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Spindler, Christian Gotthold: Unschuldige Jugend-Früchte. Leipzig, 1745.

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an Verunglückte.
Bey dem Verlust zwey tausend Thaler,
Bey dem verlogenen Bezahler,
So siehst du nun der Freundschaffts Pflicht.
Drum traue künfftig keinem nicht.
Und dieses ist dir auch zu rathen.
Mich kräncket dein erlittner Schaden,
Dir wünscht die rege Freundschaffts-Brust,
Daß, Freund, den schmertzlichen Verlust
Der Himmel mit sehr viel Ergötzen
Mög doppelt wiederum ersetzen.
Und schlüßlich bleibet es dabey,
Daß ich dein Freund und Diener sey.
Auf einen/ der durch Diebstahl
verunglückt worden.
Vo haben denn verdammte Hände
Dir deine sonst so festen Wände
Jn der nur letzt vergangnen Nacht
Mit ihrem Stahl durchbohrt gemacht,
Und müssen dir, wer folt es glauben,
Dein schön und halb Vermögen rauben.
Die falsch und freche Räuber-Schaar,
So Mord- und Blutbegierig war,
Da sie die Prügel liegen lassen,
Um desto kühner aufzupassen,
Damit, wenn etwa jemand käm,
Man ihm das arme Leben nähm.
Verflucht, verdammt und diebisch Wesen!
So bist du in Gefahr gewesen,
Das Leben hast du zum Gewinn,
Allein das Deine ist dahin.
Freund!
an Verungluͤckte.
Bey dem Verluſt zwey tauſend Thaler,
Bey dem verlogenen Bezahler,
So ſiehſt du nun der Freundſchaffts Pflicht.
Drum traue kuͤnfftig keinem nicht.
Und dieſes iſt dir auch zu rathen.
Mich kraͤncket dein erlittner Schaden,
Dir wuͤnſcht die rege Freundſchaffts-Bruſt,
Daß, Freund, den ſchmertzlichen Verluſt
Der Himmel mit ſehr viel Ergoͤtzen
Moͤg doppelt wiederum erſetzen.
Und ſchluͤßlich bleibet es dabey,
Daß ich dein Freund und Diener ſey.
Auf einen/ der durch Diebſtahl
verungluͤckt worden.
Vo haben denn verdammte Haͤnde
Dir deine ſonſt ſo feſten Waͤnde
Jn der nur letzt vergangnen Nacht
Mit ihrem Stahl durchbohrt gemacht,
Und muͤſſen dir, wer folt es glauben,
Dein ſchoͤn und halb Vermoͤgen rauben.
Die falſch und freche Raͤuber-Schaar,
So Mord- und Blutbegierig war,
Da ſie die Pruͤgel liegen laſſen,
Um deſto kuͤhner aufzupaſſen,
Damit, wenn etwa jemand kaͤm,
Man ihm das arme Leben naͤhm.
Verflucht, verdammt und diebiſch Weſen!
So biſt du in Gefahr geweſen,
Das Leben haſt du zum Gewinn,
Allein das Deine iſt dahin.
Freund!
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[95/0115] an Verungluͤckte. Bey dem Verluſt zwey tauſend Thaler, Bey dem verlogenen Bezahler, So ſiehſt du nun der Freundſchaffts Pflicht. Drum traue kuͤnfftig keinem nicht. Und dieſes iſt dir auch zu rathen. Mich kraͤncket dein erlittner Schaden, Dir wuͤnſcht die rege Freundſchaffts-Bruſt, Daß, Freund, den ſchmertzlichen Verluſt Der Himmel mit ſehr viel Ergoͤtzen Moͤg doppelt wiederum erſetzen. Und ſchluͤßlich bleibet es dabey, Daß ich dein Freund und Diener ſey. Auf einen/ der durch Diebſtahl verungluͤckt worden. Vo haben denn verdammte Haͤnde Dir deine ſonſt ſo feſten Waͤnde Jn der nur letzt vergangnen Nacht Mit ihrem Stahl durchbohrt gemacht, Und muͤſſen dir, wer folt es glauben, Dein ſchoͤn und halb Vermoͤgen rauben. Die falſch und freche Raͤuber-Schaar, So Mord- und Blutbegierig war, Da ſie die Pruͤgel liegen laſſen, Um deſto kuͤhner aufzupaſſen, Damit, wenn etwa jemand kaͤm, Man ihm das arme Leben naͤhm. Verflucht, verdammt und diebiſch Weſen! So biſt du in Gefahr geweſen, Das Leben haſt du zum Gewinn, Allein das Deine iſt dahin. Freund!

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Zitationshilfe: Spindler, Christian Gotthold: Unschuldige Jugend-Früchte. Leipzig, 1745, S. 95. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/spindler_jugendfruechte_1745/115>, abgerufen am 24.09.2021.