Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Savigny, Friedrich Carl von: System des heutigen Römischen Rechts. Bd. 7. Berlin, 1848.

Bild:
<< vorherige Seite

Buch II. Rechtsverhältnisse. Kap. IV. Verletzung.
Legat an sich ungültig (e), folglich die eingestandene Ver-
pflichtung zum Legat unmöglich, woraus also folgt, daß
auch hierin die Unmöglichkeit des Eingestandenen (se debere
legatum)
keinen Unterschied macht. -- In diesem Fall nun
hat eben so, wie in dem vorhergehenden, das Geständniß
die Natur eines Vergleichs, indem der Geständige nur den
einfachen Werth des Legats leistet (f), also die Gefahr der
höheren Verurtheilung von sich abwendet.

Die hier dargestellten Ausnahmen, in welchen das Ge-
ständniß unbedingt, ohne Restitution wegen Irrthums, ver-
pflichten soll, sind für das heutige Recht ganz ohne An-
wendung. Denn es ist unbezweifelt, daß das ganze Rechts-
institut, welches mit dem Ausdruck: lis inficiando crescit
in duplum
bezeichnet wird, als ein einzelnes, höchst positives,
Stück der Römischen Ptrivatstrafen, für unser Recht ver-
schwunden ist. Damit aber müssen auch die erwähnten
Ausnahmen, als bloße Folgen jenes Instituts, nothwendig
wegfallen.



Ich habe es versucht, die in dieser Lehre scheinbar
widersprechenden Stellen des Römischen Rechts zu ver-
einigen. Neuere Schriftsteller haben verschiedene Wege ein-
geschlagen, um zum Ziel einer solchen Vereinigung zu ge-

(e) L. 108 § 10. L. 36 § 3
de leg. 1 (30. un.), § 16 J. de
leg.
(2. 20).
(f) L. 61 in f. ad L. Falc.
(35. 2), L. 71 § 3 de leg. 1
(30. un.).

Buch II. Rechtsverhältniſſe. Kap. IV. Verletzung.
Legat an ſich ungültig (e), folglich die eingeſtandene Ver-
pflichtung zum Legat unmöglich, woraus alſo folgt, daß
auch hierin die Unmöglichkeit des Eingeſtandenen (se debere
legatum)
keinen Unterſchied macht. — In dieſem Fall nun
hat eben ſo, wie in dem vorhergehenden, das Geſtändniß
die Natur eines Vergleichs, indem der Geſtändige nur den
einfachen Werth des Legats leiſtet (f), alſo die Gefahr der
höheren Verurtheilung von ſich abwendet.

Die hier dargeſtellten Ausnahmen, in welchen das Ge-
ſtändniß unbedingt, ohne Reſtitution wegen Irrthums, ver-
pflichten ſoll, ſind für das heutige Recht ganz ohne An-
wendung. Denn es iſt unbezweifelt, daß das ganze Rechts-
inſtitut, welches mit dem Ausdruck: lis inficiando crescit
in duplum
bezeichnet wird, als ein einzelnes, höchſt poſitives,
Stück der Römiſchen Ptrivatſtrafen, für unſer Recht ver-
ſchwunden iſt. Damit aber müſſen auch die erwähnten
Ausnahmen, als bloße Folgen jenes Inſtituts, nothwendig
wegfallen.



Ich habe es verſucht, die in dieſer Lehre ſcheinbar
widerſprechenden Stellen des Römiſchen Rechts zu ver-
einigen. Neuere Schriftſteller haben verſchiedene Wege ein-
geſchlagen, um zum Ziel einer ſolchen Vereinigung zu ge-

