="#aq">ce-</hi><lb/><hi rendition="#c"><hi rendition="#aq">lebrie</hi>ren/ i&#x017F;t die Ur&#x017F;ach/ weilen &#x017F;ie zuvor ein gar zu<lb/>
lu&#x017F;tige vnd u&#x0364;bermu&#x0364;thige Faßnacht<lb/>
begangen.</hi></p>
      </div><lb/>
      <fw place="bottom" type="sig">K k k k</fw>
      <fw place="bottom" type="catch">War-</fw><lb/>
    </body>
  </text>
</TEI>
[625/0661] welche doch Chriſtus gewendet. umb? Hauer vnd Bauer fragt nicht mehr/ warumb diſes vnd jenes Ubel dich uͤberfallen? ſondern ſchreib es deinen Suͤnden zu. Es hat einmahl einer vil Jahr mit groͤſter Treuheit vnd Frombkeit ſeinem Herꝛn gedienet/ vnd war beynebens ein Gottſeeliger Menſch/ vnnd aller Gotts- forcht ergeben. Diſem aber hat eineſt der Herꝛ auß uͤber- maͤſſigen Zorn einen Fuß abgehaut in einem Wald/ vnd alſo elend laſſen ligen/ biß endlich durch ſein groſſes Ge- ſchray/ vnd Weheklagen ein heiliger Eremit/ welcher in derſelben Einoͤde wohnte/ zu ihm kommen/ vnd beſter- maſſen dem armen Tropffen in ſeinem Huͤttl gewartet. Es kont ſich aber der Gottſeelige Einſidler nicht genug- ſamb verwundern/ daß GOtt uͤber diſen ſo H. Menſchen ein ſo groſſes Elend verhengt habe/ vnd wolte ſchier im Zweiffel ſtehen/ als ob GOtt hierinfahls vngerecht ware. GOtt der Allmaͤchtige aber hat ihn bald durch einen Engel vnderrichtet/ daß ſolches Ubel diſem Menſchen gar recht ſeye widerfahren/ dann ob er ſchon dermahlen fromm/ vnd heilig gelebt/ ſo habe er dannoch vor vilen Jahren einmahl auff dem Weeg mit diſem Fuß ſein Mutter vom Wagen herab geſtoſſen. Derenthalben ſey ihm anjetzo diſes Elend widerfahren. Auß welchem dann ſattſamb erhellet/ daß vnſers Elends eintzige Mutter ſeye die Suͤnd: vnſers Un- ſterns eintzige Wurtzel ſeye die Suͤnd. Etliche edleſte Pro- vintzen/ vnd Landſchafften ſeynd in diſen 600. Jahren durch groſſe Kriegs-Empoͤrungen auß Laͤnderen Elender worden/ vnd ligen anjetzo im Aſchen/ vnd ſicht man nichts als einen lautern Aſchermittwoch. Aber glaub du mir/ daß ſie dermahlen einen ſo traurigen Aſcher-Mittwochen ce- lebrieren/ iſt die Urſach/ weilen ſie zuvor ein gar zu luſtige vnd uͤbermuͤthige Faßnacht begangen. Mans. lit. P. fol. 432. War- K k k k

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/santa_judas01_1686
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/santa_judas01_1686/661
Zitationshilfe: Clara, Abraham a Sancta: Judas Der Ertz-Schelm. Bd. 1. Salzburg, 1686, S. 625. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/santa_judas01_1686/661>, abgerufen am 18.04.2024.