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Spindler, Christian Gotthold: Unschuldige Jugend-Früchte. Leipzig, 1745.

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ACTVS I.
SCENA I.
Silvio und Alphonso auf Stühlen
sitzend.
Silvio.
Rück näher her, mein Freund! ich hab dir
schon gesagt,
Was mich vor Angst und Gram in meinem Alter
plagt.
Du kennst mein eigen Kind, du kennst Eleonoren,
Die kan nun, wie es scheint, durch Heyrath sich ver-
thoren,
Drey Freyer geben sich zu dieser Tochter an,
Nun mercke wie michs kränckt, daß ich nicht rathen
kan;
Cardenio schreibt mir, ein Heyraths-Band zu stiften,
Hier ist die eigne Hand, besiehe selbst die Schriften;
Cleander will sie auch; er scheint mir redlich treu.
Alleine Livio ist hitzig, starr und frey,
Er sucht sie recht mit Zwang, mit überstoltzen
Prangen;
Nun rathe, Don Alphons, was dabey anzufangen?
Jch bin ein alter Greiß, mein Fuß steht auf der
Grufft.
Wenn mich des Himmels Macht aus diesem Leben
rufft,
So ist mein Kind verwawst, drum will ich sie ver-
sorgen,
Jch bleib bey dem Entschluß, viel lieber heut als
morgen.
Drum


ACTVS I.
SCENA I.
Silvio und Alphonſo auf Stuͤhlen
ſitzend.
Silvio.
Ruͤck naͤher her, mein Freund! ich hab dir
ſchon geſagt,
Was mich vor Angſt und Gram in meinem Alter
plagt.
Du kennſt mein eigen Kind, du kennſt Eleonoren,
Die kan nun, wie es ſcheint, durch Heyrath ſich ver-
thoren,
Drey Freyer geben ſich zu dieſer Tochter an,
Nun mercke wie michs kraͤnckt, daß ich nicht rathen
kan;
Cardenio ſchreibt mir, ein Heyꝛaths-Band zu ſtiften,
Hier iſt die eigne Hand, beſiehe ſelbſt die Schriften;
Cleander will ſie auch; er ſcheint mir redlich treu.
Alleine Livio iſt hitzig, ſtarr und frey,
Er ſucht ſie recht mit Zwang, mit uͤberſtoltzen
Prangen;
Nun rathe, Don Alphons, was dabey anzufangen?
Jch bin ein alter Greiß, mein Fuß ſteht auf der
Grufft.
Wenn mich des Himmels Macht aus dieſem Leben
rufft,
So iſt mein Kind verwawſt, drum will ich ſie ver-
ſorgen,
Jch bleib bey dem Entſchluß, viel lieber heut als
morgen.
Drum
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[166/0192] ACTVS I. SCENA I. Silvio und Alphonſo auf Stuͤhlen ſitzend. Silvio. Ruͤck naͤher her, mein Freund! ich hab dir ſchon geſagt, Was mich vor Angſt und Gram in meinem Alter plagt. Du kennſt mein eigen Kind, du kennſt Eleonoren, Die kan nun, wie es ſcheint, durch Heyrath ſich ver- thoren, Drey Freyer geben ſich zu dieſer Tochter an, Nun mercke wie michs kraͤnckt, daß ich nicht rathen kan; Cardenio ſchreibt mir, ein Heyꝛaths-Band zu ſtiften, Hier iſt die eigne Hand, beſiehe ſelbſt die Schriften; Cleander will ſie auch; er ſcheint mir redlich treu. Alleine Livio iſt hitzig, ſtarr und frey, Er ſucht ſie recht mit Zwang, mit uͤberſtoltzen Prangen; Nun rathe, Don Alphons, was dabey anzufangen? Jch bin ein alter Greiß, mein Fuß ſteht auf der Grufft. Wenn mich des Himmels Macht aus dieſem Leben rufft, So iſt mein Kind verwawſt, drum will ich ſie ver- ſorgen, Jch bleib bey dem Entſchluß, viel lieber heut als morgen. Drum

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Zitationshilfe: Spindler, Christian Gotthold: Unschuldige Jugend-Früchte. Leipzig, 1745, S. 166. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/spindler_jugendfruechte_1745/192>, abgerufen am 22.04.2021.