(e) L. 108 § 10. L. 36 § 3
de leg. 1 (30. un.), § 16 J. de
leg.
(2. 20).
(f) L. 61 in f. ad L. Falc.
(35. 2), L. 71 § 3 de leg. 1
(30. un.).
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0060" n="38"/><fw place="top" type="header">Buch <hi rendition="#aq">II.</hi> Rechtsverhältni&#x017F;&#x017F;e. Kap. <hi rendition="#aq">IV.</hi> Verletzung.</fw><lb/>
Legat an &#x017F;ich ungültig <note place="foot" n="(e)"><hi rendition="#aq"><hi rendition="#i">L.</hi> 108 § 10. <hi rendition="#i">L.</hi> 36 § 3<lb/><hi rendition="#i">de leg.</hi> 1 (30. <hi rendition="#i">un.</hi>), § 16 <hi rendition="#i">J. de<lb/>
leg.</hi></hi> (2. 20).</note>, folglich die einge&#x017F;tandene Ver-<lb/>
pflichtung zum Legat unmöglich, woraus al&#x017F;o folgt, daß<lb/>
auch hierin die Unmöglichkeit des Einge&#x017F;tandenen <hi rendition="#aq">(se <hi rendition="#i">debere</hi><lb/>
legatum)</hi> keinen Unter&#x017F;chied macht. &#x2014; In die&#x017F;em Fall nun<lb/>
hat eben &#x017F;o, wie in dem vorhergehenden, das Ge&#x017F;tändniß<lb/>
die Natur eines Vergleichs, indem der Ge&#x017F;tändige nur den<lb/>
einfachen Werth des Legats lei&#x017F;tet <note place="foot" n="(f)"><hi rendition="#aq"><hi rendition="#i">L.</hi> 61 <hi rendition="#i">in f. ad L. Falc.</hi><lb/>
(35. 2), <hi rendition="#i">L.</hi> 71 § 3 <hi rendition="#i">de leg.</hi> 1<lb/>
(30. <hi rendition="#i">un.</hi>).</hi></note>, al&#x017F;o die Gefahr der<lb/>
höheren Verurtheilung von &#x017F;ich abwendet.</p><lb/>
            <p>Die hier darge&#x017F;tellten Ausnahmen, in welchen das Ge-<lb/>
&#x017F;tändniß unbedingt, ohne Re&#x017F;titution wegen Irrthums, ver-<lb/>
pflichten &#x017F;oll, &#x017F;ind für das heutige Recht ganz ohne An-<lb/>
wendung. Denn es i&#x017F;t unbezweifelt, daß das ganze Rechts-<lb/>
in&#x017F;titut, welches mit dem Ausdruck: <hi rendition="#aq">lis inficiando crescit<lb/>
in duplum</hi> bezeichnet wird, als ein einzelnes, höch&#x017F;t po&#x017F;itives,<lb/>
Stück der Römi&#x017F;chen Ptrivat&#x017F;trafen, für un&#x017F;er Recht ver-<lb/>
&#x017F;chwunden i&#x017F;t. Damit aber mü&#x017F;&#x017F;en auch die erwähnten<lb/>
Ausnahmen, als bloße Folgen jenes In&#x017F;tituts, nothwendig<lb/>
wegfallen.</p><lb/>
            <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
            <p>Ich habe es ver&#x017F;ucht, die in die&#x017F;er Lehre &#x017F;cheinbar<lb/>
wider&#x017F;prechenden Stellen des Römi&#x017F;chen Rechts zu ver-<lb/>
einigen. Neuere Schrift&#x017F;teller haben ver&#x017F;chiedene Wege ein-<lb/>
ge&#x017F;chlagen, um zum Ziel einer &#x017F;olchen Vereinigung zu ge-<lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[38/0060] Buch II. Rechtsverhältniſſe. Kap. IV. Verletzung. Legat an ſich ungültig (e), folglich die eingeſtandene Ver- pflichtung zum Legat unmöglich, woraus alſo folgt, daß auch hierin die Unmöglichkeit des Eingeſtandenen (se debere legatum) keinen Unterſchied macht. — In dieſem Fall nun hat eben ſo, wie in dem vorhergehenden, das Geſtändniß die Natur eines Vergleichs, indem der Geſtändige nur den einfachen Werth des Legats leiſtet (f), alſo die Gefahr der höheren Verurtheilung von ſich abwendet. Die hier dargeſtellten Ausnahmen, in welchen das Ge- ſtändniß unbedingt, ohne Reſtitution wegen Irrthums, ver- pflichten ſoll, ſind für das heutige Recht ganz ohne An- wendung. Denn es iſt unbezweifelt, daß das ganze Rechts- inſtitut, welches mit dem Ausdruck: lis inficiando crescit in duplum bezeichnet wird, als ein einzelnes, höchſt poſitives, Stück der Römiſchen Ptrivatſtrafen, für unſer Recht ver- ſchwunden iſt. Damit aber müſſen auch die erwähnten Ausnahmen, als bloße Folgen jenes Inſtituts, nothwendig wegfallen. Ich habe es verſucht, die in dieſer Lehre ſcheinbar widerſprechenden Stellen des Römiſchen Rechts zu ver- einigen. Neuere Schriftſteller haben verſchiedene Wege ein- geſchlagen, um zum Ziel einer ſolchen Vereinigung zu ge- (e) L. 108 § 10. L. 36 § 3 de leg. 1 (30. un.), § 16 J. de leg. (2. 20). (f) L. 61 in f. ad L. Falc. (35. 2), L. 71 § 3 de leg. 1 (30. un.).

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/savigny_system07_1848
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/savigny_system07_1848/60
Zitationshilfe: Savigny, Friedrich Carl von: System des heutigen Römischen Rechts. Bd. 7. Berlin, 1848, S. 38. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/savigny_system07_1848/60>, abgerufen am 07.05.2021.